AUF NEPTUNS ARMEN

 
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 10.08.2009, 22:28    Titel: AUF NEPTUNS ARMEN  

Kapitel 1

Atemlos stand Cindy in der Warteschlange und rieb sich verschwitzt ihren schmerzenden Nacken, während sie mit der anderen Hand ihr überhitztes Gesicht mit den Bordkarten fächerte. Ihr glattes, seidiges Haar wehte ihr leicht aus der Stirne und sie schloss seufzend die Augen. Diese Strapaze fehlte ihr jetzt gerade noch, doch es war unabänderlich.
Der Tod ihres Vaters traf sie nicht wirklich tief. Er war ein Widerling gewesen. Ein hoffnungsloser Säufer, der nie die Finger von den Frauen lassen konnte und schon gar nicht von seiner unschuldigen Tochter.
Bilder des Ekels stiegen in ihr auf und trotz der Hitze überlief sie einen kalten Schauer. Die hässlichen Erinnerungen, die sie so viele Jahre erfolgreich zu Grabe gelegt hatte wurden am Grabe des alten Lüstlings wieder wach und verfolgten sie seit Wochen wie ein schmerzhaftes Geschwür im Herzen.
Eine tiefe, sanfte Stimme riss sie aus den Gedanken und liess sie hochschrecken.
„ Geht es ihnen nicht gut Lady? “ er sah sie besorgt an und seine dunklen Augen ruhten fragend in ihren.
Was sah er sie so an, dieser bärtige ungepflegte Kerl. Sie rümpfte die Nase und sah angewidert zur Seite. Man konnte den Alkohol und das Nikotin bis hier hin riechen.
„ Es geht mir gut.“ murrte sie unfreundlich und fächerte nervös mit ihren Bordkarten.
„ O.k.“ sagte er nur und drehte sich dann etwas zögern um.
Cindy verdrehte die Augen und warf ihr langes, hellblondes Haar zurück. Musste sie eigentlich jeder Idiot bei jeder Gelegenheit anquatschen?
Dieser Flug quer über den Atlantik machte sie sowieso total fertig, sie wäre am liebsten gar nicht erst an Board der Maschine gegangen, doch die Schlange bewegte sich erbarmungslos vorwärts.
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 11.08.2009, 11:58    Titel:   

Nervös krallte sie ihre sorgfältig modellierten Fingernägel in die ledernen Griffe ihres Lederköfferchens und trat auf den Gateway, der sie direkt in dieses Ungetüm hineinbeförderte.
Sie konnte sich nicht erklären warum sie diesmal so furchtbar ängstlich war, vielleicht lag es an ihrem bebenden Bauch, der sich krampfhaft zusammenzog.
Ihre hohen Schuhe waren bestimmt auch nicht förderlich und sie stolperte einige male beinah über die eisernen Rampen am Boden.
Die Flugassistentin begrüsste sie mit einen künstlichen, überstrahlenden lächeln und nahm ihr fürsorglich den kleinen Lederkoffer ab.
„ Willkommen an Bord. Kann ich sie an ihren Platz bringen?“ ihre schlecht geschminkten Augen ruhten auf Cindy’s feuchter Stirn. Sie hasste das, sie hasste es schwach und ängstlich zu sein!
Sie nickte zerknirscht und fuhr sich hastig über die vollen, trockenen Lippen. Warum tat sie sich so was an, stöhnte sie innerlich als sie der jungen Dame durch die Businessklasse folgte.
Die Luft im Flieger war angenehm kühl und Cindy genoss diese erfrischende Brise in ihrem Gesicht. Erleichtert setzte sie sich auf den Sitz den ihr die Flugassistentin zuwies und liess sich das Gepäck in die Gepäckablage verstauen.
„ Möchten sie ein Glas Wasser?“ fragte die Dame höflich, doch Cindy schüttelte nur erschöpft den Kopf und schloss die Augen. Lass mich einfach in Ruhe, dachte sie genervt und fuhr sich über den rebellierenden Bauch.
„ Vielleicht sollten sie doch ein Glas Wasser nehmen…“ jemand setzte sich schwerfällig neben sie hin und sie musste ihre Augen gar nicht öffnen, denn sie kannte diese verrauchte Stimme, diesen Geruch nach einer langen Nacht in einer billigen Bar.
Cindy stöhnte innerlich auf und ihr Magen drehte sich dabei beinah um.
„ Was sie nicht sagen.“ flüsterte sie schnippisch und wandte ihr Gesicht demonstrativ aus der Fensterluke.
Er zuckte die Schultern und drehte sich dann an seine Begleitung die entspannt neben ihm sass und in einer Zeitschrift blätterte. Es war eine grosse schlanke Frau mit glänzendem, dunklen Haar und verschlossenem Ausdruck in den Augen. Cindy hatte sie nur kurz mit ihrem Blick gestreift, doch sie fragte sich insgeheim was eine verklemmte Frau wie diese mit einem solch ungepflegten Typ verband? Sicher hatte sie ihm diesen Flug finanziert, denn er sah nun wirklich nicht aus wie jemand der über ein grosses Budget verfügte.
Cindy nahm tief Luft und versuchte sich ein wenig zu entspannen, doch als sie sich für den Start anschnallen mussten, richtete sie sich ängstlich wieder auf und legte sich mit zitternden Fingern den Gurt um. Ihre Hände wurden feucht und ihre Knie fingen leicht an zu schlottern. Vielleicht hätte sie doch ein Glas Wasser trinken sollen, dachte sie bebend und blies sich eine Strähne aus dem Gesicht.
Während ihr Sitznachbar vergnügt mit der Dame neben sich plauderte, stand Cindy beinah Todesängste aus und versuchte ihren Atem ruhig und gleichmässig in die Lunge zu ziehen. Normalerweise hätte sie ein Medikament gegen ihre Flugangst genommen, doch in ihrem jetzigen Zustand war das nicht möglich und sie musste das ohne Hilfsmittel durchstehen.
Die Maschine gab noch einen letzten Schub und hob dann endgültig vom Boden ab. Das war das allerschlimmste, dieses Gefühl im Magen beim abheben und das Gefühl den Boden unter den Füssen zu verlieren. Cindy hasste es und sie hasste ihre elende feige Flugangst!
„ Haben sie Flugangst?“ fragte die rauchig, tiefe Stimme neben ihr besorgt.
Cindy war nicht fähig ihre Augen zu öffnen und sie befürchtete das ihr Herz jeden Moment stehen bleiben würde. Ihre Fingernägel krallten sich krampfhaft in den Stoff ihres teuren Versagekleides und ihr Gesicht nahm eine unnatürlich blasse Farbe an.
„ Sie müssen keine Angst haben.“ sagte der Mann und strich ihr ganz leicht über die verkrampften Hände.
Cindy rollte innerlich aufstöhnend die Augen und biss sich fest auf die Zähne damit sie nicht zu klappern anfingen. Konnte er nicht einfach schweigen?! Er machte alles nur noch schlimmer mit seiner blöden Fürsorge!
Als sie endlich auf der vorgeschriebenen Flughöhe ankamen und sich der Flieger allmählich wieder gerade richtete, löste sich ihre innere Anspannung ein wenig und sie wischte sich hastig eine Träne aus den Augen.
„ Möchten sie nicht doch ein Glas Wasser? “ er lächelte sie etwas unsicher an, als würde er denken, dass Cindy ihm nächstens über den Schoss erbrechen würde.
Ihre hellen, blauen Augen ruhten erschöpft auf seinem abstossend struppigen Gesicht, doch sie nickte schweissgebadet und fuhr sich mit dem Handrücken über die nassen Schläfen. Wahrscheinlich roch sie mittlerweile nicht besser als der bärtige Neandertaler neben ihr, dachte sie beinah hysterisch und schloss die Augen wieder.
„ Gerne.“ hauchte sie dann leise, konnte aber ein verzweifeltes aufseufzen kaum unterdrücken.
Er nickte hastig und schnallte sich sofort los um ihr ein Glas Wasser zu besorgen. Er zog die dunkle Anzugjacke aus und warf sie achtlos unter den Sitz. Dann stand er auf und präsentierte ein paar ausgetragene Jeans die ihm locker an den Hüften hingen und aussahen, als wären sie seit Wochen nicht mehr gewaschen worden.
Cindy liess ihren Blick an diesem grossen, schlanken Mann heraufwandern und stellte mit entsetzen fest, das sein T-Shirt am unteren Saum viele kleine Löcher aufwies. Meine Güte, er sah aus als wäre gerade von der Strasse aufgelesen worden und müsste sich seine Kleider in einem Trödelmarkt besorgen.
Was machte ein solcher Bettler in einer Businessklasse? Hatte er soeben im Lotto gewonnen, oder hatte eine reiche Sponsorin?
Verstohlen blickte sie zu seiner Begleiterin und streifte dabei ihren Blick. Diese lächelte sie freundlich an, liess aber ihren Blick etwas vorwurfsvoll über Cindy gleiten.
„ Geht es ihnen etwas besser?“ fragte sie offen, doch ihr Blick blieb verschlossen wie zuvor.
Cindy hatte diesen vorwurfvollen Blick genau gesehen und reagierte dementsprechend spröde.
„ Ich habe Flugangst.“ sagte sie trocken und warf ihr langes Haar zurück.
„ Aber ist das nicht eine Strapaze für ihr Baby?“ die Frau wies besorgt auf Cindy’s dicken Babybauch.
Jetzt reicht es aber, dachte sie ärgerlich, schliesslich hatte sich Cindy den Todestag ihres Vaters nicht aussuchen können, oder!?
„ Zwei“ sagte sie schnippisch „ es sind zwei Babys.“
Die Frau sah sie überrascht an, konnte aber nichts mehr erwidern, weil ihr Begleiter mit einem grossen Glas Wasser und der Flugassistentin zurückkam.
„ Ich helfe ihnen.“ sie nahm ihm freundlich das Glas ab und stellte es auf Cindy’s Tischchen.
Cindy war schlicht weg in zu schlechter Stimmung um sich für diese Dienste zu bedanken, zudem hatte sie es auch von klein auf nie gelernt. Als Tochter eines Multimillionärs wurde sie seit ihrer Geburt von irgendwelchen Damen umsorgt und jeder Wunsch wurde ihr von den Lippen abgelesen.
Der Bettler setzte sich schwungvoll wieder auf seinen Sitz zurück und unglaublich, aber stieg Cindy doch ein Hauch eines Parfums in die Nase?
„ Bitte rufen sie mich umgehend wenn es ihnen nicht gut geht.“ sagte die Assistentin noch einmal eindringlich, doch Cindy winkte nur genervt ab.
Der Mann sah sie dennoch besorgt an, als Cindy sich etwas aufrichtete und mit zitternden Händen das Glas an ihre Lippen führte. Die teuren Diamantringe die ihre schmalen Finger schmückten liessen keinen Zweifel an ihrer reichen Herkunft. Das helle, schimmernde Haar hing ihr etwas strähnig ins Gesicht, als sie gierig das kühle Wasser trank und erleichtert wieder auf das Tischchen zurückstellte.
„ Ich hole ihnen gerne noch eines wenn sie möchten.“ meinte er dann und seine dunklen Augen ruhten lächelnd auf ihrem dicken Bauch.
Cindy strich sich die Haare hinter die Ohren, an denen stielvolle Diamantohrringe funkelten und sah ihn zum ersten mal offen an. Ihre Blicke trafen sich und Cindy’s Herz machte einen kleinen überraschenden Sprung. Etwas lag in seinen Augen, dass sie für einen kurzen Augenblick innerlich ins Stocken brachte. War es Güte? War es Stärke? Oder lag es schlicht weg an ihrem Hormondurcheinander?
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 17.08.2009, 16:33    Titel:   

