Schutt und Schlamm
geschrieben von Chnuesi
Kapitel 1
Er stellte sein Motorrad auf dem Parkplatz vor dem seismologischen und geophisikalischen Institut der University of California ab. Noch immer war er sich nicht sicher ob er diesen Dr. Harold Fairchild wirklich Leben einhauchen sollte. Diese Art Katastrophen Film, das war nicht ganz so das was er eigentlich machen wollte. Deshalb war er hergekommen, vielleicht konnte ihm dieser Dr. Eli Morchan weiterhelfen. Langsam trat er die Stufen des modernen Komplexes hinauf und stiess die Glastür auf. Im Innern empfing ihn eine angenehme Kühle. Herrlich, draussen war es stickig und um die siebenunddreissig Grad heiss. Er schritt den langen Gang hinunter, lauter Türen rechts und links und eine wie die andere gleich aussehend, ohne die Nummern darüber wäre es unmöglich sich hier zurecht zu finden. Vor der vierundzwanzig blieb er stehen und klopfte. Er musste nicht lange warten, die Tür öffnete sich und ein kleiner, dunkelhaariger Mann mitte fünfzig schaute ihn durch eine dicke Hornbrille an.
„Ah, da sind sie ja, guten Tag Mr…..äh…. Reeve…oder? Em ja …. Miss Livingston… meine Asistentin hat mir eben gesagt, dass heute ja … em Donnerstag ist und sie vorbei kommen würden…wegen irgend so einem Filmprojekt nicht?“
Der kennt mich nicht, dachte Keanu und musste innerlich grinsen.
„Guten Tag Dr. Morchan! Ich heisse Keanu Reeves und ja ich interessiere mich für ihre Arbeit, ich bin mir noch nicht sicher, ob ich einen Seismologen in einem Film spielen werde; irgendwie ist mir das ganze noch viel zu fremd und ich denke ich kann die autentizität des Drehbuches nur dann abschätzen, wenn ich verstanden habe, was sie hier so tun!“ Sagte er. Dr. Morchan winkte ihn herein und bot ihm einen alten Drehstuhl vor einem Computertisch an. Keanu setzte sich.
„Was für eine Art Film wird das werden? Wieder so ein unrealistischer Mist sie ‘das Erdbeben’
oder ‘Dantes Peak’?“
„Nein… oder besser ich weiss es noch nicht so genau, also das Schwergewicht liegt bei ‘The Wave’ eigentlich mehr auf dem Schicksal einzelner Menschen… aber ich möchte, wenn ich die Rolle wirklich übernehmen würde einen wirklich guten Seismologen abgeben!“
Morchan schaute ihn an als wäre Keanu gar nicht da. Dann drehte er sich um und schaute in die fünf Bilschirme die über dem Computertower installiert waren!
„Na dann werden wir ihnen einfach mal zeigen, an was wir hier so arbeiten! ….. Joan… kommst du mal herüber und erklärst dem Greenhorn da… wie unsere Saismographen funktionieren, ich hab hier gerade eine Aktivitätsmeldung von der fünf!“
„Geht in Ordnung Eli!“ hörte Keanu eine sympathische Frauenstimme von der offenstehenden Verbindungstür zum nächsten Labor sagen hören.
Dann erschien eine rundliche Frau um die vierzig, ebenfalls mit Brille in der Tür und streckte ihm ihre Hand entgegen.
„Hi… ich bin Joan Livingston, Elis Assi….. wir hatten telefoniert… und entschuldigen sie bitte Eli… der lebt für seinen Beruf und geht allerhöchstens ins Kino, wenn dort ein Erdbeben oder ein Tsunami drin vorkommt!“
Keanu grinste.
„Schon ok!“
„Ja also…. hier ist das Herzstück der seismologischen Überwachungsanlagen von Los Angeles und dem San Fernando Valley. In dem Gebiet sind fünfundvierzig Messstationen verteilt, zehn davon auf dem Meeresboden vor L A. Zudem können wir damit auch alle anderen Stationen von Californien abrufen.“
Joan erklährte Keanu mit welchen Mitteln man heute in der Lage war ein Erdbeben vorauszusagen, welche Szenarien sie auf der ausgeklügelten Computeranlage simulieren konnten und wo die Grenzen der Wissenschaft waren, das es noch immer extrem schwierig war, eine exakte Vorhersage abzugeben und was das ganze noch zusätzlich erschwerte, auch nicht mit Sicherheit sagen zu können, welche Beben einen Tsunami auslösen konnten und welche nicht.
„Das ist genau der Grund, warum die Politiker mit uns nicht zufrieden sind, wenn wir eine Warnung herausgeben, ist die Chance das unsere Vorhersage zutreffen wird in etwa 1:5. Natürlich haben wir in den letzten 15 Jahren von 1: 200 uns gewaltig gesteigert, aber…“
„Verstehen schon, wenn Arnie Schwazenegger die FEMA (Federal Emergency Management Agency, amerikanischer Katastrophenschutz) ruft um die Menschen zu evakuieren und dann trifft meistens nichts ein… das ist nicht gerade Wähler fördernd!“
„Ganz genau!“
Joan zeigte ihm auch eine eindrückliche Computeranimation.
„Das hier ist der super Gau (Grösst anzunemender Unfall, kommt ursprünglich von Kernkraftwerken ist heute aber ein genereller Ausdruck für den schlimmsten anzunehmenden Fall), der eigentlich laut Statistik längst überfällig wär.“
„Was heisst das?“
„Das heisst, dass wir auf einer Zeitbombe sitzen. Laut Statistik müsste es ein Erdbeben in der Grössenordung dessen, welches San Franzisco 1906 heimsuchte alle 50 Jahre in Californien geben. Es hatte aufgrund des Zerstörungsgrades vermutlich ein 6-7 auf der Richterscala. Wir haben seither kein so grosses mehr gehabt. Eines das zwischen 8 und 10 auf der Richtersscala liegen würde, wäre so in etwa alle 400 Jahre fällig. Wir wissen durch geologische Untersuchungen, dass das letzte wirklich so extreme Beben wohl 1500 Jahre zurück liegt… Theoretisch.. „
„….hätte es uns längst durchschütteln müssen!“ Ergänzte Keanu ihren Satz.
Sie nickte. Dann liess sie die Animation starten. Man sah die Stadt der Engel im jetzigen Zustand, dann begannen die Hochhäuser zu schwanken, mitten durch L A rissen die Strassen entzwei, die Häuser vielen in sich zusammen, eine Staubwolke stieg auf und dann war nur noch Schutt zu sehen….Keanu wollte schon wegsehen da hielt sie ihn am Arm.
„Warten, das war erst der Anfang!“
Keanu blickte wieder auf den Bildschirm wo L A nicht wieder zu erkennen war und dann sah er im Zeitraffer wie sich das Meer zurückzog und bald darauf eine riesige Welle über das gesammte Stadtgebiet ergoss. Nichts war mehr zu sehen.
Keanus Hände wurden feucht…
„Wie lange wird das dauern?“
„Eine halbe Stunde nach dem Erdbeeben, vielleicht auch eine ganze, mehr nicht!“
„Und die Überlebenschancen!“
„Kommt drauf an, wer das extrem schwere Beben überlebt hat, was nur wenige sein werden tja die haben in der Welle die fünfundfierzig Meter hoch sein wird keine Chance …..am ehesten vielleicht in den Hollywoodhills… aber… man muss sich das mal vorstellen, die Menschen werden kaum durch den Schutt kommen und die die es schaffen, werden alle dorthin flüchten wollen, ein unglaubliches Chaos…!“
„Kann ich das nochmals sehen!“
„Klar doch, einfach hier drücken, dann kommt es nochmals!“ Sagte Joan.
„Ich mach uns einen Kaffee… und falls sie Rauchen wollen, dort drüben ist Elis Aschenbecher!“
Kapitel 2
Er sah sich die Animation ein zweites mal an, er dachte nach, nicht nur dass er jetzt sehr beunruhigt war nein dieser Film, der musste gemacht werden. Irgendwie musste jemand die Disskussion über die Art wie man in L A die Tatsache einer bevorstehenden Katastrophe einfach ausblendete aufnehmen. Das musste so nahe an der Realität gemacht werden, wie nur möglich. So aufrüttelnd und echt, dass die Bevölkerung aufgerüttelt wird und die Politiker zum Handeln gezwungen würden. Es musste doch irgendwie möglich sein, eine Notinfrastruktur aufzubauen. Die Baubestimmungen anzupassen und all sowas! In seinem Kopf liefen die Zahnräder auf hochtouren und als Joan ihm nun die Funktion eines Seismographen erklährte, da hörte er eigentlich nur mit einem Ohr hin.
Drei Stunden später hatte er in Outdoor an Travelcenter einen Benzinkocher, ein Zelt, Liegematte, einen Rucksack, drei Schlafsäcke, Taschenlampen, ein schweizer Offiziersmesser gekauft und liess sich die ganze Ausrüstung nach Hause schicken. Danach fuhr er zum Supermarkt der ihm immer die Lebensmittel lieferte und bestellte dort fünf Packungen Mineralwasser, Teigwaren, drei Liter Öl, Salz, Trockenfleisch und noch andere lagerfähige Lebensmittel. Dann rief er seinen Manager Erwin Stoff an:
„Hi Erwin!“
„Hallo Keanu, na war’s interessant?“
„Uhm…. ja sehr… wir müssen ‘The Wave’ unbedingt machen. Aber nicht so, wie die Autoren das
vorgesehen hatten, das muss viel autentischer, naher an der Wirklichkeit sein. Nur dann werde ich diese Dr. Harold Fairchild mimen.“
„Bist du verrückt? Da sind schon fünfundneuzigtausend Dollar Planungskosten raus!“
„Erwin… das ist mir scheissegal, wenn nötig, dann bezahle ich den Defizit….was ich heute mitbekommen habe, das ist viel wichtiger als klingende Kassen in den Kinos!“
„Man Keanu… haben die dich mit einem Endzeitscenario weichgeklopft?“ schnaubte Erwin verärgert.
„Und wenn?!…. Das was ich heute gelernt habe… ich kann meine Augen nicht schliessen davor, das es möglicherweise in Los Angeles irgendwann bald tausend mal schlimmer aussehen wird als nach Kathrina in New Orleans!… Erwin, du hast mir eingebläut ich sei auch eine öffentliche Person ja….. Das habe ich ernst genommen und mich für ‘Stand up 2 cancer’ zur Verfügung gestellt, nicht!….. Warum soll ich da nicht auch was machen…. und zwar professionell… um den Wissenschaftlern die sich einig sind darüber, dass wir auf einem Pulverfass sitzen, etwas mehr Gehör zu verschaffen!….“
Erwin schwieg einen Moment und sagte dann:
„Na gut… lass uns morgen in meinem Büro darüber reden. Zehn Uhr O K!“
—
Vivien trug die zwei Monate alte Zoë bäuchlings über einer Mullwindel auf der Schulter herum. Das Mädchen hatte Bauchkrämpfe und schrie, dann stiess sie endlich auf und wie üblich spie sie auch gleich den Rest der Milch in hohem Bogen neben der Windel auf Vivians Bluse.
„Na prost kleiner Spatz, da müssen wir beide mal wieder alles frisch anziehen!“ Sagte sie und hob die kleine auf die Wickelkommode zog das säuerlich riechende Baby aus, hob sie wieder hoch und liess im Badezimmer gleich die grosse Wanne einlaufen.
Sie legte ein grosses Badetuch auf den Fussboden und die nackte Zoë darauf.
„Na dann gehen Mommy und Du halt gemeinsam baden. Mal sehen, bald kommt Daddy nach hause , ob der uns im Badezimmer finden wird?“
Zoë gab zufriedene Gluckslaute von sich und steckte sich das Fäuschen in den Mund.
„Ja das magst du, nackt strampeln auf dem warmen Boden!“ Sagte Vivian und zog sich vor ihr aus, warf ihre dreckigen Kleider gleich in den Wäscheabwurf und hob ihre Tochter wieder vom Boden auf. Dann stieg sie in die mittlerweile gefüllte Wanne und legte Zoë auf ihren Bauch.
Sean Kellerman stieg die Stufen vom Evanview Drive in den Hollywood Hills hinauf zum Haus und schloss auf.
„Hallo Schatz!“ rief er in den Gang, aber er bekam keine Antwort.
„Hey Viv wo seit ihr denn?“
Noch immer antwortete niemand dann hörte er Wasser laufen, er öffnete die Tür zum Schlafzimmer und dann die zum Badezimmer.
Vivian lag mit geschlossenen Augen in der Wanne und Zoë gluckste fröhlich auf dem Bauch der Mutter.
„Na da seit ihr beiden ja!“ Meinte Sean belustigt.
„Oh hallo! Guck Zoë, Daddy ist da!“
„Jawol, ich hab geschuftet heute wie ein Esel, und was macht meine Frau und meine Tochter, die liegen gemütlich in der Wanne! Gemeinheit sowas!“ Sagte er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Er kam näher und drückte Vivian einen Kuss auf die Stirne.
„Was gibts heute feines?“
„Hab nen Braten im Ofen, und dazu Reis und Salat!“
„Fein, ich geh mal schon und decke den Tisch!“ Meinte er und verschwand aus dem Bad.
In dem Moment drönte ein unheimliches Grollen durchs ganze Haus. Vivian hatte sowas noch nie gehört, es schien immer lauter zu werden; dann begann die Badewanne wie von Zauberhand in die Höhe gehoben um danach wieder nach unten gedrückt zu werden, dabei brach sie in zwei Teile, der Boden begann nun zu zittern und schien sich irgendwie nach rechts zu bewegen, der Glasschrank über dem Spühlbecken knallte auf den Boden. Das ganze Badezimmer bekam Risse und geriet in Schieflage. Die Tür sprang mit einem laute Ächzen auf und gab die Sicht frei direkt auf den blauen Himmel und nicht wie vorher in das Schlafzimmer der Kellermanns!
Kapitel 3
Keanu lag am Boden seiner Küche. Rings um ihn herum lagen Glas- und Porzelanscherben. Noch immer konnte er die Hängelampe über dem Esstisch draussen klimpern hören und von der Terasse hörte er Wasser rauschen. Das konnte doch nicht wahr sein. Das hier war mit Sicherheit ein sehr schweres Beben gewesen, es hatte erst vor dem Herd in die Höhe katapultiert und dann war er wie die Gläser und Teller aus dem Kasten auf den Marmorboden gekracht. Er hatte Schmerzen im rechten Ellenbogen, aber er konnte ihn bewegen. Offenbar hatte er ihn an der Kochinsel angeschlagen.
Er stand auf, ging aus der Küche ins Wohnzimmer und staunte nicht schlecht. Alle Möbel verrutscht, sämtliche Bilder lagen am Boden, die meisten mit geborstenem Rahmen. Über dem Kamin klaffte eine Handbreite Spalte und die Fensterscheiben zur Terrasse waren alle bis auf eine geborsten. Dann fiel sein Blick über die Terrasse auf die Stadt hinunter. Was er da sah, erinnerte ihn an die Computeranimation von Vorgestern! Eine riesige Staubwolke hing über L A, die Wolkenkratzer im Zentrum waren nicht mehr auszumachen!
„Scheisse!“ entfuhr es ihm. Er trat auf die Terrasse und stellte fest, das Wasser im Pool lief aus. Da hatte es wohl auch Risse gegeben. Dann schaute er hinüber zu den Nachbargrundstücken, ja die Häuser hatten auch Risse bekommen, aber noch standen die Gebäude, aber weiter unten gegen den Sunsetboulevard, da sah es katastrophal aus. Kein Haus stand noch…
—
Zoë schrie wie am Spiess, Vivian stieg völlig geschockt aus der kaputten Wanne. Dann schaute sie sich um sie bekam das Badetuch unter dem zertrümmerten Badezimmerschrank zu fassen und zog daran bis sie das Tuch frei hatte. Sie schüttelte es kräftig mit der einen Hand und mit der anderen versuchte sie das Baby zu beruhigen. Dann hüllte sie Zoë mit dem Tuch ein und schritt noch immer nackt aus dem Badezimmer.
Vor ihr lag ein Trümmerhaufen, das ganze wundervolle Backsteinhaus war in sich zusammengefallen, und da wo vorher noch ihr Schlafzimmer war, war nur noch Schutt.
„Sean!…. Sean! Oh Gott Sean, wo bist du!“ Rief sie laut, aber sie konnte ihren Mann nirgends entdecken.
Statt dessen viel ihr Blick weiter drüben die Überresten des begehbaren Schrankes. Dort lief sie hin, fand eine ihrer Jeans, auch ein T-Shirt. Sie legte Zoë sorgfältig auf eine leere Schublade die aus den Ziegeln ragte schüttelte die Kleider aus und zog sie hastig an.
Und dann sah sie eine Hand aus dem Schutt ragen.
Mit blossen Händen versuchte sie ihren Mann auszugraben, sie kam bis zu seinem Kopf. Sie war genug lange Krankenschwester gewesen dass sie wusste, wenn er nicht in einem Hohlraum zu liegen gekommen war… dann …
Sie suchte den Puls am Hals…. aber da war keiner mehr.
—
Er ging wieder ins Haus, öffnete den Wasserhahn. Kein Wasser… was ihn nicht wunderte, dann drückte er den Lichtschalter…. kein Strom… ebenfalls nicht verwunderlich. Langsam schritt er durch den Gang zu seiner Garage… Dass er so schnell seinen Notvorrat brauchen würde… damit hatte er wirklich überhaupt nicht gerechnet. Er schaute in jedes Zimmer. Überall sah es gleich aus, ein völliges durcheinander von verrutschten Möbeln und heruntergefallenen Gegenständen, und dazwischen alles voller Glasscherben der zerbrochenen Fensterscheiben. Endlich hatte er die Garage erreicht, was er jetzt machen musste war klar. Zuerst die Kiste mit dem Notvorrat auf die Terrasse und dann mit der Leiter auf das Dach! Eine halbe Stunde, wenns hoch kommt eine vielleicht!…. Das hatte Joan gesagt!
