Gefährlicher Einsatz
Von: E.Rose
Vorwort
Der Sinn für Gerechtigkeit brachten Kate und Frank vor Jahren zusammen und sie teilten ein ähnliches Schicksal das sie dazu bewog, gemeinsam gegen das Böse auf dieser Welt anzutreten. Ein neuer Auftrag fällt in ihre Hände, der ihr Schicksal besiegeln könnte. Jack Iceman, ein berüchtigter Geschäftsmann der in Südafrika sein Unwesen treibt, soll in einer geheimen Goldmine verschleppte Männer und Kinder zu Schwerstarbeit zwingen, um zu noch mehr Ruhm und Reichtum zu gelangen. Können die beiden ihnen helfen und Iceman endlich das Handwerk legen?
Ein Triller, spannend und aufregend – zur Verfilmung mit der entsprechenden Besetzung frei zu geben…. (KCR / SB )
Frank war jung und schon damals egozentrisch als seine Eltern bei einem Bootsausflug auf tragische Weise tödlich verunglückten. Aufgewachsen als Einzelkind, hatte er auf einmal keine Familie mehr die ihm den täglichen Halt bot; von heute auf morgen verlor er den Boden unter den Füssen; er begann sich öfters grundlos zu raufen, betrank sich oft bis zur Besinnungslosigkeit und nahm später auch Drogen die ihn fast zum Abgrund brachten. Jahrelang dauerte seine Misere bis er erst viele Jahre später wieder auf dem Boden der Realität zurückfinden sollte.
Frank sass wie so oft vor dem Kasten, in der einen Hand ein Glas Whisky und in der anderen die Fernbedienung. Belanglos drückte er von einem Sender auf den nächsten, bis er über eine Dokumentation über die Freilassung einer Gruppe Geiseln, die jahrelang von Guerillas im Südamerikanischen Dschungel festgehalten wurde, stolperte. Die Bilder prägten sich in sein Gedächtnis ein und mit einem Schlag wusste er, was seine Bestimmung sein sollte. Obwohl der Verlust seiner Eltern tiefe Wunden in seiner doch sanften Seele hinterlassen hatten wusste er, dass er sie nie mehr zurückholen konnte aber wenigstens fand er nun endlich einen Weg, etwas für andere tun – endlich hatte er auf einem unendlich langen Umweg seine Berufung gefunden.
Schon am nächsten Tag wies er sich selbst in eine Entzugsanstalt ein und harrte so lange aus, bis er wieder sich selbst sein konnte. Er verbrachte die Tage mit hartem Körpertraining und die schlaflosen Nächte mit Lesen und Weiterbildung, fing an sich für Politkriege zu interessieren und las sämtliche Bücher über Krieg und Frieden, über Herstellung von Munition und Kampfmitteln und deren Einsätze in aktuellen Krisengebieten.
Als Frank entlassen wurde, atmete er neue Luft ein und für ihn begann ein zweites, eigenes, neues Leben; er bewarb sich bei der Army und später intensivierte er seine Ausübung zum Nahkampfspezialisten und der Weiterbildung im Sprengstoffkommando.
Die neunziger Jahre waren angebrochen und Frank liess sich nach Irak versetzten. Als der Krieg schon fast zu Ende war, lernte er im Dorf, wo er zuletzt diente, ein Mädchen namens Mirana kennen. Trotz der harten Kriegsjahre die die beiden jungen, noch unverblühten Leben prägten, verliebten sie sich Hals über Kopf. Die Wochen vergingen und als das Ende seines Einsatzen angesagt war, wollte er mit Miranda nach Kanada gehen um eine neue, gemeinsame Zukunft aufzubauen.
Sie hatten schon alles für die Abreise vorbereitet und verabredeten sich am letzten Abend noch einmal in an dem Ort, wo sie einander das erste Mal begegnet waren. So trafen sie sich in der einzigen Bar in dem kleinen Dorf. Viele Kameraden feierten bereits den vermeintlichen Frieden; junge Einheimische bewirtschafteten die Soldaten und man konnte die neue Freiheit sprichwörtlich fühlen – bis eine Handgranate das fröhliche Treiben jäh unterbrach. Mirana sass zu dem Zeitpunkt an einem kleinen Tisch an der Wand, Frank holte gerade etwas zu Trinken, als die Explosion das kleine Gebäude erschütterte und fast zusammenbrechen liess. Mirana war auf der Stelle tot, Frank überlebte schwer verletzt und wurde von der Army zurück in die Staaten geflogen.
Als er wieder auf den Beinen war und realisiert hatte, was geschehen war, vertiefte er seine Ausbildung und spezialisierte sich auf die Befreiung von Gefangenen. Zuerst auf eigene Faust, später wurde er vom Staat “inkognito” engagiert. Als grössere Projekte anstanden, beschloss er sich einen Partner zu suchen, der in gleicher Weise dachte und handelte. Nach wochenlangem Studium von duzenden von geheimen Dossiers, stolperte er zufällig über Kates Name.
Kate selber befand sich noch im Trainingscamp als Frank sie das erste Mal unter die Lupe nahm. Sie war jung und ehrgeizig, ihre sportlichen Auszeichnungen absolvierte sie innert kürzester Zeit und mit grossartigen Leistungen. Sogar ihre Vorgesetzten waren überzeugt, dass sie die besten Voraussetzungen für einen Topabschluss hatte. Dies alles imponierte Frank und er beschloss, Kate noch während ihrer restlichen Ausbildung zu beobachten um sich von ihrem Können zu überzeugen.
Durch seine früheren Kontakte konnte er im Camp teilnehmen. Offiziell galt er als Inspektor, welches ihm natürlich in sämtlichen Bereichen im und ums Ausbildungszentrum offene Türen bot. Somit konnte er Kate ungehindert und ebenso unauffällige im Camp begleiten, kannte ihre Ausbildungspläne und musste schon bald feststellen, dass sie noch mehr drauf hatte, als die Unterlagen bereits schon anpriesen. Obschon Kate eine kleine, zierliche Person war, hatte sie doch die besten Quoten der Schüler, war though und irgendetwas trieb sie täglich zu noch besseren Höchstleistungen an.
Zuerst nur von ihrem Team belächelt stand schon bald fest, dass sie mehr Ausdauer und Kondition als die meisten ihrer männlichen Mitbewerber hatte. Bei Wind und Wetter strotzte sie ihren Kameraden, nichts konnte ihr in den Weg gelegt werden, kein Hindernis das sie nicht bewältigen konnte. Was ihre Ambitionen für diese harte Ausbildung waren, blieb einzig und alleine ihr Geheimnis.
Frank war oft in Kates Nähe und je mehr er von ihr sah und über sie erfuhr, desto sicherer war er, dass sie seine rechte Hand werden sollte.
Eigentlich hatte er den Platz an seiner Seite von einem Mann besetzen wollen, doch nach wochenlangen Beobachtungen hatten ihn Kates Ehrgeiz und ihre Leistungen schlussendlich überzeugt und sein Entschluss stand fest.
Heute wollte er sich Kate offiziell vorstellen; mit einem prüfenden Blick betrat er das Lokal wo Kate sich einmal pro Woche nach dem Training aufhielt. Er hatte sie bereits an der Bar entdeck und lief langsam in dieselbe Richtung. Musik dröhnte aus den Boxen und die Jungs in grün hatten schon fast alle Plätze belegt, vergnügten sich am Spieltisch bei einer Runde Pool oder sassen am Tresen. Dort sass auch Kate, im hinteren Teil der Bar und auf dem letzten Platz um ihre Ruhe zu haben. Ihr Kopf war über ein kleines Gerät gebeugt, das neben einem Glas Rotwein auf dem Tresen lag.
Frank setzte sich ebenfalls an die Bar auf der gegenüberliegenden Seite, so dass er den ganzen Raum im Auge halten konnte. Neugierige Blicke folgten ihm; Frank trug nicht mehr die Uniform, in der man ihm die letzten paar Wochen begegnet war sondern trug Zivilkleidung. Dies war eher selten in dieser Region und man munkelte einmal mehr, wer er eigentlich war. Stillschweigend und unbeeindruckt vom Getuschel beobachtete er das Geschehen, bestellte sich ein Bier und liess seine Blicke erneut im Raum kreisen. Der Geruch von Rauch und Schnaps drang in seine Nase und für einen Moment war er geneigt, eine Zigarette anzuzünden. Sein Blick viel auf Kate und überraschenderweise musste er zugeben, dass sie in ihrer Ausgangsuniform noch jünger aussah, als auf den Fotos. Mit ihren gerade Achtundzwanzig war sie glatte 7 Jahre jünger als er selber und für einen Moment überlegte er, ob sie sein Vorhaben wirklich auch durchstehen könnte.
Als ob Kate seine Gedanken spürte, hob sie einen Moment den Kopf und ihre Blicke trafen sich, verharrten im Bruchteil von Sekunden, bevor sie sich erneut ihrem Gerät widmete. Auch Frank liess seine Augen wieder durch den Raum wandern und nahm alles auf, was rundherum geschah. Seine volle Aufmerksamkeit galt nun einer Gruppe angetrunkenen Soldaten die offenbar ein Auge auf Kate geworfen hatten. Einer schubste den andern an und wie voraus zu sehen war, waren sie schon auf den Weg zu ihr und liefen angeheitert durch den Raum. Kate hatte das ganze Szenario bereits mitbekommen und liess sich nichts anmerken. Als die Jungs bei ihr angelangt waren, fielen ein Paar dumme Sprüche, doch Kate liess sich nicht beirren und tippte ungehindert auf ihrem Gerät herum. Die Jungs liessen nicht locker und als einer sich mit seinem Kopf so nahe zu ihr beugte, dass sie seinen unangenehmen verrauchten und übel riechenden Atem spürte, zischte sie ihn zuerst mit einem freundlichen “verschwinde” bis zu einem “Verpiss Dich” an. Doch ungehindert ihrer Antwort, schien nun auch die Gruppe Spass an ihrem Verhalten zu haben und als einer Kate an der Schulter antippt und ihre etwas ins Ohr flüstert, packte sie zuerst ganz gemütlich das Gerät weg, trank einen Schluck aus ihrem Glas, drehte sich ganz langsam zu diesem Typ um, „lächelte“ ihn mit zugekniffenen Augen an, packte seine Hose im Schritt und drückte ganz kräftig zu. Innert Sekunden ging dieser junge ungehobelte Typ mit hochrotem Kopf in die Knie und schnappte nur noch nach Luft! Dies alles passierte so überraschenderweise und schnell, dass die anderen gar nicht eingreifen konnten. Erst als der Vorlauteste von allen zu einem erneuten Einsatz ausholt und sie anpöbelt, versetzte Kate ihm mit einem Schlag ins Gesicht und somit ausser Gefecht, dass dieser schlussendlich bei seinem Kumpel auf dem Boden liegen blieb. Mit diesem Rückschlag hatten die Jungs wirklich nicht gerechnet und unweigerlich traten nun auch die anderen einen Schritt zurück; Kate stand noch immer in Abwehrstellung vor ihnen, doch sie mussten nun gemerkt haben, dass von Kate nichts zu kriegen war. Sie entschuldigten sich, packten ihre noch immer am Boden liegenden Kameraden und zogen sich an ihren alten Tisch zurück. Als ob nichts geschehen wäre, packte Kate ihre Sachen und lief Richtung Ausgang. Diese Situation hatte sie schon so oft angetroffen und bis anhin hatte sie noch nie in dieser Art eingreifen müssen, aber heute war es nötig. Kate wurde oft in ihren Handlungen unterschätz – und nicht bloss weil sie eine Frau war.
Frank hatte die ganze Vorstellung beobachtet und nun folgte er ihr auf den Parkplatz. Kate kannte sein Gesicht; sie waren sich zwar im Camp einige Male über den Weg gelaufen und hatten sich auch offiziell begrüsst, doch wussten weder Kate noch ihre Kumpels genau, wer oder was Frank wirklich hier tat oder verkörperte. Es wurde viel gemunkelt, aber genaueres war auch nicht bekannt. Eben genau nach Franks Geschmack…
Was auch immer er hier tat, offensichtlich war er nun hinter ihr her. Langsam ging sie zu ihrem Auto und schloss die Fahrertüre auf, immer noch gefasst auf alles. Sie wusste, dass Frank hinter ihr her lief – seine Schritte waren unüberhörbar. Kate war gefasst auf einen neuen Angriff; ihre Sinne waren auf Alarm gestellt und als sie bereit zum einsteigen war, wollte sie sich ihrem vermeintlichen Widersacher stellen.
Sie drehte sie sich so rasch um und machte eine offensichtliche Gestik zur nächsten Verteidigung, dass selbst Frank über ihre Schnelligkeit verblüfft war. Sie blickte direkt in seine Augen, ihre Arme noch immer in Verteidigungsstellung und mit harscher Stimme fragte sie Frank, was er eigentlich von ihr wollte. Frank schüttelte anerkennend den Kopf und in einem ruhigen Ton antwortete er:
“Was tust Du für Gerechtigkeit?” und Kate antwortete ohne zu zögern:
“Alles!”
Frank nickte – er hatte die Richtige gefunden und mit diesen Worten begann eine langjährige, unzertrennbare und wertvolle Freundschaft.