„ Danke.“ murmelte sie und strich sich sanft über ihren harten Bauch. In letzter Zeit, hatte sie das einige male am Tag und der Arzt hatte ihr deswegen eigentlich mehr Ruhe verschrieben.
„ Wann ist es denn soweit?“ fragte er zwischen ernst und lächelnd.
„ In sechs Wochen ungefähr.“ sie schmunzelte. „ Aber wer weiss das schon so genau.“
Er nickte nachdenklich und sah sie merkwürdig an. „ Ja, wer weiss das schon…“ murmelte er und sah dann an ihr vorbei aus der Fensterluke. Er schien plötzlich sehr versunken in Gedanken zu sein und in seinen Augen lag ein seltsam trauriger Ausdruck.
Cindy hatte keine Ahnung von diesem berühmten Mann der neben ihr sass, dessen tragisches Schicksal die Herzen seiner Fans berührte. Für sie war er nur ein ungepflegter Typ, der nach abgestandenem Alkohol und Zigaretten roch und auf Kosten seiner gutmütigen Freundin in der Business Klasse gratis mitfliegen durfte.
Seine Begleiterin tippte ihn sanft von der Seite an und riss ihn wieder aus seinen Tagträumen, als er sich höflich, aber scheinbar immer noch abwesend zu ihr umdrehte.
Cindy benutzte die Gelegenheit, um ihren Sitz etwas nach hinten zu kippen und sich zu entspannen. Viele wirre Erinnerungen jagten ihr durch den Kopf und sie grämte sich innerlich vor diesem ganzen Familiendrama, das sie sicherlich bald erwarten würde. Die Beerdigung ihres Vater’s war bereits Morgen und Cindy würde kaum Zeit haben, sich von diesem anstrengenden Flug zu erholen. Warum musste sich ihr Vater unbedingt auf seiner geliebten Privatinsel beisetzen lassen und konnte nicht wie jeder andere Mensch einfach auf dem Friedhof bei der restlichen Familie begraben werden!? Zudem standen die Geier schon an seiner Leiche versammelt und konnten kaum abwarten ihr Erbe endlich an sich zu reissen. Es widerte sie zu tiefst an, sich mit dem Testament ihren Vaters auseinander setzen zu müssen. Penelope, die zweite Frau ihres Vaters, hatte schon dafür gesorgt, dass sie so rasch wie möglich ihren Nachwuchs mit ihm zeugte, damit sie sich für den Rest ihres Lebens in das gemachte Nest setzen konnte. Sie war eine gerissene, berechnende und kaltblütige Schlange und ihr bösartiger Nachwuchs glichen ihr in jeder Hinsicht.
Cindy seufzte und zuckte unbewusst leicht mit den Schultern. Er hatte es nicht besser verdient, dieser alte Lüstling. Zur Hölle mit ihm…sie sah das aufgedunsene Gesicht ihres Vaters in Gedanken vor sich, der üble Geruch seiner dicken Columbianischen Zigarre, vermischt mit seiner ewig schwitzenden Stirn und sie schloss angewidert ihre Augen um die ekligen Bilder endlich loszuwerden. Es war klar, das ihre Mutter nicht an die Beerdigung kommen würde , denn sie hatte ihm seine Taten nie verziehen und so reiste Cindy nun alleine in das kleine, scheinheilige Paradies im Ocean.
Sie hatte keine Ahnung wie lange sie bereits gedöst hatte, doch die aufgeregte Stimme ihres Sitznachbars liess sie erschrocken hochschrecken. Ärgerlich öffnete sie ihre Augen und erkannte die Situation in diesem Flugzeug kaum wieder. Flugassistentinnen hasteten in den Gängen auf und ab um die laut durcheinanderrufenden Passagiere zu beruhigen.
Cindy war viel zu verwirrt um eine Reaktion zu zeigen und richtete sich gähnend auf.
„ Was ist denn los!?“ fragte sie den Nachbarn verwundert.
Er sah sie eindringlich an. “ Sie müssen sich unbedingt anschnallen!“ er zog seine Anzugjacke unter dem Sitz hervor. „ Tut mir Leid das ich sie so unsanft geweckt habe, aber wir…“
In diesem Moment kann eine Flugbegleitung angerannt und warf Cindy ein paar Decken entgegen.
„ Schützen sie ihren Bauch damit!“ sagte sie möglichst ruhig, doch die Schweissperlen tropften ihr dabei von den Lippen.
Cindy war augenblicklich hellwach und ein ohrenbetäubendes Geräusch liess sie hysterisch aufschreien. Die Maschine vibrierte und rüttelte so stark, das die Wolldecken auf den Boden hinunter fielen.
„ Schnallen sie sich an, ich hole die Decken!“ rief ihr Nachbar und gurtete sich wieder ab.“ Das Flugzeug muss Notlanden!!! “
„ Meine Baby’s...“ keuchte Cindy und hielt sich schützend den Bauch.
Sie war vor Angst wie gelähmt, konnte sich nicht rühren und keinen klaren Gedanken mehr fassen geschweige davon den Gurt noch anlegen. Ihre Hände zitterten derart, dass der Gurt sich nicht mehr fortbewegte. Als der Sitznachbar sich neben sie bückte um die Decken vom Boden aufzuheben, sprangen die Sauerstoffmasken aus den Ablagen über ihnen und Cindy packte sie in ihrer Panik wie einen rettenden Anker.
„ Ich helfe ihnen!“ rief er und legte Cindy die Decken vorsichtig um den Bauch, während seine weibliche Begleitung ihn verzweifelt und weinend am Arm riss damit er sich endlich setzte und anschnallte.
Es blieb ihm aber keine Zeit mehr dafür, denn durch die Fensterluke sah er die Wasseroberfläche auf sie zurasen. Hastig kniete er sich instinktiv auf den Boden zwischen die Sitze und hielt die Hand der schluchzenden Frau fest.
Cindy riss verzweifelt an ihrem Gurt, doch er hatte sich verklemmt und sie konnte ihn nicht unter ihren dicken Babybauch spannen. Tränen der Todesangst schossen ihr in die Augen und es war, als würde ihr ganzes Leben noch einmal an ihr vorbei rasen, als sie sich schluchzend mit den Decken zu ihrem Sitznachbar auf den Boden kniete und ihren Babybauch schützend einrollte. Erschrocken sah er sie an und legte schützend einen Arm um sie. Es war ein Blick den Cindy niemals mehr vergessen würde, ein letzter Moment zwischen Leben und Streben…
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 22.08.2009, 01:01    Titel:   

KAPITEL 2

Cindy konnte sich später an den Aufprall der Maschine nicht mehr erinnern, sie konnte sich an gar nichts mehr erinnern ausser an die Todesschreie der Passagiere.
Das sanfte rauschen des Meeres, das leichte auf und ab der Wellen und das kühle, salzige Wasser auf ihren Lippen drangen von ganz Fern in ihr Bewusstsein.
Ihre Augenlieder waren schwer wie Blei und ihr Traum so schön, das sie alle Willenskraft aufbringen musste um sich endlich aus diesem tiefen Schlaf heraus zu reissen.
Stöhnend öffnete sie die Augen und sah als erstes nur Wasser, Wasser so weit das Auge reichte. Dann begann sie zu realisieren das jemand sie durch die riesigen, furchteinflössenden Fluten trug. Zwischen Traum und Wirklichkeit nahm sie diesen starken Mann wahr, der ruhig und lächelnd auf sie hinab sah. Seine sternenleuchtenden Augen ruhten in ihren, doch er sagte kein Wort, sondern ging langsam mit ihr dem sandigen Ufer entgegen. Sein langes, dunkles Haar und sein wilder Bart tropften nass auf sie nieder als wäre er mit Cindy gerade eben vom Meeresgrund aufgestiegen. Meerestang und Wasserpflanzen bedeckten seine breiten Schultern und die orangeglühende, untergehende Sonne leuchtete ihn von hinten märchenhaft an. Unwirklich und in Trance wiegte sie sanft wieder in eine Ohnmacht zurück und nahm die letzten Bilder mit sich an das sichere Ufer…

Cindy hatte keine Ahnung wie lange sie auf dem glänzend, weissen und warmen Sand geschlafen hatte, doch sie wurde schlagartig wach, denn ihr Bauch schmerzte sie so sehr, das sie am liebsten laut geschrieen hätte.
Schockiert sah sie auf sich hinab und sah ihren kugelrunden Babybauch, dann erblickte sie den langen Sandstrand und dann sah sie das endlose Meer vor sich. Sie hatte völlig die Orientierung verloren und versuchte sich krampfhaft an die letzten Ereignisse zu erinnern. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten und sie begann verzweifelt zu schluchzen, als ihr das Bild dieses Mannes wieder in den Kopf schoss. Wer war er? Eine Fantasiegestalt ? Ein Retter aus dem Meer? Hastig sah sie sich um und versuchte auf die Knie zu kommen. Zitternd nahm sie alle Kraft zusammen und stand auf, doch in diesem Moment platzte ihre Fruchtblase und eine warme, wässrige Flüssigkeit lief ankündigend ihre nackten Schenkel hinunter. Panik erfasste Cindy und ein unerträglicher Schmerz liess sie wieder auf die Knie fallen. Die Wehen waren so heftig, dass sie ihre Hände zitternd in den Sand vergrub um nicht laut zu Schreien. In schnellen und heftigen Abständen kamen die Wellen der Geburt über sie und liessen Cindy kaum Zeit zur Erholung. Tränen der Angst, des Schmerzes und des Kampfes stiegen ihr in die Augen, während sie sich verzweifelt in eine schattige Ecke einer grossen Palme robbte. Als nach einer langen Weile die Presswehen anfingen hielt Cindy es kaum mehr aus und sie Schrie in ihrer Verzweiflung nach diesem Mann, der sie in den Wellen getragen hatte.
"Hilfe! " ihre Stimme klang heiser und schrill. „ Neptun, oder wie immer du heisst…“ flüsterte sie erschöpft.“ Ich weiss deinen Namen nicht…“ es war nur noch ein keuchen. Dann kam eine heftige Presswehe und Cindy spreizte schreien ihre Schenkel und zog mit den Händen ihre Knie an sich.
Sie nahm ihn kaum war und doch war sie unendlich erleichtert als sich der unbekannte, grosse Mann endlich zu ihr kniete und ihr sanft und beruhigend über die schwitzende Stirn streichelte.
„ Ich bin da…“ flüsterte er mit seiner samtigen, tiefen Stimme.
„ Es kommt…es kommt…“ Cindys Lippen schlotterten.
Er nickte ruhig. „ Ich helfe dir.“
Cindy konnte nicht antworten, denn die nächste Wehe war zu heftig und sie drückte seine Hand so fest, dass sich die Spitzen ihrer langen Nägel in sein Fleisch bohrten.
„ Ich sehe schon das Köpfchen!“ er lächelte sie nickend an, doch in seinen ruhigen Augen lag ein aufgeregter Ausdruck von Freude.
„ Hilf mir! “ sie presste mit aller Kraft und der Schweiss lief ihr wie kleine Wasserfälle die Schläfen hinunter, als er das winzige Menschlein in seinen grossen Händen entgegennahm und es das Licht der Welt erblickte.
Schreiend und zappelnd kam dieser winzige Junge zur Welt und liessen diesen grossen, bärtigen Mann fast in Tränen ausbrechen, als er ihn kurz an sich drückte und anlächelte. „ Willkommen…“ flüsterte er und strahlte übers ganze Gesicht. Dann gab er ihn ganz vorsichtig seiner Mutter, die erschöpft, aber lächelnd das kleine Bündel entgegen nahm. Sie konnte kein Wort sagen, sie konnte nur weinen aus Erleichterung und Freude.
Es war der schönste Moment, den Cindy je erlebt hatte, doch sie konnte ihn nicht lange geniessen, denn das zweite Kind kündigte sich mit einem Sturm der Schmerzen bereits an und Cindy stöhnte laut auf. „ Das zweite…!“
„ Zwei!?! “ er sah sie verdutzt und überrascht an.
Ihre Schreie verbanden sich mit der Geburt des zweiten Kindes, doch als er es ein paar Minuten später in seinen Händen empfangen wollte, wusste er sofort dass etwas nicht stimmte. Leblos und still lag es in ihnen und machte keine anstalten den ersten Atemzug zu nehmen.
„ Was…“ Cindy konnte ihr Kind nicht hören und panik erfüllte sie instinktiv „ Was ist los!?“
Er drückte das kleine Bündel an sich und seine Augen sprachen Bände als er Cindy anschaute.“ Sie atmet nicht…“ flüsterte er leise.
Cindy umklammerte ihren erstgeborenen und richtete sich hastig auf. Tränen traten in ihre Augen und ein verzweifeltes Schluchzen entrann ihrer Kehle, während er das winzige Baby zu beatmen versuchte.
„ Lebt sie!? “ ihre Stimme klang hysterisch „ Mach das sie lebt!!! “
Minuten wurden zu Stunden und Cindy kam es vor als wäre sie innerlich am absterben, während der Fremde verzweifelt versuchte seinen Lebensatem ihrer Tochter einzuhauchen.
Nach einer Weile hob er den Kopf und sah Cindy kopfschüttelnd an, während er das kleine Menschlein sanft in seinen Armen wiegte drangen die Worte wie aus einer anderen Welt zu Cindy.
„ Sie atmet einfach nicht.“ seine Stimme bebte und Tränen stiegen in diese dunklen, starken Augen als er ihr das Kind geben wollte.
„ Nein…“ hauchte sie und wich sofort zurück.
„ Nimm sie, bitte.“ er kam näher , sah sie bittend an und wollte das Kind zu ihr legen.
„ Nein!!! “ schrie Cindy ausser sich und ihr Körper bebte. „ Ich will sie nicht sehen!!!“ sie umklammerte ihren Sohn so fest, das er zu weinen anfing.
Der Mann hielt sich zitternd die Hand vor den Mund und nahm das Baby wieder zu sich, doch seine Tränen flossen über , als er sich langsam mit dem leblosen, kleinen Zwillingsschwesterchen erhob.
Er weinte aus tiefstem Herzen und wünschte sich, dass er diesem Mädchen sein Leben schenken könnte. „ Nicht schon wieder…“ flüsterte er „ Bitte nicht…“
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 21.09.2009, 14:12    Titel:   