Kapitel 4
Vivan kauerte noch immer vor ihrem Mann. Völlig geschockt wusste sie nicht, wie lange sie so verharrt hatte. Die weinende Zoë jedoch riss sie aus ihrer Erstarrung. Sie ging zu ihrem Baby zurück hob es hoch. Ich muss denken, ich muss funktionieren, ich hab ein Kind! Begann es in ihr zu arbeiten. Onkel Eli… Gott er hatte recht gehabt….. und … die Welle! Schoss es ihr durch den Kopf. Sie blickte um sich. Ihr Onkel hatte gesagt, in den Hollywood Hills, da würde das Wasser vielleicht nicht hinkommen. Nun ja sie war ja genau da aber…. zu weit unten. Sie blickte um sich. Dort oben vielleicht und da standen eine ganze Reihe Häuser noch! Aber.. sie konnte nicht mit nackten Füssen diesen Hang hinauf kraxeln! ….. Sie hatte heute morgen das Auto nicht ganz ausgeräumt, da war noch die Wickeltasche von Zoë drin und die Ballerinas, wie gut dass sie es sich angewöhnt hatte, stets diese Schuhe im Auto zu haben, damit sie nie mit hohen Absätzen fahren musste. Sie drückte das Baby an die Brust und versuchte über die Schutthaufen hinunter zu der Einfahrt zu gelangen wo ihr Mini völlig unversehrt neben Seans Mercedes stand.
Sie musste die Tür öffnen ohne Schlüssel. Mit einem Backstein schlug sie die Scheibe ein und holte die Schuhe heraus und die Wickeltasche, zog dort das Babytragetuch heraus, band sich dieses um und setzte Zoë hinein, die immernoch weinte. Einen Schnuller hatte sie auch gefunden und bot ihn ihr an. Aber zum Wickeln und anziehen, da war jetzt keine Zeit mehr…. Sie warf sich die Wickeltasche über und versuchte so schnell sie konnte über den Schutthaufen der kaputten Häuser zu klettern und danach den steilen Abhang hinauf zu den Häusern an der Thrasher Ave hinauf.
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Er hatte sich hinter einen Absatz auf den Dach gesetzt, dort wo die Oberlichter waren, die im langen Flur die Kunstwerke mit Tageslicht versorgten, hier würde er etwas geschützt sein selbst wenn die Welle über das Dach schlagen sollte. Drüben bei Leonardo Di Caprio war Antonia, seine Haushälterin aufs Dach geklettert und schrie zu ihm herüber.
„Keanu, da sind Leute auf der Strasse vor deinem Haus!“
Er stand auf und ging hinüber zum Garagendach und stellte die Leiter dort hin. Es war ein schwarzer Mann vielleicht sechzig, eine junge blonde Frau und drei Kinder.
„Gibts noch mehr?“ Fragte Keanu als das erste Mädchen welches aufs Dach geklettert war. „Nein Mister, die anderen sind da drüben…“ Sie zeigte zum Haus der Mc. Kenzies, das auf der anderen Strassenseite lag.
Er gab der blonden Frau seine Hand und dachte dabei an Mom und an Karina. Beide waren nicht in der Stadt! Karina war bei Simon, einem langjährigen Freund in Baltimore und Mom machte mal wieder eine Kreuzfahrt mit ihren Bridgepartnerinnen. „Gehen sie dorthin wo ich die Kiste hingebracht habe! „ Sagte er zu dem schwarzen Mann. Der nickte und meinte zu der blonden Frau:“Carrie, dort, schau da haben wir Schutz!“
Keanu wollte sich wieder dorthin setzen, wo er davor schon sich hingekauert hatte, aber hörte er ein Baby schreien.
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Vivian hatte es bis zu der hohen Mauer geschafft, dort oben war eine Terrasse. Aber wie sollte sie nun da hinauf kommen. Sie fand gleich daneben ein durch dichtes Gebüsch überwucherte Böschung. Dort schob sie sich hinauf aber die Äste versperrten ihr den Weg. Zoë hatte schon einen im Gesichtchen und schrie!
„Kommen sie hierher!“ Hörte sie nun eine Männerstimme ihr zurufen. Sie blickte nach oben und entdeckte einen Mann mit schwarzer Gesichtsfarbe und einer blendend, weissen Reihe Zähne und gleich daneben ein Mann dessen Gesicht ihr bekannt vor kam.
„Kommen sie hier rüber, wir haben eine Leiter!“ Sagte der Schwarze und der andere stellte diese an die Ecke der Mauer hinunter.
Sie kroch aus dem Gebüsch hervor und kletterte die Leiter hoch. Keanu bekam ihre Hand zu fassen und half ihr auf die Terasse hinauf.
„Schnell, wir müssen auf das Dach dort!“ Sagte er zu Vivian und der Schwarze zog die Leiter wieder hinauf und stellte sie am Ende des Daches an. Der eine Junge stand oben.
„Dad… macht schnell… da kommt die Monsterwelle!“
Keanu schaffte es gerade noch als letzter hinauf. Da sah er und die anderen auf dem Dach, wie eine riesige Wasserfront auf sie zurasste.
„Weg hier, hinunter zu den Oberlichtern!“ Schrie er, fasste nach Vivians Hand und zog sie über das mit Kies bedeckte Flachdach zu dem Absatz, der ihnen vielleicht etwas Schutz bieten würde.
Kapitel 5
Mit lauten Tosen krachte die Welle an das Haus und rüttelte an dem beschädigten Gebäude. Eine Gischtwolke umhüllte sie und instinktiv beugte Keanu sich schützend über die junge Mutter und deren Baby. Es roch merkwürdig nach Staub und Meerwasser und das Rauschen wie wenn man nahe an einem grossen Wasserfall steht, liess nicht nach.
Vivian drückte sich so fest sie konnte an die Betonwand hinter ihr die rechts und links von Fenstern durchbrochen war. Sie hatte das Köpfchen ihres Babys in der einen Hand schützend an ihre Brust gedrückt und mit der anderen klammerte sie sich an diesen Mann der sich über sie gebeugt hatte. Sie schrie panisch, zitterte und hatte weit aufgerissene Augen.
Er wollte ihr etwas sagen, aber durch den Lärm um sie herum drang er nicht zu ihr hindurch.
Die blonde Frau neben ihnen hatte sich an den Schwarzen geklammert und das Mädchen sass auf dessen Schoss. Die Jungs lagen beide flach vor dem Absatz neben der Kiste auf dem Kies. Dann schwappte etwas Wasser aufs Dach, kam bis kurz vor ihren Platz und dann wurde es plötzlich merkwürdig ruhig.
Keanu hob den Kopf und sah dass der Scheitel der Welle durch war.
Vivian zitterte noch immer.
„Schsch……! Es ist vorbei, wir ….. wir haben es überstanden!“ Sagte er beruhigend und blickte ihr direkt in die immernoch aufgerissenen Augen.
Sie öffnete langsam ihre Faust, mit der sie sich an Keanu geklammert hatte und begann zu Weinen.
Die blonde Frau setzte sich auf. „Ist irgendjemand verletzt!“
Die Kinder meldeten sich. „Nein Mom! Glaub nicht!“
Aber die Frau da, sie hat einen Schock!“ Meinte sie, stand auf und setzte sich neben Vivian, legte den Arm um sie und sagte. „Es ist vorbei Mam, wir haben es überstanden!“ Keanu hatte sich nun aufgerichtet und stand etwas unbeholfen neben den beiden Frauen, da kam der Schwarze und klopfte ihm auf die Schulter.
„Hey Mister Reeves ich bin Leroy Jackson, und vielen Dank, dass sie uns so beherzt geholfen haben!“ Keanu konnte nichts antworten noch war er zu aufgewühlt von der Katastrophe.
„…. und das hier sind Leroy jun., Levin und Cathy…unsere Kinder und… ja eben meine Carrie!“ Er zeigte auf seine Frau die sich noch immer um Vivian kümmerte.
„Keanu! „ Sagte er nun. „Nur Keanu ok!“ Leroy nickte; er zog Cathy an sich die ebenfalls weinte.
„Und wie heissen sie denn?“ Fragte nun Carrie wärend sie das Baby über die Wange streichelte.
Vivian beruhigte sich etwas. „Vivian Kellermann und das ist meine Tochter Zoë!“
Keanu schaute von seinem Dach erst zur Strassenseite hinunter, die braune Brühe floss bereits ab, hinterliess aber Unmengen von Schutt, Schlamm und Gegenständen die sie mitgerissen hatte. Weiter unten, an einer Palme staute sich das ganze und bildete einen grossen Tümpel.
Dann viel sein Blick hinunter auf das was von der Stadt der Engel übrig geblieben war. Braunes Wasser, Schutthügel, Schlamm… meterhoch und so weit das Auge reichte. Wo einmal Hochhäuser standen, war nichts mehr übrig und über allem herrschte eine gespenstische Stille! Noch immer war der Himmel milchig trüb weil er voller Staubpartickel war. Die Sonne stand mittlerweile tief im Westen, bald würde es dunkel.
Vivian rührte sich nun und packte Zoë aus dem Tragetuch.
„Das Baby ist ja nackt!“ Sagte Cathy erstaunt, nachdem auch sie sich etwas beruhigt hatte.
Vivian nickte und fasste nach der Wickeltasche, die sie noch immer umgehängt hatte.
„Ich war mit ihr am Baden, als…. als das Beben losbrach!“ Sagte sie. „Ich hatte keine Zeit! Ich wusste das die Welle kommen wird!“ Sagte sie stockend.
„Warum?“ Fragte nun Keanu. „Ich meine, wie konnten sie das wissen, die meisten hier …. glaube ich, wissen das nicht!“ bemerkte er total überrascht.
„Mein Onkel… er ist Seismologe…… er hat das immer gesagt!“
Er nickte. „Hm, wie Dr. Eli Morchan und Joan Livingston das mir auch sagten!“
„Onkel Eli…Sie kennen ihn!?“
„Ja, ich war vorgestern im Intstitut…. wegen einem Katastrophenfilm! Hätte nicht gedacht….. „ Er brach ab, schaute wieder auf das schier Unglaubliche das sich vor ihnen abspielte.
Vivian wischte Zoë sauber, zog ihr eine Windel, Hemdchen und Strampler an. Wie gut, hatte sie immer in der Wickeltasche eine Reservegarnitur eingepackt. Dann holte sie den Schnuller hervor und fragte:
„Hat vielleicht jemand Wasser? Das hier ist so voller Dreck ich….“
„Drüben, bei der Kiste stehen Mineralwasserflaschen!“ Sagte Keanu. Leroy junior brachte ihr eine und sie öffnete sie und spülte den Schnuller damit sauber, dann trank sie etwas davon.
„Entschuldigt, ich … ich denke wir müssen einteilen!“
Keanu nickte. „Ja, ich denke mir, das war so schlimm, bestimmt ist ganz Californien davon betroffen, das wird lange gehen… bis Hilfe kommt!“
„Stillen sie Vivian?“ Fragte nun Carrie.
„Ja warum?“
„Weil das gut ist, wir haben keine Säuglingsnahrung und….. Männer, Vivian braucht extra Wasser!“
„Warum?“ Fragte Levin. „Man, bist du doof….“ raunzte Leroy seinen Bruder an. „Weil sie für sich und für das Baby trinken muss…. Muttermilch! Ts, ts, ts!“
„Wo ist denn der Daddy von Zoë?“ Fragte Levin weiter.
Vivian schluckte, räusperte sich, schluckte ein weiteres mal und dann kamen ihr die Tränen.
„Du bist ein echter Idiot!“ Meinte Leroy.
„Leroy… halt den Mund, Levin du auch!“ Schimpfte Leroy senjor seine Jungs aus.
„Sean… ich meine Zoë’s Daddy….. er …. er liegt da unten, unter Ziegeln und Schutt…. ich hab ihn etwas ausgegraben….. aber…. !“ Weiter kam Vivan nicht, sie heulte erneut dann fasste sie sich wieder um das Ungeheuerliche auszusprechen: „ Mein Mann ist tot.“
Kapitel 6
„Hallo! ….. Bitte, ist es da oben trocken, könnten wir vielleicht…… „
Leroy senior schaute zuerst Keanu an der neben Vivan auf einer ausgebreiteten Schlafmatte sass und als diese nickte, stand er auf und schaut vom Dach hinunter auf die Überresten der Thrasher Avenue. Mittlerweile war es fast ganz dunkel. Leroy sah auf eine Gruppe von sechs Personen herunter, eine wurde von zwei Männern getragen.
„Ja hier ist es trocken…. da drüben hat es eine Leiter!…… Keanu…kommst du mal her, die haben einen Verletzten dabei!“
Die beiden Männer bekamen den jungen Mann, der ein mit Lumpen notdürftig bandagiertes Bein hatte an der Leiter zu fassen und zogen diesen rauf. Danach kamen zwei Männer, eine Frau und zwei Mädchen die Leiter hinaufgeklettert. Alle waren total von Schlamm verdreckt.
„Vielen Dank!“ Sagte der eine Mann. Leroy hatte den Verletzten weiter hinten neben Vivian auf den Kies gelegt.
„Er heiss Mike und ich bin sein Vater Brian… und das hier ist meine Frau Ellen und unsere Töchter Lisa-Marie und Veronica!“
Leroy stellte die ganze Gruppe den Neuankömmlingen vor und Keanu setzte sich wieder neben Vivian. Er schaute zu ihr und sah, dass sie Zoë stillte.
„Sie sollten was trinken Mam!“ Sagte er, stand auf und holte eine zweite Flasche Wasser.
„Danke….. ich bin Vivian bitte ja!“ Sie hatte ein maskenhaft versteinertes Gesicht.
Er nickte und sagte: „Keanu!“ Da huschte ein Lächeln über ihr Gesicht.. „Hm….. glaubst du mir, dass ich das schon wusste, als ihr mich da rauf geholt hattet?“
Er nickte und grinste. „Em… ja ich soll so einem Kinohelden gleichen!“ Meinte er doch gleich darauf schien es ihr, dass er düster dreinblickte.. allerdings, es war schwierig wirklich etwas zu erkennen. Es war nun ganz dunkel geworden.
„Du machst dir Sorgen?“
„Hm… ja…… noch sind die Menschen geschockt.. man hilft sich…. aber….“
„….irgendwann werden alle hungern…. dann wird geplündert und ….. die Toten werden zu riechen beginnen!“ fuhr sie fort.
„Ich hoffe…. die FEMA wird bald eintreffen und….. vielleicht auch das Militär!“ Er hatte eine Kerze geholt und sie vor Vivian auf einen Kieselstein gestellt und mit seinem Feuerzeug angezündet.
Sie hob das Baby hoch um ihm die andere Brust anzubieten. Keanu schaute irritiert und beschämt weg. Sie hatte ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und musste trotz allem etwas grinsen.
„Was ist denn am Stillen so beschämendes?“ Fragte sie.
„Hm….. ungewohnt und…. „
„Männer lieben nackte Frauenbrüste in der Regel sehr! Nicht war Keanu! Aber nicht wenn sie Baby’s stillen!“ Sagte Leroy der drüben im Dunkeln sass.
„Halt den Mund Leroy!“ Kam es von Carrie. „Du musst dich nicht dauernd in andere Angelegenheiten einmischen!“
Vivian lachte nun laut und Keanu begann auch zu lachen.
„Schon merkwürdig… dass man sogar in einer absolut schwierigen Lage noch immer Lachen kann!“ Meinte er.
„Vielleicht ist das auch ein Glück!“ Sagte sie und begann zu gähnen.
Langsam richtete sich die ganze Gruppe auf die Nacht ein. Jeder versuchte auf dem harten Untergrund sich einigermassen bequem einzurichten und sich vor der kühlen Zugluft zu schützen, so gut es eben ging. Keanu hatte Vivian und Zoë die Schlafmatte überlassen und holte die drei Schlafsäcke, die in der Kiste verstaut waren. Er öffnete sie ganz. Mit einem wurde der verletzte Mike und die beiden Mädchen zugedeckt eine bekam Leroys Familie und die dritte breitete er über Vivian und Zoë aus.
„Und du?“ Frage sie.
„Ach ich… ich kann sowieso nicht schlafen und …. ich werde mal einen Spaziergang auf dem Dach machen… „ Sagte er und ging.
Keanu hatte sich auf der vorderen Seite des Daches niedergesetzt und schaute auf die völlig im Dunkeln liegende Stadt… oder besser auf das was einmal die Stadt gewesen war. Wie lange er so da gesessen hatte, das wusste auch nicht so genau aber irgendwann im Morgengrauen, da entdeckte er einen Lichtkegel und hörte nach einer Weile auch Motorenlärm. … Ein Hubschrauber!
Vivian setzte sich etwas später mit der frisch gewickelten Zoë zu ihm.
„Sie werden Triage machen!“ Sagte sie und schaute zu wie nun bereits zwei Hubschrauber über L A kreisten.
„Was heisst das?“ Wollte er wissen.
„Das heisst, das der Arzt entscheidet, diejenigen die unverletzt oder nur leicht verletzt sind, die können warten… diejenigen die so schwer verletzt sind… dass sie es warscheinlich nicht überleben…. die lassen sie sterben je nach dem wie viel Vorräte sie haben mit oder ohne Morfium und die mittelschwerverletzten Menschen, die werden zu erst evakuiert und …. „
„…. in ein Spital geflogen!“ ergänzte er.