Kate kehrte nach ein paar Wochen in ihre Wohnung in Boston zurück. Das Training hatte sie mit Bravour und tatsächlich als eine der Besten bestanden. Mit Frank hatte sie bis dahin keinen Kontakt mehr. Obwohl sie im Internet nach eventuellen Informationen von ihm suchte, hatte sie zu wenige Anhaltspunkte um irgendetwas raus zu finden. Das einzige was er ihr damals auf dem Parkplatz sagte, war, dass sie von ihm hören würde. Und das tat sie – sie war gerade erst ein paar Tage zu Hause und kam gerade vom Einkaufen zurück. Bepackt mit zwei grossen braunen Tüten, schloss sie ihre Wohnungstüre auf und fand auf dem Boden der Eingangshalle einen grossen Umschlag. Offensichtlich hatte ihn jemand unter der Türe durchgeschoben, als sie kurz weg war. Kate stellte die Tüten in der Küche ab und öffnete neugierig das braune Couvert. Darin kamen Unterlagen, Fotos und einige Zeitungsberichte mit der Aufschrift
„Kidnapping – ist der Sohn von James Milwalk noch am Leben?“
zum Vorschein. Umgehend machte sie sich an die Arbeit und nachdem sie die Papiere gelesen und studiert hatte, setzte sie sich an ihren Computer und begann nach weitern Informationen zu diesem Fall im Internet zu suchen.
Sie fand heraus, dass Jimmy, der Sohn des Grossindustriellen James Milwalk aus Chicago bereits vor 10 Tagen entführt wurde. Wie üblich sollte die Polizei nicht eingeschaltet werden, also wurde das Lösegeld bereits an die Kidnapper bezahlt, doch der Junge wurde nicht frei gelassen. Das einzige was die Eltern wussten, war, dass ihr Sohn irgendwo im Wald in einem kleinen Loch im Boden eingegraben war und nun dort sterben sollte. Verzweifelt wendeten sich die Eltern schlussendlich an Polizei und FBI und somit hatte die Presse nun auch Wind bekommen. Erst recht wurde die Zeit nun knapp und es galt rasch zu handeln.
Trotz einer gross angelegten Suchaktion und mit Hilfe eines riesigen Militäraufgebotes konnten das Versteck nicht gefunden werden und die Kidnapper befanden sich schon längst auf der Flucht. Die letzte Hoffnung, Jimmy lebend zu finden, war Frank. Ein Insider der Einsatzzentrale der Militärspezialeinheit hatte mit ihm Kontakt aufgenommen um sich der Sache anzunehmen. Dies war der Einstieg für Frank und Kate als zukünftiges Team und die beiden fanden dank ihren Ausbildungen das Versteck in praktisch letzter Minute und konnten Jimmy retten noch bevor der Sauerstoff in dem kleinen Loch zu Ende ging.
Kate’s zusätzliche Ausbildungen im Computerbereich liessen es zu, dass sie sich schon bald in Kreditkarteninstitute und öffentlichen Diensten einhacken und somit die Entführer ausfindig machen konnte. Es war nur noch eine Frage der Zeit um die Kerle dingfest zu machen und schlussendlich durften Kate und Frank ihren ersten gemeinsamen Erfolg begiessen.
Die Aufträge selbst suchten sich die beiden per Internet, aus Zeitungsartikeln oder wurden eben durch die Behörde engagiert, wo Frank noch immer einige gute, vertrauenswürdige und natürlich auch geheime Kontakte pflegte.
Der Ablauf der Fälle lief immer gleich ab; um die Sicherheit von Frank und Kate zu gewährleisten, arbeiteten beide stets inkognito, reisten getrennt und unter falschen Namen. Die Pässe dazu wurden ihnen von den entsprechenden Behörten gefertigt.
Die Aufgaben selber waren strikte getrennt; Frank war zuständig um die Gegenden auszukundschaften und nötiges Material zur Befreiung zu beschaffen und einzusetzen. Kate war im Bereich der Elektronik ein Genie, konnte mit Computertechniken und Geräten hervorragen umgehen und war ein Profi im Programmieren.
Wenn sie sich sprechen mussten, hinterliessen sie eine verschlüsselte Nachricht auf dem jeweiligen Handy, trafen sich entweder an öffentlichen Orten oder wählten unbewohnte Gebäude.
Einmal alle nötigen Informationen zum entsprechenden Fall zusammengetragen, trafen sie sich kurz vor der Ausführung um die letzten Details zu besprechen. Dann wurde der Auftrag ausgeführt und ihre Wege trennten sich noch vor Ort wieder.
Für die Bezahlung reisten sie jeweils in ein anderes Land wo sie wieder unter falschem Namen in einem Hotel einzelne Zimmer reservierten. Ihre Einsätze wurden mit Rohdiamanten beglichen, die Frank vom jeweiligen Auftraggeber ausgehändigt wurde. Er wiederum übergab den Anteil an Kate in einer fast zeremoniellen Art im Hotelzimmer. Danach trennten sich ihre Wege wieder bis zum nächsten Auftrag. Man sollte die beiden nie zu lange zusammen sehen um eine eventuelle Verbindung zwischen den beiden zu vermeiden.
Zwischen den jeweiligen Aufgaben konnten Wochen, ja sogar Monate vergehen. Dazwischen blieb beiden überlassen, wie sie die Zeit überbrückten. Beide hatten kein Interesse oder keine Zeit für eine neue Beziehung; das Training und die Weiterbildungen standen steht’s im Vordergrund.
Einige Jahre später, sie hatten bereits viele erfolgreiche Aufträge erledigt, schnappte Kate einen Artikel über Jack Iceman auf. Im neuesten Bericht nun kurierte einmal mehr das Gerücht, dass er zu weiteren Vorbereitungen und zur Erweiterung seiner Goldmine nebst den offiziellen Angestellten die in der Grube arbeiteten, illegal Personal beschaffen liess. Angestellte von Iceman hätten weit ausserhalb gelegene Dörfer überfallen; Männer und sogar Kinder sollen entführt, gefesselt und teilweise während langen Fahrten und auf schäbigen LKWs durch die Gegend gefahren um sie schlussendlich in die neuen unterirdischen Goldminen gesteckt zu haben. Dort hätten sie Schwerstarbeit verrichten müssen – dies tagelang ohne richtige Verpflegung oder genügend langen Pausen oder gar Schlaf. Als Gegenleistung galt ihr Leben – ein entrinnen war nicht möglich. Wer sich weigerte oder krank oder schwach wurde, wurde hemmungslos ausgepeitscht bis er nicht mehr aufstehen konnte.
Obwohl all diese Informationen nur auf einem Gerücht basierten, fand er bei Kate doch hohes Interesse und sie versuchte mehr über Iceman herauszufinden. Aus älteren Zeitungsarchiven fand sie die entsprechenden Bestätigungen; gegen Aussen galt Iceman als grosszügiger Spender für gemeinnützige Organisationen, wo er als charmanter und freundlicher Geschäftsmann auftrat, jedoch aus weiteren Artikeln fand Kate schon bald heraus, dass der gut aussehende ältere Herr das pure Gegenteil dessen war, was er bei Festen und Anlässen repräsentierte.
Insidern war Iceman bekannt als unbarmherziger Geschäftsmann; eingewandert aus Amerika waren Reichtum und Luxus sein Ehrgeiz und er schien über Leichen zu gehen. Die Behörden soll er schmieren, damit er sein Tun aufrechterhalten und ausschöpfen konnte. Iceman galt in der Geschäftswelt als brutal und kaltblütig und ihm war egal, was man von ihm dachte, solange man ihm nicht in die Quere kam. Tanzte jemand nicht nach seiner Pfeife oder kam ihm zu nah, liess er ihn einfach “verschwinden”. Ohne jeden Skrupel erhaben, wirtschaftete er sich in Südafrika ganz nach oben und war beim Staat ein angesehener Mann und Geldgeber. Seine dunklen Machenschaften wie Schmuggel und gar Menschenhandel tarnte er durch seine offizielle Goldmine.
Obwohl sich die vielen Anschuldigungen mit der Zeit erschwerten, beweisen konnte bis anhin noch nie jemand etwas, und war mal jemand nah dran, wurde diese Person auf nimmer wieder sehen verabschiedet.
Kate hinterliess eine Nachricht auf Franks Handy und noch am gleichen Abend trafen sie sich irgendwo ausserhalb der Stadt. Nachdem sie den Artikel und die weiteren von Kate gefundenen Informationen besprochen hatten, beschlossen sie, gemeinsam den wirklichen Tatsachen auf den Grund gehen.
Es dauerte kaum eine Woche und die beiden befanden sich bereits in Südafrika wo sie in der Nähe der besagten Firma Unterschlupf fanden. Schon am darauf folgenden Tag begab sich Frank bereits das erste Mal nachts zu den Gruben und bekam einen ersten Überblick vom ganzen Gelände. Die Nacht war klar und der Vollmond gab ein breites Spektrum an Licht ab. Frank lag bäuchlings auf einem der vielen Sandhügel und beobachtete mit einem Nachtsichtgerät das Treiben rund um das kleine aber moderne Haupt- sowie das Nebengebäude und einer Lagerhalle.
Das ganze Areal war wie ein Hochsicherheitstrakt abgeriegelt, Stacheldrahtzaun und elektrische Bewegungsmelder mit Kameras bewachten die Gebäude und Umgebung. Ebenfalls schienen alle drei Gebäude vernetzt zu sein und so wie es aussah, war kein Rein- oder Rauskommen ohne Meldung an die Hauptzentrale möglich. Das Haupttor war mit einem Sicherheitscode versehen, und nur ausgewiesene Fahrer durften mit ihren Lastwagen das hell beleuchtete Gelände befahren. Überall war Wachpersonal in Uniform und mit Gewehren bewaffnet im Einsatz. Für eine Goldmine dieser Grösse war die Überwachung sehr auffällig – als Insider musste man annehmen, dass da noch mehr dahinter steckte als das, was offiziell bekannt war.
Die hellen Lichter die weiter nördlich unübersehbar die Nacht zum Tag werden liessen, gehörten offenbar zur Grube. Dort wollte Frank später hin. Er machte fortlaufend und von allem Fotos die er gleich per Satellit an Kate sendete, die bereits auf die Bilder wartete. Kate selbst befand sich in ihrem Hotelzimmer; sie sass vor dem Laptop, ein Hörgerät steckte in ihrem Ohr mit dem sie per Funk mit Frank verbunden war und wartete auf Informationen. Sie als PC Profi konnte diese umgehend auswerteten, vermessen und entsprechende erste Pläne erstellen die sie für ihre Aufgabe brauchten.
Frank schlich sich ein paar hundert Meter weiter nördlich vom Hauptgebäude weg. Dahinter lag das angrenzende grosse, staubige Feld mit einem riesigen Krater wo die Erde abgetragen wurde. Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein – ausser den haushohen, überragenden Flutlichtern war nichts modernes zu sehen; Iceman war trotz allem ein geiziger Mensch und hier wurde noch harte Handarbeit geleistet. Überall waren Einheimische junge und ältere Männer im Einsatz, spärlich bekleidet, mager und teilweise war ihnen auch die Schwäche merklich anzusehen. Man wusste, dass Iceman diese Leute hart arbeiten liess und sie schäbig bezahlte. Doch sie waren angewiesen auf die paar Cents, die sie pro Tag verdienten um ihre Familien am Leben zu erhalten. Die Gegend hier war karg und rau und für diejenigen die hier aufwuchsen und leben mussten, war jeder Tag ein einziger Überlebenskampf. Die meisten waren arme Bauern die sich mit ihren paar Rindern und Ziegen die wüstenähnliche Gegend bewirtschafteten und von deren Fleisch und Milch lebten. So arbeiteten die Männer in der Grube und die Frauen blieben zu Hause und bestellten die Felder, machten Essen und passten auf die Kinder auf. Sie alle waren auf Lebensmittel und Getreide von ausserhalb angewiesen, das sie teuer bezahlen mussten. Natürlich hatte Iceman auch hier die Hände im Spiel und wie so oft liess er die Preise ansteigen, so dass sie Leute noch härter, länger aber immer zum gleichen Lohn zur Arbeit gezwungen wurden.
Frank schlich weiter und schon von weitem konnte man das Hämmern und Schlagen der Gruben hören, hie und da stiegen kleine Staubwolken aus dem Krater auf. Endlich hatte er einen günstigen Platz gefunden, von wo er den genauen Überblick auf die Grube hatte. Er folgte mit seinem Fernglas zuerst einer Gruppe Arbeiter, die Ihre mit Erde gefüllten Eimer in die vorbeifahrenden kleinen Waggons auf Schienen ausleerten und gleich wieder Platz für die nächsten Arbeiter machten und wieder in die Gruben zurückkehrten. Franks Augen folgten den Waggons, die elektronisch gesteuert und auf Schienen zu einer Wasserstelle fuhren, dort ausgeleert wurden und die sich in einer anschliessenden Rückfahrt wieder zur Grube bewegten. Dort wo die Waggons geleert wurden, stürzten sich sogleich wieder etliche Einheimische auf die braunen Mengen und begannen in grosser Eile, die Erde zu verlesen und in kleine Holzkanäle zu schütten, wo sie dem Reinigungsprozess unterzogen wurden. In einem weiteren Schritt kamen dann das Aussieben und die mühselige Suche nach dem Gold. Da dieser Prozess am besten am Tageslicht zu bewerkstelligen war, wurden auch hier riesige Flutlichter aufgestellt, die das ganze Feld fast tagähnlich erhellten Auch hier waren Männer aus den Dörfern beschäftigt, die offiziell deklariert und beim Staat angemeldet waren. Dies war einer der Gründe, warum Kate und Frank hier in diesem Bereich nichts für die Männer tun konnten.