Noch ein letztes mal hauchte er mit bebenden Lippen etwas Luft in die winzige Mundöffnung und presste seine riesige Hand im Rhythmus des Herzschlages auf dem zarten Brustkorb des Neugeborenen. Seine Tränen tropften auf die zarte, durchsichtig schimmernde Haut des kleinen, leblosen Körpers, den er so verzweifelt in den Armen hielt. Seine Knie begannen nachzulassen, dass er hilflos in den Sand sackte und bitterlich weinte.
Das Meer rauschte sanft und die Sonne schickte noch die letzten, hellen Strahlen über die dunkel glitzernde Wasseroberfläche der kleinen Inselbucht. Eine Delfingruppe hatte sich nahe am Strand, im flachen Wasser eingefunden und Stimmten ein Lied für die kommende Nacht an. Das laute Schluchzen der leidenden Mutter verband sich mit den Klängen des Meeres und hörte sich an wie ein kosmisches Abschiedgebet dieser kleinen Mädchenseele. Ein leichter Wind wehte vom weiten Ocean her und liess die Palmenblätter im Rhythmus der Wellen sanft mitschwingen, wie Adlerschwingen die diesen neugeborenen Geist wieder empor in die Lüfte begleiteten.
Er wusste nicht warum er das tat, es war kein Denken in seinem Handel sondern nur absolute Hilflosigkeit, als er mit dem Mädchen in den Armen in die Wellen, die den Sonnenuntergang in den schönsten Farben wiedergaben, hinein ging.
Sein Schmerzensschrei verband sich mit dem Schreien des Babys und das springen der Delfine erfüllte die ruhige Bucht mit einem unendlichen Freudentanz des Lebens.
Er konnte kaum glauben was geschehen war und die Gefühle überwältigten ihn so sehr, das er weinte und lachte zur selben Zeit.
Er war nicht im Stande sich zu bewegen, denn seine Beine drohten vor Erleichterung zu versagen.
Cindy konnte das Schreien ihrer Tochter hören, als wäre eine Sirene in ihrem Kopf losgegangen, nur noch diese eine Stimme zählte in dieser Sekunde, als würde die Zeit, nur für sie beide, einen Moment stillstehen.
Sie rannte dem grossen Mann im Meer entgegen, der ihre Tochter in den Armen hielt und der letzte Sonnenstrahl schien auf diesen Augenblick der Gnade noch gewartet zu haben, als sie sich alle weinend vor Glück in den Armen wiegten.

Die Babys waren zu früh auf diese Welt gekommen, sie lebten beide, obwohl sie winzig waren und das Leben, dass ihnen allen in den letzten Stunden geschenkt wurde, grenzte an ein Wunder.
Die Nacht brach nun kühl und dunkel über den Ocean heran, in die kleine Bucht hinein und Cindy fröstelte schrecklich. Zitternd hielt sie ihre beiden Kinder an der Brust und versuchte sie vergebens vor der Kälte zu schützen. Kleiderfetzten hingen an ihrem Körper hinunter, doch sie waren feucht und schmutzig und eigneten sich nicht zum wärmen. Ihre nackten Beine waren voller Schürfwunden und brannten im salzigen, körnigen Sand wie tausend feurige Nadelstiche.
Der grosse, bärtige Fremde trug selbst nur noch seine Jeanshosen und man konnte auf seinem Oberkörper etliche Schnitte, Schrammen und klaffende Wunden erkennen. Sein langes Haar hing ihm wild ins Gesicht, der Bart war zerzaust und seine Hände schmutzig vom Sand. Still sah er sich auf der Insel um und seine dunklen Augen funkelten in der Dunkelheit wie zwei helle, geheimnisvolle Diamanten.
Cindy beobachtete ihn stumm von der Seite und versuchte die kleinen Fetzen der Erinnerung in ihrem Kopf zusammenzufügen.
Aber sie konnte sich an überhaupt nichts mehr Erinnern, nur an diesen grossen Mann, seine dunklen Augen und dann das rauschen des Meeres, als er sie auf seinem Armen aus den Wellen trug.
Auch ihrer Tochter gab er, in seinen Armen, im Meer das Leben wieder und das Bild, wie er im den Wellen stand, im strahlenden Abendrot, mit den tanzenden Delfinen würde sie nie mehr vergessen. Sein Flehen setzte die Mächte in Bewegung, die Elemente schienen in Aufruhr und das Meer schickte seine Wesen zu ihm, als wären sie ihm Untertan.
Für Cindy stand es ausser Frage, er musste Neptun sein! Oder hatte das Meer ihren Verstand ertränkt?
Sie hatte nicht bemerkt dass sie eingenickt war, doch das laute, fordernde Schreien ihrer Babys liess sie mitten im tiefen Schlaf hochschrecken.
Der Mond stand hoch am Himmel und tauchte die Bucht in ein sanftes Dämmerlicht, während die Sterne zu Millionen fröhlich am Himmelszelt funkelten.
Eine dicke, wärmende Schicht aus Palmen und Blütenblätter gaben ihr und den neugeborenen Zwillingen, Schutz vor der kühlen Nachtluft. Es roch angenehm frisch und duftete wie in einem Paradies aus exotischen Blumen und Blättern.
Cindy setzte sich verschlafen auf und hob eines ihrer Kinder an die prallgefüllte Mutterbrust, während sie dem anderen beruhigend über die Wange strich. Ihre Augen suchten den grossen Fremden, doch sie konnte ihn nicht erblicken. Als sie das zweite Baby an die Brust nehmen wollte, hörte sie ein leises knacken im nahegelegenen Dickicht und erschauderte innerlich. Instinktiv drückte sie beide Kinder fester an sich und sah sich ängstlich um. Das Knacken kam näher und wurde so laut, das es Cindy fast das Blut in den Adern stockte. Ihre Hände begannen zu zitternd und kalter Angstschweiss bildete sich auf ihrer Stirn, während sie unfähig war sich zu bewegen.
„ Neptun? Bist du das?“ wimmerte sie mit bebender Stimme in die dunkle Nacht hinein.
Es war totenstill und stockdunkel im Gebüsch drüben, doch Cindy konnte ein Atmen wahrnehmen. Es war nicht ihr eigener Atem, es war nicht Neptuns Atem, es war der Atem von was?
„ Hilfe!“ rief Cindy plötzlich panisch und die ganze Insel schien auf einmal in hellem Aufruhr zu sein. Ihre Babys erwachten schreiend, das Dickicht raschelte und knackte wie wild, Vögel flatterten kreischend auf und der grosse Fremde stand wie aus dem nichts plötzlich aufgeregt neben ihr.
„ Was ist passiert?“ fragte er und sah sich hastig um.
„ Wo warst du!?“ sie hätte beinah hysterisch gelacht.
„ Ich war am Strand unten.“ sagte er leise und seine Stimme klang wie beruhigender Balsam in Cindys Ohren.
„ Da war etwas im Wald.“ flüsterte sie aufgeregt und versuchte durch Wiegebewegungen ihre beiden wimmernden Kinder wieder zu beruhigen.
„ Ich werde nachschauen.“ sagte er und wollte sich schon in Bewegung setzen, doch Cindy hielt ihn ängstlich zurück.
„ Lass mich nicht allein bitte.“ ihre Stimme zitterte leicht und ihre grossen blauen Augen sahen ihn flehend an.
Er lächelte nicht, jedenfalls konnte Cindy es nicht als solches erkennen unter diesem Bart, doch seine Augen schienen sie amüsiert zu betrachten.
„ Nun gut, dann bleibe ich hier.“ er sah noch einmal kurz zu den Büschen und Bäumen hinüber und setzte sich dann neben sie auf den Sand.
„ Danke.“ sagte sie erleichtert.
„ Schlaf jetzt ein wenig.“ meinte er nur und legte sich mit dem nackten Rücken auf den kalten, feuchten Boden.
Cindy beruhigte sich allmählich ein wenig und versuchte sich mit ihren Babys wieder unter den warmen Palmenblättern einzunisten. Es gelang ihr nicht wirklich gut, denn die Blätter vielen immer wieder auseinander.
„ Ich helfe dir.“ sagte er plötzlich leise und drehte sich zu ihr um, damit er sie wieder einbetten konnte.
Sie sahen einander schweigend an, doch Cindy konnte in seinen Augen etwas erkennen, etwas, das sie kannte.
Diese Einsicht regte sie innerlich so sehr auf, dass ihr Herz heftig zu klopfen begann. Das Gesicht, der Ausdruck in seinen Augen, sie war sich ganz sicher!
„ Ich kenne dich.“ hauchte sie aufgeregt und starrte freudig in sein Gesicht.
„ Mhm…“ meinte er nur leise und seine Stimme klang plötzlich merkwürdig verdeckt.
„ Du…du..du bist…“ ihr Kopf arbeitet fieberhaft.
„ Das ist jetzt unwichtig…“ er drehte sich wieder auf den Rücken und starrte in den Sternenhimmel hinauf „ …mir gefällt Neptun auch ganz gut.“ er schmunzelte leicht.
Sie konnte darüber nicht lächeln, denn in ihrem Kopf war eine panische Leere.
„ Ich kann mich nicht mehr daran Erinnern…“ ihre Finger fuhren zitternd durch ihr blondes, zerzaustes Haar.
Er betrachtete sie seufzend und wirkte auf einmal sehr müde.“ Das spielt auch gar keine Rolle…“
Sie schüttelte aufgebracht den Kopf und ihre blauen Augen füllten sich plötzlich mit Tränen.
„ Du verstehst mich nicht…“ presste sie hervor „ …ich kann mich an gar nichts Erinnern.“ sie presste ihre Hand an den Mund um ein Schluchzen zu unterdrücken, während dicke Tränen ihr die Wangen hinunterliefen und auf die Palmenblätter tropften.
Ihre Worte schlugen in seinem Kopf ein, wie ein schlechter Witz, wie eine bizarre Horrorgeschichte die ihn sekundenlang in einer Erstarrung gefangen hielt.
Ihre vollen Lippen schlotterten. „ Ich weiss nicht wer ich bin!!!“ schluchzte sie völlig hilflos.
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Beitrag Verfasst am: 26.10.2009, 17:38    Titel:   