„Spitäler werden da wohl kaum reichen…. Feldlazarett, irgendwo…“ Meinte sie.
„Warum weisst du das so genau?“
„Ich war Krankenschwester bei der Navy!“ Sagte sie und streckte sich etwas.
„Also werden wir warten!“
Sie nickte nur… „Und was werden sie gegen die Plünderer unternehmen?“
„MP’s, sie werden Flugblätter streuen, wirst es sehen. Dort steht drauf, das der Nationale Notstand vom Präsidenten ausgerufen wurde und das jeder der beim Plündern erwischt wird, zum Tode bestraft wird mit sofortigem Vollzug!“
„Und die Militärpolizei wird dann wirklich…..“sagte er ungläubig.
„Ja Keanu, die werden tatsächlich alle an die Wand stellen, die sie dabei erwischen!“
Keanu beobachtete Vivian den ganzen Tag über mehr oder weniger genau. Manchmal war sie merkwürdig fröhlich, scherzte und machte sogar mit den Kindern der Gruppe Wortspiele um die Langeweile zu vertreiben, aber immer dann, wenn sie sich unbeobachtet fühlte, dann zog ihr maskenhafter Ausdruck über das Gesicht. Ihre wunderschönen blauenAugen verloren den Glanz, dann wickelte sie ihre langen braunen Locken um den Zeigefinger und stützte ihr Kinn in die Handfläche, sie schien weit weg zu sein. Eine ausgezeichnete Schauspielerin… dachte er…. aber ihm konnte sie nichts vormachen, sie war traumatisiert.
Mit steigender Temperatur begann der Schutt und Schlamm zu riechen und manchmal, da roch es auch schon süsslich nach verwesendem Fleisch. Die Helikopter wurden von Stunde zu Stunde mehr. Es wurden Helfertrupps abgesetzt. Flugblätter vielen vom Himmel, genau die von denen Vivian erzählte hatte und irgendwann am Nachmittag da warf einer der Hubschrauber ein grosses Packet ab. Da waren Lebensmittel drin und sogar Windeln und Säuglingsnahrung.
Man hatte auch einen Zettel daran geheftet.
‘Evakuation angelaufen, Situation schwierig…. bitten um Geduld!’
„Wie lange denken die den, dass wir Geduld haben sollen!“ Sagte Leroy wütend.
Kapitel 7
In der folgenden Nacht konnte Vivian praktisch kaum schlafen. Zoë schrie fast ununterbrochen trotzdem sie sie herumtrug und ihr die Brust immer wieder anbot. Vivian wusste was los war, ihre Milch war drastisch zurück gegangen… durch den Schock und den psychischen Stress.
Carrie kochte auf Keanus Benzinkocher extra eine Suppe und wärend Vivian ass, hob Keanu Zoë hoch, wiegte sie, kitzelte das Baby trug sie herum und brachte zum Erstaunen Vivians die Kleine zum Schlafen. Als er sie sorgfältig auf der Schlafmatte zugedeckt hatte, setzte er sich zu der Mutter am Ende der Schlafmatte. Vivian war so müde dass ihr die Augen immer wieder zu vielen.
„Du solltest auch etwas schlafen!“ Meinte er. Sie nickte nur. Da bettete Keanu ihren Kopf auf seinen Schoss, hob die Decke etwas an und schob sie vorsichtig zu ihrer Tochter unter die Decke.
Den ganzen folgenden Tag geschah nicht viel, immer wieder flogen Helikopter über der Stadt herum und hie und manchmal landeten sie auch. Aber nie in ihrer Nähe. So richteten sich alle auf eine weiteren heissen Tag auf dem Dach ein. Es war genügend Wasser da und mit Hilfe der Schlafsäcke, und des Zeltes war sogar für etwas Schatten gesorgt worden. Das einzige, was in den Stunden wirklich fast unerträglich wurde, war der Verwesungsgeruch, der jetzt alles durchdrang.
Mike’s Bein hatte Vivian desinfiziert und mit einer zurechtgeschittenen Windel besser verbunden.
Es war heiss und alle lagen am Nachmittag letargisch herum. Niemand sagte was, man wartete.
Keanu döste neben Vivian vor sich hin. Dann jedoch schreckte sie durch den ohrenbetäubenden Lärm eines Hubschraubers auf, er hatte auf dem Basketballfeld im Garten Leonardo di Capiros gelandet.
Zwei Männer mit den blauen Jacken der FEMA kamen herüber und riefen.
„Erst die Verletzten danach die anderen, wir fliegen sie ins Auffanglager!“
Leroy und Brian trugen Mike zur Dachkante und dort hatten die FEMA Männer bereits eine Bahre hingestellt. Man war sich einig, dass die Familie Brians zu erst weggeflogen werden sollte. Eine halbe Stunde später landete der Helikopter ein zweites mal. Diesmal schlugen die Gruppe vor Vivian und Zoë, zusammen mit Cathy und Carrie fliegen zu lassen. Und zum Schluss holte der Heli dann noch die Jungs, Keanu und Leroy senior.
Man flog sie hinauf zu einem Hochplateau beim Yoshemite Nationalpark, dort hatte man so was wie einen Notflughafen errichtet.
Leroy verabschiedete sich und suchte in der Menschenflut nach seiner Familie und Keanu entdeckte weiter hinten Vivian, er suchte einen Weg durch die Menge und kam bei ihr an, kurz bevor sie in das bereitstehende Flugzeug hatte steigen wollen. Am Tisch, wo verschiedenfarbige Halsbänder verteilt wurden. Fasste er nach ihrer Schulter und sagte:
„Wohin wirst du jetzt gehen?“
„Phoenix Arizona ins Auffanglager, den ich hab keine Verwandten oder Freunde wo ich unterkommen könnte!“ Keanu wollte ihr antworten, aber da wurde er schon von der Frau an dem Tisch angesprochen.
„Mister, haben sie Verwandte oder Bekannte die nicht in Californien leben?“
„Nein, warum?“
„Dann nehmen sie auch einen grünen ja für Phoenix ja!“
„Ich verstehe nicht, warum?“
„Mann machen sie schon, alle die nicht privat unterkommen können, gehen erst mal nach Phoenix!“
„Ich hab eine dreieinhalb-Zimmerwohnung in New York!“ Meinte er nun.
„Ah, warum sagen sie das nicht gleich, also rot für New York!“ Sie hielt ihm einen roten Bändel hin.
„Em, für diese Frau da und das Baby bitte auch rot und nicht grün!“ Sagte er nun.
„Ist das ihre Frau?“ Fragte die FEMA Dame.
„Warum Keanu ich …. „ setzte Vivian an schwieg dann aber wieder
„Nein, sie ist nur eine Bekannte, aber ich bin alleine, ich habe Platz in der Wohnung… !“
„Na gut…. dann geben sie mal die grünen wieder… hier die roten! … Gucken sie den Mann nicht so erschrocken an Kindchen… er hat recht… Wir haben womöglich über zwei Millionen Flüchtlinge und sind für jeden der Privat unter kommt dankbar!“ Sagte die Frau und hielt ihr noch immer die beiden roten Bändel hin. Keanu packte diese und legte sie Vivian und Zoë um und schob die beiden zu der Zeile Menschen, die sich bei der Roten Tafel auf der New York stand hin.
„Keanu ich kann….. ich kann doch nicht… ich meine ich kenne dich doch gar nicht und…..!“
„Also ich hab in New York ein Gästezimmer und für Zoë kann man doch ein Bettchen organisieren und … du hast die Dame gehört…. jeder der privat unterkommt hilft mit! Das einzige worum ich mir Sorgen mache jetzt ist… das der Concierge der dort immer arbeitet auch da ist, ich hab nämlich keinen Wohnungschlüssel mit!“
Kapitel 8
Das Militärtransportflugzeug war eigentlich nicht dafür gedacht, Passagiere zu befördern, die Sitze auf denen Keanu und Vivian Platz nehmen mussten, waren hart und nicht mal ein klein wenig zu senken. Zudem waren sie unbequem eng. Vivian hatte grosse Mühe Zoë zu beruhigen. Sie weinte eine gute Stunde zu Anfang des Fluges; doch dann schlief sie total übermüdet ein. Keanu sah Vivian an, dass sie auch totmüde war, er hingegen war zwar müde, aber viel zu aufgekratzt um schlafen zu können.
„Viv…. komm gib mir die Kleine mal!“ Schlug er ihr vor.
„Aber…. du,…. ich meine …. „
„Ich seh dir doch an, dass dir fast die Augen zu fallen, schlaf… ich pass so lange auf Pausbäckchen auf!“ Sagte er nur und hatte Zoë vorsichtig in seinen Arm genommen; und tatsächlich, die kleine wachte nicht auf.
Vivian war zu müde um sich damit auseinander zu setzten, ob das nun richtig oder falsch war. Sie nickte nur dankend, knüllte die Decke, welche ein Soldat ihr beim einsteigen gereicht hatte einigermassen bequem zusammen und legte ihren Kopf darauf, schloss die Augen und war sofort eingeschlafen.
Auf dem Kennedy Airport in New York wurden sie von FEMA Beamten in Empfang genommen. Da die meisten der Flüchtlinge weder Ausweise noch Geld auf sich trugen, wurden ihnen Zettel ausgehändigt, wo sie sich in den nächsten Tagen zur Registration und Identifikation zu melden hatten und man zahlte ihnen ein Überbrückungsgeld von fünfhundert Dollar aus. Keanu wollte erst das Geld nicht nehmen, aber der Beamte bestand darauf.
„Sie werden es bestimmt brauchen, keine Bank wird ihnen Geld ausbezahlen ohne Ausweis!“ Sagte dieser. Soweit hatte er nicht gedacht, aber es leuchtete ein.
Mit dem Taxi fuhren sie in die Stadt, kamen über den Hudson River und Viv schaute Keanu fragend an:
„Du hast eine Wohnung in Manhattan?“
„Hmm….ja!“
„Wo?“
„Ecke Park Avenue, siebenunfünfzigste.“
Vivian kannte New York nicht ganz so gut, aber sie wusste schon, dass hier die Wohnungen ziemlich teuer waren.
„Bestimmt auch nicht in den ersten fünfzehn Etagen? Oder!“
Er grinste.
„Nein dreiunddreissigste!“ Sagte er.
„Und warum hast du dir an dieser Lage eine gekauft?“ Fragte sie nun neugierig.
„Ich weiss das nicht so genau, vielleicht Nostalgie; ich hab immer wieder Zeitweise hier gelebt, schon als Kind und ich fühle mich eigentlich hier ziemlich wohl, deshalb wahrscheinlich und weil es hier einfach die beste Theaterscene gibt auf der ganzen Welt … ich hab viele Freunde hier!“
Sie nickte.
Das Taxi hielt an der siebenundfünfzigsten an und Keanu meinte:
„Warte noch schnell hier, ich schau mal ob Frank da ist? Der Concierge!“
Kurze Zeit später kam ein fester, kleiner Mann mit Schnurrbart und blauer Uniform zum Taxi, bezahlte den Fahrer und meinte zu Vivian:
„Kommen sie Mam bitte!“
„Ja guten Tag Frank nicht?“
„Richtig Mam genau!“
Vivian folgte Frank und er führte sie durch die Glastüre an der Theke vorbei zu den Aufzügen. Dort drückte er den Knopf.
„Mrs. Kellermann, ich denke sie sind mit nichts ausser ihrem Leben aus L A gekommen, darf ich ihnen ein Babyreisebett und einen Wickeltisch anbieten. Meine Enkelin ist längst da raus gewachsen und das steht noch immer in der Dienstwohnung, wissen sie wir haben Kimerly gehütet wenn meine Tochter arbeitete.“
Vivian blickte den Conciergen erstaunt an, dann aber sagte sie:
„Sehr gerne Frank! Und ich werde ihnen die Sachen auch abkaufen!“
„Nein, betrachten sie es als geschenkt!“Meinte dieser. „Dreiunddreissigster ja und dann links die hinterste Türe… und ich werde in fünf Minuten die Sachen bringen!“ Sagte er noch wärend Vivian mit Zoë im Arm in den Fahrstuhl stieg.
„Dann vielen Dank!“Konnte sie noch sagen, bevor die Türe schloss.
Oben angekommen stand Keanu in der Wohnungstür und lächelte.
„Herzlich willkommen in meiner kleinen Wohnung!“ Sagte er und hielt ihr die Tür auf.
„Frank wird heute Nachmittag sicherheitshalber das Schloss auswechseln lassen, denn die Schlüssel zur Wohnung liegen in meinem kaputten Haus. Er denkt, es sei zwar unwahrscheinlich, aber sicher sei man nie ob sie nicht in falsche Hände fallen könnten!…. Und ja Milena, seine Frau ist einkaufen gegangen für uns und vor allem für Zoë und für dich, Wäsche, T-Shirts und was Frauen halt so brauchen und Lebensmittel!“
„Was? ….. Aber… „
„Mach dir keine Gedanken, ich hab ihr die fünfhundert Dollar gegeben!“
„Und du? … Brauchst du denn das Geld nicht?“
„Nein… ich hab noch eine Kontokarte im Safe liegen, damit komme ich an mein Geld heran und morgen gehen wir gleich zur Meldestelle, dann haben wir Ausweise, damit wäre das Problem doch gelöst.“
„Dann gebe ich meine fünfhundert Dollar mal in die Haushaltskasse!“ Sagte Viv ging Keanu nach und entdeckte am Ende des Ganges eine grosses Wohnzimmer mit altem Stuck, weiss gestrichen und darin moderne schwarze Ledersessel. Es hatte einen Kamin an der Wand und grosse Fenster die den Blick auf die Stadt frei gaben. Keine Vorhänge, dafür drei orangefarbene Berberteppiche die den Fischgratparkett unter dem Clubtisch und unter dem grossen Esstisch abdeckten. Sie legte das Geld auf das Sideboard und durch die angrenzende Tür. Es war die Küche. Klein aber edel in Mahagoni.
Zoë spukte den Schnuller auf den Boden und Keanu hob ihn hoch.
„Dein Zimmer ist da drüben!“ Er zeigte durch den Flur auf die erste Türe links.
„Vielleicht möchtest du ja duschen und was frisches anziehen! Ich kann dir einen Trainer von Kim leihen!“
„Wer ist Kim?“ Wollte nun Vivian wissen.
„Meine Schwester, sie lebt in Italien, aber hie und da, da nutzt sie die Wohnung hier!“
„Kann ich auch baden? Dann wär die kleine auch gleich sauber!“
„Klar…. ihr beiden habt ein eigenes Bad!“
Sie nickte und er bemerkte eine Träne die sich den Weg über ihre Wange bahnte.
„Das letzte mal als ich in einem Badezimmer war, da…. „
Er strich ihr die Träne von der Wange und drückte sie kurz. „Ich weiss, Viv … das wirst du und ich wohl nie mehr vergessen können… aber….. wir leben… wir sollten das Beste daraus machen!“
Kapitel 9
Zoë planschte mit ihren Händchen und quickte vergnügt. Sie waren beide so dreckig gewesen, sie sah sich die Jeans an die in der Ecke am Boden lag, man konnte kaum noch erkennen, dass sie mal dunkelblau gewesen war!
Viv sass jetzt schon eine gute halbe Stunde im warmen Wasser, sie war so aufgewühlt und fühlte sich leer und einsam. Ihr liefen ununterbrochen die Tränen hinunter. Hier konnte sie keiner sehen, sie musste niemandem etwas vorspielen und Zoë, sie konnte das noch nicht erfassen. Sean war weg, erschlagen und fortgespühlt, für immer. Und alles, alles was sie an ihn erinnern könnte, es war ebenfalls weg, zerbröselt und heruntergespühlt, genau so wie jemand etwas im Klo wegspühlt. Sie hatte kein Heim mehr, keine Heimatstadt, selbst wenn alles wieder aufgebaut würde, das würde niemals mehr ihr L A sein und sie wusste nicht ob ihr einziger Verwandter Onkel Eli noch lebte und sass jetzt in einer Badewanne in einer Wohnung eines flüchtig Bekannten!
Nein eigentlich müsste sie es so ausdrücken, eines absolut attraktiven, ganz lieben, berühmten, flüchtigen Bekannten!
Bei dem Gedanken musste sie schmunzeln und gleich hinterher noch mehr weinen. Gott, was ist los mit dir Viv, du hast gerade eben den liebsten Menschen verloren und … denkst sowas!
Besser sie würde nun aufstehen und gucken ob sie für die Kleine nun schon Windeln und was zum Anziehen draussen finden würde!
Sie wickelte Zoë in dein Badetuch und zog sich den am Haken hängenden Bademantel an. Dann ging sie ins Schlafzimmer. Draussen im Gang hörte sie Frank mit Keanu reden. Dann klopfte es.
„Viv, wir haben das Babyreisebett und die Wickelkommode zusammengebaut, dürfen wir rein kommen?“
„Ja!“ Sagte sie nur und öffnete die Tür. Die beiden trugen das Bettchen und danach die Kommode hinein.
„Da drüben Frank, dort hat das schön Platz und da zieht es auch nicht vom Fenster her. Oder Viv, was denkst du?“
„Hm… bestimmt hast du recht!“ sagte sie.
„Mam, hier hat es Windeln, ich hoffe sie passen, die sind auch noch von Kimberly und meine Frau kommt in einer Stunde hoch, dann sind die Babysachen gewaschen und getrocknet. Und alles andere hab ich jetzt schon in das Wohnzimmer gestellt.“ Sagte er und zwinkerte.
„Frank, ich weiss gar nicht, mit was ich mich bedanken könnte, sie sind echt ein Engel!“
Er guckte sie an, zuckte mit dem Mundwinkel, wurde rot und meinte:
„Hören sie, sie haben alles verloren, was einem Menschen wirklich wichtig ist, ausser dieser kleinen süssen Maus! Es gibt nichts zu danken! Wirklich nicht!“ Damit drehte er sich um und ging zur Wohnungstür.