Frank beobachtete das Gelände erneut und mit seinen geschulten Augen konnte er vage erkennen, dass sich da im Untergrund noch mehr abspielte als von seinem Standpunkt aus zu sehen war. Wieder blickte er durch das Fernglas und diesmal meinte er sogar Frauen bei der Arbeit zu sehen. Eingeschüchtert und ängstlich waren sie alle und doch die Hektik liess ihre Ängste versiegeln… Wieder machte er Bilder und schickte diese an Kate zur Auswertung.
Die kommenden Nächte verharrte Frank stundenlang, machte wieder unzählige Fotos, notierte wichtige Vorkommnisse, schrieb die Schichtwechsel auf, zählte Personal und Angestellte, zeichnete die Positionen der Kameras auf und schlich sich schlussendlich bei Sonnenaufgang wieder vom Geschehnis. Dies machte er so lange, bis er den exakten Ablauf der Nachtarbeiter und der Schichtablösung kannte.
Der nächste Einsatz sollte für Frank bei Tageslicht stattfinden. Diesmal musste er besonders vorsichtig sein, denn anscheinend hatte Iceman auch Wachpersonal mit Hunden eingesetzt, die das Gelände ausserhalb der Abzäunung sporadisch durchquerten. Frank war natürlich auch auf diese Situation eingestellt und konnte unerkannt seinen Aufgaben nachkommen.
Schon nach einigen Tagen traf er sich mit Kate in einem verlassenen alten Lagerhaus und zusammen werteten die Pläne aus. Mit den Fotos hatte Kate einen perfekten Grundplan erstellt und die entsprechenden Positionen eingetragen. Das Ausmessen ergab, dass sich unterirdisch noch Gänge befinden mussten, auch die zusätzlichen, getarnten Luftschächte hatten konnten Franks geschulten Augen nicht entrinnen - und sie waren sicher, dass der Zeitungsartikel der Wahrheit entsprach und dass dort unten, tief in der Erde die anderen, verschleppten Einheimischen untergebracht wurden, die sie nun befreiten wollten. Aber ein Eindringen in die Mine von Aussen schien fast unmöglich zu sein; obwohl die Arbeiter und das Wachpersonal nachts reduziert waren, es waren es noch immer zu viele Leute für Kate und Frank als Zweierteam. Ein anderer Plan musste her und sie beschlossen, entgegen ihren allgemeinen und langjährigen Regeln, die Sache - ausnahmsweise – und nur dies eine Mal- zusammen in Angriff zu nehmen und ein zusätzliches zweier Team aus Franks ehemaliger Spezialeinheit zu involvieren.
Kurz darauf liess sich Frank als Sicherheitsberater anheuern, indem er einen fungierten Einbruch vortäuschte und sogar Iceman davon überzeugen konnte, dass sein altes, bewährtes System Lücken aufwies. Ein paar Tage später folgte Kate, die als speziell ausgebildete IS-Fachfrau angeworben und für eben das neue Hochsicherheitssystem durch Frank empfohlen wurde und auf diesem Weg ebenfalls unauffällig eingeschleust werden konnte.
Kate wurde gleich fest engagiert und fand so Zutritt zu den meisten Räumen. Allerdings sollte sie keinem Zutritt zu den verbotenen Zonen erhalten – dies waren vor allem die Lokalitäten ausserhalb des Hauptgebäudes und natürlich die unterirdischen Gänge, die es offiziell gar nicht gab. Für Kate als Computerprofi war dies allerdings kein Thema. Schnell konnte sie sich in Systeme der verschiedenen Überwachungskameras einhacken und hatte schon bald einen perfekten Überblick über die ganze Anlage über und unter dem Boden. Und mit den Bildern die sich Kate von den Arbeitern in den Gängen bot, hatte sie endlich die Bestätigung ihrer Vermutung und konnte zudem auch genug Beweise gegen Iceman sammeln.
Nach wochenlangem weiterem Auskundschaften hatte Frank schliesslich einen Weg gefunden und sich Zugang zu den alten Aufzügen in der Nähe der aktuellen Minengrabungen durch den Luftschacht beschafft. Zwar war die Umgebung ausserhalb der zugelassenen Zonen strengstens abgeriegelt, aber für Frank dennoch kein Problem. Er leistete Nachtarbeit und konnte oft von seiner Arbeit verschwinden um das Umfeld innerhalb der Abzäunung abzutasten und um erste Vorbereitungen zu treffen. Kate fingierte die Kameras in den entsprechenden Abteilungen und auf dem Grundstück, damit beide freies Feld für ihre Installationen hatten - und niemand ahnte etwas von ihrem Auftrag.
In der Zwischenzeit sammelten sie noch weitere Beweise um gegen Iceman und seine Organisation endgültig vorgehen zu können. Hatten sie einmal alle Unterlagen zusammen, so wurden diese zusammen mit Fotos an den Kontaktmann des FBI geschickt welcher die Informationen der entsprechenden Behörde weiterreichte und somit Iceman zu gegebener Zeit auffliegen lassen konnte.
Aber zuerst galt die Befreiung der Gefangenen. Hierzu mussten sie noch die letzten Informationen für ihre Situations-, Schicht- und Personalpläne zusammentragen, damit ihr Einsatz tadellos und ohne menschliche Verluste gelingen konnte. Dies war nicht immer einfach und ebenfalls mit grossen Risiken verbunden. Beide konnten jeden Tag, jede Stunde, jede Minute auffliegen, trotzdem schafften sie es, ihre Vorbereitungen endgültig fertig zu stellen.
Der Plan sah so aus, dass Frank Dynamitstangen so angelegen würde, dass zuerst die befreiten Mitarbeiter von den unterirdischen Gängen durch den ausgedienten Lift an die Oberfläche transportiert werden sollten. Dort würden sie von einem kleinen Team, das ebenfalls von Frank zusammengestellt wurde, in Empfang genommen, in die wartenden LKWs gebracht und an einen geheimen Ort gefahren werden, damit sie später zu ihren Familien zurück kehren können. Erst wenn alle in Sicherheit waren, sollten die Minen auch auf der Oberfläche hochgehen um eine Verfolgung unmöglich zu machen. Gleichzeitig sollte auch die Halle zusammen mit den restlichen Gängen zu den unterirdischen Minen explodieren um eine weitere Schöpfung von Gold unmöglich zu machen. Um das Wachpersonal in den Minen ausser Gefecht setzen zu könnten, beschaffte Frank für sich und Kate Spezialgewehre die mit Betäubungsmunition geladen war. Notfalls würde sie auch zu härteren Waffen greifen – dass einige von Icemans Leuten drauf gehen würden, war wohl unvermeidlich. Aber eine andere Möglichkeit gab es einfach nicht. Die ganze Befreiungskampagne war kein leichtes Unterfangen und Kate und Frank waren sich auch ihres Risikos bewusst – wie oft hatten sie ihr eigenes Leben für andere riskiert und bis anhin hatten sie dank ihren Topvorbereitungen und ihren Ausbildungen alles bewerkstelligen können. Okay, hier mal eine Wunde, dort mal eine Narbe – bis anhin hatten sie diesbezüglich mit ihren Widersachern Glück gehabt und sind körperlich eher glimpflich weggekommen. Und dies konnte jederzeit ändern. Schliesslich waren sie schon lange im Geschäft und obwohl noch immer Topfit – ewig würden sie diesen Job nicht ausführen….
Am Tag vor dem grossen Ereignis trafen sich Kate und Frank wie immer ein letztes Mal an einem geheimen Ort. Zusammen besprachen sie nochmals die exakten Details, prüften den Grundplan, checkten nochmals den Schichtplan und die restlichen Waffen, die sie noch mitnehmen mussten.
Um die Leute zu befreien und die Minen hochgehen zu lassen, benötigten sie etliche Sprengsätze und Fluchtmaterial. Dies war wie üblich Franks Job und er hatte schon etliches Material in die Firma schmuggeln können. Kate selber war auch diesmal für die elektronische Sicherung zuständig: sie musste den Fluchtweg mit einem improvisierten Steuergerät im ausgedienten Liftschacht bewältigen, das sie unauffällig hatte montieren können. Ausserdem sollten die Überwachungskameras fingiert werden, damit sie ungesehen handeln konnte.
Wenn sich die Gelegenheit ergab, machten sich Kate wieder an die letzten Vorbereitungen, installierten Geräte, änderte das Überwachungsprogramm oder legten ein geheimes Depot für ihre Waffen und Munition an. Hierzu benötigten beide Zeit und vor allem keine Zuschauer. Die ganze Sache war aufwendiger als sie zuerst annahmen – durch die vielen unterirdischen Gänge und die stillgelegten Minenstrukturen erschwerten sich ihre Arbeiten und immer wieder fand sie Ecken und Winkel der Minen, die sie nachträglich auf dem Plan eintragen musste. Auch hatten sie sich durch Franks Kontakte beim FBI Luftaufnahmen vom Gelände beschaffen können; erst dadurch war das eigentliche Ausmass vom ganzen Gelände ersichtlich – und es war riesig! Ausserdem brauchten sie die Aussenaufnahmen, um einen sicheren Fluchtweg zu eruieren; es musste an alles gedacht werden – Fehler konnten sie sich nicht leisten!
Kate und Frank gingen zur Arbeit wie immer. Sie mussten noch die letzten Vorkehrungen innerhalb des Gebäudes treffen und dafür hatten sie nur wenig Zeit. Beide hatten sich heute für Spätschicht eintragen lassen und der Arbeitsablauf sollte wie geplant stattfinden. Sie würden nachts zuschlagen, wenn weniger Beschäftigte und vor allem weniger Wachpersonal vorhanden war.
Kate verabschiedete sich nach getaner Arbeit wie immer von ihren Mitarbeitern und verschwand in der Umkleidekabine. Dort holte sie ihre Sporttasche, die sie als Tarnung die letzten Wochen täglich mitgenommen hatte, die aber nun ihr Werkzeug, die elektronischen Geräte und ihre Kampfbekleidung enthielt. Kate bestieg den Lift - sie konnte es so einrichten, dass sie alleine nach unten fuhr und statt beim offiziellen Ausgang auszusteigen, fuhr der Lift weiter bis in die unterste Etage. Dies war eine der verbotenen Zonen und nur mit Sicherheitscode zugängig, doch Kate schaffte es währen der Fahrt, die Kombination umzuändern so dass sie Zugang zu allen Etagen hatte.
Als sie ausstieg, blickte sie sich vorsichtig um. Sie hatte ein ausgeprägtes, fotografisches Gedächtnis und kannte die inzwischen kopierten Grundpläne in und auswendig. Sie wusste, wann Schichtwechsel war und dass für einige Minuten kein Sicherheitsposten beim Lift stehen würde. Die Kameras hatte sie mit zwei Zeitkombinationen programmiert, so dass sie kurz hinter einander auf Standbild schalten würden und damit kein Verdacht entstehen konnte, würden sie kurz vor Schichtwechsel kurz eingeschaltet werden. Sie wusste, dass teilweise die Mitarbeiter von Iceman verschiedene unter einander vereinbarte Handzeichen verabreichen, um dem Kontrollraum ein Signal für ihren Einsatz zu geben. Allerdings hatte Kate keine Zeit mehr, Aufnahmen von all den Schichtleuten zu machen, um diese dann in das vorprogrammierte Bildprogramm aufzunehmen. Also war es einfacher, die Kamera kurz auf „Live-Aufnahme“ und dann wieder auf „Standbild“ umzustellen.
Wieder blickte sich Kate um und kontrollierte die Zeit an ihrem Handgelenk; gleich würde die Kamera auf Standbild einschalten. Dies verhalf ihr zum Umziehen und Vordringen in die alten Gänge. Das zweite Standbild war auf 20 Minuten eingeschaltet; dies sollte genügend Zeit sein, damit die Gefangen ungesehen aus der Grube geholt werden können. Für beide Aktionen musste minutiös gearbeitet werden – ansonsten….
Kate wartete noch einen Moment um sicher zu gehen, dass die Kamera wirklich umgeschaltet hatte und gleich darauf suchte sich eine Nische und zog ihren Kampfanzug mit Zubehör an, verschmierte sich ihr Gesicht und Haare bis fast zur Unkenntlichkeit. Erst dann setzte sie sich den Ohrhörer zur Sprechfunkanlage auf und schaltete diesen ein.
„Frank – kannst Du mich hören?“ Leise vernahm sie die Geräusche im Ohr und gleich darauf meldete er sich mit einem kurzen
„Alles klar!“
Alles lief bis anhin nach Plan und Kate packte das inzwischen zusammen geschraubte und geladene Gewehr und machte sich auf dem Weg zum Ende des karg beleuchteten Ganges. Schon von weitem konnte man das Hämmern und Klopfen von den Arbeitern hören, die die Minen Schicht um Schicht abtrugen um Iceman wieder zu neuem Reichtum zu verhelfen. Aus weiter Ferne hörte sie auch die kleinen Waggons, die auf Schienen an die Erdoberfläche zur Weiterverarbeitung transportiert wurden. Diese Geleise verliefen unterirdisch in die bestehende Mine und wurden dann zusammen mit den anderen Waggons unauffällig mittransportiert.