KAPITEL 3


Er konnte kein Wort sagen, sondern sog nur leise die Luft ein.
„Kannst du mir sagen warum wir hier sind, wer du bist und ich bin?“ flüsterte sie zitternd.
Ein kalter Schauer lief ihm über den Körper und er wandte sich ihr leicht zu. „Das ist sicher nur der Schock vom Absturz…“, flüsterte er sanft“ versuch ein wenig zu schlafen.“
Ihre Gedanken schwirrten, während sie in seine dunkel glitzernden Augen blickte. „ Ich kann mich an deine Augen erinnern, aber ich weiss nicht woher? Bist du der Vater meiner Kinder?“ sie fühlte sich total überfordert mit der Situation. Tränen liefen ihr die Wangen hinunter.
Vorsichtig hob er die Hand und fuhr Cindy zärtlich über die Wange. „ Wir sassen im Flugzeug nebeneinander. Ich kenne deinen Namen nicht und ich bin leider auch nicht der Vater deiner Kinder…“, er seufzte leise „ tut mir leid, Kleines.“
Ihre Augen senkten sich und sie starrte betrübt zu Boden. „ Ich bin im Nichts angelangt.“
„ Ja, das sind wir.“, er legte sich wieder auf den Rücken und starrte in den Sternenhimmel “ich habe keine Ahnung wo wir sind.“
Er konnte ihr leises weinen hören, doch er war zu erschöpft um wach zu bleiben. Die Augenlieder fielen ihm einfach zu, obwohl er die junge Frau gerne getröstet hätte, war er nicht mehr in der Lage dazu.
Es war in den frühen Morgenstunden, als das weinen der Babys die beiden Schlafenden aus ihren Träumen riss.
Cindy öffnete widerstrebend die Augen und bewegte sich sachte um ihren Winzlingen nicht weh zu tun. Ihr Körper tat ihr weh und die Nachschmerzen der Geburt brannten wie Feuer zwischen ihren Schenkeln. Beim stillen ihrer Babys litt sie unter starken Nachblutungen und hatte keinerlei Möglichkeit sich richtig zu säubern.
Der grosse Unbekannte hatte sich erhoben und liess Cindy mit ihren Babys alleine zurück. „Ich gehe kurz an den Strand. Vielleicht gibt es noch andere Überlebende.“
Cindy kam es vor wie eine Ewigkeit als er endlich zurückkehrte. Sein Gesicht sprach Bände, als er sich ihr näherte.
„ Du hast niemanden gefunden.“ sagte sie und stand mühselig auf. Das Blut lief ihr über die Schenkel hinunter in den Sand.
Erschrocken blickte er auf den kleinen Rinnsaal und sah Cindy besorgt an.
„ Hast du dich bei der Geburt verletzt?“
„ Das sind Nachblutungen“, sie sah verlegen an sich hinunter „ ich muss mich waschen.“
Er nickte und bot sich an, die Babys zu halten. Cindy übergab sie ihm vorsichtig und sie sahen noch winziger aus, an seiner breiten Brust. Kaum länger als seine Hände waren die beiden.
Während Cindy sich im Meer die Kleiderfetzten abzog und sich ausgiebig wusch, betrachtete er sie nachdenklich und wiegte ihre Babys leicht im Arm.
Sie sah aus wie eine wilde Nixe, mit ihrem langen, zerzausten blonden Haaren, den üppigen Rundungen ihrer Busen und den nassen Stofffetzen die an ihr herunter hingen.
Als sie sich auszog und in die Wellen eintauchte, sah sie aus, als hätte sie nie etwas anderes gekannt. Sie wirkte märchenhaft glücklich und gelassen und tauchte lächelnd auf.
„ Es ist herrlich!“ rief sie und streckte ihr Gesicht in die wärmende Sonne.
Er nickte lächelnd, doch sein Blick viel auf etwas dunkles, das mit den Wellen langsam auf die Bucht zuschaukelte. Vorsichtig, mit zusammengekniffenen Augen und den zwei schlafenden Babys im Arm watete er ins Wasser.
Cindy hob sich das verfetzte Kleidchen an den Körper und sah ihn fragend an.“ Was hast du?“
„ Da schwimmt etwas im Wasser.“ er wies in die Wellen.
„ Sieht aus wie ein Koffer…“ sie blinzelte in die Sonne.
„ Ich werde ihn holen “, sagte er „ nimm die Kinder…“
Vorsichtig und etwas ungeschickt übergab er ihr die Winzlinge und rannte dann hastig ins Meer hinein. Er schwamm mit grossen, kraftvollen Zügen auf den Koffer zu und packte ihn hastig.
Cindy wiegte ihre wimmernden Babys und versuchte dabei ihr Kleidchen zu halten, das sie immer noch vor ihrem Körper bedeckt hielt. Ihre Haut war kalt und feucht und die Babys schienen sich nicht wohl zu fühlen in ihren nassen Armen.
Endlich kam er an Land und trug einen grossen, schwarzen Koffer mit sich. Cindy sah ihm aufgeregt entgegen. „ Öffne ihn!“ sagte sie drängelnd.
Er lächelte sie amüsiert an. „ Das ist wie Weihnachten….“ meinte er, während er den Reisverschluss aufzog und Deckel wegklappte.
„ Herrenkleider!“ Cindy schien enttäuscht.
Er hob ein weisses Hemd in die Luft. „ Sieht ziemlich klein aus.“
Cindy drängelte weiter.“ Was hat es noch?“
Er legte ein Stück nach dem anderen aus.“ Sogar Frottiertücher“, sagte er und hielt sie hoch „ damit können wir die Babys einwickeln!“
„ Prima, das ist unsere Rettung “, Cindy begann, die nassen Sachen aufzusammeln „ Legen wir sie auf die Felsen zum trocknen.“
Er packte sich auch welche und folgte ihr über den sandigen Boden. Ihr praller Hintern wackelte verlockend und das lange Haar wehte leicht im Wind.
Welch Augenweide, dachte er für sich und schüttelte lächelnd den Kopf.
„ Ich weiss dass du mir auf den Hintern schaust.“ hörte er ihre tadelnde Stimme.
Er zuckte etwas schmunzelnd die Schultern. „ Würde ich nie tun! “
Sie wirbelte herum und sah in seine amüsierte Augen.“ Geh du voraus.“
Er senkte den Blick und wurde wieder ernst.“ Entschuldige.“ sagte er leise und fühlte sich merkwürdig verlegen. Die Situation war eigentlich alles andere als komisch, doch er hatte es für einen Moment vergessen.
Sie hob die Augenbrauen.“ Das weisse Hemd gehört mir“, dann zupfte sie es ihm aus den Fingern.
Als sie die Sachen auf dem Felsen ausgelegt hatten, schlüpfte Cindy in das weisse Hemd. Es reichte ihr bis zu dem Oberschenkeln und sah aus wie ein grosses Nachthemd. Dennoch, es war besser als die Fetzen ihres Kleides.
„ Wie heisst du eigentlich?“ fragte sie beim zuknöpfen und blickte dabei genervt auf ihre langen, modellierten Fingernägel.
„ Keanu.“ sagte er und versuchte sich in ein T-Shirt zu zwängen.
„ Ein ungewöhnlicher Name.“ Sie betrachtete ihn amüsiert und es kam, was kommen musste, der Stoff riss.
„ Na toll.“ murrte er und zog es wieder mühsam aus.
„ Die sind wohl alle für mich.“ sie zwinkerte etwas frech und sah dabei auf die ausgelegten Kleider.
Er nickte lächelnd und legte das T-Shirt wieder hin. „ Bei der Hitze sind sie sicher schnell trocken.“ dann sah er sich die Toiletten- Tasche an.
Auch Cindy streckte ihren Kopf hinein und zog lächelnd einen Rasierklingenschneider heraus. „ Jetzt kannst du dich endlich rasieren.“ sie klang ironisch.
Er ignorierte ihre Bemerkung geschickt und hielt die Zahnbürste hoch. „ Aber diese müssen wir uns wohl oder übel teilen.“
Sie ging zurück an den schattigen Platz unter den Bäumen und während Cindy ihre Kinder stillte, funktionierte er den Koffer zum Kinderbettchen um. Die Frottiertücher waren noch nicht trocken, aber die Hemden konnte er bereits benutzen. Er legte weiche Palmenblätter und trockenen Seetang hinein, damit der Boden nicht zu hart war für die Frischgeborenen.
Cindy lächelte ihn dankend an. Zum ersten Mal, konnte sie ihre Kinder niederlegen und sich frei bewegen. Die zwei Kleinen hatten mehr als genug Platz in dem riesigen, dunklen Ding und der halb geschlossene Deckel schützte die Babys zusätzlich von der Sonne.
Das kleine Mädchen hatte sich in der Zwischenzeit gut erholt. Sie hatte eine gesunde Farbe, trank und schlief viel. Der Junge war der muntere und öffnete öfters die Augen um seine Mama anzuschauen. Leise sang sie ein Schlaflied und streichelte ihnen sanft über die zarten Wangen.
Keanu betrachtete die Szene gerührt und viele schmerzhafte Erinnerungen kamen in ihm hoch. Als sie ihn ansah, blickte er sofort weg, doch sie konnte den traurigen Blick seinen dunklen Augen auffangen.
„ War deine Familie mit an Bord?“ fragte sie behutsam.
Er blinzelte irritiert.“ Nein…“, er fuhr sich kurz durchs Haar „ ich habe meine Familie vor Jahren bereits verloren.“
„ Das tut mir sehr Leid.“ sie sah ihn betroffen an.
„ Ich habe lange Zeit nicht mehr daran gedacht.“ er schluckte schwer.
Cindy stand langsam auf und sah hinüber zum strahlend blauen Meer. „ Seltsam, ich vermisse gar nichts…“ sie sah auf ihre friedlich schlafenden Kinder “ ich habe nichts, an das ich mich erinnern könnte.“
Er zog hörbar die Luft ein. „ Meine Freundin war mit mir an Bord. Ich wollte mit ihr einen neuen Versuch starten, “ er seufzte kopfschüttelnd „ es scheint, ich bringe kein Glück….“
Sie sah ihn schockiert an. „ Du hast uns allen das Leben gerettet, wie kannst du so etwas sagen!“
Er sah zu Boden und liess seine breiten Schultern hängen. „ Ich hoffe sie suchen nach uns, “ er sah sich um „ ich bin nicht Robinson Cruso, ich habe keine Ahnung vom Inselleben.“
Sie sah auf ihre Hände, an dem ein grosser Diamantring prangte und betrachtete die künstlichen Fingernägel, „ Ich glaube, da kann ich dir auch nicht viel darüber erzählen.“ sie schüttelte den Kopf „ hässlich, diese Plastikdinger.“ Dann zog sie den grossen Ring ab und verfrachtete ihn in eine Seitentasche des Koffers.
„ Etwas zu Essen brauchen wir dringend. Mir knurrt der Magen.“
„ Ich sehe mal im Dickicht nach, es wird doch hoffentlich irgendeine Frucht geben hier.“ sie sah in den wild bewachsenen Wald hinein.
„ Ich werde gehen“, er sah auf die Babys „ bleib bei deinen Kindern.“