„Ich komme heute gegen Abend nochmals mit dem neuen Schloss! Aufwiedersehen.“
Keanu hatte einen Nickyplüsch Anzug in der Hand. „Em, ja der da könnte wohl passen und ich hab sogar noch Wäsche von Kim da!“ Meinte er etwas verlegen. Tatsächlich, da waren Slips, Hemdchen aber keine BH’s. Nun das machte nichts, sie hatte ja den einen und den würde sie von Hand ausdrücken die Slips waren in ihrer Grösse.
„Das passt tatsächlich!“ Meinte sie.
„Na dann! Ich hab übrigens mit ihr gerade telefoniert als du im Bad warst, sie lässt dich grüssen und wünschte ausdrücklich dass du alles von ihr benutzt, was du brauchen kannst.“
„Das ist wirklich sehr nett, danke. Weisst du auch was vom Rest der Familie?“
„Hm ja, Mom ist bei meiner anderen Schwester Karina, ich hab sie zwar nicht erreicht, aber Kim wusste das, ich nehme an, sie werden sich melden!“
„Sie werden froh sein, zu wissen, dass du lebst!“
Er nickte.
„Morgen werden wir uns erkundigen, wo man nachfragen kann um etwas über die Vermissten zu erfahren! Ich vermute die werden das auch über die Registrieungsstellen machen!“
Sie nickte, legte das Baby auf die Wickelkommode und zog ihr eine frische Windel an.
„Ich wünschte er hätte es überlebt, Eli könnte so viel Wissen den Menschen in Californien weitergeben, damit sie, wenn sie wieder aufbauen, das gescheiter machen!“ Sagte sie.
„Er hatte eine Chance, Viv, die grössere als die meisten, sie uns an, durch sein Wissen, haben wir klüger gehandelt und schlussendlich überlebt!“
„Vielleicht!“Meinte sie nur.
„Ich geh mal bestimmt kommt der Pizzadienst bald, ja und ich hab zwei Kasten Mineralwasser bestellt, für euch beide!“
Kapitel 10
Viv schob den Kinderwagen die Zweiundfünfzigste hoch. Jetzt war sie schon zehn Tage in New York. Die Zeit lief ungeheuer schnell. Keanu hatte sie in den ersten drei Tagen, zur Meldestelle gebracht, wo sie einen provisorischen Ausweis bekam und die uneingeschränkte Aufenthaltsbewilligung. Danach waren sie auf der Bank, wo sie nun Geld von ihrem Guthaben abheben konnte und dann hatte sie einen Termin bei der Versicherungsgesellschaft, wo Sean eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte! Das Vermögen, dass sie bekommen sollte, da kam sie jedoch nicht ran, das würde dauern, denn erst musste Sean ganz offiziell tot erklärt werden. Und das würde dauern, erst musste seine Leiche gefunden werden, und dann musste er noch identifiziert werden. Und falls man ihn nicht finden würde, ja dann.. würde er erst in fünf Jahren tot erklärt!
Trotzdem, Viv musste sich zum Glück nicht wie viele andere in ihrer Situation Sorgen machen. Sie war alleinige Erbin des Vermögens ihres Vaters. Jakov Morchan hatte sein grosses Vermögen im Immobilienhandel gemacht. In den sechzigern, da konnte keiner ein Haus kaufen ohne an Morchans Treuhand und Immobilienfirma vorbei zu kommen in L A. Und als Dad starb, ja da hatte sie ein für alle mal ausgesorgt. Das hatte Sean erst nach ihrer Hochzeit erfahren. Und es hatte im einen kurzen Moment lang geschockt. Er würde nie, auch wenn er noch so eine hervorragende Karriere als Herzspezialist machen würde, so viel Geld verdienen können, wie Viv hatte.
Keanu hingegen wusste das schon nach dem vierten Tag. Er hatte ihr an dem Tag vorgeschlagen in ein Babygeschäft zu gehen und einen dieser praktischen dreirädrigen Kinderwagen zu kaufen. Kaum im Geschäft, da wollte er sie partout nichts bezahlen lassen. Sie musste schmunzeln, als sie daran dachte. Da hatte sie ihm gesagt, dass sie vermute das grössere Vermögen zu haben als er. Worauf er sie entgeistert angeschaut hatte. Sie hatte ihm zusehen können,wie seine Rädchen im Kopf arbeiteten. Ja und er hatte dann kombiniert, Eli Morchan war ihr Onkel, und da gab es ja die bekannte Morchan property agency service diese Firma hatte doch die Tochter des Besitzers geerbt!
Viv war nun bei der Eingangstür angekommen und Frank hatte sie bereits gesehen, er kam ihr entgegen und öffnete die Tür, damit sie nicht umständlich den Kinderwagen durch die schwere Glastüre hätte zwängen müssen.
„Vielen Dank!“ Sagte sie.
„Keine Ursache!“ Kam freundlich wie immer zurück und er hatte ihr schon den Knopf für den Aufzug gedrückt .
Oben angekommen, öffnete sie mit ihrem Schlüssel die Wohnungstür und liess den Wagen im Flur stehen, denn Zoë schlief, und sie wollte unbedingt diese Ruhe noch geniessen.
„Hi!“ rief sie leise um Zoë nicht zu wecken ins Wohnzimmer.
„Ah!…Viv.“ Hörte sie ihn mit einer merkwürdig belegten Stimme sagen.
„Was ist, Keanu?“Fragte sie.
Er sagte nichts, sass auf dem Sessel vor dem Kamin und hielt ein ausgedrucktes Email in der Hand.
„Was ist los, Keanu?“ Fragte sie nochmals.
Er schluckte hob die Schultern und wollte etwas sagen, brachte aber nichts heraus. Sie sah ihm in die Augen, sie schauten traurig und glanzlos auf das Papier, das er hochgehoben hatte.
Langsam ging sie auf ihn zu, setzte sich in den zweiten Sessel und nahm ihm das Schreiben ab.
„Darf ich?“
Er nickte. „Hm“
Sehr geehrter Mr. Reeves!
Wir haben ihre Anfrage bearbeitet, unten finden sie die Liste derjenigen die wir in unserer noch im Aufbau stehenden Datenbank gefundenen Menschen. Es tut uns ausserordentlich Leid, dass wir noch nicht in der Lage sind, über jeden der Überlebenden Auskunft geben zu können. Wir werden sie aber über aufgefundene sofort informieren!
Mit freundlichen Grüssen
Das amerikanische Rote Kreuz
Die Liste die folgte war lang. Es hatte viele bekannte Schauspieler darunter. Bei den meisten stand entweder vermisst oder tot dahinter.
Unter den Überlebenden hatte sie seinen Freund Rob Mailhouse und Charlize Theron gefunden.
Und dann fiel Viv unter den Toten Erwin Stoff und seine ganze Familie auf. Ebenfalls tot war
Andy Wachowsky, sein Bruder Larry hingegen war vermisst gemeldet.
„Erwin ist tot!“ Sagte nun Keanu und er begann zu weinen, ja er heulte richtig gehend.
Viv stand auf kniete sich vor ihn auf den Boden und nahm ihn einfach in den Arm.
„Ich…. Gott er hat mich seit über zwanzig Jahren…. ! Er war ein Freund…. fast ein Vater… und …. er hatte immer Zeit…. egal für was… oder warum…. privates…. oder ….
Er weinte, versuchte es wegzudrücken in dem er sich andauernd räusperte.
„Hör nicht auf bevor es nicht von selbst aufhört! Es ist ja auch so traurig… !“ Sagte sie in sein Ohr wärend sie ihn einfach nur umarmte.
Dann läutete das Telefon. Viv liess es einfach, doch Keanu richtete sich auf. „Soll ich es entgegennehmen?“ Fragte sie. Er nickte. Sie stand auf und hob den Hörer von der Ladestation.
„Hallo?“ Meldete sie sich.
„Ja hallo! … Hier ist Patric Taylor! Mit wem spreche ich denn?“
„Guten Tag Mrs. Taylor, ich bin Vivian Kellermann und wohne vorübergehend bei ihrem Sohn!“
„Ah… sie sind das…. ja also kann ich mit ihm sprechen!“
Viv hielt die Hand über den Hörer und schaute Keanu an, der nickte nur und sie hielt ihm das Telefon hin.
Kapitel 11
„Hallo Keanu! …. Endlich bin ich durch gekommen, du glaubst es nicht, aber seit Tagen hab ich versucht anzurufen, die Leitungen sind total überlastet!…. Wie geht es dir denn?“
„Geht so…. hab gerade erfahren dass Erwin….. Mom er und Joana sind tot!“
„Gott das ist ja schrecklich …. und die Kinder?“
„Auch!“
„Furchtbar…. das … ah… und du tönst nicht gut…. es geht dir zu Herzen!
„Hm…“ brummelte er nur.
„… ich hab heute erfahren, dass mein Haus… es ist total zerstöhrt. Ja und noch länger Karinas Freundin auf der Pelle sitzen, das möchte ich nicht, ich fliege vorderhand zu Kim…“
„Was…. aber ihr liegt euch doch die ganze Zeit in den Haaren?“
„Das ist das einzig Positive das ich an der Katastrophe bisher beobachtet habe, sie hilft Frieden zu stiften, wir haben den Streit begraben Keanu! … Hör mal wenn ich zurück in die Staaten komme, dann möchte ich in oder um New York eine Wohnung mieten oder kaufen. … Ich weiss zwar nicht für wie lange, aber… so wie ich das sehe, wird das lange dauern, bis…nun bis wir alle wieder in L A leben können! … Kannst du für mich nicht mit dem Herrn der dir damals die Wohnung vermittelt hat, reden?“
„Ja gut mache ich!“
„Em… Keanu“
„Ja!“
„Diese Vivian…. bleibt die mit ihrem Baby lange bei dir?“
„Uh… ich weiss nicht Mom…. sie … nun …. ich glaube sie braucht Zeit um sich neu zu Orientieren, sie hat alles verlohren Mom!“
„Hm…. pass auf Junge, so kann man sein Herz verlieren!“
„Ah…… Mom… du siehst Dinge die es nicht gibt!“
„Na… vielleicht sagst du besser noch nicht!“
„Jetzt hör aber auf…. ! Sie ist eine Bekannte…nichts weiter!“
„Ja, ja und ich bin ein Nielpferd! Keanu du hast noch niemanden bei dir wohnen lassen, ausser Kim, nicht mal mich! …. „
„Bisher ist mir auch noch niemand begegnet, der alles innerhalb von nur zwei Stunden verlohren hat Mom!“
„OK, du musst das wissen… du bist ja erwachsen.. zumindest dem Alter nach! Also ich versuche es wieder mit anrufen, das nächste mal von Capri aus.. Machs gut Lieber!“
„Tschüss Mom!“
Er drückte das Gespräch weg und stellte den Hörer in die Station zurück.
Viv war nicht mehr im Wohnzimmer. Sie wollte offenbar nicht wissen, was er mit seiner Mutter zu besprechen hatte! Sie war offensichtlich ebenso gut erzogen worden, wie er selbst!
Draussen im Flur fand er nur den leeren Kinderwagen, doch dann hörte er Vivan mit Zoë eom Selbstgespäch führen und es kam aus der Küche. Er ging hinein.
„Ah…. Mäuschen… was denkst du mag Keanu Kartoffelstock und Schweinefiletmedaillons in Portweinsauce. Oder soll Mama besser Pengasiusfilets a la meuniere machen mit Salzkartoffeln.“
„Filetmedaillons bitte!“ meinte er und musste das erste mal an diesem Tag lächeln, denn Viv hatte ihn nicht bemerkt und erschrak durch seine Antwort.
„Und wenn du schon so fein kochen willst, dann werde ich mit Pausbäckchen Verstecken spielen!“
„Na ja, erst hätte sie eine frische Windel nötig… die Kocherei muss also noch etwas warten!“
„Nein muss sie nicht, ich mach sie sauber!“
„Echt… aber…!“
„Gelernt ist gelernt, ich hab schon meine kleine Schwester gewickelt und mein Patenkind ebenfalls!“
„Na gut, aber…. sie stinkt wirklich!“ Sagte Viv und hielt die Kleine ihm hin. Keanu rümpfte die Nase und meinte dann.
„Na dann machen wir den Scheissjob halt, was süsse Maus!“
Zoë krächste vor Vergnügen weil Keanu sie auf dem Arm kitzelte. Viv schaute den Beiden nach…. dann drehte sie sich um und holte die Lebensmittel aus dem Kühlschrank um zu Kochen.
Kapitel 12
Viv hatte zwanzig Minuten später das Filet in einer feinen Sause am köcheln und den Kartoffelstock in den Ofen zum Warmhalten geschoben. Dann packte sie die Neugier, die ganze Zeit war es ruhig in der Wohnung, Zoë hätte doch längst gewicktelt sein müssen?
Sie öffnete ihre Zimmertür und sah, dass Keanu Zoe auf der Wickelkommode mit seinem Bart am Bauch kitzelte wärend er mit einem Tuch ihr Köpfchen trocken rieb.
„Du hast sie gebadet?“ Fragte sie überrascht.
„Hm…ja…Mademoiselle Kellermann war…. bis zum Hals voll, da mussten wir halt ein Schönheitsbad einlassen! Dabei hat sie mir die Vorzüge des nassen Elementes demonstriert und mit gezeigt wie sie mich vollspritzen kann. Und dann habe ich ihr gezeigt wie man leere Schampoflaschen zu Springbrunnen umbauen kann und das fanden wir beide saumässig lustig.“ Meinte er wärend Zoë noch immer gluckste und lachte, weil Keanu trotz oder gerade wegen dem Gespräch sie noch immer am Bauch mit dem Bart kitzelte.
„Das hört sich wirklich nach Spass an!“
„Keanu… ich verstehe eigentlich nicht….nun… offensichtlich kannst du es sehr gut mit kleinen Kindern… em… warum hast du denn keine Familie?“
„Hm… dazu kam es nie.. weil ich … nun ich war lange so beschäftigt, ich fühlte wohl so und mir fehlte das nicht. Und dann wäre das beinahe passiert… Au…. Pausbäcken am Bart ziehen gilt nicht!“
Viv öffnete Zoë’s Fäustchen damit Keanu frei kam.
„Ja, leider sollte es nicht sein!“ Sagte er und Viv nickte. Die Geschichte mit dem totgebohrenen Baby kannte sie.
„Und danach, ich meine es gab doch.. Frauen?“
„Ja… gab es, … aber, was soll ich jetzt sagen, es hat eben nicht geklappt, nicht genügend gefunkt!“
Er schob der Kleinen den Body über das Köpfchen worauf sie zu schreien anfing.
„Ah… das mag Pausbäckchen nicht was?“
„Ne, das mochte sie noch nie, am liebsten nackt!“
„Er schaute Viv lächelnd an: „Von wem hat sie das denn, etwa von dir? Na das wär ja echt interessant!“
„Das würde dir wohl gefallen!“
„Blöde Frage, eine Frau die in Jeans schon so eine Figur macht… die wird auch ganz ohne… hmmm, sagen wir mal lecker aussehen!“
Sie schaute ihn entgeistert an, schüttelte leicht den Kopf und knöpfte den Strampler an der Schulter zu bevor sie die Kleine aufhob.
„Bitte… lass solche Anspielungen bleiben Keanu ja! …. Ich.. nun ich kann das nicht….. jedenfalls jetzt noch nicht…“ und dann begann sie zu weinen.
„Hej… entschuldige… ich wollte doch nicht… hab ich… dich irgendwie verletzt?“
„Nein… ich … bin einfach noch nicht wieder die, die ich vorher war!“ Meinte sie .
„Ich vermisse Sean!“ Sagte sie und ging ins Wohnzimmer und setzte Zoë in den Babysitter.
Er ging ihr hinterher.
„Manchmal bin ich ein Trottel was?“ Meinte er.
„Nein… bestimmt nicht… allerhöchstens ein Minitrottel aber ein ganz lieber!“
Kapitel 13
Keanu hatte sich bereits das dritte mal nachgeschöpft.
„Das ist echt Spitze, dieses Filet..!“ Meinte er mit vollem Mund. Viv lächelte, hielt ihr Wasserglas gedankenverlohren in der Hand und schaute ihm einfach beim Essen zu.
„Woran denkst du jetzt?“ Wollte er zwischen zwei Bissen von ihr wissen.
„Ich hab darüber nachgedacht eine Gartenwohnung oder vielleicht sogar ein Haus zu kaufen irgendwo im Grünen!“
Er schluckte den Bissen mühsam hinunter und schaute sie fragend an:
„Du möchtest weg?“
Zoë spielte mit den Holzkugeln am Babysitter und Viv legte ihren Kopf nachdenklich in ihre Handfläche.
„Ich muss für Zoë und mich denken, irgendwie müssen wir weitermachen… und ich kann nicht ewig dir auf der Tasche sitzen!“
„Das tutst du doch nicht Viv! Wir teilen.“
„Hm…ja aber, das ist dein zuhause momentan, nicht meins, ich muss uns beiden aber ein eigenes schaffen!“
„Hm… verstehe! … Mom will sich auch eine Bleibe vorderhand hier suchen, was hälst du davon wenn wir zu Parker gehen!“
Ihr Gesicht hellte sich auf und ihre Augen begannen zu funkeln, ein frisches Lachen kam aus ihrem Mund und Keanu schaute sie fasziniert an.