Kate roch die trockene und sandige Luft, denen die Arbeiter täglich 24 Stunden und 7 Tage die Woche ausgesetzt waren. Bei genauerem Hinhören konnte sie weinende Kinder ausmachen – eine Bestätigung mehr für Icemans unmenschliches Tun. Wie ein eiskalter Wasserstrahl lief es Kate über den Rücken. Der Gedanke an die Einheimischen und vor allem an die Alten und Kinder die teilweise schon seit Jahren hier waren, liess selbst die abgebrühte Kate nicht kalt. Aber sie hatte jetzt keine Zeit zum Nachdenken – es galt, diesem unwürdigen Schicksal endlich ein Ende zu setzen!
Kate folgte dem Gang bis aus den Betonwänden barer Fels zum Vorschein kam. Die Geräusche wurden immer lauter und schon bald erreichte sie den Luftschacht wo sie bereits von Frank mit einem nicken erwartete wurde. Auch er war in gewohnter Kampfmontur und bewaffnet bis an die Zähne – vorbereitet auf einfach alles. Während sich Kate noch auf dem Weg zu ihm befand, konnte sie hören, dass er bereits per Funk die beiden Fahrer kontaktierte, die oben auf die Gruppe warteten.
Auf der Erdoberfläche fanden ebenfalls Vorbereitungen von Franks kleinem Extrateam statt. Vor einigen Tagen hatte Frank mit einem seiner alten Kumpels Kontakt aufgenommen und ihn um Hilfe für dieses Projekt gebeten. Er brauchte zwei Fahrer die im Dunkeln der Nacht die beiden LKWs fahren konnten.
Unbemerkt näherten sie sich zu Fuss der Abzäunung und obwohl diese mit Sicherheitsdraht, Elektronik und Kameras ausgestattet waren, Kate hatte auch hier eine Überbrückung eingebaut, die alles lahm legen konnte um den Männern ungehindert Zutritt zum Gelände zu verschaffen. Mit riesigen Schneidezangen durchtrennten sie den inzwischen ungeladenen Zaun und kehrten wieder zu den Fahrzeugen zurück. Der Plan war so durchdacht, dass die Männer genügend Zeit für die Vorbereitungen hatten und nun warteten sie im Dunkeln in der Nähe der unauffälligen Öffnung auf ihren Einsatz. Der Zeitpunkt für den totalen Lichtausfall war nur noch Minuten entfernt um mit den Fahrzeugen direkt zum Lift zu fahren und die Gruppe dann in Empfang nehmen zu können.
Kate und Frank warfen sich einen Blick zu und liefen sie zum alten Zufluchtsgang. Dieser diente den Arbeitern bei Sprengungen zum Schutz, wurde aber schon vor langem still gelegt, als die Gänge schon viel weiter hinten ausgehoben wurden. Die beiden passierten den Gang und ein Stück weiter hinten kamen sie zum ursprünglichen Aufzug der vor Jahren gebaut wurde, als hier das erste Mal Gold entdeckt wurde. Dieser Lift war alt und begann zu rosten und man konnte gut sehen, dass er seit langem nicht mehr benützt worden war. Aber heute sollte er noch einmal nach oben in die Freiheit fahren.
Kate machte sich gleich an die Arbeit und montierte das Steuergerät. Sie wusste, dass die Stromzufuhr zwar unterbrochen war, wenn sie diese allerdings überbrücken würde, konnte der Lift wieder fahren. Auch musste sie die Leitung so manipulieren, dass trotz des Unterbruches der Lift während des Blackouts trotzdem noch genügend Stromzufuhr bekam. Kate öffnete ihre kleine Werkzeugtasche und begann an den Kabeln zu hantieren. Immer wieder fiel ihr Blick auf ihre Armbanduhr. Jede Minute zählte und sie hatte den Befreiungsplan sekundös im Gedächtnis gespeichert.
Frank machte sich unterdessen auf den Weg und lief nochmals durch die leeren Gänge. Immer wieder griff er in den Rucksack, holte die mit Zeitzündern ausgestatteten einzelnen Dynamitstangen hervor, drückte den Startknopf für die Detonation die mit einer Digitalanzeige versehen war und warf diese im Vorbeirennen in die Gänge. Die Zünder waren im 30-sekunden Takt programmiert und er musste sich beeilen. Als er fertig war, warf er nochmals einen Blick zurück – er hatte sich gründlich überzeugt, dass wirklich niemand mehr zurück geblieben war und mit einem Blick der Verachtung rannte er zurück zum Lift wo Kate bereits wartete. Sie konnte ihre Aufgabe erfolgreich erledigen und kontrollierte nochmals die Stromzufuhr als Frank zu ihr stiess.
Mit einem gegenseitigen Blick auf ihre Handgelenke wussten beide, dass die einzige Kamera, die diesen einen Gang überwachte, inzwischen umgeschaltet hatte und ein ruhiges Bild bot. Tatsächlich waren beide nun für den Einsatz bereit und überprüften nochmals ihre Gewehre. Die Betäubungspfeile waren geladen und das zweite Set hing an ihrem Gürtel, damit ein schnelles Nachladen möglich war. Mit einem Kopfnicken waren sie nun bereit und betraten vorsichtig die Mine.
Die ersten Wachleute waren gleich nach dem Eingang positioniert; diese waren so überrascht über den unerwarteten Besuch, dass sie ohne grosse Mühe von Kate und Frank ausser Gefecht gesetzt werden konnten. Die Aktion wurde in diesem Augenblick zum Glück von niemandem bemerkt, es hätte sonst das Scheitern ihrer Aktion bedeuten können. Aber die beiden wussten, dass sie wie immer schnell handeln mussten.
Mit einem Blick in die Runde verschafften sich die beiden den ersten reellen Eindruck. Sie standen hier am Haupteingang zum grossen Schacht, der wie eine riesige Höhle und mit einem kompletten Schienensystem mit den Waggons ausgearbeitet war. Trotz der Nachtschicht herrschte reges Treiben und die Laute die sie von ausserhalb schon wahrnehmen konnten führte sie geradewegs in diesen Raum. Und was sie hier sahen und hörten hätte jedem ein unvermeidliches Schaudern über den Rücken gejagt. Tatsächlich waren hier junge und ältere Männer zu sehen; karg und schmutzig bekleidet und mit Steinpickeln und Meisseln in den knochigen Händen, den Berg traktierenden und brockenweise Abtragend – Kinder, ebenfalls in zerrissenen Kleidern und teilweise barfuss, kamen herbei gerannt, füllten Eimer mit blossen Händen und leerten diese in die Waggons, die immer wieder vorbeifuhren und erst nach oben transportiert wurden, wenn sie voll waren.
Es war ein erbärmliches Bild und pure Wut stieg nicht nur in Kate hoch. Einen Moment führte sie Icemans Bild vor Augen, wie er an der letzten Wohltätigkeitveranstaltung lächelnd und Hände schüttelnd einen Barcheque überreichte – und hier bot sich tatsächlich diese menschenverachtende Situation die auf seiner Seele ruhte und das er so würdevoll und gegen aussen hin verleugnete und verbergen konnte!
Die lauten Stimmen des Wachpersonals und Peitschenschläge holte Kate in die Realität zurück und sie waren trotz des grossen Lärms zu hören, ebenso wie weinende Kinder die das Elend nicht ertragen konnte. Aber wer hätte das schon?
Franks und Kates Blicke folgten den Schienen und in sekundenschnelle zählten sie das Wachpersonal. Da Nachschicht war, musste die Anzahl reduziert sein und sie konnten es gut und gerne mit acht weiteren Leuten, die überraschenderweise nur mit Peitsche und zwei Pistolen bewaffnet waren, aufnehmen.
„Kate!“
Frank warf ihr einen warnenden Blick zu; die kleine Gruppe die beim Eingang war, hatte aufgehört zu arbeiten und ihre grossen, angsterfüllten Augen ruhten auf Kate. Sie legte ihren Finger auf die Lippen und deutete auf das Personal. Frank legte sich auf den Boden und hob vorsichtig das Gewehr. Ziel war der hinterste Wachposten und gleich darauf versetze er beiden Männern kurz hintereinander eine Ladung Betäubungsmittel. Kate hatte sich inzwischen neben ihn gelegt, immer noch im Visier der überraschten Männer und Kinder, und während Frank sein Gewehr im Handumdrehen nachlud, setzte Kate schon auf die beiden nächsten Wachmänner die wie ein weicher Käse gleich darauf zu Boden gingen. Schüsse waren nicht zu hören, lediglich ein Zischen der Pfeile, die mit Hochgeschwindigkeit aus dem Lauf schossen um gleich darauf im Muskelgewebe ihre Wirkung zu versprühen.
Bis zu dem Moment war das Befreiungsmanöver noch unbemerkt geblieben, so schnell konnten sie handeln. Aber just in dem Moment, als ein Posten mit der Peitsche auf einen Jungen einschlagen wollte, legte Frank das geladene Gewehr erneut an und ein Pfeil traf den einen Übeltäter im Oberarm, den anderen innert einer Millisekunde in dessen Oberschenkel. Wie vom Blitz getroffen blieb der eine Typ wie angewurzelt stehen, griff sich an die besagte Stelle und sein Blick wanderte zu seinem Kollegen hinüber der genauso überrascht zusammensank, blieb noch kurz stehen, dann suchte er weiter in der Höhle nach der Herkunft des Geschosses. Sein Blick führte ihn zu Frank und blieb in dessen Gesicht verwundert stehen; noch bevor er irgendetwas unternehmen konnte, verwandelte sich die Überraschung in seinen Augen in eine glasige Leere, um im gleichen Moment unter der Betäubung zusammen zu brechen.
Gleichzeitig sprangen Kate und Frank aus ihrem Versteck – sie mussten nun schnell handeln um die langsam beginnende Panik nicht vollends ausbrechen zu lassen. Sie riefen und winkten den Leuten zu und irgendwie realisierten bald alle, dass hier Hilfe zur Hand war um ihrem Elend endlich einen Schlussstrich zu ziehen.
Alles passierte so schnell, dass die zwei letzten Wachposten kaum mehr reagieren konnten; verzweifelt versuchten sie sich ihre Schusswaffen aus der Halfterung zu nehmen, doch die Menge war inzwischen so aufgebracht, dass sie sich auf dem Weg nach draussen gleich auf die beiden stürzten und selber zu Boden brachten.
Frank selber rannte nun den Leuten entgegen, rief immer wieder dass sie sich beeilen sollten und warf auf seinem Weg weitere, präparierte Dynamitstangen mit Zeitzündern in alle Richtungen. Nichts sollte von diesem unwürdigen Arbeitsplatz übrig bleiben!
In der Zwischenzeit erwachte auch der so genannte Ruheraum zum Leben; dort wo die Arbeiter Pause machen konnten, sich verpflegen und auf schäbigen Pritschen etwas Schlaf fanden, herrschte nun Aufruhr. Ein paar erstaunte Männer hatten sich zur Türe des Raumes gewagt und beobachteten verängstigt das Treiben das sich da in der Grube bot. Frank rannte zu ihnen, wies ihnen den Weg zum Ausgang wo Kate stand und bewegte sich gleich darauf zum hintersten Eck vor, um ja niemanden zu vergessen. Schlaftrunkene, schmutzige und hungrige Männer und Kinder und begegneten ihm und verängstigt versuchten sie Frank aus dem Weg zu gehen. Doch ein älterer Mann hatte die Situation erkannt und half Frank, seine Leute aus dem schmutzigen und stinkenden Gefängnis zu holen.
Um Icemans Männer nicht vollends ihrem Schicksal zu überlassen, packte er einen nach dem anderen und liess ihre schlafenden Körper in die vorbeifahrenden Waggons gleiten. Diese würden, wenn ein gewisses Gewicht erreicht war, sowieso elektronisch an die Oberfläche gebracht werden und einmal mehr galt, rasch zu handeln um so lange wie möglich unentdeckt zu bleiben. Mit einem Blick auf die Uhr wusste Frank, dass inzwischen oben das ganze Lichtermeer erloschen war und noch während er aus der Mine rannte, hört er wie seine Spezialtruppe an der Oberfläche nun den Zaun durchbrochen hatte und zum alten Liftschacht fuhr um auch diesen von oben her aufzubrechen.
Kate stand wie abgemacht am Eingang des Gewölbes und zeigte den verwirrten Leuten den Weg zum Lift, gab ihnen zu verstehen dass sie sich beeilen sollten und schubste sie durch den Zugang. Immer wieder fiel ihr Blick auf die herunter gearbeiteten jungen und alten Männer, Kinder die sich weinend an einer Erwachsenenhand festhalten oder die auf dünnen Armen getragen wurden. Und heute sollte diesem Spuk endlich ein Ende gesetzt werden!
Frank befand sich wieder ganz hinten im Stollen, platzierte noch die restlichen Stangen und begab sich anschliessend auch wieder auf den Rückweg. Seine Blicke fielen wie immer in alle Richtungen um ja niemanden zu vergessen. Ein weitere Blick auf seine Uhr bestätigte ihm dass noch genau 12 Minuten bis zur Detonation übrig waren – nicht viel Zeit um alle nach Oben in Sicherheit zu bringen!
Mit einem allerletzten, vernichtenden Blick in das nun leere Gewölbe drehte er sich um und verliess als Letzter den Raum. Schnell rannte er zur Gruppe die bereits zur Hälfte und mit Kate’s Anweisungen im Lift waren. Es mussten um die 80 Personen sein und weil nicht alle gleichzeitig nach oben fahren konnten, setzte sich langsam Panik ein. Frank versuchte die wartenden Leute zu beruhigen und versicherte ihnen, dass alle nach oben kommen werden. Fast gleichzeitig setzte er den Lift in Gang. Quietschend und stockend fuhr dieser los und brachte die erste Gruppe langsam nach oben. Dort waren die beiden Fahrer am Werk und nahmen sie in Empfang. Hastig und so gut sie konnten begaben sich die Befreiten auf die Ladefläche der Trucks wo sie auf die anderen warten mussten.