Cindy konnte die leisen Schritte die auf sie zukamen nicht hören, denn sie schlief fest und tief neben den Babys.
Keanu war fündig geworden und legte ein paar Bananen, Kokosnüsse und Krebsfleisch neben Cindy auf den Boden. Die Dinger hatten ihm ein paar Mal ganz schön in die Finger gekniffen, aber mit der Zeit hatte er den Trick raus.
Ruhig betrachtete er die schlafende Mutter. Sie hatte ihre Babys zu sich genommen und lag zusammengerollt wie ein Kätzchen im Schatten einer grossen Palme. Blut zierte ihr weisses Hemd und überschüssige Milchtropfen machten sich unter den feinen Stoff sichtbar.
Es war ihm bis heute nie Bewusst gewesen welche Schmerzen eine Frau bei einer Geburt durchleben musste, welche Kraft in diesen Geschöpfen steckte und wie Instinktsicher eine Frau war. Er betrachtete die Dinge plötzlich von einer ganz anderen Warte aus und er musste zugeben, er war froh, ein Mann zu sein!
Wie einfach war es doch für den Mann das Leben zu spenden, aber wie schwer war es für eine Frau dieses zu gebären.
Eines der Kinder wurde allmählich wieder hungrig und begann leise wimmernd an seinen winzigen Händchen zu lutschen. Keanu wollte es zu sich nehmen, doch Cindy erwachte sofort.
„ Ich wollte ihn ein wenig Beruhigen.“ sagte er leise und setzte sich wieder.
Cindy strich sich müde das zerzauste Haar aus dem Gesicht und sah sich benommen um. „ Ich bin eingeschlafen.“
„ Das ist gut so. Die Geburt hat dich Kraft gekostet.“
„ Es war trotzdem das schönste was ich je erlebt habe“, sie knöpfte ihr Hemd aus „ glaube ich jedenfalls…“ fügte sie dann hinzu.
Keanu sah nicht mehr weg wenn sie ihre Babys stillte, aber tausend absurde Gedanken schossen ihm durch den Kopf, wenn er die Kleinen leise schmatzend an ihrer Brust saugen hörte und na ja, es waren nicht sexuelle Gedanken, jedenfalls nicht vordergründig. Er fragte sich lediglich, wie diese Muttermilch wohl schmeckt!? Etwas verlegen begann er eine Banane zu schälen und hielt sie ihr hin. „ Sie sind leider noch etwas grün.“
Sie lächelte und biss hinein. „ Hauptsache Essen!“ schmatzte sie und sah dabei so süss aus, das er leicht schmunzeln musste.
Dann versuchte er die Kokosnuss zu öffnen, indem er einen grossen kantigen Stein auf sie schlug. Sie zersprang in dutzende kleine Teile.
„ Scheisse!“ fluchte er und las sie zusammen.
„ Ist doch gut“, Cindy nahm ein Teil und knabberte das weisse Fruchtfleisch von der Schale.
„ Ich hätte gerne den Inhalt getrunken“, murrte er „ wir müssen auch etwas trinken.“
Cindy sah ihn schmunzelnd an, gut konnte er ihre Gedanken jetzt nicht lesen.
„ Die drei Löcher sind weich“, sie stopfte sich etwas vom Krebsfleisch in den Mund und verzog ihn zu einer Grimasse, sagte aber kein Wort beim hinunterschlucken.“ Vielleicht finden wir etwas Spitziges!?“
Er sah sie seufzend um, als ihm die erlösende Idee kam.“ Der Nagelklipper!“ hastig stand es auf und wühlte in der Toiletten-Tasche.
„ Gute Idee!“ Cindy nahm ihren Sohn von der Brust, er war bereits wieder eingedöst.
Keanu konnte mit aller Kraft die Löcher durchstechen und hielt Cindy die Kokosnuss hin, doch sie schüttelte den Kopf.
„ Du zuerst “, sie schmunzelte „ wir haben ja, im Notfall.“ Sie sah auf ihre prallen Brüste.
Keanu war froh, dass sie seine heissen, verlegenen Backen nicht unter dem Bart sehen konnte und trank dann das Kokoswasser. Es war eine Erleichterung, auch wenn es nur wenig war. Dann öffnete er eine zweite für Cindy.
„ Wir sollten den Kindern Namen geben.“ Sagte sie während sie die letzten Tropfen aus den Löchern, in ihren Mund schüttelte.
„ Hast du dir noch keine Ausgesucht?“ im selben Moment hätte er sich Ohrfeigen können und sah sie bedauernd an. „ Tut mir leid.“
Sie überging seine Bemerkung und runzelte die Stirn. „ Vielleicht sollte ich mir auch einen Namen geben.“
Er wusste nicht ob er schockiert sein sollte oder laut lachen wollte, doch seine Augen starrten sie einen Moment lang entgeistert an.
„ Nun…warum nicht, irgendwie muss ich dich ja ansprechen.“ meinte er vorsichtig.
Sie sah ihn nachdenklich an.“ Wie wäre es mit Nobody.“ sie gluckste lachend, doch Keanu sah, dass sie die Tränen zurückhielt.
„ Wie wäre es mit Lani? Das ist hawaiianisch und heisst Himmel!?“ er räusperte sich etwas verlegen.“ Es passt zu deinen blauen Augen.“
Sie sah ihn lächelnd an.“ Lani, „ sie liess den Namen auf ihrer Zunge vergehen „ ja, der Name gefällt mir!“
„ Gut, dann nenne ich dich Lani.“ er kaute lustlos auf den Kokosstücken herum.
„Kennst du noch mehr schöne Namen?“
„ Ich bin zwar halber Hawaiianer, aber ich spreche die Sprache kaum, “ er sah sie bedauernd an.
„ Du hast eine interessante Abstammung!“ staunte Cindy und streichelte dem schlafenden Mädchen übers Köpfchen. „Möchtest du sie halten?“
Er nickte leicht und sein Herz machte einen Sprung, als sie ihm das winzige Bündel übergab. „ Warum Taufen wir sie nicht Grace? “
Cindy schaute ihm berührt in die Augen.“ Das wäre sehr passend. Grace.“
„ Gnade…“ flüsterte er leise und gab der kleinen Grace einen zärtlichen Kuss auf die Wange.
Für den Jungen hatten sie viele Vorschläge, aber keiner überzeugte sie wirklich. „ Vielleicht sollten wir noch ein wenig warten, “ sagte sie und stand auf.“ Ich werde mich waschen gehen…“
Für die Nacht bauten sie sich einen provisorischen Unterstand, legten ihn mit Palmplättern und Frottetüchern aus. Es war unglaublich, wie kreativ der Mensch plötzlich wurde, wenn es ums überleben ging.
Keanu konnte die Kleider des unbekannten Herren nicht benutzen, also wusch er sich seine verfetzten Jeans mit ein wenig Seife ab.
Cindy begnügte sich mit Herren Unterhosen und ein Hemd. Die Sportsocken dienten ihr als Einlagen um die Nachblutung etwas aufzufangen. Die restlichen Kleider benutzen sie als Polsterung im Kofferbettchen und als Kopfkissen für die Nacht.
Ihr Magen knurrte laut, als Cindy sich hinlegte um die Babys vor der Dunkelheit noch einmal zu Stillen.
Als hätte er es geahnt, kam Keanu wieder mit ein paar Früchten zu ihr und sie assen noch etwas kleines, bevor dann endgültig die Sonne unterging und die Bucht in ein dunkles Schweigen hüllte.
Keanu legte sich etwas abseits hin und sah zum Sternenhimmel auf. Er hatte keine Ahnung wie lange er in seine Gedanken versunken war, doch Cindys Stimme liess ihn hochschrecken.
„ Komm doch ein wenig zu uns“, bat sie plötzlich „ ich fühle mich besser, wenn du nahe bist, in der Nacht.“
Er lächelte nicht, als er seine Palmblätter zu Cindy hinüberzog und sich darauf legte. Schweigend lag er neben ihr und starrte in den Himmel.
„ Du vermisst deine Partnerin…?“ flüsterte Cindy leise.
„ Ja, das tue ich, “ er sah ihr offen in die Augen.
„ Ich hoffe sie hat überlebt.“ Cindy legte die Hand in seine und er drückte sie sanft.
„ Ja, das hoffe ich auch.“
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Beitrag Verfasst am: 18.11.2009, 23:26    Titel:   