„Du bist süss, ich gehe doch nicht zur Konkurenz Keanu! Morchan property hat auch in New York ein Büro… und wenn ich es recht bedenke.. da muss ich doch sowieso vorbei, die haben bestimmt auch ein Chaos seit dem Erdbeben!“
Jetzt lachte er auch. „Du siehts, ich bin echt nicht der Hellste!“
„Nein, das ist nicht das Arbeitsfeld wo du zuhause bist!…. Ich bin mir sicher, wenn du mal einen Häusermakler spielen müsstest, dann würdest du dich damit sehr eingehend beschäftigen, hab ich Recht?“
„Trotzdem, ich weiss doch längst wie dein Mädchenname lautet!“ Sagte er und schüttelte seinen Kopf über sich selber.
Viv musste über ihn lächeln, er hatte so was …. ja was den nun… natürlich anziehendes.. schüchternes und er neigte eindeutig zur Untertreibung.
Dann dachte sie wieder an die Firma.
„Ja ich muss da vorbei, wenn ich auch nicht wirklich als Hauptaktionärin dort helfen kann, so kann ich doch zeigen, dass ich sie nicht vergessen habe! Abgesehen davon, wenn Onkel Eli noch lebt, wird er bestimmt über das Geschäft nach mir suchen!“
Keanu nickte. Ihm ging durch den Kopf das er damit nun bald alleine war….. irgendwie wollte er sich das überhaupt nicht vorstellen. Er sah sich Zoë an die beim Spielen eingeschlafen war. Das hier war keine Familie, nein… sie waren eine zufällig zusammengekommene Gemeinschaft, aber das änderte nichts daran, das es ihm sehr geviel und er Schmerz fühlte, wenn er daran dachte wieder alleine zu leben.
Viv trank ihr Wasser aus, stand auf und ging hinüber in die Küche um das Dessert aus dem Kühlschrank zu holen. Dort schloss sie für eine Minute die Augen, aber wie schon die Tage davor stellte sie fest, sie sah Seans Gesicht nicht mehr! Sie konnte sich auch nur noch schwach an seinen Geruch erinnern, statt dessen drängte sich Keanus haselnussbraune Augen vor und sein wundervolles Lächeln. …. Es war allerhöchste Zeit, hier auszuziehen!
Kapitel 14
Das Taxi fuhr in die Murray Lane hinein. Die Gegend da auf Long Island geviel Viv sofort und hier in Old Town Pond standen die schönsten Strandhäuser. Keanu hatte recht gehabt und sie auf die Liegenschaft aufmerksam gemacht, als Samuel Parrish ihr einige Fotos der schönsten Häuser um New York die zu kaufen waren, vorgelegt hatte.
Er hatte den ganzen Morgen wenig gesprochen, hatte Zoë herumgetragen aber aufgetaut war er eigentlich erst als er sich ein paar Wohnungsunterlagen hatte mitgeben lassen. Für Mom tat er immer alles gerne!
Viv hatte es bemerkt, konnte aber nicht sagen warum er so in sich gekehrt war, sie hatte ihn bisher nie so erlebt.
Das Haus war ein Traum. Es lag am Ende der Strasse, Heckenrosen säumten den Kiesweg rechts und links. Das Gebäude hatte eine grosse Veranda zum Meer hin und im Garten war ein nierenförmiger Pool im Rasen eingelassen. Gleich an den Rasen angrenzend standen grosse alte Laubbäume. Darunter war eine kleine weisse Laube und gleich davor ein in die Jahre gekommener Sandkasten. Die Leute dehnen das Haus noch gehörte, mussten Kinder gehabt haben. Die weissen Fensterkreuze mit den Läden gaben dem Haus den typischen Landhauscharakter. Parrish führte sie auf dem Grundstück herum.
Das Entré war hell trotz des roten Klinkerbodens und die ausladende Treppe die in die Galerie hinauf führte war durch grosse Oberlichter erhellt. Das Wohnzimmer gab über eine ausladende Fensterfront die Sicht auf den Atlantik und den weissen Sandstrand frei.
„Gott ist das schön hier!“ Meinte Viv endlich und lächelte.
„Lassen sie uns noch den Keller ansehen“ meinte sie und Parrish grinste. „Ich versichere ihnen Mrs. Kellermann, es hat keine Hausfäule!“
„Sie kannten meinen Dad, er meinte immer, verlass dich auf deine eigene Nase, also lassen sie uns den Keller sehen!“
Keanu schaute sich die Küche und die Terrasse vor dem Wohnzimmer an und beschloss dort eine Zigarette zu rauchen. Dann erschien Parrish und Viv wieder. Sie strahlte über das ganze Gesicht. „Daddy hätte seine Freude an dem Grundstück, ich werde hier einziehen!“ Sagte sie und drückte ihm spontan einen Kuss auf die Wange. Er schaute sie schweigend an rieb sich durch den Bart und stellte ein weiteres mal fest, das es schmerzte loszulassen.
Viv bekam das Haus für einen guten Preis, Parrish wurde für seine Arbeit mit den üblichen 0, 4% entschädigt und der Rest der fünf % des Kaufpreises wollte sie vollumfänglich für den Wiederaufbau des Murchan Haupsitzes in L A geben.
Keanu hatte während Viv am unterzeichnen war, einen Spaziergang unternommen und war nicht schlecht überrascht, als er in der Nachbarschaft das Haus wiederfand, in dem ‘Something gotta give’ gedreht wurde. Trotzdem er es hier schön fand, es blieb dabei; das Haus war so gut unterhalten worden, da gab es nichts daran zu richten oder renovieren, und das bedeutete, sie würde wohl schon in den nächsten Tagen umziehen. Er konnte es nicht mehr von der Hand weisen, er hatte sich in sie verliebt… unglücklich wie es schien. Und er wusste, er konnte nicht auf die übliche Weise ihr den Hof machen, denn sie trauerte!
Als er zurück kam, strahlte Viv noch mehr.
„Ich hab eben mit Onkel Eli gesprochen, er ist in San Franzisco und arbeitet im Observatrium der Uni das noch steht! Sie haben dort ein provisorisches Seismographisches Zentrum errichtet und er leitet es! Ach…. jetzt glaube ich langsam wieder an eine Zukunft!“ Sagte sie aber Keanu musste sich zu einem Lächeln zwingen.
„Ich freu mich für dich!“ Sagte er nur und meinte dann:“ Ich möchte dir was schenken, wie wärs wenn ich das herrichten des Sandkastens übernehme?“
„Wirklich, oh danke Keanu! Das ist echt lieb von dir!“ Sagte sie aber sie wurde aus ihm nicht schlau, er war ruhig und merkwürdig distanziert.
Auf dem Rückweg zog Keanu sein neu erstandenes Handy aus dem Tasche und telefonierte mit Laurence Fishburne, der ihm ein Engagement am Broadway ermöglichte. Theater etwas das Keanu schon jahrelang nicht mehr gemacht hatte, aber jetzt war es an der Zeit. Shakespeare das war Balsam für eine verletzte Seele! Und genau so fühlte er sich jetzt, und er hatte endlich das Alter um King Lear zu spielen! Das ganze wurde von der Truppe ohne Lohn aufgeführt und kam den Erdbebenopfern zu gute.
Abgesehen davon, er hatte eine Anfrage von Michael Bloomberg dem Bürgermeister von New York bekommen um an der offiziellen Trauerfeier die gleichzeitig in allen Städten der USA stattfand als Betroffener eine Rede zu halten. Er wollte sich auch noch mit ihm heute treffen.
So stieg er an der first Avenue aus und bezahlte den Taxichauffeur damit dieser Viv und Zoë heim fahren sollte. Heim war gut, das war kein Heim mehr, wenn er da wieder alleine hausen würde.
Viv verstand es zwar das Keanu sich für dieses Hilfsprojekt engagieren liess, noch dazu in so einer tollen Rolle, aber sie war traurig darüber, dass sie heute den Abend alleine verbringen sollte, wo es doch etwas zu feiern gab! Irgendetwas stimmte nicht mit ihm, er war so merkwürdig kühl. Das tat ihr weh, denn sie mochte ihn doch.
Kapitel 15
Keanu hatte hatte es sich mit Laurence im Majestic Theatre an der 44igsten in der Garderobe gemütlich gemacht. Das Gespräch mit Bloomberg war eine kurze, rein informative Sache gewesen und nun hatte er sich darauf gefreut, einige seiner Berufskollegen zu treffen. Laurence hatte seine Freude daran endlich mal wieder was mit Keanu zu arbeiten. King Lear würde eine ganz und gar super Star Besetzung bekommen. Keanu als König Lear, Charlize Theron als Goneril, Martha Plimton als Regan, Laurence selber als Graf von Gloucester und Scarlett Johannson als Cordelia. Die restlichen Schauspieler kannte Keanu nur flüchtig.
Charlize hatte sofort zugesagt nachdem sie gehört hatte, das Keanu mit an Bord war. Sie war froh um Ablenkung denn sie hatte in der Katastrophe Stuard Townsend verloren. Nun gut.. Charlie war eine gute Freundin… er mochte sie, wenn sie gut drauf wahr, sonst konnte sie hin und wieder zur zickigen Diva werden. Aber Theater war nicht Film. Da musste man drei Stunden lang konzentriert funktionieren, das würde auch Charlie daran hindern sich zickig aufzuführen.
Er freute sich und trank mit der Crew einen Whiskey auf den Hit am Broadway für dieses Jahr. Und dann hatte Laurence die grandiose Idee alle in einen guten Jazzclub abzuschleppen. Das war Keanu ganz recht war, alles war besser als jetzt nachhause zu gehen. Charlie wollte tanzen und klebte die ganze Zeit an seinem Hals.
Viv stand um drei Uhr noch immer am grossen Fenster mit Zoë auf dem Arm. Die kleine hatte sich erkältet und bekam keine Luft durch die Nase. Sie weinte und war nicht zum Schlafen zu bewegen.
Sie trug sie umher, hatte Zwiebelwickel gemacht und ihr stundenlang vorgesungen. Jetzt war sie eingeschlafen, da ging auf einmal die Wohnungstür mit einem lauten Ächzen auf. Was die Kleine wieder aufweckte und sie wieder anfing zu weinen.
Keanu warf die Tür zu, warf seine Lederjacke auf den Stuhl neben der Garderobe, versuchte ohne die Schnürsenkel zu öffnen aus seinen Schuhen zu schlüpfen was ihm nicht gelang und er daraufhin fluchte. Dann liess er sich wie ein Karoffelsack auf den Stuhl fallen und zerrte an seinen Tretern.
Viv kam mit der weinenden Zoë in den Flur und schaute ihn an:
„Walum seid il nich im Bett, und muss sie so schleien?“ fragte er lallend.
„Du bist betrunken!“ Stellte sie fest.
„Hm…ja!“
„Warum?“
„Ich splech nich dalüber mit dir Süsse! Männelsache! Aber kann Z…. Zoë nicht aufhören, das dlönt in meinem Kopf!“
„Sie ist erkältet!“ Sagte Viv.
„Ah… sie leidet wie ich! Armes Wlümchen!“
„Du leidest? Warum denn?“
„Weil ich nich haben kann wlas ich so gelne hätte!“
„Hast du die Rolle doch nicht bekommen?“
„Nein.. dlas ist es nich… Süsse! Albeit ist ok…. lass mich ja, ich muss pinkeln und dann endlich ins Bett. By!“ Sagte er stand wankend auf und ging dann in sein Zimmer.
Viv schaute ihm nach und fragte sich zum wiederholten mal, was mit ihm los war. Von was hatte er denn gesprochen! Sie verstand ihn nicht im geringsten. Sie hob Zoë an ihre Schulter hoch und sagte zu ihr: „Komm kleine Maus, wir versuchen in Momies Bett zusammen wenigstens etwas dösen zu können!“
Am nächsten Morgen fand Keanu nur einen Zettel von Viv auf der Anrichte.
BIN MIT ZOË IM PRESPYTERIAN HOSPITAL, SIE BEKOMMT KEINE LUFT MEHR!
Er holte das Telefon und rief sie an.
„Hi!“
„Hallo! Viv was ist los!“
Er hörte sie schniefen.
„Ah… sie hat eine Lungenentzündung Keanu!“
„Ich zieh mich an, Viv… ich bin in zehn Minuten da!“
„Warum? …. Ich meine.. das brauchst du nicht! Man kann nur herumsitzen und warten!“
„Weil ich das will!…. Bis später!“ Sagte er und legte auf.
Er ging durch den Central Park und fragte sich, ob er nicht doch sich ein neues Motorrad leisten sollte, zu Fuss war Manhattan einfach doch mühsam! Gerade wenn er bald jeden Abend auf den Bühnenbrettern stehen würde wäre so ein Ding nicht nur toll sondern auch praktisch!
Wärend er so sinnierte und sich immer wieder an die schmerzende Stirn fasste klingelte sein Handy.
„Hi Keanu du Lieber!“
„Charlie… ich …. ich hab gerade schlecht Zeit!“
„Ne… wirklich… warum denn, fandest du es nicht auch toll gestern… em besser gesagt heute morgen früh?“
„Charlie ich muss in die Klinik bitte, was möchtest du?“
„Oh… Süsser das weisst du doch schon lange… ich wollte schon immer nur dich!“
Scheisse! Dachte Keanu
„Charlie… Stuard ist noch nicht mal drei Wochen tot!“
„Stuard war ein Trottel, ich hab mich mit ihm nur getröstet, und sag mir nicht das du das nicht ganz genau weisst! Ich wollte immer nur dich und das schon lage bevor ich dich wirklich kennengelernt habe… das hatte ich dir doch schon gesagt!“
Ja sie hatte das mehr wie einmal gesagt, damals am Set von ‘The devils advocat’ und er hatte sich damals geschworen nie wieder mit ihr zu drehen, aber dann für ‘Sweet November’ da hatte sie sich zusammengenommen und er hatte daraufhin die Rolle übernommen, denn niemand konnte es von der Hand weisen, sie sieht verdammt gut aus! Na toll Alter, jetzt hast du eine aufgekratzte Diva am Hals!
„Charlie, ich hab wirklich keine Zeit jetzt!“ Sagte er trocken.
„Ach ja… na dann Süsser, ich bin gegen vier Uhr bei dir, dann bist du bestimmt wieder zuhause, macht dich auf ne heisse Nacht gefasst, by und hmmmmm …. träum von deiner Charlie!“ Sie hatte aufgehängt!
Kapitel 16
Als Keanu in das Zimmer trat fand er eine eingenickte Viv auf dem Stuhl in der Ecke sitzen und Zoë hatte eine Beatmungskanüle in der Nase und lag in einem Babybettchen der Kinderklinik . Er setzte sich auf den zweiten Stuhl und nahm vorsichtig Vivs Hand in seine. Da wachte sie auf und schaute ihn erschöpft an.
„Hi! Wie geht es Pausbäckchen?“ fragte er.
„Sie Antibiotika bekommen und fiebersenkende Mittel, der Arzt meinte, wenn sie gut darauf anspricht, dann kann ich sie nachhause nehmen!“
Er nickte nur. …. und Viv blickte auf Keanus Hände die die ihre hielten.
„Was…. was tust du da?“ Sagte sie und dachte, sie sollte sie zurückziehen, doch sie konnte es nicht.
„Ich ….. weiss nicht!“ Sagte er und liess sie los. Es sagte nichts, stand auf und schaute die fiebernde Kleine an. Er schluckte, bald wären sie weg.
Die Tür öffnete sich und der Arzt trat ein.
„Ah Mr. Kellermann nehm ich an, ihrer Tochter geht es bereits viel besser, wir vermuten dass sie womöglich etwas anfällig auf Infektionen der Atemwege ist! Aber das Fieber ist jetzt soweit runter dass wir sie mit einem Antibiotikasirup heute entlassen können. Bitte gehen sie aber beide morgen mit ihr zu einem Kinderarzt!“
„Ja äh! Ich bin…“
„Gut, gleich kommt eine Schwester und bringt den Sirup!“ Sagte der Arzt der Zoë die Atemhilfe entfernte.
„Sie können sie anziehen!“ Meinte er und drehte sich um.
„Dann hoffentlich nicht Aufwiedersehen Mr und Mrs Kellermann!“ Meint er und war schon halb im Gang.
„Ich bin ……… nicht der Vater!“ Sagte Keanu aber der Arzt hatte das längst nicht mehr gehört.
Viv schmunzelte.
„Es gibt also Menschen die dich nicht kennen!“ Sagte sie und nun musste sie schallend lachen.
Keanu begann auch zu schmunzeln und fragte:
„Darf ich sie hoch nehmen und anziehen?“
Sie nickte.
Keanu hatte den Sirup wie vorgeschrieben in den Kühlschrank gestellt und holte den pfeffenden Wasserkessel vom Herd, goss den Thymiantee an und stellte die Eieruhr auf zehn Minuten. Das Schoppenfläschchen hatte er im Ausguss bereits parat stehen.
Viv hatte er ins Bett geschickt obwohl, sein Brumschädel hätte eine Mütze Schlaf auch nichts geschadet aber.. Zoë konnte man jetzt nicht allein lassen; die kleine hatte er auf dem Arm, fest eingepackt in eine Babydecke. Gerade als er den aufgegossendn Tee in die Schoppenflasse füllen wollte, da läutete es draussen.
Charlie! Schoss es ihm durch den Kopf. Und er begann zu lachen.
„Pausbäckchen,…. wetten der Diva da draussen fallen die Augen gleich aus dem Gesicht, wenn wir Beide die Tür auftun!“
Es klingelte zum zweiten mal und Keanu öffnete die Tür.
„Hi!“ Sagte er nur und schaute Charlize immer noch schmunzelnd an.
„Oh…… hallo!…… Ja em wer ist denn das…. hast du noch ein Patenkind?“
„Nein!“
„Aber…. dann!…. Du verdammter Mistkerl, Keanu…. du hast eine Familie und vögelst mit mir herum!“ Schrieh sie laut immer noch im Treppenhaus herum.