Wie zu erwarten war, war in der Zwischenzeit im Hauptüberwachungszentrum Alarm ausgelöst worden, als das Gelände im Dunkeln versank. Man sollte zuerst einen Hauptstromausfall vermuten - natürlich war dies Kates Werk und es würde einige Minuten dauern, bis Icemans Leute den wahren Grund feststellen würden.
Und diese Zeit benötigten sie für die zweite Fahrt im Lift. Kate schaute immer wieder auf die Uhr – sie hatten nicht mehr viel Zeit und gleich würde die Kamera wieder auf normale Position eingeschaltet werden. Und jeden Augenblick würden Icemans Männer hier aufkreuzen und was dann geschehen würde, war vorauszusehen…
Der Lift kam langsam wieder herunter; es sollte die letzte Fahrt sein und nach wie vor war Beeilung war angesagt; noch ein paar Minuten und die Explosion würde einsetzen! Rasch öffnete Kate die Sicherheitstüre und liess die ungeduldige Menge passieren. Wieder fiel ihr Blick auf die müden und schmutzigen Gesichter, die nicht mehr angsterfüllt, sondern nun pure Dankbarkeit verströmten und mit einem aufmunternden Nicken zu der Menge schloss sie die Türe und setzte den alten Lift ein letztes Mal in Bewegung. Frank tippte auf seine Uhr – die Zeit schien rasend schnell zu vergehen und die beiden mussten nur noch auf das Liftdach springen bevor die Kabine im Schacht verschwinden würde. Der Aufzug bewegte sich auch diesmal sehr langsam, wieder blieb er ruckartig stehen um gleich darauf erneut langsam anzufahren.
Frank sass bereits auf dem Dach und reichte nun Kate die Hand um auch sie nach oben zu ziehen, als die beiden trotz Lärm und Panik zwei wütende Wachmänner ausmachen konnten, die ebenfalls bis an die Zähne bewaffnet vom Hauptlift her angerannt kamen um sich mit lautem Geschrei auf den alten Liftschacht und die Gruppe zu stürzen. Mit einem gegenseitigen Blick sprangen die beiden wieder vom Liftdach und stürzten sich auf die herannahende Gefahr. Ein Raunen war von den Leuten im Lift zu hören – sie hatten die Situation erkannt aber konnten nichts tun! Mit angsterfüllten Augen beobachteten sie die gegebene Situation und sie wussten, dass dies das Leben ihrer Retter kosten konnte!
Die beiden Männer waren noch nicht mal zum Stillstand gekommen, die Gewehre im Anschlag und zielten bereits auf die Leute, die in Panik versetzt langsam im Liftschacht verschwanden.
Noch bevor sie die Waffen entsichern konnten, standen ihnen Kate und Frank schon gegenüber; offensichtlich war ihnen wohl entgangen, mit wem sie es eigentlich zu tun hatten; mit einigen gut platzierten Schlägen setzten sie die beiden Widersacher im Handumdrehen ausser Gefecht um gleich wieder zum Lift zu rennen der erneut hängen geblieben war. Kate, nun sichtlich erzürnt, versetzte dem Steuergerät einen heftigen Schlag und im gleichen Moment fuhr dieser wieder an.
Frank packte Kate am Arm; die Uhr tickte und sie mussten so oder so den Lift noch erreichten; wieder war dieser stehen geblieben – offensichtlich funktionierte die Stromzufuhr nicht mehr 100%-ig – aber zum Glück für Kate und Frank – sie hätten sonst kaum mehr Zeit gehabt, einen anderen Weg nach oben zu nehmen. Also hängten sie sich an die Bodenverstrebung als dieser sich erneut mit lautem Quietschen nach Oben bewegte. Die Fahrt für Kate war von kurzer Dauer – einer der inzwischen aus der Ohnmacht erwachten Muskelbrocken packte Kate am Knöchel und riss sie wieder herunter. Mit einem lauten Schrei stellte sie sich ihm gegenüber und versuchte mit einigen Fusskickern und Faustschlägen dem Messer auszuweichen, das vor ihrer Nase herumgefuchtelt wurde. Frank beobachtete die Situation und warf einem Blick nach oben und dann auf seine Uhr. Sie hatten nicht mehr viel Zeit und die erste Dynamitstange würde hochgehen – und sie waren noch nicht mal in der Hälfte des Liftschachtes. Frank liess eine Hand los und liess das über die Schultern hängende Ersatzseil an seinem Arm hinunter gleiten, fasste ein Ende und versuchte dies an der Bodenverstrebung anzubinden. Irgendwie gelang ihm dies auch, zog nochmals fest daran um sich gleich darauf wieder auf den Stollenboden gleiten zu lassen. Während der ganze Aktion liess er Kate kaum aus den Augen, die immer wieder versuchte, den Muskelprotz zu Boden zu werfen.
„Kate!“
schrie Frank und wendete sich ihr zu. Sie schien keine Chance gegen das Riesenpaket zu haben – für einen Moment verharrte er, doch er wusste, dass Kate schnell und wendig war – sie brauchte keine Hilfe. Wieder rief er ihr mahnend zu und band sich das Ende des langen Seiles um seine Hüfte. Dies war jetzt der einzige und letzte Ausweg nach oben und das Seil musste ihn und Kate tragen. Langsam straffte sich dieses und mit einem Blick nach Oben wusste Frank, dass seine Füsse bald in der Luft hangen würden. Wieder rief er Kate zu und für einen Moment war der Typ abgelenkt; nein Kate brauchte seine Hilfe wirklich nicht – aber sie mussten nun schleunigst weg hier. Mit einem weiteren Blick auf seine Uhr und dem Lift, der inzwischen schon den halben Weg nach oben hinter sich brachte, rief er erneut Kate zu. Irgendwie schaffte sie es, dem Brocken einen Kinnhaken zu verpassen, so dass er kurz wegtrat. Im Blickwinkel sah und hörte sie Frank – das Seil begann sich noch mehr zu straffen und Frank verlor den Boden unter den Füssen; das Seil war zwar nur ein paar Meter lang aber würde reichen, um sie beide sicher nach oben zu bringen, bevor hier alles einstürzen würde.
Mit einem letzten Blick zu den beiden Typen rannte Kate Richtung Lift; erst jetzt merkte sie, dass sie am Oberschenkel verletzt war. Eine tiefe Fleischwunde klaffte aus den Hosen hervor und hinterliess eine Blutlache auf dem Stoff. Für einen Moment sackte Kate in die Knie und sie schrie vor Schmerz, riss sich zusammen, rannte los und wurde noch während ihres Sprunges nach oben von Franks starker Hand aufgefangen. Seine Hand hatte ihr Handgelenkt umfasst und liess sie erst oben wieder los.
Die Fahrt selber dauerte nicht lange und schon bald konnten sie die Menge hören, die schon in die Lastwagen verfrachtet wurden. Im gleichen Augenblick war auch schon die erste Explosion aus einem der alten Minenschachts zu hören.
Kate schaute Frank mit angsterfüllten Augen an. Noch immer hingen sie am Seil und sie mussten noch einige Meter nach oben klettern um an die Bodentüre des Liftes zu gelangen, bevor auch sie frei wären.
„Kate, klettere an mir hoch und öffne die Türe!“
Kate tat wie ihr geheissen und obwohl schmerzerfüllt, griff sie mit der anderen Hand Franks Handgelenkt und zog sich an ihm hoch. Ihre Füsse umfassten seine Hüften, dann die Schultern, klammerten das letzte Stück Seil dazwischen bis sie oben angelangt war. Frank hing noch immer am Seil und während Kate in Windeseile die Türe aufmachen und in den Lift klettern konnte, war bereits auch schon die zweite und dritte Detonation zu hören und zu ebenfalls zu spüren. Der ganze Boden bebte unter dem Einbruch der alten Stollen und für einen Moment schien jeder den sicheren Boden unter den Füssen zu verlieren….
„Verdammt, Frank, beeil’ Dich!“
Frank hangelte noch immer am Seil und war schon fast oben – eine Rauchwolke verdeckte sein Gesicht und im gleichen Augenblick fingen beide an zu husten. Die Luft war von ätzenden Gasen erfüllt und sie mussten sich nunmehr beeilen, aus der erneuten Gefahrenzone zu kommen, die der Rauch mit sich brachte. Einer von Franks Männern kam endlich zu Hilfe und half Kate, als diese nun Frank die Hand zum hochziehen reichte. Frank hatte gerade den Liftboden erreicht und zusammen zogen sie ihn hustend und fluchend aus dem Rauch an die frische Luft. Kate sackte wieder in die Knie; die Wunde war offensichtlich grösser als angenommen und warmes Blut rann nun ihr Bein herunter. Wieder erschüttert eine weitere Explosion das Gelände und eine noch grössere Staubwolke stieg aus dem Schacht empor. Im gleichen Augenblick packte der Fahrer Kate am Arm und zusammen mit Frank rannten sie zu den wartenden Lastwagen. Etwas unsanft wurde sie auf die Ladefläche gehisst wo sie mit einem lauten, schmerzerfüllten Schrei zwischen den Arbeitern landete. Im Dunkeln versucht sie noch einen letzten Blick auf Frank zu werfen, der bereits im andern Lastwagen war, aber dort wo dieser gerade noch stand, war nur noch eine Staubwolke zu sehen, die von der rasanten Wegfahrt zeugte. Mit quietschenden Reifen und schnell steigendem Tempo verliess nun auch dieses Fahrzeug den Ort und fuhr in die entgegen gesetzter Richtung. Ein letzter, lauter Knall war zu hören und im Handumdrehen entstand ein Riesenkrater; wohl dort wo vorher die Hauptmiene gelegen hatte lag nun alles in Schutt. Rundherum war noch mehr dichter Rauch, die Männer hatten zusätzlich ungefährliche Rauchbomben gelegt, um den Fluchtweg zu vereinfachen. Iceman’s Leute hatten keine Chance – die Flucht war gut vorbereitet und überall waren noch weitere Fallen aufgestellt, die eine Verfolgung unmöglich machten….
Kate’s Bein blutete wie verrückt; eine Blutlache bildete sich auf der schmutzigen Ladefläche. Mit zittrigen Händen versuchte sie die Blutung zu stillen; einer der befreiten Männer half ihr stillschweigend –sie tauchten nur Blicke. Kate wurde kalt und das letzte, woran sie sich erinnern konnte, war die holperige Fahrt hinaus in die dunkle Nacht bevor sie endgültig zusammenbrach und das Bewusstsein verlor.
Als Kate wieder erwachte, lag sie auf einer harten Unterlage, bedeckt mit einer auffallend farbigen aber abgenützten Decke. Vage konnte sie sich an die Fahrt erinnern und nun versuchte sie sich krampfhaft ein Bild zu machen, wo sie sein konnte und wer die Leute wohl waren, die sie im Schein des Feuers schattenhaft ausmachen konnte, bevor sie wieder ohnmächtig wurde.
Wieder erwachte sie und diesmal lag sie in einem Bett in einem schönen Zimmer. Sie spürte, dass sie Fieber und Schüttelfrost hatte, ihr Bein schmerzte und schemenhaft kam es ihr vor, als ob Frank neben ihrem Bett auf einem Stuhl sitzen würde und sie beobachte. Kate schloss die Augen, öffnete sie nochmals – war Frank wirklich hier oder hatte sie sich das bloss in ihrem Fieber eingebildet? Nein, er musste da sein denn diesmal meinte sie zu hören, dass er auf sie einredete und versprach, dass alles wieder gut werden würde. Sie schloss ihre müden Lider, drehte den Kopf Richtung Stuhl wo die Stimme her kam und flüsterte müde, nun mit halb geöffneten Augen: “Du solltest nicht hier sein!“ Ihre trockenen, spröden Lippen drohten zu zerreissen, aber kurz darauf spürte sie einen nassen Lappen der ihrem Durst etwas Linderung brachte. Dann hörte sie eine andere Stimme die besagte, dass sie durch die Wunde viel Blut verloren hätte, dies aber bald wieder in Ordnung käme und sie nun einfach genügend Zeit und Erholung brauchen würde. Noch bevor sie sehen konnte, wer da war, schlief sie erneut wieder ein.
Helles Licht fiel auf Kates Gesicht und als sie die Augen öffnete, fand sie sich in dem Bett und in dem Motel, wo sie vor einiger Zeit eingecheckt hatte. Die trug nun einen Pyjama und durch die Hose konnte sie spüren, dass ihr Bein zwar noch eingebunden war aber dass die Wunde am verheilen war. Sie wusste nicht, wie lange sie in diesem Dilerium war, aber sie ahnte, dass es einige Tage gewesen sein mussten. Langsam setzte sie sich auf – sie fühlte sich besser und liess ihren Blick im Zimmer umher gleiten. Hatte Frank wirklich an ihrer Seite gesessen als sie so krank war? War er auch hier? Nein, das konnte nicht sein – das würde alle ihre Regeln brechen und es hätte auch keinen Sinn gemacht. Doch ihr Blick in den Raum verlief in Leere; nur ihre bereits gepackten Koffer standen neben dem Tisch und sie wusste, was zu tun war. Sie war wieder in ihrem gewohnten Arbeitswandel – der Auftrag war erfüllt und sie würde wieder nach Hause fliegen, bis sie von Frank hören würde. Und schon bald darauf sass sie im Flugzeug Richtung Westen.