KAPITEL 4

Er schloss die Augen und drehte sich zur Seite, damit sie ihn nicht ansehen konnte. Tränen stiegen in seine Augen auf, während er in den Sternenhimmel hoch blickte.
So viele Menschen die er ins Herz geschlossen hatte, sein kleine Tochter Ava auf die er sich so gefreut hatte, seine damalige Partnerin Jenny, sein bester Freund River und jetzt auch noch Anita.
Seine Kehle brannte und er schloss müde die Augen. Wieso hatte dieser Gott nicht auch einfach sein Leben ausgelöscht. Warum musste er mit dieser Qual weiterleben?
„ Sie sind sicher gerettet worden…“ hörte er Lani leise flüstern.
„ Vielleicht.“ meinte er kurz angebunden.
„ Vielleicht suchen sie auch nach uns.“ Sie berührte leicht seine Schultern.
„ Ich denke schon.“ Er drehte sich wieder zu ihr um. In ihren hellen Augen glänzte der Schein des Mondes wieder und für einen Augenblick versank er in ihrem Blick.
„ Wer ich dann wohl bin?“ flüsterte sie leise um ihre Zwillinge nicht aufzuwecken.
Er sah sie nachdenklich an. Wie fühlte es sich wohl an, wenn man kein Gedächtnis mehr hatte? Wenn man nicht mehr weiss wer man ist und woher man kommt?
„ Deine Erinnerung kommt sicher wieder.“ Er nickte aufmunternd.
„ Ich…“ sie schüttelte leicht den Kopf „ …ich weiss nicht, ob ich das überhaupt möchte.“
Er sah sie völlig verdutzt an. „ Warum denn nicht?“
Sie zuckte leicht die Schultern und strich sich das wirre blonde Haar aus dem Gesicht. „ Seltsam, aber ich fühle mich glücklich.“
Er lächelte leicht und betrachtete ihr hübsches Gesicht. „ Du hast auch allen Grund dazu.“ Er deutete auf die Babys, die friedlich im Koffer neben ihr schliefen. Die Winzlinge waren schön warm in weichen T-Shirt Stoff eingehüllt und lagen dicht nebeneinander um sich gegenseitig zu wärmen.
„ Ja das habe ich.“ Cindy zog das Badetuch höher, denn die Nachtluft war kühl geworden. Fröstelnd zog sie sich zusammen wie ein Kätzchen und schloss müde die Augen.
Sie konnte nicht genau sagen wann sie eingeschlafen war, doch als sie die Augen wieder öffnete, drängten gerade die ersten Sonnenstrahlen an ihr Gesicht.
Verschlafen setzte sie sich auf und sah erschrocken in den leeren Koffer. Wo waren ihre Kinder, wo war Keanu!?!
Hastig hüllte sie das grosse Hemd um sich und lief nach vorne zum Strand. Sie musste nicht lange suchen, sie sah Keanu mit den zwei kleinen Bündeln in der Bucht sitzen und die Morgensonne geniessen.
Er war ein herrliches Bild, die drei zu betrachten, aus diesem Grund blieb Cindy leise stehen.
Er schien mit den Babys zu sprechen und ihnen eine Geschichte zu erzählen. Die kleinen Händchen bewegten sich im Takt der sanft rauschenden Wellen und ihre Blicke waren wach auf ihn gerichtet. Als würden sie ihm gespannt zuhören und auf seine sanfte, tiefe Stimme horchen.
Langsam ging Cindy auf ihn zu und tippte ihm leicht von hinten auf die Schultern.“ Na, was erzählst du ihnen?“ sie lächelte verschmitzt, als er erschrocken herum fuhr und sie verlegen ansah.
„ Ich dachte es würde dir gut tun etwas auszuschlafen.“ brummte er in seinen struppigen Bart.
„ Danke.“ sagte sie und hielt die Zehenspitze in das Wasser. Es war noch frisch und hastig zog sie ihn wieder hinaus.
Keanu lächelte etwas frech. “Noch zu kalt?“ fragte er grinsend.
Cindy tauchte den Fuss noch einmal ein und spritzte ein wenig Wasser gegen ihn. „ Auch eine Kostprobe?“ ihre blauen Augen funkelten belustigt.
Er wich etwas zurück.“ Nein danke!“ zum ersten mal lachte er und Cindy staunte über eine Reihe schöner weisser Zähne, die eigentlich so gar nicht zu seinem ungepflegten Gesicht passten.
Eines der Kleinen begann unruhig zu quengeln, wahrscheinlich passte ihm das plötzliche laute Gelächter nicht, oder hatte ein kalter Tropfe es getroffen?
Cindy lächelte und sah ihre Grace schmunzelnd an. „ Na Mädchen, ist es dir auch zu kalt?“ dann nahm sie Keanu das Baby vorsichtig ab „ Oder hast du Hunger, kleine Lady?“
Sie schaukelte sie leicht während sie die Blusenknöpfe mühsam öffnete. Diese langen Fingernägel trieben sie noch in den Wahnsinn!
Die Muttermilch lief ihr bereits in kleinen Rinnsälen über die pralle Brust und als sie ihr Kind davon trinken liess stöhnte sie beinah auf, denn das heftige ziehen in ihrem Unterleib schmerzte füchterlich.
Keanu sah sie fragend an. „ Hast du schmerzen?“
„ Die Nachwehen, sie sind ekelhaft.“ Cindy setzte sich mit seufzend mit dem Baby in die wärmende Morgensonne.
„ Kann ich mir vorstellen…“ murmelte er und sah sie mitfühlend an.
Cindy schmunzelte ein wenig, denn nicht einmal sie selbst hätte sich vorstellen können, was eine Geburt alles mit sich bringen würde.
Keanu musterte sie eine Weile schweigend und wiegte den Jungen leicht in seiner Armbeuge. „ Ich gehe uns nachher etwas zu Essen besorgen.“ Meinte er dann und ging zum Schlafplatz zurück um Cindy den Koffer für die Babys zu holen. Sachte legte er den Jungen hinein und deckte ihn behutsam zu.
„ Danke.“ Cindy sah ihn nicht an, sondern strich ihrer einschlafenden Tochter zärtlich über den Kopf.
Als Keanu sich in den Wald zurückgezogen hatte, legte sie das schlafende Mädchen in den Koffer und hob den Jungen hoch. Sie wollte ihre Kinder immer gleichzeitig stillen, damit sie am Ende nicht den ganzen Tag nur damit beschäftigt war, ihre Kinder ohne Pause ständig an der Brust zu halten. Der kleine Wonneproppen rebellierte zuerst heftig, als Cindy ihn aus seinem Dämmerschläfchen herausholte, doch als sie ihm die Brust anbot, saugte er zufrieden und still bis er dann in einen tiefen Schlaf viel.
Sofort legte Cindy ihn zu seiner Schwester in den weich gepolsterten Koffer und deckte ihn zu. Sie musste sich unbedingt waschen. Die Nachblutungen waren heftig gewesen. So konnte sie nicht herumlaufen, dachte sie und watete vorsichtig in die kühlen Wellen, die sich leicht in die Bucht hineinkräuselten. Das Wasser färbte sich allmählich rot, als sich Cindy die Kleider auszog und sie ausgiebig wusch. Als sie aus dem Wasser stieg, schlüpfte sie sofort in neue Unterwäsche und legte einen Sportsocken als Einlage in die Boxershorts hinein. Sie machte sich nicht einmal die Mühe sich ein Oberteil überzuziehen, sondern setzte sich mit einem Kamm auf einen sonnigen Felsen, ganz in der Nähe ihrer Kinder. Ihr Haar war so verknotet, das sie die grösste Mühe hatte es durchkämmen zu können. Nach einer Weile vergeblichen Bemühens, stapfte sie grimmig zum Schlafplatz und durchsuchte die Toilettentasche in der Hoffnung ein Haarpflegeprodukt zu finden. Ihre Hoffnung wurde nicht erfüllt, doch wenigsten fand sie ein gutes Shampoo, einen Nagelknipser und einen Rasierer. Entschlossen zog sie sich wieder aus, tauchte in die Wellen und begann ihr Haar einzuschäumen. Mit dem Schaum in den Haaren viel es einiges leichter dieses lange Wirrwarr auszukämmen. Erleichtert wusch sie dann den Schaum aus dem Haar und flocht es sofort zusammen, damit es sich auf keinen Fall mehr so verknoten konnte. Dann schäumte sie die Achselhöhle ein und begann sich gemütlich unter den Armen und dann an denn Unterschenkeln zu rasieren.
Sie hatte Keanu nicht bemerkt, der sie die ganze Zeit während ihrer Prozedur, still und nachdenklich beobachtet hatte. Er sass im Schatten der Palmen und schälte die gefundenen Früchte. Dann suchte er vergebens nach dem Nagelknipser und ahnte schon, dass ihn die blonde Badenixe genommen hatte. Da sie aber splitternackt in den Wellen stand und ihr langes Haar flechtete, entschied er sich, geduldig zu warten. Doch als sie sich dann splitternackt auf ein Tuch neben ihre Babys legte und ihren knackigen Hintern genüsslich in die warme Sonne streckte, schüttelte er stöhnend den Kopf und wandte seinen Blick ab.
Sollten sie wirklich hier auf dieser Insel schmoren bleiben, war das die reinste Herausforderung für ihn. Diese Badenixe schien zu vergessen, dass sie nicht alleine hier war und möge sie es vielleicht nicht wahrnehmen, er war am Ende doch auch nur ein Mann!
Was sollte er jetzt tun? Er konnte die Früchte nicht allzu lange hier liegen lassen, ansonsten wurden sie schlecht und die Ameisen würden ihren gefallen daran finden. Zudem hatte er unheimlichen Durst und er brauchte den Klipper um die Kokosnuss zu öffnen.
Seufzend machte er sich auf den Weg zu ihr. „ Lani, hast du den Nagelknipser?“ das laute metallene zippen beantwortete seine Frage bereits.
„ Ich muss diese Nägel loswerden.“ Meinte sie murrend und hielt ihm die Hand hin, an dem die langen modellierten Nägel einmal waren.
„ O.k.“ er legte etwas Früchte neben sie auf den Boden und bemühte sich, ihr nicht auf das Hinterteil zu starren. „ Ruf mich, wenn du fertig bist, ich brauche ihn um die Kokosnuss zu öffnen.“
Sie streckte ihm das Metallding hin. „ Nimm, das hier kann sich um Stunden handeln.“ Sie klang zerknirscht.
Keanu musste sein grinsen verbergen als er ihn entgegennahm. Nicht nur, weil sie sich offensichtlich nervte, sondern auch, weil sie irgendwie süss aussah, so nackt mit geflochtenem Haar und den üppigen Kurven. Ihre Wangen hatten von der Sonne bereits eine rosige Farbe angenommen und feine Sommersprossen zeichneten sich über der kleinen Stupsnase ab.
„ Ich bringe dir auch etwas davon.“ Sagte er als er sich wieder von ihr entfernte.
Während er in das schattige Lager zurückging um die Kokosnüsse zu knacken, rappelte sich Cindy faul auf und schlüpfte in Unterwäsche und Hemd.
Keanu war darüber nicht wütend, im Gegenteil, so viel Nacktheit machte ihn nervös. Zögernd setzte er sich zu ihr und sie assen hungrig die Früchte und tranken Kokosmilch.
Es wurde allmählich zu warm in der Bucht und Cindy zog sich mit den Babys in den Schatten der Palmen zurück.
Keanu kramte in der Toilettentasche herum. Er wollte sich die Zähne putzen und sich waschen.
„ Willst du nicht einmal das Gestrüpp aus deinem Gesicht wegmachen?“ fragte Cindy plötzlich.
Er lächelte etwas.“ Nein, ich mag den Bart.“
Sie verzog ein wenig den Mund, doch im selben Moment blitzten Bilder durch den Kopf und sie hoch aufgeregt den Blick.
„ Du…“ sie versuchte die Bilder krampfhaft im Gedächtnis zu behalten „…du trugst eine Blazerjacke...und du hast mir ein Glas Wasser angeboten.“ Sie sah ihn mit leuchtenden Augen an.
„ Ja, es ging dir während des Fluges nicht so gut.“ Er lächelte zurück.“ Du hattest wohl etwas Flugangst, “ Er schnappte sich die Zahnbürste“ siehst du, die Erinnerung kommt wieder.“
Cindys Kopf drehte und sie fühlte eine grosse Verzweiflung in sich, weil sie keine anderen Bilder mehr in ihrem Kopf fand. Langsam senkte sie ihren Blick und sah zum Meer hinüber.“ Wer ich wohl war?“ murmelte sie leise.
„ Vielleicht eine gute Geschäftsfrau, “ er nahm die Zahnpaste“ denn wir flogen Businessklass.“
Cindy wollte gerade etwas erwidern, als ein Geräusch an seine Ohren drang. Auch Keanu sah plötzlich aufmerksam auf und starrte Cindy aufgeregt in die Augen.
„ Ist das ein Flugzeug?“ flüsterte er hastig und lief nach vorne in die Bucht.
Cindy folgte ihm nicht. Sie wusste nicht warum, aber sie konnte nicht. Wie angewurzelt blieb sie stehen und starrte zum Himmel hoch. Ganz weit weg, konnte man ein Flugzeug zwischen den Wolken aufblitzen sehen.
Keanu rannte zu den Kleidern, packte ein rotes Hemd und schwenkte es wild hin und her.
„ Hier;“ schrie er“ hier sind wir!!!“
Es kam aber nicht näher, sondern es entfernte sich allmählich wieder, bis es kaum mehr sichtbar in der Weite des Himmels verschwand.
„ Verdammte Scheisse!“ hörte sie Keanu fluchen. Er stand mit dem roten Hemd am Wasser und schlug es wütend auf den Sand.
“ Verdammte Idioten!“ rief er laut und stampfte das Hemd beinah in den Erdboden.
Dann drehte er sich zu Cindy um und verwarf hilflos die Arme.
Sie stand nur da und starrte immer noch an den Himmel. Sie wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.
Er kam auf sie zugestapft „ Ist dir das völlig egal?“ fuhr er sie an und packte die Zahnbürste wieder.“ Das war vielleicht unsere letzte Rettung, die da einfach so davonflog!“ dann stapfte er wieder an den Strand und begann sich energisch die Zähne zu putzen.
Cindy stiegen Tränen in die Augen. Sie konnte nicht erklären was sich im Moment in ihrem Innern abspielte, es war eine Mischung aus Angst, Verzweiflung und Erleichterung.
Sie sah dem grossen, schlanken Mann der sich im Meer wütend die Zähne putzte schweigend zu und wischte sich die Tränen von den Wangen. Die einzige Erinnerung die sie hatte war er!
Als er fertig war, kam er in grossen Schritten zurück, legte die Utensilien in das Täschchen zurück, packte das Shampoo und den Rasierer. „ Entschuldige…“ murmelte er leise und kehrte an den Strand zurück.
Cindy setzte sich auf den feuchten, sandigen Boden und zog mit den Armen ihre Beine an den Oberkörper. Aufmerksam beobachtete sie Keanu, der sich bis zur Unterwäsche auszog und ins Meer hinein watete. Immer noch ziemlich aufgebracht fing er an sich einzuschäumen und wusch sich ausgiebig sein längliches, schwarzes Haar. Dann watete er zu einem Felsen, der etwas aus dem Wasser hinausragte und setzte sich darauf. Ohne einen Spiegel begann er langsam und vorsichtig sein Gesicht zu rasieren.
Cindy musste ein wenig schmunzeln und sah ihm amüsiert zu. Was hatte wohl seine Ansicht plötzlich geändert, dass er den Bart doch nicht mehr mochte?
Allmählich wurden Cindys Babys wieder unruhig und sie hob Grace sachte aus den Koffer, indem sie vorher selig geschlafen hatte. Sie sah jeden Tag kräftiger aus und ihre Wangen hatte eine rosig, gesunde Farbe. Feines, dunkles Haar überzog ihr winziges Köpfchen und helle, aufmerksame Augen richteten sich auf ihre Mami.
„ Hallo kleine Lady.“ Cindy lächelte ihre Tochter an und küsste ihre zarte, helle Haut.
“ Kleiner Engel.“
Eine Weile wiegte sie die Kleine in den Armen, bis sie ungeduldig zu zwängen begann. Cindy hob die kleine Grace an die Brust und liess sie trinken. Sie trank nie sehr viel, denn sie wurde sehr rasch wieder müde. Cindy konnte den Unterschied der beiden Kinder fühlen, wenn sie an der Brust tranken. Grace zog nicht fest, sondern nur ganz leicht die Milch ein. Ihr Junge hingegen trank gierig und kräftig. Dafür schlief er auch länger als Grace.
Cindy dachte immer wieder über einen Namen für ihren Jungen nach, doch sie konnte sich nicht entscheiden.
Vertieft in Gedanken, hörte sie Keanu nicht kommen und fuhr erschrocken zusammen, als er das Shampoo in die Toilettentasche zurückwarf.
Zwischen Schreck und Staunen starrte sie ihn an.“ Könntest du mich nicht vorwarnen, du schleichst ja wie ein Dieb an mich heran.“
Er lachte auf.“ Was sollte ich denn hier stehlen können.“
Cindy sah in sein frisch rasiertes Gesicht und musste angenehm überrascht lächeln. „ Viel besser.“
Er hatte ein schön geschnittenes Gesicht, volle, sinnliche Lippen und ein unglaubliches Lächeln. Das nasse Haar hing ihm wild ins Gesicht und als er sie mit seinen dunklen, exotischen Augen lächelnd anblinzelte, machte ihr Herz einen kurzen Zwischenschlag. Verlegen senkte sie den Blick und sah ihre Tochter an, die sich an der vielen Milch verschluckt hatte.
„ Hoppla.“ Cindy hob sie etwas hoch und streichelte ihr sanft über den Rücken.
„ Hat sie sich verschluckt?“ fragte er und kniete ein wenig zu ihnen hinunter.
„ Sie ist noch nicht so kräftig, das stillen strengt sie an.“ Cindy sah die kleine Grace etwas besorgt an, denn sie hatte nun einen schmerzhaften Schluckauf bekommen. Ihr weinen und glucksen liess ihren Bruder unruhig werden und er begann leicht zu weinen.
Keanu nahm das winzige Bündel aus dem Koffer.“ Na grosser?“ er strich ihm zärtlich über das flauschige Babyhaar. Dann stand er auf und wiegte ihn leicht auf den Armen.
„ Machen wir einen kleinen Spaziergang?“ fragte Cindy spontan.
„ Wenn du dich genug gut fühlst?“ Keanu sah sie unsicher an.
„ Ich kann nicht mehr herumsitzen, ich muss etwas tun.“
Er sagte nichts, sondern nickte nur stumm. Er wusste nur zu gut was sie meinte und musste etwas bitter in sich hineinlachen. Wie oft hatte er sich in seinem Leben schon gewünscht, einfach eine Auszeit von seinem hektischen Job nehmen zu können. Einfach in Ruhe an einem gemütlichen Ort sitzen zu können, ohne irgendwelche Fotographen die ihn belästigten oder Fans die ein Autogramm wollten. Doch jetzt sass er auf irgendeiner kleinen Insel mitten im Meer fest und hatte Panik, nie mehr von hier wegzukommen.
Sie schlenderten gemütlich den Strand entlang im Schatten der Palmen, mit den Babys den Armen. Grace hatte sich in der Zwischenzeit etwas beruhigt und ihr Bruder schlief wieder friedlich ein in Keanus Armen.
Sie liefen schweigend nebeneinander her, die heisse Mittagssonne prallte nun voll auf die Bucht nieder und der heisse Sand begann unter der Hitze an zu flimmern. Kaum ein Windhauch rührte sich und auch die Wellen waren nur ganz leise zu hören. Keanu hatte sein verfetztes Hemd ausgezogen und seine nackte Haut schimmerte bereits leicht angebräunt. Sein glänzendes Haar war schon getrocknet und Cindy betrachtete ihn verstohlen von der Seite, während er sich interessiert umsah.
„ Wo wir hier wohl sind?“ fragte er mehr zu sich selbst.
Cindy sah sich Schulter zuckend um und entdeckte plötzlich etwas.“ Da ist ein Weg!“ rief sie und zeigte in die Bäume hinein.
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Beitrag Verfasst am: 09.12.2009, 01:35    Titel:   

Keanu drehte sich um und kniff ungläubig die Augen zusammen. Doch tatsächlich, da zeichnete sich eindeutig ein kleiner Weg im Dickicht ab.
„ Vielleicht sind wir hier gar nicht alleine!“ Cindy stapfte entschlossen darauf zu.
Er folgte ihr zögernd „ Hoffentlich nicht irgendein kannibalischer Stamm von Eingeborenen…“ murmelte er leise und schob die Zweige beiseite.
„ Das hab ich gehört.“ Cindy sah ihn kopfschüttelnd an.
„ Du hast ja Ohren wie ein Luchs.“ er grinste und sah den Ast den Cindy nach hinten surren liess gerade noch auf sich zu flitzen.
„ Hey! " er zog sie sanft an ihrem langen Haar, dass bei jedem Schritt hin und her pendelte.
Sie kicherte leise und Schritt dann weiter voran, zielstrebig und neugierig wie ein Kind.
Der Weg führte immer weiter in den Wald hinein und stieg etwas an, so dass sie mit den Babys in den Armen vorsichtig gehen mussten. Die Vögel kreischten laut auf als sie durch eine dichte Hecke endlich auf eine kleine Lichtung kamen.
Beide blieben staunend stehen und sahen sich schweigend um.