„Nimmt mich bloss wunder, ob das deine Freundin, Frau oder was auch immer die sein sollte davon hält!“
„Ich hab was?“ Fragte er nun entsetzt.
„Sag bloss das du so besoffen warst das du dich nicht daran erinnern kannst!“ Schrieh sie weiter.
Viv stand nun hinter Keanu und schaute mit offenem Mund auf Charlize.
„Ah… toll, da steht sie.. na in deiner Haut möchte ich jetzt nicht stecken!“ Schrie sie noch immer, drehte sich auf dem Absatz um und rannte wutentbrannt zurück zum Aufzug.
„Ich bin nicht seine Frau nur eine Bekannte!“ Rief Viv Charlize hinterher.
„Ah.. wie auch immer, auf sein Bett hab ich heute keine Lust mehr!“ Rief Charlize zurück und stieg in den Lift.
Kapitel 17
Keanu schloss die Wohnungstür und schüttelte den Kopf.
„Das kann unmöglich stimmen, ich war noch nie so betrunken, dass ich nicht gewusst habe was ich tue!“
Viv streckte ihre Arme aus und nahm ihm Zoë ab.
„Du… musst dich nicht rechtfertigen was du … also was du für Frauengeschichten hast, geht nur dich was an!“ Sagte sie aber gleichzeitig stellte sie fest, dass sie Wut in sich fühlte.
Wut auf diese blonde Zicke die sie noch bis vor fünf Minuten als eine bewundernswerte Hollywoodikone hielt.
„Ich habe keine ‘Frauengeschichten’… ich bin treu wenn … nun wenn ich eine Freundin habe! Und ich bin auch kein Typ der …“
„Keanu, ich möchte das gar nicht wissen!“ Sagte sie und tönte dabei ziemlich missmutig.
Viv ging in die Küche und fand die mit Tee gefüllte Schoppenflasche. Sie nahm sie aus dem Spühlbecken und testete die Temperatur.
„Ist der gesüsst?“ Fragte sie Keanu der sich an den Esstisch gesetzt hat.
„Nein… Isabelle bekam immer ungesüssten, ich dachte das ist richtig so!“
„Hm, ist es auch!“ Sagte ungehalten und drehte sich zu ihm um.
„Vivian… bist du vielleicht wütend?“ Fragte er und realisierte das das bedeutete das sie offensichtlich etwas für ihn empfand.
„Ja verdammt nochmal….. ich bin wütend… und ich weiss genau das ich das nicht sein sollte!“ Sagte sie und gab Zoë den Tee.
Er stand langsam auf und ging auf sie zu.
„Ich hab nichts dagegen wenn du deshalb wütend wirst!“ Sagte er leise und schob mit dem Zeigefinger ihr Kinn hoch sah ihr tief in die Augen.
„Du hast längst das Recht wütend zu werden Viv, wehr dich nicht dagegen… bitte!“
Sein Kopf war ganz nah und sie konnte seinen Atem auf ihrem Gesicht fühlen. Dann senkte er seine Lippen auf die ihren und küsste sie ganz zart.
Keanus Herz machte einen Satz, als er feststellte das Viv ganz zaghaft seinen Kuss erwiderte. Ihr Verstand schien auszusetzen und sie verlohr das Gleichwicht, wenn Keanu sie nicht gehalten hätte wäre sie mit samt Zoë umgefallen. Die kleine hingegen hatte wiedermal ein Händchen nach Keanus Bart ausgesteckt und hielt ihn fest.
„Au!“ Meinte er und lächelte.
„Hm…. ja du bist auch noch da…“ Sagte er lächelnd und küsste Pausbäckchen auf die Stirn.
„Keanu?“
„Hm?“
„Warst du deshalb gestern so …. merkwürdig abweisend!“
Er nickte.
Langsam löste er sich von den beiden und er dachte;’ Meine beiden Mädchen!’
Zoë begann zu wimmern.
„Sie hat Hunger Keanu, der Tee reicht da nicht, ich muss sie stillen!“
„Darf ich dabei sein?“ Fragte er scheu.
Sie nickte und ging in ihr Zimmer.
Viv hatte sich auf ihr Bett gelegt und begann Zoë im Liegen zu stillen. Etwas das sie liebte, weil das so vertraut und intim war. Aber etwas war anders, es war das erste mal das sie das tat und Keanu ihr gegenüber lag und ihr und der Kleinen zusah. Na ja nicht ganz, natürlich hatte sie Zoë schon einige male in seiner Gegenwart gestillt, aber nie hatte sie ihm den Blick auf ihre Brust so offen gewährt. Und er schien es zu geniessen und streichelte ganz sanft das Köpfchen des Babies. Er sagte ganz leise: „Ich hab mir immer gewünscht einmal sowas erleben zu dürfen Viv..Danke!“
„Und dabei ist nicht mal deine Tochter!“
„Hm… ich bin nicht Sean stimmt, aber vielleicht… könnte ich es versuchen ein Vaterersatz für sie zu werden?“
Sie schaute ihm direkt in die Augen und dann wusste sie es ganz sicher:
„Keanu! Ich glaub du bist das schon längst!“
Eine halbe Stunde später war Zoë an Vivs Brust eingeschlafen. Viv steckte den kleinen Finger in ihr Mündchen um das Vacuum zu lösen, denn wie üblich nuckelte die Kleine noch immer daran. Keanu lächelte weil er das so noch nie gesehen hatte, dann trug er das Baby ganz sachte ins Babybettchen, deckte die noch immer stark erkältete kleine Maus sorgfältig zu und ging zu Viv zurück.
Er legte sich zu ihr, schaute sie erst nur an, dann jedoch strich er ihr durch die langen Haare und küsste sie ein zweites mal, diesmal jedoch nicht mehr ganz so zart, sondern fordernd und mit einem Versprechen in den Augen das Viv erschauern liess.
Kapitel 18
Sie war emotional so ausgehungert und durch die Berg und Talfahrt ihrer Gefühle in den letzten Wochen, dass sie buchstäblich unter Keanus Händen und Küssen zu explodieren schien.
Er roch an ihrem Haar das nach Vanille und Veilchen schmeckte und küsste ihre Augenlieder murmelte leise unverständliche Worte aber Viv verstand trotzdem.
Sie drückte sich fest an ihn und als er ihr die Nickyplüschjacke ganz über die Schultern streifte, da begann sie vor Erwartung zu zittern. Ihre Finger nestelten an seinem Hosenbund herum und brachten in der Aufregung den Knopf nicht auf.
Er strich ihr mit seiner Hand über die ihre und half ihr sie zu öffnen und über seinen Po zu streifen. Die Jeans landeten in hohem Bogen neben dem Babybettchen.
Viv hatte sich die weichen Trainerhosen schon abgestreift als Keanu sich das Tshirt auszog und dann legte er sich ohne Umschweife seitwärts auf sie, küsste sie, fasste an ihre schweren Brüste und begann diese zu massieren. Viv fühlte sein hartes Glied an ihrem Oberschenkel, seine Hände die ihre Brüste streichelten und seinen schweren Atem den er in ihren geöffneten Mund hauchte. Sie zitterte immer mehr und glaubte dass ihr Körper zu glühen anfing. Überall kribbelte es und heisse Wellen zogen hinab zu ihrem Schoss. Sie stöhnte als Keanu an ihrer Brust zu saugen begann und er schaute mit einem mal verzückt zu ihr hinauf. Ihm rann etwas Muttermilch aus dem Mund.
„Alles an dir ist süss und riecht so gut!“ flüsterte er ihr zu. Er legte seine Wange an die ihre und fuhr mit der Hand zwischen ihre Beine. Instinktiv öffnete sie sich ihm und er begann ganz fein und langsam über ihr Geschlecht zu streicheln.
Ihr Herzschlag ging schnell, sie atmete fest, drängte sich an seine Hand und als er sie massierte, da fühlte er das sie bereits ihren ersten Orgasmus hatte. „Uh..!“ Kam er nur erstaunt aus seinem Mund da hielt ihn nichts mehr zurück, er drang ohne Zögern in sie ein und liess dem mächtigen Drängen seiner Lust freien Lauf.
Viv fühlte ihn in sich wie er sie dehnte und ausfüllte und das fühlte sich so richtig und so gut an. Einen kurzen Moment dachte sie an Sean, und was sie mit ihm erlebt hatte, doch Keanus kräftige Stösse liessen diese Erinnerung wie Sand zerbröseln und holten ihre Gedanken ganz und gar zu ihm und zu dem atemberaubenden, wundervollen Feuerwerk der Gefühle, die jetzt und hier sie überraschten. Sie hielt sich an seinen starken Oberarmen fest, schlang ihre langen Beine um sein Becken und bog sich im entgegen und dann erfasste sie eine weitere Welle der Sensation. Sie stöhnte in sein Ohr und als Keanu fühlte, wie ihre Vagina zu pulsieren anfing, da brauchte er nicht weiter zu stossen, tief in ihr kam er. Er zuckte und stöhnte und fühlte wie er in seinem Innersten eine Tür zu öffnen begann, von der er noch nicht einmal wusste, dass es sie gab.
Viv schnappte nach Luft, er lag schwer auf ihr und drückte sein Gesicht in ihre Halsbeuge und dann fühlte sie, wie er zuckte, er verzweifelt seine Tränen versuchte zurückzuhalten es aber nicht schaffte und dann begann zu weinen. Sie drehte ihren Kopf an seine Wange, streichelte über sein Haar und hielt ihn einfach fest.
Keanu wusste nicht recht woher diese erlösenden Tränen kamen. Er fühlte nur, dass er endlich ein Zuhause hatte. Und als diese Erkenntnis sich langsam von seinem Herzen den Weg in seinen Kopf bahnte, da sagte er:
„Viv…. ich glaube ich liebe dich!“
Sie fühlte instinktiv, dass er etwas von sich Preis gegeben hatte, dass er niemals leichtfertig dahin sagen würde. Deshalb nahm sie sein Gesicht in ihre Hände, schaute in seine in dem Moment unglaublich leuchtenden Augen und sagte es mit Nachdruck:
„Und ich liebe dich Keanu!“ Dann hob sie ihre Hand und schaute auf den Ehering, den sie noch immer trug, fasste mit der anderen Hand unter Keanus Kinn an den Ringfinger und streifte diesen ab und legte ihn auf den Nachttisch. Dann legte sie ihre Arme um ihn und sagte:
„Ich kann es noch immer nicht verstehen, Keanu… aber ich weiss es ist richtig so!“
Kapitel 19
Zoë weinte in dieser Nacht viel und als sie gegen ein Uhr nachts ein weiteres mal wimmerte, da holte Viv sie kurz entschlossen zu ihnen ins Bett. Zu Keanu, der verschlafen aufschreckte meinte sie: „Sie ist krank, wenn du in Ruhe schlafen möchtest, dann ist wohl besser wenn du zu dir gehst!“
Aber Keanu schüttelte den Kopf: „Ich möchte bei euch bleiben…. diese Nacht, und die nächste auch…. und die folgenden!“
Er konnte selbst im Dunkel sehen, dass sie lächelte.
„Hm… kannst du…. aber dann musst du mit umziehen!“
„Werd ich…. aber…. dann lässt du das Haus auf uns beide überschreiben!“
„Gott Keanu… wirklich?“
„Ja… ich zahle die eine Hälfte und du die andere! Die zwei Millionen bring ich schon auf!“
Sagte er und küsste sie auf den Mund.
Die Kleine lag zwischen ihnen. Alle drei verbrachten den Rest der Nacht halb dösend, halb schlafend weil Zoë immer noch Atemschwierigkeiten hatte
Am nächsten Morgen stand Kanu mit kleinen Augen aber unsagbar glücklich in der Küche und kochte Kaffee. Viv schlief noch, Zoë hatte doch noch den erlösenden Schlaf gegen den Morgen gefunden.
Da klingelte das Telefon.
„Hi!“
„Hallo Junge!“
„Mom! Wie geht es dir?“
„Hm… danke, es geht so! Ich bin auf dem Kennedy Airport. Ich dachte, ich rufe dich erst an, bevor ich zu dir komme!“
„Du bist hier! ….“
„Ja… , ich hab schon gehört das du Theater spielen wirst; die Proben beginnen aber doch nicht schon heute oder?“
„Nein, nein Mom! Ich bin nur etwas überrascht!“
„Mach dir keine Gedanken, ich werde im Astoria wohnen, ich möchte nur heute schnell vorbeikommen!“
„Nicht jetzt Mom… später… em und hör mal, ich muss erst noch mit… also ich muss zum Arzt, bald! Können wir uns am Nachmittag treffen!“
„Bist du krank? Gott Junge was ist den los mit dir?“
„Nein ich bin nicht krank…. mach dir keine Sorgen Mom…. ich… em… ich komm gegen Zwei ins Astoria, kannst du einen Tisch für drei bestellen unten im Restaurant?“
„Für drei? …. „
„Ja… gerne!“
Er hörte sie am anderen Ende erst Luft holen und dann lachen.
„Hm… Vivian Kellermann, richtig!“
„Ja Mom!“
„Hatte ich doch recht?“
„ Mom bitte.Ich erzähl es dir dort ja!“
„Du willst mich so abspeisen, na hör mal… Keanu Charles Reeves, so kannst du mich doch nicht mitten auf dem Flughafen stehen lassen, bitte sag mir endlich, warum du dich so gut anhörst!“
„Nein Mom, nicht jetzt!“
„Stur wie immer… na ja dann halt! Bis denn Junge!“
„Ja.. Bis denn Mom!“
Er atmete tief durch, Mütter können ja so was von neugierig sein. Dachte er und gleichzeitig lächelte er vor sich hin. Viv war eine tolle Frau, eine die selbständig war und die keine Probleme hatte mit einer starken Persönlichkeit umzugehen. Bestimmt würde sie sich mit Mom gut verstehen.
Kaum hatte er den Tisch gedeckt, da klingelte das Telefon ein zweites mal.
Ein wenig genervt hob er ab und musste das Gähnen unterdrücken.
„H…Hi“ meldete er sich .
„Oh Verschlafen was, hallo Kenau!“
„Laurence… du… was gibts!“
„Was es gibt? … Ja das wollte ich eigentlich von dir wissen… ich hatte eben eine völlig nervende Zicke am Hals! Ich denke du kannst dir vorstellen wen, nicht?“
„Charlie….ach du Scheisse! Was hat sie dir denn erzählt!“
„Na sie wollte ihr Engagement hinschmeissen! Sie sagte du hättest sie hintergangen und so könne sie nicht spielen, ausserdem ist sie schwanger!“
„So…..? Interessant? …na da … also das bedeutet doch…em..“
In Keanus Kopf begann es auf hochtouren zu arbeiten; das konnte doch nur bedeuten dass sie völlig durch den Wind war, womöglich weil sie mit der Vorstellung alleine ein Baby zu haben nicht klar kam!
„Kann ich dich was fragen?“
„Klar!“
„Em… es ist aber ziemlich vertraulich!“
„He Keanu…wir sind Freunde nicht!“
„Stimmt, na dann..Sie behauptet ich hätte vorgestern Nacht mit ihr geschlafen, ich kann mich aber daran beim besten Willen nicht erinnern. Ich hab mit ihr getanzt im Club und ich bin um drei nachhause gekommen. Wann bin ich denn aus dem Club weg und vor allem, ging Charlie mit mir mit!“
Laurence räusperte sich: „Ui… mensch…. ich glaubs ja nicht… Himmel nochmal… wollte sie dir das Kind anhängen…nein sowas….. also hör mal, nein du bist um etwa zwanzig vor drei im Club verschwunden, du warst ziemlich angetrunken, aber glaub mir so hinüber, dass du dich an so was nicht erinnern kannst bestimmt nicht und Charlie die war noch über eine Stunde hier!“
„Sie muss verzweifelt sein, wenn sie sowas tut.. Laurence! Sie musste doch wissen, dass ich ihr das nicht so einfach abkaufe. Charlie ist eine intelligente Frau!“
„Keanu, jetzt bist du eindeutig zu nett mit ihr, verdammt noch mal, sie hat versucht dir ein Kind anzuhängen!“
„Stimmt, aber, wenn sie schwanger ist von Stuard, dann steht sie alleine da!“
„Trotzdem, zu sowas hat sie nicht das Recht! Wie auch immer, ich werde ihrer Bitte nachkommen und die Rolle umbesetzen! Aber …. ich bin mir nicht sicher ob die nicht nochmals bei dir auftaucht!“
„Und wenn… soll sie… erstens… sie kann unmöglich nach nicht mal einem ganzen Tag wissen dass sie schwanger ist, wenn ich mit ihr geschlafen hätte und das Kind daher käme und zweitens… sie müsste doch wissen, das ich sowas nur mit Vaterschaftstest anerkenne! Und eins ist sicher, auch wenn sie mir Leid tut, die Freundschaft ist definitiv den Bach runter!“
„Das kann ich dir nachfühlen!“
„Em Laurence, falls du mich in den nächsten Tagen anrufen willst, mach das aufs Handy, ich werd nicht oft hier sein!“
„OK… weshalb?“
„Ich ziehe um!“
Kapitel 20
Viv war wach und stand in der Tür zur Küche als Keanu das Telefon auflegte.
„Gibts Probleme?“ Fragte sie.
Er atmete tief, ging zu ihr hin, nahm sie in die Arme, küsste sie und sagte dann:
„Erstmal Guten Morgen mein Liebling!….. Und jein es gibt keine wirklichen Probleme, nur Charlie… die sich ihr Leben selber schwer macht!“
Und dann erzählte er ihr, was er eben erfahren hatte.
Viv schüttelte immer wieder den Kopf und meinte dann, als er fertig war.