Als sie zu Hause in Boston ankam, lag neben ein paar anderen Briefen und den üblichen Zeitungen auch ein gelber Umschlag in ihrer Post. Als sie ihn öffnete, glaubte sie einen neuen Auftrag von Frank zu haben. Noch immer fühlte sie sich erschöpft und hätte sich gerne zuerst ausgeruht. Also machte sie sich erst mal etwas zu Essen und begann die angesammelten zu durchstöbern. Endlich fand sie das Gewünschte; wie erwartet war nur ein kleiner Bericht über die Festnahme von Iceman darin; schliesslich würden die Lokalzeitungen nie gross über das Geschehene aus Übersee berichten. Doch beruhigend war allemal zu wissen, dass dieser unwürdige Menschenverachtende Mann endlich hinter Schloss und Riegel war und somit keinem mehr schaden konnte. Ausserdem war dies doch einer der grössten Aufträge die sie und Frank bis anhin ausgeführt hatten und es hätte auch so vieles schief gehen können.
Genüsslich ass sie selbst gemachte Pasta mit Gemüse und Salat und trank ein Glas Rotwein dazu. Schlussendlich fiel ihr Blick wieder auf das Gelbe Couvert. Zaghaft öffnete sie es. Darin lagen mehrer Zeitungsartikel aus Südafrika die über die Festnahme von Jack Iceman berichteten, ebenfalls fand sie wie gewohnt ein Flugticket und eine Adresse und – diesmal unüblicherweise – eine Genesungskarte von Frank. Anscheinend hatte er sich wirklich Sorgen um sie gemacht. Okay, sie hatten schon einige Verletzungen davongetragen, aber diesmal schien Kate wirklich fast an der Kippe gewesen zu sein. Realisiert hatte sie dies eigentlich nie, konnte sie sich doch die meiste Zeit mit Schlafen erholten und bekam fast nichts mit.
Kate nahm das Flugticket unter die Lupe – normalerweise trafen sie sich innert ein paar Tagen wieder um den Fall komplett abzuschliessen indem sie die Bezahlungen austauschten. Doch auch hier hatte Frank einen Flug gebucht, der sie erst drei Wochen später auf die Phoenix-Inseln bringen sollte. Also hatte sie noch Zeit, um sich zu Hause auszuruhen und für einmal nichts zu tun.
Die Wochen verbrachte Kate auch wirklich mit Aufbautraining; sie ging jeden Tag joggen und obwohl ihr Bein anfänglich noch Sorgen bereitete, mit jedem Tag ging es besser und sie konnte die verlorenen Kräfte zurückgewinnen. Die Narbe versorgte sie mit einer Mischung aus Calendula und Kamillenextrakt und tatsächlich verschwand die erst bläuliche Farbe der Narbe und wandelte sich in ein zartes Dunkelrosa. Sie ass gesund und als sie nach den drei Wochen besagte die Insel erreichte, fühlte sie sich wieder fit und wie neu geboren. Es war eine kleine Insel und verfügte nur über einen Privatflugplatz der die kleinen Maschinen starten und landen liess. Kate wurde bereits erwartet und als sie aus dem Flugzeug stieg, stand bereits ein Wagen mit Chauffeur für sie da der sie zum Ressort brachte. Auf der Fahrt dorthin liess sie in Gedanken die letzten paar Wochen passieren. Vieles war geschehen und immer wieder musste sie an Frank denken; war er wirklich an ihrem Krankenbett?
Endlich im Hotel angekommen, wurde ihr an der Rezeption ein Schlüssel zu einem Bungalow direkt am Meer ausgehändigt.
Es überraschte Kate nicht mehr; seit sie mit Frank zusammen arbeitete, hatte sich auch ihr Lebensstil geändert. Frank legte grossen Wert auf Luxus und wenn man es ihm durch seine Arbeit nicht anmerkte, genoss er das bessere Leben und liess Kate nach dem Erfolg gerne teilhaben. Sie hatte sich inzwischen auch daran gewöhnt und obwohl sie eigentlich aus einfachen Verhältnissen gross geworden war, gönnte sie sich in der Zwischenzeit auch mal etwas Gutes und entwickelte auch eine Vorliebe für schöne, weibliche Kleider. Früher lief sie in alten Jeans und Sweatshirts herum; Kleider bedeuteten ihr nicht so viel. Erst die letzten paar Jahre hatte sich ihr Styl geändert; sie wurde auch älter und schob ihren Sinneswandel den paar zusätzlichen Jährchen zu….
Kate schloss die Zimmertüre auf und liess ihren Blick durch den luxuriösen Bungalow schweifen. Eine Schale frischen Obstes stand auf dem einen, und auf dem anderen grossen Tische ein riesiger Blumenstrauss. Darin steckte eine Karte und wie immer standen Franks Worte darauf:
“Bungalow Nummer 7. Danke für Deinen Einsatz. Frank“.
Kate musste schmunzeln. Sie mochte Frank – auch wenn er nach wie vor so undurchsichtig und eigenbrötlerisch war. Ihre Gedanken schweiften einen Moment zurück an die langjährige Zusammenarbeit mit ihm und die Vergangenheit; Kate teilte seinen Ehrgeiz und seine Ausdauer und staunte aber oft über seine aussergewöhnliche Wut wenn es wie immer um Gerechtigkeit ging. Frank handelte trotz allem immer gut überlegt und ruhig, nur wenn es um entsprechende Fälle ging die ihn auf eine ganz bestimmte Art und Weise berührten, schien er die Fassung zu verlieren und dies artete oft mit einem Faustschlag auf den Tisch aus. Seine braunen Augen funkelten dann wie wild und Kate erschrak das erste Mal ganz fürchterlich, liess ihn aber wortlos machen. Sie wusste selbst, wie schwer es war, die Vergangenheit ruhen zu lassen und sie wusste schon bald, dass seine Ausbrüche nur von kurzer, aber heftiger Dauer waren - und sie gewöhnte sich daran.
Kate arbeitete bereits viele Jahre mit Frank zusammen, als sie zufälligerweise über einen alten Artikel aus dem Vietnamkrieg stolperte und darin unter anderem das Massaker vor der Rückreise einer besagten Truppe beschrieb. Auch waren einige Soldaten mit Namen erwähnt und darunter stiess sie auch auf denjenigen von Frank. Neugierig wie sie war, suchte sie mehr Informationen und es ging nicht lange, bis sie herausfand, warum Frank in seinem Tun und Handeln so hart und selbstgerecht sein konnte.
Sie sprachen nie darüber, aber Frank musste wissen, dass Kate seine Vergangenheit kannte – und ihn auch verstand. Sie befanden sich auf gleicher Ebene und selbst in all den Jahren der Zusammenarbeit war nie ein böses Wort zwischen ihnen gefallen, wenn sie auch nicht immer derselben Meinung waren. Kate schätzte seine ruhige und überdachte Art. Ja, sie war gerne in seiner Nähe – aber über ein anderes Zusammensein als das mit der Arbeit verbundene, darüber hatte sie sich noch nie Gedanken gemacht… Sie hatte auch keinen Anlass dazu; Frank hatte sich ihr gegenüber immer reserviert und zurückhaltend verhalten und jedes Mal wenn sie dachte, sie hätte ihn durchschaut, musste sie feststellen, dass sie eigentlich gar nichts von ihm wusste.
Wieder fiel ihr Blick auf den Blumenstrauss und mit einem Grinsen packte sie ihre Sachen aus und ging unter die Dusche. Nach dem kühlen Nass und frisch umgezogen ging Kate zu besagtem Bungalow. Herzhaft klopfte sie an die Türe die, wie sie wusste, nicht verschlossen war. Langsam öffnete sie dieselbe und streckte vorsichtig den Kopf rein. Ihr Blick fiel auf Frank, der in hellen Bundfaltenhosen und dunklem Hemd inmitten des Zimmers stand und sie ebenfalls nickend begrüsste. Auf dem Tisch standen wie immer ein Eiskübel und darin eine Flasche Champagner und zwei Gläser daneben. Frank sah in zivil wirklich gut aus und für einen Moment vergass Kate, warum sie hier waren. Lächelnd betrat sie den Raum und schloss die Türe sachte hinter sich.
“Schön dich zu sehen, wie geht es Dir?”
Franks Frage blieb wie üblich unbeantwortet. Er nahm die Flasche und begann den Korken herauszudrehen. Seine Augen musterten Kate von oben bis unten und entlockte ihm ein Lächeln. Wie immer war sie eine Augenweide; das luftige Sommerkleid verbarg zwar einen muskulöser Körper, doch ihre zarte Schminke und die zu einer frechen Frisur gestylten, kurzen, blonden Haare überraschten ihn immer wieder. Besonders heute schien sie seine Aufmerksamkeit mehr denn je erweckt zu haben….
Kate’s Lächeln durchflutete den hellen Raum und auch Frank brauchte nicht auf eine Antwort zu warten. Es gehörte einfach zu ihrer „Zeremonie“; die ganze Anspannung vom Einsatz her hatte sich in Luft aufgelöst und beide schienen entspannt und gut gelaunt zu sein. Mit langsamen Schritten durchquerte Kate den Raum, sog das ganze Bild von Frank und der neuen Umgebung auf, bis sie bei ihm stand. Irgendetwas war anders heute; es musste einfach die ganze Atmosphäre sein, die frische Meerluft, die Sonne, das Rauschen der Wogen…
Kate hatte Frank keinen Moment aus den Augen gelassen, nahm nun wortlos die beiden Gläser vom Tisch und streckte sie zum Füllen hin. Frank schenkte er ein und als die Gläser voll waren, blieben seine Augen erneut in ihren haften. Kate wurde verlegen und hob das Glas; sie toasteten einander zu, liessen die Gläser klingen und tranken einen ersten Schluck; ohne ihre Blicke voneinander zu lassen. Was war anders heute? Kate’s Augen musterten nun Frank; langsam und eindringlich liess sie keinen Zentimeter aus, bis sie nun sein Bild komplett in sich aufgenommen hatte. Ja, er sah in privater Kleidung wirklich toll aus und an seiner leichten braunen Hautfarbe konnte sie erkennen, dass er sich bereits einige Tage auf Erholung befand.
Auch bemerkte sie die kleine Narbe in seinem Gesicht, die oberhalb der rechten Augenbraue schwach zu sehen war. Und sie wusste, dass dies auch ein Erinnerungsstück an den letzten Einsatz war. Frank lächelte zurück – sie brauchten keinen Smalltalk, wortlos schenkte er Kate’s halb leeres Glas nach. Seine braunen Augen versanken wieder ihn ihren Smaragden und für einen Moment vergassen sie die ganzen Anstrengungen, die Gefahren und das Elend, das sie dort in Südafrika vorfanden und erlösen konnten. Kate wurde unsicher; so hatte sie Frank bis anhin noch nie angesehen- und einmal mehr wusste sie nicht, woran sie bei ihm war….Frank riss beide aus der Stille heraus und hob sein Glas:
“Auf unseren Erfolg in Südafrika”
toastete er wieder und nahm einen weiteren Schluck.
„Auf unseren Erfolg in Südafrika“
wiederholte Kate, und während sie am Glas nippte viel ihr Blick auf den kleinen Beutel der auf dem Tisch neben dem Eiskübel lag. Sie wusste, dass da ihre Bezahlung drin war, aber ihre Neugierde liess ihren Blick auf dem kleinen Paket neben dem Beutel ruhen, das in farbiges Tuch eingewickelt war. Mit einer Kopf nickenden Andeutung zu dem farbenfrohen Präsent fragte sie vorsichtig:
„Haben es alle geschafft?” und ihre Pupillen wurden gross. Frank wich Kates Blick aus, stellte sein Glas weg und griff nach dem kleinen Päckchen.
“Alle - bis auf James”
entgegnete er und reichte ihr dieses. Kate schaute ihn betrübt an – sie hasste schlechte Nachrichten und trotz den vielen Erfolgen die sie inzwischen verbuchen konnten, jemanden zu verlieren traf sie jedes Mal Abgrund tief.
Frank hielt das kleine Päckchen noch immer in der Hand und streckte es Kate diesmal mit einem aufmunternden Lächeln hin. Er wusste, wie sehr sie unter menschlichen Verlusten litt und hoffte, dass sie mit diesem Geschenk besser mit der Situation umgehen konnte.
Wortlos nahm sie es und öffnete behutsam das Tuch. Darin eingewickelt fand sie ein kleines Buch und einige Fotos. Darauf erkannte sie ein paar Gesichter von afrikanischen Einheimischen, die nun zusammen mit ihren Familien oder Stammesmitgliedern der Dörfer abgebildet waren. Kate’s Hände hielten Bilder von Vätern, die ihre Baby’s das erste Mal in den Armen hielten, oder Ehemännern, die Ihre Frauen oder Familien so lange nicht mehr gesehen hatten. Mütter, die ihre Kinder umarmten und Väter die vor Freude weinten. Kate schüttelte immer wieder den Kopf – auf jedem Bild standen auf der Rückseite die Namen und ein Dankeschön an Kate und Frank. Kate war zwar glücklich über den gemeinsamen Erfolg und doch der Verlust von James beschäftigt sie enorm. Stirn runzelnd wendete sie sich an Frank – sie musste jetzt mehr wissen:
“Was ist mit James passiert, wer war er?”
Trotz ihrer harten Ausbildung und ihren unglaublichen Einsätzen hatte Kate eine so feinfühlige, sensible Ader die selbst Frank jetzt noch zum Erstaunen brachte.