KAPITEL 5

„ Unglaublich! “ rief Cindy lachend und sah zu dem grossen Herrenhaus hinüber, das hier mitten im Wald auf einer Lichtung thronte.
Keanu sah sich das Haus etwas genauer an „ Scheint aber nicht bewohnt zu sein.“
„ Gehen wir nachschauen.“ meinte sie hastig und ging auf das Haus zu.
Es war ein weisser, klassischer Steinbau, mit einer grossen Veranda und dutzenden Fenstern, deren Storen alle geschlossen waren. Die lang gezogenen, halbmondförmigen Treppen waren aus Marmor, genauso wie die dicken Säulen, die bis unter den riesigen Balkon gingen. Die grosse, schwere Eingangstüre war mit einem typischen Löwenkopf geschmückt, der als Türklopfer diente.
Das ganze Anwesen wirkte verlassen und verwildert, die einzigen Gäste schienen die Affen zu sein, die erschrocken aufkreischten, als Keanu den riesigen Türklopfer betätigte. Das Geräusch hörte sich gruselig an, wie in einem alten Märchen aus einer vergangener Zeit.
Wie erwartet meldete sich niemand und vorsichtig wollten sie eintreten, doch die Türe war fest verriegelt.
„ Und jetzt?“ fragte Cindy und zuckte ratlos die Schultern.
Keanu grinste ein wenig „ Machen wir es wie in den Filmen.“ er ging ums Haus herum, bis er das passende Fenster fand. „ Brechen wir ein.“
Cindys blaue Augen wurden riesig, doch sie kicherte aufgeregt.“ Du schaust zu viel Abenteuerfilme!“
Keanu fasste nach einem herumliegenden Stein und lächelte dabei amüsiert in sich hinein; Wenn sie wüsste!
Der Stein schlug mit einem lauten klirren durch die Scheibe, so das die Babys im Schlaf erschrocken aufzuckten und zu wimmern begannen.
Er gab ihr die kleine Grace „ Geh zum Eingang, ich öffne dort die Terrassentüre von innen für dich.“ dabei trat er auf eine Glasscheibe und zog sich hastig die messerscharfe Spitze wieder aus den Fuss. „ Verdammt.“ fluchte er leise und brach ein grosses Stück der Scheibe heraus, damit er den Arm hinein strecken konnte.
Cindy konnte ihm dabei kaum zuschauen und drehte sich hastig weg „ Meine Güte, sei vorsichtig!“
Er nickte nur, öffnete die Verriegelung innen und machte das Fenster auf.
„ Scheint du hast Übung darin.“ Cindy sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an.
Er lachte „ Das ist auch nicht schwierig!“
„ Was machst du eigentlich beruflich, dass du dir eine Businessklasse leisten kannst?“
Er stutzte kurz „ Ich bin Meisterdieb.“ meinte er dann und blinzelte sie schelmisch an.
Sie verzog ihr Gesicht. „ Witzig…“
„ Können wir das später besprechen oder muss ich noch lange in den Scherben stehen bleiben um deine Neugierde zu befriedigen?“ er klang schärfer als beabsichtigt.
Cindy sah ihn verlegen an „ Entschuldige…“ murrte sie und ging dann in schnellen Schritten wieder zur Veranda zurück.
Die Klappstoren der Terrassentür öffneten sich mit einem lauten knarren, so dass die vielen kleinen Äffchen aufgeregt zu schreien begannen und die Vögel mit lauten kreischen in die Bäume flüchteten. Auch ihre beiden Babys waren jetzt endgültig wach geworden und weinten laut.
„ Oh, eine wilde Schönheit vor meinem Haus!“ Keanu lächelte sie spitzbübisch an.
„ Treten sie ein Gnädigste!“ mit einer ausschweifenden Handbewegung liess er sie eintreten.
Cindy verdrehte schmunzelnd ihre Augen und ging an ihm vorbei in das Haus hinein.
“ Wow!“ entfuhr es ihr. „ Das ist ja riesig!“
Keanu sah sich kurz um und deckte dann das Sofa ab, das unter einem weissen Leinentuch geschützt wurde. „ Hier kannst du dich mit den Kleinen hinlegen.“
Sie hatte jetzt absolut keine Lust ihre Kinder zu stillen, sie war aufgeregt und wollte das Haus erkunden, doch sie gab dem drängen ihrer Kinder nach und setzte sich auf das grosse, rote Sofa.
Keanu öffnete in dieser Zeit die Fenster und Storen und liess Licht und Luft in den stickigen dunklen Raum hinein. Der Staub tanzte in den Sonnenstrahlen und hüllte den Raum in ein geheimnisvolles Dämmerlicht ein.
„ Wem das wohl gehört?“ fragte Cindy leise.
Keanu deckte den Tisch ab und fuhr mit den Händen über das glatte, dunkle Holz.
“ Jedenfalls keinem Kannibalen.“
Cindy verzog den Mund.“ Kannst du mich mal ernst nehmen bitte!“
„ Entschuldige.“ er setzte sich zu ihr und nahm ihr die strampelnde Grace ab, damit sie den Jungen in Ruhe stillen konnte. „ Ich denke es gehört jemandem der Geld hat. Vielleicht eine Art Ferienresidenz.Die Möbel scheinen auf jedenfall ziemlich teuer zu sein.“
Cindy sah ihn von der Seite an und fragte sich wieder, wer er wohl war. „ Was hattest du für ein Leben vor dem Absturz?“
Er nahm tief Luft, er hasste es darüber zu sprechen. „ Ein ganz normales Leben eben, mit seinen auf und ab.“ meinte er verschlossen.
Cindy nickte, doch sie war mit seiner Antwort nicht zufrieden. „ Was hast du gemacht? Wo hast du gelebt?“ bohrte sie weiter.
„ Ich lebe in Los Angeles und Arbeite in der Unterhaltungsbranche.“ er sah sie nicht an, sondern strich sanft über das winzige Gesichtchen, das immer wieder versuchte an seinen Fingern zu lutschen.
„ Also in der Werbebranche?“ fragte Cindy und gab ihm Grace, die satt und träge vor sich hin schlummerte.
„ Etwas in diese Richtung.“ er hob den Jungen in ihre Arme und nahm die kleine Grace entgegen, die sich zufrieden an seine warme, breite Brust schmiegte und wie immer seiner tiefen ruhigen Stimme lauschte. „ Nichts besonderes eben.“ er zuckte leicht die Schultern und fühlte sich wie ein elender Lügner.
Ihre Blicke begegneten sich und Cindy betrachtete nachdenklich seine unergründlichen, dunklen Augen. Sie wusste nicht warum, doch sie spührte, dass er nicht gerne über sich sprach und sie fragte sich insgeheim, welches Geheimnis er vor ihr verbarg.
Ihre hellen blauen Augen lagen forschend in seinen und seine Wangen begannen plötzlich unangenehm zu glühen. Warum konnte diese Frau ihn so aus der Fassung bringen? Spielen, Lügen und um den heissen Brei reden gehörte zu seinem Leben, doch bei Lani gelang ihm das einfach nicht. „ Warum willst du das überhaupt alles wissen?“ fragte er etwas schnippisch.
Sie sah seufzend zu Boden.“ Vielleicht weil du der einzige Mensch bist, an den ich mich für den Rest meines Lebens erinnern werde.“
Er schluckte seine Betroffenheit weg. „ Genau aus diesem Grund spielt es auch keine Rolle wer ich bin, was ich beruflich mache und woher ich komme.“
Sie schwiegen eine Weile und konzentrierten sich auf die beiden Babys in ihren Armen.
„ Vielleicht hast du recht…“ hauchte sie dann „…aber ich spreche gerne über dich, denn über mich weiss ich nichts zu erzählen.“
Keanu konnte nicht anders. Er hob die Hand an ihre Wange und streichelte sanft mit dem Daumen über ihre vollen, roten Lippen. „ Ich denke wir haben noch viel Zeit und ich werde dir viel von mit erzählen, o.k.?“
„ O.k.“ ihre Lippen zitterten leicht und ihr Blick lag auf seinem lächelnden sinnlichen Mund. Ein ohnmächtiges Gefühl diesem Mann nahe zu sein breitete sich in ihr aus und ihr Herz begann zu rasen, als er ihren Kopf leicht anhob.
„ Dann lass uns jetzt mal das Haus anschauen.“ meinte er leise und liess ihr Gesicht langsam los.
Cindy hätte sich Ohrfeigen können! Was hatte sie denn erwartet?! Seine Partnerin war soeben gestorben, er hatte sein ganzes Leben verloren und sass hier fest mit einer zweifachen Mutter ohne Gedächtnis!
„ Ja, lass uns das Haus anschauen.“ sagte sie mit rauer Stimme und sah zu Boden, damit er ihre Enttäuschung nicht sehen konnte.
Sie waren gerade im oberen Stockwerk angelangt, als sie das laute Motorengeräusch über das Haus brausen hörten.
„ Ein Flugzeug!!!“ rief Keanu laut und lief hastig die Treppen hinunter. „ Komm Lani, schnell!“
Sie liefen beide in den Garten und starrten mit zusammengekniffenen Augen in den Himmel. Das Geräusch wurde immer leiser, doch sie blieben tapfer stehen.
„ Warum hab ich kein Feuerzeug!“ fluchte er laut. „ Wir müssen Feuer machen!“
Er raste ins Haus hinein in die Küche und begann jede Schublade aufzureissen. „ Hilf mir suchen Lani, das ist unsere einzige Chance!“
Wie wild begannen sie nach Streichhölzern zu suchen und wie es das Schicksal wohl wollte, flog das Flugzeug ein zweites mal über sie hinweg, genau in diesem Moment als Keanu jubelnd eine Streichholzschachtel hoch hob.
„ Scheisse!“ rief er und rannte hinaus, während Cindy in der Küche stehen blieb und die Augen schloss.
„ Ich will gar nicht weg.“ flüsterte sie leise „ Das ist mein zu Hause.“
Keanu machte draussen in Windeseile einen Haufen mit dörren Ästen und versuchte mit den Streichhölzern verzweifelt ein Feuer zu machen. Es wollte ihm einfach nicht gelingen, also raste er wieder ins Haus.“ Was stehst du hier rum? Hilf mir doch!“ rief er laut, während er nach etwas brennbarem suchte.
Sie ging auf ihn zu und hielt ihm eine alte, verstaubte Zeitung hin.“ Ich werde nicht mit dir kommen.“ sagte sie bestimmt und ging aus der Küche.
Er sah ihr schockiert nach.“ Warum nicht!?“
„ Ich bin hier zu Hause Keanu. Ich kenne keine andere Welt!“
„ Noch nicht Lani, noch nicht!“ er sah gehetzt in den Garten, dann auf sie und die Kinder „ Deine Erinnerung wird wieder kommen!“
„ Sag ihnen nichts von mir.“ sie ging die Treppen hoch und sah nicht mehr zurück.
In seinen Augen stand Verzweiflung. „ Das kann ich nicht!“ schrie er „ Ich kann euch nicht einfach hier lassen!“
Sie sah nicht zu ihm, sondern bog schweigend in den Gang des Obergeschosses ein und liess ihn stehen.
„ Wie du willst!“ knurrte er, ging in den Garten und zündete die Zeitung an.
Die Flammen züngelten sich allmählich zu einem Feuer das lichterloh in der flachen Ebene brannte und der Rauch stieg hoch in die Wolken hoch.
Keanu konnte nicht sagen wie lange er Holz nachlegte und auf die Rückkehr des Flugzeuges hoffte, doch der Himmel begann allmählich zu dämmern und die Grillen begannen ihr Abendlied anzustimmen.
Cindy hatte in der Zwischenzeit einige Konserven gefunden und bereite ihnen ein bescheidenes Essen aus Roastbeef und Bohnen zu. Als es fertig war ging sie mit den Tellern hinaus in den Garten, indem Keanu vor den Feuer kauerte und sein Gesicht in die Hände vergraben hatte.
„ Hast du Hunger?“ fragte sie ihn leise.
Er schüttelte leicht den Kopf ohne ihn zu heben.
Sie legte den Teller schweigend neben ihn hin. Er tat ihr sehr Leid, doch sie konnte ihn nicht Trösten. Sie fand einfach keine Worte.
Nach einer Weile kehrte sie zurück ins Haus und ging in den oberen Stock. Dort gab es ein schönes grosses Schlafzimmer auf dessen riesigen Bett ihre Zwillinge tief und fest schliefen. Müde legte sie sich zu ihnen und schloss erschöpft die Augen. Es dauerte wohl keine Minute und sie viel in einen tiefen Schlaf, der sie in wirre Träume führte, denn die Menschen und Bilder waren ihr völlig befremdlich und doch so vertraut darin.
Sie konnte Keanu nicht hören, denn er weinte bitterlich am ausgehenden Feuer und schob das Essen weit von sich weg. Er wollte nach Hause in sein altes Leben und gleichzeitig würde er Lani niemals mit ihren Kindern hier lassen. Sein Herz schien in zwei Teile zu brechen und es schmerzte höllisch in seine Brust, denn er fühlte sich so zerrissen zwischen den beiden Welten der Vergangenheit und Gegenwart.
Doch in dieser Nacht fasste er einen Entschluss, der einzige realistische den er jetzt zur Hand hatte. Er würde Lanis Herz erobern und sie mit nehmen so bald eine neue Gelegenheit kommen würde. Wenn überhaupt noch eine kam...
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 22.12.2009, 02:58    Titel:   