„Du hast recht, sie muss völlig fertig sein; irgendwie tut sie mir trotz allem Leid; ich hoffe bloss, sie hat jemanden, der sich um sie kümmert!“
Er nickte.
Eine Stunde später schaute sich der Kinderarzt Zoë an. Er hörte sie mit dem Stetoskop ab, verschieb noch einen lösenden Hustensirup zu dem Antibiotika dass die Kleine noch eine Woche lang einnehmen sollte und meinte dann, da sie fieberfrei war würde sie sich bestimmt gut erholen. Viv zog sie wieder an und Keanu musste dem sich als Fan outenden Arzt ein Matrixposter signieren.
Er schob den Kinderwagen die Park Avenue hinauf und Viv hatte sich bei ihm untergehängt. Da waren ein paar Fotografen, die knippsten was das Zeug hielt und fragten andauernd, wer seine Begeleitung sei und das Kind.
Keanu schwieg und schaute nur zweimal zu Viv. Und sie wusste, er würde es erst sagen, wenn sie das auch wollte.
Im Astoria angekommen nahm der Concierge der im Eingang vor der Drehtüre stand Keanu gleich den Kinderwagen ab.
„Guten Tag Mr. Reeves!….. Guten Tag Mam… Ihre Frau Mutter Mr. Reeves wartet in der Lounge!“
„Vielen Dank Spencer! Richtig?…. „Sagte Keanu und der Concierge strahlte, weil Keanu ihn erkannt hatte.
Patic sass in einem Separé und nippte an einem Martini.
„Ah… oh… ist das eine süsse Maus!“ Sagte sie als Spencer Zoë im Kinderwagen neben dem Esstisch abstellte.
„Hallo Mom!…. Darf ich Dir Vivian Kellermann und Zoë vorstellen!“
Patric war aufgestanden und ging zu Viv, schaute sie ohne irgend eine Reaktion an und sagte dann: „Guten Tag Vivan ich bin Patric!“ Sagte sie ganz unkompliziert hielt einen Moment Viv’s Hand in der ihren und begann zu lächeln.
„Normalerweise tue ich sowas nicht so schnell, aber…. ich kenne Keanu, weisst du, ich kann in seiner Stimme erkennen wenn er glücklich ist. Da er das momentan ist, bin ich mir sicher, das hat eindeutig mit dir zu tun.“
Viv wurde verlegen und wurde rot.“ Ja… hallo Patric… em… !“
„Mom… !“ Schnaubte Keanu.
„Ach Kinder…. jetzt seit doch nicht so zugeknöpft, ich bins ja auch nicht! …. Darf ich das Schätzchen auspacken!“ Fragte sie und liess Keanu mit der noch immer verlegenen Viv stehen bückte sich zu dem Baby und fuhr fort: „Ah…. Zoë, die alte Schachtel da ist Keanu’s Mom… ich hoffe wir zwei werden uns bald verstehen! Weisst du ich mag Kinder unglaublich süsse Maus!“ Und damit hatte sie sie schon aus dem Wagen gehoben und sich mit ihr auf den Stuhl gesetzt und zog ihr das Mäntelchen aus. Derweil kam Spencer zurück und stellte einen Babyhochstuhl an den Tisch.
Keanu zwinkerte Viv zu und beide setzten sich ebenfalls.
„Na Junge, du hast mir was versprochen, schiess los!“ Sagte sie und Zoë begann an der langen Perlenkette zu ziehen. „Hm… die mag’st du Zoë… ah hab ich fast vergessen, der da drüben mochte die auch, so sehr, dass ich sie einige male frisch aufziehen lassen musste!“
Keanu räusperte sich, es war an der Zeit den Monolog seiner Mutter zu unterbrechen!
„Em ja!“ Sagte er und nahm Vivs Hand zur Unterstützung in seine.
„Du hattest recht Mom!“
„Womit denn?“
„Damit, dass ich mein Herz verlieren könnte! Viv und ich… wir werden in ein wunderschönes Strandhaus in Long Island umziehen und…. na ja, wenn du möchtest, dann könntest du meine Wohnung haben!“
Patric begann zu lächeln.
„Ah… nun da ich die beiden kenne… also ich finde ganz spontan, das … das ist wundervoll! Die Wohnung ist wundervoll und die Neuigkeit dass du endlich nicht mehr alleine leben willst ebenfalls! Ach… lasst euch umarmen… das ….. also das müssen wir feiern finde ich!“
Viv musste lächeln. Seine Mom war ein Wirbelwind mit einem grossen Herzen.
„Vielen Dank Patric!“ Sagte sie.
„Für was denn?“
„Dass ich hier willkommen bin!“
Sie winkte nur ab und meinte. „Ihr seit sympathisch und …. die vergangenen Wochen waren für uns alle hart genug, es ist so schön, dass ich heute so etwas miterleben darf!“
Kapitel 21
Patric, Keanu und Viv wurden im laufe des Essens ganz ungezwungen, man verstand sich bestens was mit dem Einfluss der kleinen Zoë zusammenhing, denn Patric hatte sie gleich in ihr Herz geschlossen.
Man sprach natürlich auch über die Katastrophe und Keanu staunte nicht schlecht, dass seine Mutter offenbar einiges besser informiert war über den Stand der Aufräumarbeiten als er selber. Er erfuhr, dass das Militär längst dabei war das ganze generalstabsmässig durchzuführen. Man war mit schweren Baumaschinen daran Strassen für den Abtransport des Schuttes anzulegen und das es so aussah, dass die Häuser in den Hollywoodhills noch am ehesten wieder in Stand gesetzt werden konnten, jedoch die Innenstadt total neu gebaut werden musste.
Die Auffanglager in Phoenix Arizona, hatten sich langsam geleert, denn wo immer jemand im ganzen Gebiet der USA privat untertgebracht werden konnte, so tat das Rote Kreuz das.
Es gab noch immer viele Vermisste. So viele dass sich die Regierung damit auseinanderstetzte, ob es für die Hinterbliebenen nicht besser wäre, alle Vermissten des Unglückes für tot zu erklähren, damit die Versicherungen zahlen könnten? Das wiederum brachte im Kongress unter den Lobbyisten der Versicherungsgesellschaften Unmut. Denn wer würde für die horenden Summen die sie auf ein mal ausbezahlen mussten schlussendlich aufkommen. Es bedeutete einfach, dass die Prämien ins unermessliche steigen würden.
Wie man es auch drehte, die Katastrophe war längst zu einem nationalen Problem geworden.
Keanu hatte gegen Abend ein Telefon mit Jerry Brockheimer. Er hatte ihm mittegteilt dass er gewillt war die Projekte von Erwin Stoff zu übernehmen und ihm offeriert, dass er ihn gerne unter Vertrag genommen hätte. Doch Keanu lehnte ab, er hatte drauf hin sofort mit Sundance Movie Kontakt aufgenommen und tatsächlich am Schluss sogar mit Robert Redford selber gesprochen, dieser war höchst erfreut Keanu unter Vertrag nehmen zu können. Es bedeutete, dass Brockheimer doch nicht durch die Katastrophe zum einzigen riesigen Filmkonzern wurde. Sondern sich die kleineren durchboxen konnten. Denn nachdem Keanu sich von Sundance managen liess, da kamen andere Grössen auch dazu!
In den folgenden Tagen stand der Umzug an. Keanu hatte auf alle Möbel, die er mitnehmen wollte rote Selbstklebepunkte verteilt. So war der Möbelwagen ziemlich rasch gefüllt! Viv und Zoë waren bereits im Haus auf Long Island und hatten zusammen mit Patric begonnen den Möbelpackern die die neuen Möbel brachten zu zeigen wo diese hin sollten. Ja Viv hatte mit Patric die Möbelhäuser abgeklappert. Es war toll gewesen, ein Haus mit sechs Schlafzimmer, einer grossen Wohnzimmer und einer wirklich ausladenden Wohnküche komplett auszustaffieren, das machte Spass!
Eine Gute Woche später, war das Strandhaus fertig eingerichtet. Keanu hatte wie versprochen den Sandkasten versucht zu erneuern, eigenhändig! Was Viv belustigt von der Veranda aus beobachtete. Er mochte ein hervorragender Schauspieler sein, ein guter Heimwerker….nun … darüber konnte man tatsächlich ins zweifeln kommen. Er hatte ohne Probleme den alten Sand ausgehoben und diesen zum Strand hinunter mit der Schubkarre transportiert, aber als er die Neuen Balken verschraubte und mit Zement den Grund ausbetonieren wollte, da begannen die Probleme. Sie hörte ihn fluchen und schimpfen und zuletzt, als der Pflaster nicht hart werden wollte und die Balken immer wieder Schieflage bekamen, zückte er sein Handy und liess den Gartenbauer kommen!
Noch immer stand Keanu völlig verdreckt neben dem Gärtner als ein neben dem neu erstandenen Familienvan ein Mercedes Cabrio hielt und Laurence ausstieg.
Er öffnete das Gartentor und schritt eilend zu Keanu.
„Laurence hallo! Was gibts!“
„Nicht hier Keanu können wir irgendwo in Ruhe reden?“
Keanu nickte.
„Ja klar in meinem Büro, ich gehe mich nur rasch duschen und umziehen!“
Kapitel 22
Laurence sass in dem Sessel in der Ecke des Büros als Keanu in frischem Shirt und Jeans eintrat.
„Hi, schiess los, was ist loss?“
„Gerda Theron kommt hierher!“ Sagte er und schaute Keanu an. „Charlize hatte sich gestern versucht das Leben zu nehmen, nun Gerda wusste nur das Charlie zuletzt bei uns unter Vertrag war, deshalb hat sie mich von Johannesburg aus angerufen und wollte wissen was los ist!“
„Was hat Charlie!?“
„Sie hatte sich die Pulsadern aufgeschlitzt!“
„Gott im Himmel!…… Laurence und was hast du Gerda gesagt?“
„Nichts, ich hab ihr gar nichts gesagt! Sie wird erst in die Klinik gehen um zu sehen wie es Charlie geht und danach will sie mit dir reden! Du kennst sie offenbar, jedenfalls behauptet sie das!“
„Flüchtig… ja, von der Promotour zu ‘Sweet November’!…. Wie geht es Charlie denn?“
„Hm…. sie liegt im Komma, sie hat viel Blut verloren, aber die Ärzte gehen davon aus, dass sie und das Baby überleben werden.
Laurence liess sich etwas später von Viv zum Mittagessen einladen und als er dann am frühen Nachmittag wieder ging, da erzählte Kenu Viv, was er wusste und sie war mit Keanu einer Meinung, Charize musste irgendwie geholfen werden.
Am nächsten Morgen kam Gerda Theron direkt von der Klinik zu Keanu. Er führte sie ebenfalls ins Büro und schloss die Tür.
„Keanu, ich bitte dich, sag mir was du weisst?“
„Werde ich gerne Gerda, wenn du mir erst mal sagst was die Ärzte sagen und ….!“
„Gut, also Charlize hat viel Blut verloren, aber sie ist wieder bei Bewusstsein, sie hat mir erzählt dass sie in Erwartung ist und …nun sie schämt sich sehr… em….. ja also….. natürlich ist Stuard der Vater Keanu! Sie .. nun ihr Arzt hat ihr gesagt, dass sie an einer Erschöpfungsdeperssion leidet und sie, da sie schwanger ist, keine der üblichen Antidepressiva bekommen kann. Deshalb darf sie nicht alleine sein.
Nun… sie wollte dass ich … ich soll sie bei dir entschuldigen, und , ja …. also sobald es geht, dann fliegt sie mit mir nach Johannesburg. …. Ich muss sie noch dazu überreden … aber ich glaube…. das wird sicher im Moment das Beste sein!“
Keanu stand am Fenster schaute die Frau an. „Gerda, ich trag ihr nichts nach, bestimmt, … ich hab mir schon gedacht, dass sie völlig durch den Wind gewesen sein muss! Wir alle haben die Katastrophe ja nur mit Glück überlebt. Für sie muss es umso härter gewesen sein in ihrem Zustand festzustellen, dass sie nicht die erhoffte Familienidylle haben wird, sonder nun ohne Stuard da steht.“
„Danke Keanu! Das wird ihr bestimmt gut tun, wenn sie hört dass du nicht wütend bist!“
Er nickte: „Sag ihr, ich trag ihr nichts nach, möchte aber gerne den Part des Patenonkels übernehmen!“
„Was?… Aber em warum denn?“
„Weil Viv und ich das genau gleich sehen, Charlie soll wissen, dass sie auf mich zählen kann!
Ich habe schon Isabelle als Patenkind, sie war oft bei mir und … ich hab das gerne gemacht! Nun ist die junge Dame am ausfliegen und brauch einen wie mich immer weniger, du siehst Gerda… da ist Kapazität vorhanden…. und Charlie kann so hie und da ihr Zwerglein bei mir abliefern! Vielleicht hilft ihr die Vorstellung etwas! Kommt noch dazu dass hier unsere Zoë ist, eine Spielgefährtin!“
„Danke!“ Sagte Gerda und drückte ihm die Hand.
„Ich sags dir ehrlich, Charlize hat das eigentlich nicht verdient, sie …. nun sie ist mir durch den Rummel der letzten Jahre etwas zu egozentrisch geworden. Aber…. „
„Lass nur…“ meinte er und nickte.
Kapitel 23
Ausgelaugt und müde im Kopf aber mit angespanntem Körper kam Keanu am folgenden Tag nach Hause. Die Proben für King Lear hatten begonnen und wie er es schon vermutet hatte, die Art zu Schauspielern wie es das Theater verlangte, die musste er sich erst wieder aneignen, viel stärkere Mimik, laute, präzise Aussprache, fast schon übertriebene Gestik. All das damit man im Saal verstand, was dort auf der Bühne für eine Geschichte erzählt wird. Film war anders, dort übernahm die Kamera und das Mirkofon vieles, man konnte flüstern und das Publikum verstand trotzdem!
Langsam ging er ins Haus. „Hallo, Viv Liebling, wo bist Du!“
Er hörte nichts, vielleicht war sie wiedermal mit Mum unterwegs. Die beiden warem viel gemeinsam unterwegs. Oder sie war daran Einkäufe zu machen, den Onkel Eli hatte angerufen. Er würde das Wochenende bei ihnen verbringen. Wie auch immer, sie und Zoë waren nicht im Haus.
Er ging ins Schlafzimmer, holte aus dem Schrankzimmer die ältesten Jeans hervor und zog sich einen Sweater an, dann ging er in die Garage, holte die gestern gekauften Pflanzen heraus und den Schubkarren und machte sich ans Werk. Dort drüben, da wollte er ein herzförmiges Rosenbeet anlegen. Ja er hatte ein neues Hobby entdeckt, Gartenarbeit, das war total entspannend und er war erst noch an der frischen Luft und bekam durch die Körperarbeit die nötige Bettschwere um den geistigen Stress abzubauen… Und wenn er sich wiedermal zu doof anstellte, dann zückte er sein Händy und fragte Bill, den Gartenbauer, mit dem er sich angefreundet hatte. Er grinste, das mit dem Rosenbeet, davon wusste Viv nichts, sollte eine Überraschung werden.
Wärend er mit dem Spaten grosse Stücke des Rasens entfernte, kamen ihm viele Dinge der letzten Wochen hoch. Er dachte an Viv, wie sehr sie sich in den zwei knappen Monaten in denen sie jetzt hier lebten, sich aneinander gewöhnt hatten. Sie war wirklich die Frau, von der er so lange geträumt hatte. Nicht nur das sie zärtlich und anschmiegsam war und, wie er immer wieder staunend feststellte, ihm auch im Bett keine Wünsche offen liess, nein sie war eben auch intelligent, bescheiden und hatte Stil.
Er dachte an die letzte Nacht. Er hatte mit ihr zusammen Zoë ins Bett gebracht. Dann genoss er wohl das letzte mal in diesem Herbst den Pool und schwamm seinen Kilometer darin und als er dann schon etwas ausgekühlt wieder ins Schlafzimmer kam, da stand sie in einem schwarzen Hauch von Nichts vor ihm, hatte Silettos an den Füssen und halterlose Strümpfe an ihren langen Beinen. Ihm wurde augenblicklich heiss. Er hatte sie geküsst mit einem nie gekannten Hunger. Und sie hatte laut in seinen Mund gestöhnt.
Langsam karrte er die Rasenziegel hinüber zum grossen Komposthaufen bei den alten Bäumen.
Er dachte noch immer an letzte Nacht. Jawohl, sie hatte ihm schnell sein Frottetuch von den Hüften gelöst und dann, ja dann hatte sie klein Keanu auf verboten heisse Weise verwöhnt. Nie.. wirklich noch gar nie hatte er eine Frau gebeten ihn so zu befriedigen, Viv tat es einfach… und …. es hatte ihn fast um den Verstand gebracht.
Und danach, ja da fand er sich irgendwie im Gewühl der Bettwäsche wieder, wie er sie geleckt hatte und sie ihre Lust laut heraus schrie. Und danach, ja da hatten sie, beide nicht mehr ganz so erhitzt und dennoch lustvoll sich vereinigt. Er in ihr, einfach unglaublich und so richtig… Es musste einfach so sein.
Als er nun die frische Erde auf dem ausgehobenen, herzförmigen Beet ausbrachte, kam ihm etwas in den Sinn. Sie hatte von Anfang an keine Kondome benutzt. Er ging einfach davon aus, dass sie, da sie ja vorher einen Ehemann hatte, verhütete! Aber…. wenn er jetzt so darüber nachdachte. In den Tagen nach der Katastrophe, da hatte sie bestimmt keine Pillen genommen…. und, er hatte auch jetzt nie irgend so etwas im Bad oder so gesehen! Was, wenn er sie geschwängert hatte? Himmel noch mal, sie hatten oft, fast täglich miteinander geschlafen!