“James wurde vor etwa 2 Jahren zusammen mit vielen andern Männern aus seinem Heimatdorf entführt. Dort arbeitete er als Lehrer und war als einer der jüngeren Stammesmitglieder ein angesehener Mann. Die Jahre in der Grube haben James mehr zugesetzt, als irgendjemand anderem: die Trennung von seinen Leuten, der Familie, den Kindern… Er musste gewusst haben, dass er bald sterben würde. Doch sein einziger Wunsch, sein Glaube, dass er seine Familie nochmals sehen würde, hatte ihm all die Kraft gegeben, durchzuhalten. Er ist vor einigen Tagen gestorben…”
Franks Worte berührten Kate aufs tiefste, sie konnte sich die Bilder des Verlustes vorstellen und ihre Augen begannen sich langsam mit Tränen zu füllen. Sie wusste nun, wer James war; er fiel ihr das erste Mal im Stollen auf, alt und müde schien er und im Rückblick musste sie sich eingestehen, dass er wirklich sehr müde aussah. Und erst jetzt wurde ihr bewusst, dass auch er derjenige war, der ihre Wunde auf dem Laster verband.
“Ich hätte besser arbeiten sollen…”
sagte sie mit zittriger Stimme. Frank nahm Kate das Glas aus der Hand und stellte dies auf den Tisch. Seine starken Hände packten sie zart an beiden Schultern und drehten sie zu sich, so dass sie direkt in seine Augen schaute. Mit eindringlichen Worten entgegnete er:
“Kate, Du hast Dein Bestes gegeben! James war krank. Die Jahre in der Mine haben ihn krank gemacht! Bevor er starb bedankte er sich, dass er bei seiner Familie sein konnte. Kate! Du hast ihn wieder zu seiner Familie gebracht, damit sie bei ihm sein konnten!“
Er nahm ihr Kinn in die eine Hand, hob es an und schaute ihr noch tiefer in die feuchten Augen:
„Kate, ich musste James versprechen, dass ich Dir das hier übergebe“
Er tippte auf das das Buch und die Bilder. Kate verstand, nickte dankbar und legte die Bilder auf den Tisch um in dem kleinen Buch zu stöbern. Wieder schaute sie Frank an, diesmal mit einem anerkennenden Ausdruck auf ihrem Gesicht und langsam begann sie in dem Buch zu blättern. Wunderschöne Zeichnungen kamen zum Vorschein, Bilder vom Stammesleben in Südafrika, von Frauen und Männern in ihren traditionellen farbigen Kleidern, Kinder beim Spielen, Mütter, die ihre Kinder stillten, Männer die die Felder bearbeiten, Tiere und Landschaften die wohl zu James zu Hause gehörten. Kate hielt überragend schöne Darstellungen mit unglaublichen Eindrücken in ihren Händen und sie konnte eine unheimliche Wehmut nach Heimweh und Glück spüren, die förmlich aus dem Buch zu springen schienen. Immer wieder schüttelte sie den Kopf, legte die nächste Seite um, um wieder neue Eindrücke zu erlangen. Sie konnte kaum glauben, was sie in den Händen hielt, denn dass Buch war abgegriffen und schmutzig, die Zeichnungen mit Bleistift gemahlen. Sie stellte sich vor, dass James das Buch während seiner Gefangenheit benutzte und seine Sehnsüchte darin aufzeichnete. Und als sie fast fertig durchgeblättert hatte fand sie auf der letzten Seite eine Inschrift:
„The white Massai has saved my soul”.
Das war zu viel und Kate begann zu zittern und mit riesigen, feuchten Augen schaute sie Frank an; erst jetzt realisierte sie, was er vorhin sagte:
“Du warst noch bei ihm?” ihre Stimme war unsicher, ihre Augen weiteten sich;
“Ja, bis zum letzten Tag…”
entgegnete Frank ohne einen einzigen Blick von ihr zu lassen – er hatte noch immer seine Hände auf ihren Schultern liegen und nun standen sie ganz nah beieinander.
“Du hast nicht nur viele Menschenleben gerettet sondern ihnen auch wieder ihre Familien zurück gebracht, ihnen ein neues Leben, Stolz und Ehre zurückgegeben und dafür werden sie Dir für immer Dankbar sein!”
Langsam kehrte auch Kates Stolz zurück, Franks Worte waren Balsam und ihre Augen begannen wieder zu leuchten, so wie Frank sie kannte, wenn sie einen grossen Erfolg verbuchten. Dankbar nickte sie:
“Ich bin froh, dass wir das Schicksal dieser Leute besiegeln konnten!“
Frank lächelte und als er sie ganz zaghaft an sich zog um sie als gegenseitiges Einverständnis ganz vorsichtig an seine Brust drücken, wehrte sie sich nicht. Einen Moment verharrten sie so.
„Liebe, gute Kate!“
flüsterte er ihr ins Ohr und hielt sie einen Augenblick länger und noch fester im Arm. Kate hatte auch ihre Arme um seinen Oberkörper geschlungen und hielt noch immer das kleine Buch in der einen Hand. Für einen Moment vergass sie die Traurigkeit; sie fühlte sich in dieser neuen, ungewohnten Haltung wohl und geborgen, aber auch durcheinander. Es war das allererste Mal, dass Frank sie so hielt und zu ihrer Überraschung hatte sie nichts, aber auch gar nichts dagegen. Insgeheim wünschte sie sich sogar, dass der Augenblick länger dauern würde….
Frank löste sie beide aus der Umarmung und erst als er seine Hände erneut auf ihre Schultern legte, einen Schritt zurücktrat um ihr Gesicht zu sehen das nun Glück und Zufriedenheit ausstrahlte, erwachte sie aus dem Moment der Geborgenheit. Ein weiterer, langer, wortloser Augenblick entstand wo sie sich nur anschauten – Frank vergeudete keine Worte sondern war im Begriff, Kate ganz zaghaft zu küssen. Aber sie war diesmal noch mehr verunsichert, wich seinen Lippen aus und stiess ihn ganz sanft von sich. Wieder zog Frank sie an sich und versuchte die Geste zu wiederholen. Kate schaute ihn abwehrend an – Frank brachte sie total durcheinander:
„Frank, bitte - nicht…“
Sie löste sich aus seinen Armen, drehte sich von ihm ab, legte das Buch auf den kleinen Tisch und blieb davor stehen. Sie war nicht sicher, ob sie das auch wirklich wollte und wie sie, besser ihr Inneres, auf Franks Berührungen reagieren sollte oder könnte.
Seit Jahren gab es nur einen Mann in ihrer Nähe, und das war Frank. Sie war sich in diesem Augenblick einfach nicht sicher, was er wollte, was sie wollte oder ob es nur die Umstände waren, die sie jetzt in diesem Moment schwach werden liessen… Und doch musste sie sich eingestehen, dass Frank in diesem Moment eine Anziehungskraft aus sie ausübte, die ihr doch sehr behagte, Und die Umarmung eben liess sie fühlen, dass sie noch immer ganz Frau war und Frank erweckte gerade ein tiefes, fast vergessenes Verlangen in ihr. Langsam drehte sie ihren Kopf zu ihm. Frank stand noch immer wortlos hinter ihr und mit einem schier unscheinbar hilflosen Blick schaute sie ihn an. Er lächelte aufmunternd und seine brauen Augen strahlten eine wundersame Wirkung aus und Kate drohte in ihnen zu schmelzen.
„Es ist schon so lange her…“ Frank nickte und ihr Kopf senkte sich gen Boden.
„Ich weiss – viel zu lange…“,
Frank trat wieder einen Schritt näher, legte seine Hände diesmal um ihre schmalen Hüften und zog sie vorsichtig an sich. Kate liess es endlich geschehen und erst als sie mit dem Rücken an seiner bebenden Brust stand, legte er seine Arme um ihren Bauch und küsste erst ganz zaghaft ihren Nacken. Kate schloss die Augen – ein Kribbeln durchflutete ihren Körper und für einen Moment vergass sie, wo und wer sie war. Langsam drehte sie sich zu Frank. Sie brauchten keine Worte, und als Frank sie wieder zärtlich auf den Hals und dann auf die Schulter küsste und seinen Kopf einen Moment darauf ruhen liess, nahm sie ihn in ihre Hände und sah ihm in die glänzenden, braunen Augen. Kate war sich nicht sicher, was sie darin fand, noch nie hatte sie diesen unendlich tiefen, endlosen Blick bei ihm gesehen der nach Sehnsucht, Wärme, Liebe und Verlangen rief und mit einem ebenso tiefgründigen, sanften Lächeln küsste sie ganz sachte sein Kinn, liess ihre Hände um seinen Hals gleiten und legte ihren Kopf an seine Schulter…..
Wie oft hatte sie sich vorgestellt, dass Frank sie einmal, nur ein einziges Mal in den Arm nehmen und sich für ihren Einsatz bedanken würde? Und nun waren sie hier in diesem wunderschönen Bungalow, durch das offene Fenster hörte sie das Meer rauschen und Frank war gerade im Begriff, ihr den Verstand zu rauben und sie das erste mal richtig auf den Mund zu küssen!
Kate öffnete ihre Augen, drehte den Kopf fordernd zu ihm und als sie seine warmen Lippen auf den ihren spürte, wusste sie, dass sie sich gleich vergessen würde. Frank küsste Kate wieder ganz sanft und als er keinen Widerstand mehr spürte, küsste er sie nochmals, diesmal länger, fordernder und seine Zunge begann sich in ihrem Mund zu vergnügen. Kate liess es einfach geschehen – ihr Herz pochte wie verrückt und eine Flut von heissen und kalten Gefühlen durchflutete ihren ganzen Körper. Frank war gerade im Begriff, sie wahnsinnig zu machen! Die Beiden vergassen Zeit und Raum und fielen wieder und wieder in leidenschaftliche Küsse, tauschten erste Zärtlichkeiten aus um bald darauf die heissesten Gefühle für einander entflammen zu lassen.
Im Strudel ihrer Begierde zogen sie einander langsam aus, leidenschaftliche Küsse begleiteten ihr Tun und im Hintergrund konnte man noch immer die Wellen des Meeres hören, die sanfte Melodien an den Sandstrand spülten. Erst als beide nackt auf dem grossen Bett lagen und sachte ihre Körper ertasteten, wussten sie, dass es bereits schon viel zu spät für einen Rückzug war. Sie liebten sich die ganze Nacht, immer und immer wieder, versanken in ihren Körpern, liessen ihre Hände spielen und standen nur auf um Champagner zu trinken und um gleich wieder in wilder Leidenschaft ins Bett und über einander her zu fallen. Sie realisierten, wie sehr sie sich begehrten und es folgten Stunden von weiteren Feuerwerken als ob sie ihr ganzes Leben und all die Jahre einholen müssten die sie wohl zusammen waren aber einander nie auf diese Art näher kamen.
Erst viel, viel später schliefen sie erschöpft und schweissgebadet ein. Kate lag in Franks Armen, ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter und ihre Beine hatten seine umschlungen. Sie waren Eins, zusammen mit den Sternen und dem Himmel und allen Geschöpfen dieser Erde.
Als Kate am nächsten morgen im Bad war, bestellte Frank zwei grosse Frühstücke. Die Nacht hatte sie beide hungrig gemacht und als er Kate durch die offene Badzimmertüre unter der Dusche sah, konnte er nicht widerstehen und gesellte sich zu ihr um sein erneutes, aufgeflammtes Verlangen zu stillen….
Wiederum viel später sassen sie am Tisch beim offenen Fenster. Der Morgen war schon lange angebrochen und es sollte ein neuer, heisser Tag werden. Franks Blick war nach draussen auf das offene, blaugrüne Meer gerichtet - irgendetwas schien ihn ganz stark zu beschäftigen und Kate kannte ihn nur zu gut, als dass er von sich aus erzählten würde. Machte er sich Gedanken wegen letzter Nacht? Sollte er etwa schon bereuen, mit ihr geschlafen zu haben? Nein, das konnte es nicht sein - seine Leidenschaft war in jeder Berührung zu spüren, seine Zärtlichkeiten und seine Worte eindringlich, sanft und ehrlich und sie beide waren nahe daran, in ihren Gefühlen zu explodieren! Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Frank sie in dieser Beziehung ausgenützt hatte, dafür kannte sie ihn zu gut.
Kate beobachtete ihn noch eine Weile – er war wirklich weit weg mit seinen Gedanken… Sie schenkte noch etwas Kaffee nach und als sie den Krug etwas unsanft auf den Tisch stellte, hatte sie ihn bereits aus seinen Gedanken gerissen.
„Frank – was ist los?“
ihre Worte waren sanft aber eindringlich.
“Möchtest Du mir erzählten, woran Du denkst?“
Er war nun wieder voll da. Ja, sie kannte ihn in dieser Beziehung inzwischen wirklich gut genug. Immerhin arbeiteten sie schon so lange zusammen und sie wussten, wie der andere dachte und handelte, und seit letzter Nacht eben auch was sie füreinander empfanden. Frank bedankte sich für den heissen Kaffe, nahm einen Schluck und schaute sie ernsten Blickes an.
„Kate, ich möchte, dass Du Dir einen neuen Partner suchst…“ begann er.