Er stellte seinen Kopf auf den Spatenstiel und schaute noch immer in Gedanken auf das neue noch leere Beet.
Hmm. Wenn Zoë wirklich ein Geschwisterchen bekommen sollte, dann war da etwas verkehrt.
Sie wären dann eine Familie und doch keine. Das funktionierte nicht… so sollte es nicht sein in seiner Vorstellung. Nein….
ganz einfach, es war an der Zeit, Viv einen Antrag zu machen. Genau!
Und das Rosenbeet, das passte doch wunderbar. Alter, du bist echt ein Genie… hopp, rein mit den Rosen… vielleicht kommt Viv ja doch nicht sofort, dann schaff ich das noch!
Kapitel 24
Viv stellte den Chrysler Van neben Keanus neuem Porsche ab und holte Zoë mitsamt dem Babysitz aus dem Auto. Sie war müde, den ganzen Nachmittag hatte sie im Wartezimmer des Arztes verbracht. Nur gut dass sie Zoë bei Patric gelassen hatte, sonst hätte die Kleine bestimmt dort unwillig zu schreien begonnen. Langsam ging sie durch das Gartentor auf dem Kiesweg zum Haus als ihr Blick auf ein neues Beet viel.
Rosen, rote und in der Mitte orange in einer Herzform. Gott Keanu, das war schön, fast schon kitschig schön! Sie schmunzelte, der Garten hatte es ihm angetan, fast jeden Tag grübelte er inzwischen darin. Meist sang er dann noch und wenn ihm etwas seiner Meinung nach gelungen war, dann musste sie alles stehen und liegen lassen und sofort das Wunderwerk besichtigen.
Aber, wo steckte denn Ihr Liebster?
„Schatz! Keanu….. !“ Rief sie in Richtung Garage. Keine Antwort kam. Nun ging sie zum Hauseingang und bemerkte, dass die grosse weisse Türe einen Spalt breit offen stand.
Sie stiess sie ganz auf und als sie dann in das Entré trat da fand sie am Boden ein rotes Bändchen an dem ein Zettel hing! „Viv, bitte folgen!“
Sie schaute etwas verdutzt, schälte Zoë aus dem Sitzchen, nahm sie auf den Arm und folgte dem Bändchen, das sie erst durch die Küche zum Hinterausgang führte. Dort öffnete sie die Tür und folgte dem Bändchen das sie am Pool vorbei zu dem kleinen Wald führte und dort in der Mitte da endete das Bändchen an einem Seil, dieses war über einen grossen Ast geführt und an dessen Ende war eine mannsgrosse rote Schachtel befestigt. „Bitte ziehen!“ War am Seil angeschrieben.
Viv schüttelte belustigt den Kopf und zog an dem Seil und dann hob sich die Schachtel, darin kniete Keanu mit einer Rose im Mund und schaute sie verträumt an. An seinem Shirt war ein Zettel geheftet.
„Viv, willst Du mich heiraten?“ stand darauf.
Viv hielt sich die Hand vor den Mund und schluckte, hatte Tränen in den Augen, das konnte er deutlich sehen. Sie kam zu ihm, kniete sich mit samt der Kleinen auf dem Arm zu ihm hinunter, weinte und lachte gleichzeitig und dann sagte sie: „Gott Keanu,… ja ich will…. aber… ich… also ich muss dir auch was wichtiges sagen!“
Er öffnete seine Hand fasste mit der anderen nach ihrer und schob ihr den Reif mit dem einen Brillianten an die Hand und die kleine Zoë die fasste sofort danach. „Ah, Keanu ich …. Gott also…!“ Viv nahm ihm die Rose aus dem Mund, brachte aber vor Aufregung keinen Ton mehr heraus. Dann küsste er Viv, sie hatte fast das Gleichgewicht verloren, hätte Keanu sie nicht gehalten.
Dann jedoch löste er sich von ihr.
„Lass uns so bald es geht heiraten, hmm?“ Flüsterte er in ihr Ohr.
„Einverstanden Liebling…. entweder so bald es geht….oder dann erst in gut einem Jahr!“
„Em sobald es geht…aber … !“ Weiter kam er nicht, denn Viv hielt ihm ein Couvert unter die Nase, welches sie aus der Jackentasche gezogen hatte.
„Mein kleines Geschenk!“ Sagte sie und er öffnete es. Darin fand er ein Ultraschallbild, es war ein kleiner weisser Punkt zu sehen, darunter stand das heutige Datum, dann Vivs Namen und dahinter Woche: 8.
„Du .. wir!“ Sie nickte nur. Er schaute einen kurzen Moment sprachlos in ihre blauen Augen, dann nahm er sie ein weiteres mal in den Arm, küsste sie und sagte dann:
„Viv, ich liebe euch alle drei! … entschuldige, ich finde keine Worte dafür!“ Und dann liefen ihm die Tränen hinunter!
Kapitel 25
Onkel Eli sass neben Patic und Keanu am grossen Esstisch in der Wohnküche. Viv stellte das Tablett mit den vorbeteiteten Tiramisu-bechern auf den Tisch.
„Ihr wollt also heiraten!“ Sagte Eli und schaute erst Keanu und dann Viv an.
„Dann war das wohl nicht die grosse Liebe… was Viv.. wenn du Sean schon vergessen hast!“
Sagte er wie gewohnt gerade heraus.
Viv schaute ihn an und wusste nicht was sie darauf hätte sagen wollen.
Da räusperte sich Patric.
„Em… Eli. Es ist für gewöhnlich nicht meine Art, sich in Privatangelegenheiten anderer, insbesondere derer meines Sohnes einzumischen aber…. ich denke jetzt werde ich mal sagen was ich denke!
Ich hatte das Vergnügen in den letzten fünf Wochen Viv wirklich kennen lernen zu dürfen, und ich glaube mit nichten, dass sie Sean nicht geliebt hat, mein Lieber Eli! Ich bin mir ziemlich sicher, wenn diese Katastrophe nicht geschehen wäre, dann gäbe es die Familie Kellermann noch genau so, wie du sie in Erinnerung hattest. Aber…. Sean ist tot. Warum dies geschehen musste… keiner kann das sagen. Es nützt auch nichts darüber zu grübeln, es ist einfach eine Tatsache. Und ich glaube auch, wenn Sean diese entzückende junge Frau da drüben wirklich geliebt hat, dann würde er bestimmt nicht wollen, dass sie ihr ganzes restliches Leben einfach nur um ihn trauert. Er würde wollen, dass sie lebt, dass sie ihrem gemeinsamen Kind das Beste bietet, was in ihren Möglichkeiten liegt. Er würde wollen, dass sie glücklich ist.“
Viv hatte ihre Stimme nun wieder gefunden und sagte:
„Onkel, ich ….nun ich habe Keanu nicht gesucht, ich ….. also es ist einfach geschehen! Ich meine….“
Eli stand auf.
„Kind, ich kann das nicht nachvollziehen… vielleicht muss ich das ja auch gar nicht… bitte hör auf die rechtfertigen zu wollen! Ich bin durcheinander und überrascht, ich hatte ja auch nichts von diesem … Arrangement gewusst! …. Wie auch immer… du tust das, was du für richtig hältst ja!“ Sagte er und stand auf, ging zu Keanu und sagte zu ihm:
„Viv ist meine einzige Verwandte, sie ist die Tochter meines verstorbenen Bruders und ich hab das damals schon Sean gesagt, keiner… wirklich keiner bricht mir ihr Herz! Klar!!“
Keanu schaute Eli in die Augen, baute sich vor dem kleinen aber beeindruckenden Mann auf und sagte dann mit Nachdruck:
„Eli….ich habe das nicht vor und ich werde das auch nicht tun… ich will für Viv und Zoë immer da sein….!“
„Und für das kleine das kommen wird!“ Ergänzte Viv.
„Was….. ach Gott, nein, da hab ich mich erst daran gewöhnt eine Grossmutter zu sein und nun…. ach das ist ja wundervoll! Lass dich drücken!“ Sagte Patric und stahlte über das ganze Gesicht stand auf und umarmte Viv.
Eli schaute von Keanu zu Patric und Viv und wieder zurück, hatte den Mund offen und sagte kein Wort. Patric setzte sich wieder neben ihn und stubbste ihn von der Seite und sagte dann: „Hm Eli… es gibt Sachen, da wird die ältere Generation nicht gefragt, das geschieht einfach und wir können nur entweder begeistert unseren Beifall geben oder …. langsam, einsam versauern! Ich für meinen Teil…. ich werde mit Freuden eine tolle alte Grossmutter für Zoë und für all die anderen die da noch kommen sein! Basta!“ Meinte sie und Eli begann zu grummeln und meinte dann:
„Lieben Kinder eigentlich komische Steine, merkwürdige Felsen und Ausflüge im Zelt, wenn sie grösser sind?“
Viv begann zu kichern und zu lachen und als sie sich etwas erholt hatte, meinte sie: „Uh Onkel Eli, wenn sie nur etwas von mir haben, ganz bestimmt! Die werden mit Genuss die grandiosesten
Zeltferien die es gibt mit ihrem Grossonkel machen wollen!“
Keanu guckte Viv ungläubig an, dieser trockene Wissenschafter und Abenteuerferien?
„Guck nicht so, glaub mir Onkel Eli und ich, wir hatten immer unglaublich viel Spass da oben in den Bergen! Ich lernte abseilen und Steine analysieren und wir erfanden die Unmöglichsten Theorien wie die Steine dort hin kamen wo sie waren und wir haben jede Menge Wildtiererlebnisse gemacht! Wir haben am offenen Feuer Schokobananen gekocht und Wachteln gebraten und den besten heissen Tee gekocht den es gibt, mit selbsgesuchten Heidelbeeren! Nicht war?“
„Jawohl… „ Meinte er und grinste nun: „ Und wir haben in Bachflüssen gebadet und Eichhörnchen mit einer Falle gefangen, sie gefüttert und studiert und danach wieder freigelassen! Toll war das!….
Mögen Kinder von heute sowas auch noch?“ Fragte er noch immer etwas unsicher.
„Bestimmt!“ Meinte Patric. „Tönt nach Lagerfeuer und Abenteuer..!“
Und Keanu nickte, „Sowas hätte ich bestimmt auch gerne gemacht!“
Kapitel 26
Eli verbrachte einige Tage im Strandhaus. Er hatte genügend Zeit mit Keanu und Viv und Zoë
zugebracht um mit eigenen Augen festsellen zu können, dass diese drei wirklich zusammen gehörten. Er hatte das erste mal in seinem Leben ein Kino für einen Spielfilm besucht und war von diesem Matrix Film beeindruckt… Immerhin…. diese Geschichte hatte ja tatsächlich mehr als nur ein Körnchen Wahrheit drin. Zudem war es für ihn auch Erholsam mal ein paar Tage in einer intakten Umgebung zu verbringen, denn auch in Frisco war mehr kaputt als erhalten geblieben. Doch dann musste er wieder zurück. Viel Arbeit wartete auf ihn im dortigen Seismologischen Institut. Die Katastrophe hatte die Bedeutung seiner Arbeit allen Menschen deutlich gemacht, und nun war plötzlich Geld vorhanden, wovon der Wissenschafter zuvor immer geträumt hatte.
Patric kam jeden Nachmittag im Strandhaus vorbei um auf Zoë aufzupassen. In der Zeit erledigte Viv alles, was anviel. Sie plante Keanus Haus wieder in Stand zu setzen und das unten angrenzende Grundstück, auf welchem Ihr Backsteinhaus gestanden hatte zu einem Garten werden zu lassen. Eigentlich wollte das Keanu gerne mit ihr zusammen machen, aber die Vorbereitungen zu dem Shakespearestück und auch ein neuer Film liessen ihm keine Zeit dafür. Der Film in dem er einen Seismologen hätte spielen sollen, der wurde jetzt gemacht, allerdings mit einem komplett neuen Drehbuch. Denn die Realität hatte die Geschichte längst eingeholt. Er arbeitete nun unter Hochdruck. Wie immer wenn er ganz zum Schauspieler mutierte, war er total absorbiert. Zum Glück sein Kopf es zu wenn er zuhause war, wirklich für Viv und Zoë anwesend zu sein, das allerdings forderte ihm alles ab, das er an Energie in sich hatte. Viv brauchte nicht lange, um das zu verstehen. Sie konnte nachvollziehen, dass ihre Aktivitäten im Schlafzimmer bis auf weiteres verschoben wurden.
Viv plante: Ein in Kurven geführter Fussweg würde den Höhenunterschied überwinden und der ganze Hang flacher gelegt. Dadurch entstanden Terassen, die sie für verschiedene Zwecke einteilte. Die erste Terasse von oben gesehen würde eine Spielwiese für ihre Kinder ergeben, die zweite ein Tennisplatz, die dritte bekam einen Kakteengarten und die vierte, würde öffentlich werden, ein Gedenkplatz für die vielen Menschen, die ihr Leben in dieser Stadt verlohren hatten. Und so merkwürdig es auch am Anfang anfühlte, aber genau dort, inmitten von Baumaschinen und unfertigem Garten, da würden sie heiraten. Schlicht, ohne viele Gäste.
Irgendwie half ihr das, Sean loslassen zu können. Sie würde ihm dort wo er von ihr gerissen wurde irgendwie zeigen, dass sie ihn nie vergessen würde und trotzdem ein neues Glück aufbauen wollte. Es würde erst eine kurze Gedenkfeier geben, danach die Trauung.Und für Keanu war es ebenfalls richtig so. Er hatte diese zauberhafte Frau dort inmitten von Schlamm und Schutt kennengelernt und er wollte sie dort heiraten.
Genau drei Wochen nach dem Heiratsantrag, da flogen alle die zu dem Hochzeitsfest nach L A. Es fühlte sich merkwürdig an, das erste mal nach dem Erdbeben und den Tsunami dort hin zu kommen. Hektik herrschte überall, es standen unmengen von Lastkränen herum, Bagger hoben auf dem einigermassen von Schutt befreiten Boden Fundamente aus und an anderen Stellen wurden beteits Mauern hochgezogen. Los Angeles wurde aufgebaut, mit Staatsgelder und privaten Spenden. Vieles jedoch lag noch immer verwüstet am Boden. Das würde wohl noch Jahre dauern, bis die Wunden der Katastrophe ganz verschwunden waren.
Aber die geplante Hochzeit, die wurde zur kleinen Sensation. Es würde die erste Hochzeit überhaupt nach der Katastrophe dort sein. Ein Anlass, der von allen Lokalen Grössen mit Wohlwollen registriert wurde. Denn wo geheiratet wurde, da kam langsam aber sicher die Normalität zurück und damit auch das Leben ansich.
Patric hatte Kim und Carina nach L A in das frisch reparierte Haus mitgebracht. Zoë wurde von Carina in ein süsses, gelbes Kleidchen gesteckt und passte so ausgezeichnet zu Keanus Schwestern, die beide in azurblauen Kleidern gekleidet waren und zu Onkel Eli der in einem dukelblauen Spencer brillierte. Patric hatte eine senfgelbes Kostüm an und der Bräutigam, der trug klassisches Schwarz mit einem weissen Seidenhemd und Fliege, während die Braut sich für ein silberfarbenes, langes Kleid mit einem atemberaubenden freien Rücken entschieden hatte.
Antonio Villaraigosa, der Bürgermeister der Stadt hatte es sich nicht nehmen lassen, er hatte zusammen mit einem katholischen und einem evangelischen Geistlichen die Trauerfeier auf dem im Bau befindlichen kleinen Park abgehalten. Es waren unglaublich viele Leute gekommen, so viele, das die Polizei fast Probleme bekam für Ordnung zu sorgen. Man legte Kränze nieder, hielt Schweigeminuten und taufte den Park „Kellermann-Stoff-Park“.
Danach hielt Villaraigosa eine ganz kurze Trauungsansprache, worin er die Wichtigkeit hervorhob, dem Leid nicht so viel Macht und Raum zu geben. Sondern dem Leben und der Freude daran wieder Platz einzuräumen. So sei auch diese erste Hochzeit ein Garant dafür, dass L A wieder eine wundervolle Stadt werden würde. Als er dann Keanu und Viv das Heiratsversprechen abnahm. Hörte diseses: „Ja ich will!“ der beiden die ganze Stadt, und ganz Californien, ja auch der Rest der Welt bekam es mit, denn sowohl Rundfunk wie das Fernsehen waren vor Ort. Nicht vorhergeplant aber wegen der Ungewohnten Umgebung auf den Plan gerufen.
Es gab kein eigentliches Festessen und ein grosses Fest dazu. Nein, die Menschen, welche durch die Katastrophe ihr Dach über dem Kopf verloren hatten und sogar hungerten, die waren zu einem einfachen Essen in dem Festzelt gegenüber geladen. Es wurde für Tausende Essen ausgegeben. Und es machte Keanu noch glücklicher, mit seinem Geld wenigstens für heute dafür gesorgt zu haben, dass keiner mit leerem Magen vom Festplatz gehen musste.
Im Haus oben über dem Park wurde dann jedoch trotzdem im privaten Rahmen gefeiert. Alle, die noch lebten und Keanu und Viv was bedeuteten waren da.
Doch noch am selben Abend flogen die neue kleine Familie Reeves von ihrem zweiten zu Hause zurück nach Long Island, denn für ausgedehnte Flitterwochen war keine Zeit. Keanu würde die nächsten fünf Monate fast jeden Abend auf der Bühne stehen! Und danach, ja dann wollte Viv nicht hochschwanger reisen. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben, dachten sie sich.
Am 29. Juli 2009 kam dann Patrick Eli Reeves in New York zur Welt. Nur zwei Tage nach dem ersten Jahrestag des Jahrtausend Erdbeebens.
ENDE