Kate schaute ihn verwundert an und im gleichen Moment begannen ihre Gedanken zu rotieren. Ihr Blick verdunkelte sich;
„Ach – zuerst schläfst zu mit mir und nun willst Du mich wieder los haben?!“
antworte sie und ihre Stimme wurde etwas lauter. Frank schüttelte den Kopf und stand vom Tisch auf. Sein Blick war unverändert und Kate wusste, dass er einen Entschluss gefasst hatte, den sie ihm nicht ausreden konnte. Er drehte sich wieder zu Kate um, die noch immer ihre Tasse in der Hand hielt und auf eine Erklärung wartete.
„Nein, das hat damit nichts zu tun“ diesmal drehte er sich von ihr ab, ging zum Fenster und blickte wieder auf das rauschende Wasser. Unsanft landete Kate’s Tasse nun auf dem Teller.
„Und womit bitte hat es denn zu tun?!“ Frank blickte unverändert aus dem Fenster und drehte sich wieder langsam zu ihr. Sie sass noch immer am Tisch, ihr Puls begann zu rasen.
„Kate, wir arbeiten nun schon acht Jahre zusammen. Ich werde langsam zu alt für die Einsätze!“
Kate schaute ihn verwundert an; Frank der täglich trainierte, sich gesund ernährte und alles tat um fit zu bleiben, klagte über sein Alter?
„Ach komm! Das glaubst Du ja selber nicht!“
„Kate, Du bist einige Jahre Jünger als ich, Du solltest Dir einen Partner suchen, der in Deinem Alter ist!“ Frank sah sie eindringlich an. Gott, was hatte der Mann bloss? Nach all den Jahren wurde Kate einfach nicht schlau aus ihm und sie hasste es, wenn sie ihm alles aus der Nase ziehen musste, vor allem wenn ihn etwas beschäftige und er nicht darüber reden wollte!
„Was meinst Du mit in „meinem Alter“? Gott, Du bist gerade mal 7 Jahre älter wie ich – Du gehörst noch lange nicht zum alten Eisen!!“
„Ich habe mich entschieden; das war der letzte Job den ich mit Dir zusammen gemacht habe – ich höre auf!“ seine Worte waren bestimmt und als er ausgesprochen hatte, wendete er sich wieder dem Meer zu. Kate, die inzwischen auf gestanden war, setzte sich wieder – aufhören, einfach so? Aus Altersgründen? Unabdingbar?? Doch ihre Kämpfernatur liess sie gleich wieder aufstehen und festen Schrittes zu Frank hingehen. Sie packte ihn von hinten an den Oberarmen:
„Verdammt Frank – Du machst es Dir zu einfach!“ ihre Stimme war nun auch etwas lauter, aggressiver und verärgert dazu. Frank blieb wie angewurzelt stehen. Kate fuhr in harschem Ton fort:
“Und was soll mit mir geschehen? All die Jahre haben wir zusammen gearbeitet – ich soll nun alleine, ohne Dich weitermachen?“ Frank hatte sich nun umgedreht und Kate stand noch immer entrüstet vor ihm und konfrontierte ihn mit harten Worten. Doch er reagierte scheinbar gar nicht darauf – sein Blick wanderte durchs Zimmer und Kate hatte auf einmal das Gefühl, dass sie an eine Wand redete.
„Verdammt noch mal - Frank – nicht jetzt!!“ Sie liess nun ihre Hände auf seine Unterarme gleiten und schaute ihn mit grossen Augen an. Frank erwiderte ihren Blick, packte sie an den Schultern und schüttelte sie sanft.
„Kate, Du hättest das letzte Mal draufgehen können!“ Mit dem Kopf deutete er auf ihr Bein, das unter dem Morgenmantel noch immer die grosse, rosafarbene Narbe trug.
Kate schaute ihn nun verständnislos an.
„Ach das, das ist doch Peanuts!“ sie verwarf die Hände; Franks Stimme war noch immer ruhig, aber Kate bemerkte die Besorgnis:
„Peanuts? Kate, Du bist fast verblutet!! Du warst schon fast im Jenseits!!“ Nun war auch seine Stimme etwas lauter und eindrücklicher. Sie schaute Frank an – sein sorgenvoller Blick verriet, dass sie wirklich in grosser Gefahr gewesen sein musste und dies gar nie so richtig mitbekommen hatte. Okay, sie war mehrere Tage bewusstlos und sie brauchte auch mehrere Wochen wieder auf die Beine zu kommen, aber dass sie so nah am Abgrund war, wurde ihr erst jetzt so richtig bewusst. Sie schüttelte den Kopf:
“Du hast also meinetwegen unsere Regeln gebrochen und warst bei mir?“ er nickte stillschweigend.
„Erzählst Du mir, was passiert ist?“ ihre Stimme beruhigte sich langsam wieder und Frank nickte erneut, nahm ihre Hände und führte sie zum Sofa. Während sie sich setzten, begann er zu erzählen:
“Als du zum abgemachten Zeitpunkt nicht angerufen hattest, stellte ich Nachforschungen an und fand heraus, dass der LKW wie geplant im Dorf angelangt war. Die Blutung war kaum zu stillen und James war sehr besorgt. Er veranlasste, dass Du von den Leuten dort - wenn auch unter grosser Gefahr für alle Beteiligten - aufgenommen wirst. Eine weisse Frau in ihrem Dorf, das hätte sich schnell rum gesprochen und so musste gehandelt werden. Sie brachten Dich in ein Versteck in einer Höhle wo sich die Stammesmutter und ein paar einheimische Frauen um Dich kümmerten bis Du wieder einigermassen gesund warst. Tagelang verbanden sie Deine Wunde, legten Kräuter und Salben drauf und beteten, dass die Blutung Dir nicht das Leben nehmen würde. Du warst die meiste Zeit bewusstlos, bekamst Fieber und Schüttelfrost und konntest nur noch wenig Flüssigkeit zu Dir nehmen. Dein Zustand war zu diesem Zeitpunkt sehr kritisch und deswegen veranlasste Jimmy, der Euch alle dorthin gefahren hatte und auch zu Eurem Schutze noch einige Tage dort bleiben sollte, mit mir Kontakt auf. Er wusste dass du schnell weg musstest, nicht nur wegen Deinem Zustand sondern hätte man Dich gefunden, wäre das für Dich und das Dorf ganz schlimm ausgegangen. Iceman war zu diesem Zeitpunkt noch immer auf freiem Fuss und hatte seine Leute ausgeschickt, uns und die Einheimischen zu suchen. Erst als keine Gefahr mehr drohte und Du soweit transportfähig warst, haben wir dich zurück zum Hotel gefahren.”
“Du warst also wirklich dort? Ich dachte ich hätte das nur geträumt…” Ihre Pupillen weiteten sich. Frank nickte und Kate schaute ihn lange an:
“Du hast Dir also wirklich meinetwegen Sorgen gemacht und unsere Regeln gebrochen??” Kate konnte dies noch kaum fassen, aber es bestätigte ihr, dass Frank sie wirklich mochte, und die letzte Nacht bewies er ihr, wie sehr!
Frank nickte erneut, legte seine Arme um ihre Hüften und drückte sie ganz fest an sich. Kate brauchte nicht auf eine Antwort zu warten – seine Augen verrieten alles und sie legte ihren Kopf dankend auf seine Schulter. Noch nie fühlte sie sich so sicher und geborgen wie in diesem Moment und für eine Sekunde war sie wirklich glücklich hier zu sein.
Ihre Gedanken kehrten zu seinem Entschluss zurück und sie blickte auf.
„Also hat es nichts mit Deinem Alter zu tun, dass Du aufhören willst…“
Seine grossen, braunen Augen versanken in ihren, und er legte wortlos und seine Hände auf ihren Oberschenkeln. Wieder wusste sie nicht genau, woran sie war und harsch meinte sie:
„Frank, die letzten paar Jahre waren haben wir so viel Gutes für uns und die Menschheit getan. Und immer sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Komm mir jetzt bloss nicht damit, dass Du altershalber aufhören willst!“
Sie drohte erneut in eine unendliche Diskussion zu fallen und rückblickend auf all die Jahre konnte sich Kate einfach nicht vorstellen, dass sie die Arbeit ohne Frank weiter führen könnte und auch wollte:
„Frank, ich will nicht ohne Dich weitermachen!“
sie senkte ihren Kopf und unweigerlich sah sie die Bilder der letzten Nacht vor sich:
„Jetzt erst recht nicht!“
Frank hob ihr Kinn zu sich und schaute sie liebevoll an. Kate konnte seinen wahren Grund spüren, warum er aufhören wollte, aber sie wollte es mit seinen Worten hören:
“Das musst Du auch nicht. Es ist Deine Entscheidung, ob und wie Du weitermachen willst. Es gibt noch viele andere Aufgaben zu lösen…“
Kate schaute ihn nun herausfordernd an:
„Frank, warum sagst du es nicht?“ Sie kannte den wahren Grund jetzt aber sie wollte es aus seinem Munde hören. Frank schaute sie tiefgründig an und mit leisen Worten meinte er:
“Ich könnte es nicht ertragen, wenn Dir etwas geschehen würde….“
Kate’s Herz begann wie wild zu klopfen. Gott, dieser Mann, der sich gegen aussen so knallhart und eisern gab, war so sanft, so feinfühlig und zärtlich und in diesem Augenblick wusste sie, dass sie ihn liebte. Ihre Gefühle waren schon lange da, nur hatte sie sie immer wieder weggedrängt weil Frank immer so zurückhaltend und eigenbrötlerisch war, wenn sie einander privat mal etwas naher kamen als sonst. Und jetzt war sie sicher, dass auch er mehr für sie empfand, als sie jemals wagte anzunehmen und die erst gestern voll zum Ausbruch kamen. Und gerade bekam sie die wiederholte Bestätigung von ihm. Mit einem Schlag wusste Kate, wie sie sich entscheiden sollte. Sie nahm seine Hände von ihren Schenkeln, stand auf und ging zum Fenster und schenkte einen Blick nach draussen.
Frank sass noch immer auf dem Sofa und beobachtete sie.
„Ich denke, ich könnte mich an einen Ausblick wie diesen gewöhnen….“
Sie drehte sich zu Frank: „Solange Du an meiner Seite bist…“
Frank stand auf und umarmte sie ganz lange.
„Ich hoffe, dass Du Deinen Entschluss nicht bereuten wirst“ flüsterte er ihr ins Ohr.
Kate sah ihn liebevoll an und schüttelte den Kopf:
“Wie könnte ich, Frank!“
Später am Nachmittag lag Frank draussen in der Hängematte und las ein Buch. Kate beobachtete ihn durch ein Fenster. Dieser muskulöse Körper, der sie die ganze Nacht so leidenschaftlich umschlang und liebkoste, die feurigen braunen Augen und die heissen Küsse - im Bruchteil einer Sekunde hatte sie wieder all die Bilder der letzten Nacht vor Augen und – wie sie beide nicht genug von einander bekommen konnten. Sie fühlte seine Hände, seinen Körper und sie roch seine Haut, spürte seine Lippen und den Duft seines verlangenden Körpers.
Es war schon so lange her, wo sie begehrt und geliebt wurde und nie hätte sie gedacht, dass sie jemals wieder so tiefe Gefühle für jemanden empfinden konnte, die sich noch steigern würden, so wie es letzte Nacht geschehen ist. Und für einen Moment war sie wieder in der lange verdrängten Vergangenheit, sah ihren damaligen Mann, das Glück das sie teilten und wie unbeschwert sie waren, bis zu dem Tag wo ein tragischer Autounfall sein Leben auslöschte und sie zurückliess. Eine ach so heile Welt brach für Kate zusammen; sie waren beide so jung und hatten noch so viele Pläne - und auf einmal war sie alleine mit all der Verzweiflung, dem Hass und der Hilflosigkeit der sie ausgeliefert war. Und sie konnte nichts gegen den betrunkenen Raser tun, der ihr den Allerliebsten wegnahm, den sie je hatte.
Am Tag der Beerdigung hatte sie sich geschworen, der Gerechtigkeit zu dienen; sie änderte ihren Namen, absolvierte die langjährigen und harten Ausbildungen und spezialisierte sich auf diversen Gebieten bis sie kurz vor ihrem Abschluss von Frank angesprochen wurde. Sie hatte noch keine konkreten Vorstellungen, wie sie vorgehen sollte, doch durch ihn fand sie den richtigen Weg und nie bereute sie ihren damaligen Entschluss.
Kate wurde aus ihren Gedanken gerissen, just in dem Moment als Frank sie zu sich rief und bat, ihm Gesellschaft zu leisten. Kate winkte ihm, sie musste sich an die neue Situation gewöhnen, holte etwas zu trinken und legte sich dann zu Frank in die Hängematte. Zusammen lagen sie stillschweigend Arm in Arm, schauten den Wellen zu, die so friedlich dahin wogen und beobachteten die Sonne, wie sie sich langsam am Horizont verabschiedete um sich am nächsten Tag wieder in voller Pracht zu zeigen.
Frank küsste Kate ganz zärtlich.
„Sag mal, hast Du Dir eigentlich schon mal Gedanken über eine Familie gemacht?“
Kate schaute Frank überrascht an und schüttelte den Kopf.
„Familie?“
„Ich dachte, jetzt wo wir keinen Job mehr haben, könnten wir uns vielleicht ganz anderen Dingen zuwenden?“ Frank schmunzelte und Kate überlegte einen Moment. Dann grinste sie:
“Du gehörst also doch noch nicht zum alten Eisen…“ Sie lachten beide und Kate stiess ihn sanft in die Rippen. Frank brauchte keine Antwort – Kates Augen sprachen Bände….
Frank drückte sie noch fester an sich und sie küssten sich lange, zärtlich und voller Leidenschaft….
ENDE