KAPITEL 6

Früh am Morgen erwachte er und war sofort hell wach. Die Vögel riefen laut und die Affen schlichen neugierig ums Haus herum. Der Wald war schon längst zum Tag bereit und das satte grün der Bäume raschelte sanft in der frischen Morgenluft. Er hatte es sich hier auf den Sofa bequem gemacht und lag eingehüllt im weissen Leintuch im Wohnzimmer, während er ruhig durch die Scheiben die kleinen Äffchen beobachtete, die sich fragten, warum sie nicht durch diese durchsichtige Scheibe hindurchgehen konnten. Immer wieder berührten sie aufgeregt das glänzende Glas mit ihren kleinen flinken Händen und glotzten derart lustig hinein, das Keanu leise vor sich hinlachen musst.
Ein lautes scheppern in der Küche liess ihn dann aber aufschrecken. Hastig band er sich das Leintuch um die Hüfte und ging rasch in die Küche um nachzusehen.
„ Hey!!!“ rief er laut und verscheuchte zwei der kleinen Einbrecher. Sie mussten sich durch die zerbrochene Fensterscheibe ins Haus hineingeschlichen haben.
Erschrocken stoben sie auseinander und jagten durch die Gänge des Hauses. Keanu öffnete die grosse Eingangstüre, in der Hoffnung, sie würden dort hinausflüchten. Doch die kleinen Biester jagten die Treppe hoch in den ersten Stock und verkrochen sich dort ängstlich in der offen stehenden Badezimmertüre.
Ein lauter Schrei kam aus dem Raum und Keanu musste breit grinsen, als er Eintrat und in die drei erschrockene Gesichter sah. Lani und zwei Äffchen starrten ihn mit weit aufgerissenen Augen an und sahen einfach zu süss aus!
„ Guten Morgen.“ sagte er lachend und scheuchte die Tiere hinaus, während Lani sich bemühte ihren nackten Körper mit dem Hemd zu bedecken.
„ Wo kommen die denn her!?“ keuchte sie.
„ Wahrscheinlich sind sie durch das zerschlagene Fenster gekommen.“ er drehte sich etwas ab und hielt dabei das Leintuch fest.
„ Freche Dinger.“ sie schüttelte den Kopf „ Ich bin zu Tode erschrocken!“
„ Ich gehe hinunter und jage sie aus dem Haus.“ er schmunzelte und wandte sich dann zum gehen.
Keanu musste sich aber gar nicht mehr bemühen, denn sie schienen durch die Türe ins Freie geflohen zu sein. Also ging er zum zerbrochenen Fenster und schloss dort die Storen, damit sie nicht wieder ungebetenen Gästen bekamen.
Dann suchte er die Kellertüre. Es musste doch irgendwo einen Haupthahnen geben um fliessendes Wasser in diesem Haus zu haben!?
Der Keller war sauber und geräumig und jede Menge Werkzeuge, Lebensmittel, Putzutensilien und sogar Waffen waren fein säuberlich in den Regalen verstaut.
Nach längerem suchen hatte er endlich gefunden was er suchte. Eine dicke Leitung, mit einem Drehverschluss. Das musste es sein, dachte er, und drehte den Verschluss auf.
Dann ging er nach Oben in die Küche und drehte dort den Hahn auf. Es brodelte, gluckste und hustete in den Leitungen und dann floss rostbraunes Wasser aus dem Hahn in den Spültrog hinein.
Während er darauf wartete, dass das Wasser klar wurde, hatte Cindy ihre Kinder schon gestillt und bereits wieder zum Schlafen gelegt. Neugierig ging sie dem Geräusch von fliessendem Wasser nach und fand Keanu in der Küche stehen, immer noch das weisse Leinentuch um die Hüften gebunden, sah er ruhig und versunken dem Wasser zu.
„ Ha!!!“ rief sie laut und er fuhr erschrocken zusammen. Cindy kicherte wie ein kleines verschmitztes Mädchen und Keanu konnte einfach nicht anders, als ihr das kalte Wasser entgegenzuspritzen.
Als sie zum Hahn wollte um ihn auch anzuspritzen hielt er leicht ihre Handgelenke fest und verhinderte ihr Action.
„ Oh nein!“ lächelte er.
Cindy drehte sich kichernd zu ihm herum.“ Etwa Wasserscheu?“
Sie waren sich einen Augenblick sehr nahe und Keanu wich sofort einen Schritt zurück, doch Cindy benutzte diese Gelegenheit um ihre Hände zu lösen und ihn nass zu spritzen.
„ Freche Lady!“ rief er und die Wassertropfen liefen ihm die Wangen hinunter.
Sie drängten sich um das fliessende Wasser und bespritzten sich wie die Kinder, bis sie klatschnass in der Küche standen und atemlos lachten.
„ Du siehst aus wie ein nasser Pudel!“ Cindy lachte und wischte sich die nassen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Ihre Augen leuchteten verschmitzt als er einen Schritt auf sie zumachte und ihr lächelnd mit der Hand unters Kinn griff.
„ Und du, wie eine wild gewordene Wassernixe.“ flüsterte er leise.
„ Sagt Neptun…?“ sie wurde plötzlich nervös. Wollte er sie jetzt küssen?
Doch dann liess er sie schmunzelnd wieder los. „ Hast du Hunger?“
Cindy schoss das Blut in die Wangen und sie senkte verlegen den Blick. Wie meinte er das jetzt?
„ Ja.“ presste sie hervor und wandte sich hastig von ihm ab.
„ Na dann schauen wir doch mal, was wir finden.“ er sah sich um und seine ruhige Haltung verriet nichts von seinem aufgeregten Puls, der gerade eben erschreckend in die Höhe geschossen war.
Zum ersten Mal seit Tagen assen sie endlich wieder genug und schlangen das Essen hungrig hinunter. Sogar Kaffee und Tee fanden sie und erfreuten sich an einer heissen Tasse, des aromatischen schwarzen Getränkes.
Danach begannen sie, das Haus zu erkunden.
„ Hier lässt sich leben.“ schmunzelte er plötzlich, als er in einem Sekretär neben den Bücherregalen eine volle Schachtel Zigarren fand. Endlich wieder Tabak, dachte er erleichtert.
„ Das machst du aber draussen.“ Cindy sah ihn tadelnd an. „ Die Kinder!“
„ Oh, ja natürlich.“ er packte sich eine und verschwand schmunzelnd nach draussen.
Während er gemütlich auf der Veranda seine Zigarre und seinen Kaffe genoss, stand Cindy unter eine erfrischende Dusche.
Sie fand sogar ein paar Frauenkleider im Kasten des Schlafzimmers. Es war ein weisses Blumenkleid, mit Knöpfen vorne und einem langen wallenden Rock.
Es war ihr ein wenig zu gross, aber das störte sie nicht, sie war froh endlich aus dem schmutzigen Herrenhemd hinauszukommen.
Im Kasten nebenan fand sie ein Unterhemd für Herren und eine beige Bundfaltenhose. Sie betrachtete die Grösse und beschloss, die Sachen Keanu zu zeigen.
Als sie hinaustrat kam ihr eine heisse Brise entgegen. Die Mittagssonne stand schon in vollen Zügen am Himmel und füllte die feuchte Luft mit einem schwülen, heissen Schimmern.
„ Schau mal.“ sie hielt ihm die Kleider hin.
„ Oh.“ er nahm sie dankend entgegen.“ Ich werde sie nach der Dusche anprobieren, danke.“ er betrachtete sie lächelnd.
„ Ich habe es im Kasten gefunden.“ sie strich über den luftigen Stoff.
„ Schön siehst du aus.“ er lächelte immer noch.
„ Danke...“ sie verschwand etwas verlegen wieder im innern des Hauses um nach den Zwillingen zu sehen.
Keanu gönnte sich in der zwischen Zeit eine ausgiebige dusche und schlüpfte in die Kleider. Sie passten ihm wie angegossen und er war froh, endlich saubere Kleider tragen zu können. Das weisse Trägershirt spannte sich eng an seinen Oberkörper und die Faltenhose liess sich perfekt um die Hüfte schliessen.
Als er den Spiegelkasten durchsuchte fand er sogar etwas Deodorant und obwohl es nicht unbedingt nach seinem Geschmack war, benutzte er es dankbar.
Dann strich er seufzend über seine stoppeln im Gesicht.“ Morgen.“ murmelte er und machte sich dann wieder auf den Weg nach draussen.
Lani hatte es sich mit den Zwillingen im Wohnzimmer bequem gemacht und lag mit ihren Kindern auf einer flauschigen Kissen am Boden. Sie hatte sich ein Buch aus der Bibliothek geholt und war in den spannenden Roman vertieft, als Keanu das Zimmer betrat.
„ Wollen wir ein wenig die Insel erkunden?“ fragte er, seine Hände in den Hosentaschen und lässig im Türrahmen anlehnend.
Cindy verschlug er fast die Sprache und für einen Augenblick setzte ihr Herzschlag aus, als sie diesen grossen, schlanken Mann betrachtete, der sie mit seinen dunklen Augen fragend anschaute.
Er konnte ihre Reaktion genau sehen und schmunzelte amüsiert in sich hinein. Was hatte sie gedacht? Er sei nur ein ungepflegter Taugenichts? Da hast du dich wohl gründlich getäuscht Lady…
Normalerweise war er nicht der Typ, der mit seinem Aussehen spielte, doch er war es nunmal gewohnt sich richtig in Szene zu setzen. Das war schliesslich sein Beruf!
„ Ja“ stammelte sie“ ja, das wäre sicher eine gute Idee.“
„ Gut, gehen wir.“ er lächelte „ ich gehe uns noch ein wenig Proviant holen.“
Sie waren lange unterwegs, doch sie fanden kein anderes Lebenszeichen.
Zur Sicherheit banden sie weisse Stofffetzen um die Äste, damit sie sich in diesem Dschungel nicht verliefen.
Mit nackten Füssen, einer Tasche Proviant und zwei kleinen Babys gingen sie lange schweigend durch das Gebüsch, bis Cindy sich erschöpft setzen musste. Die Geburt und das Stillen forderten immer noch ihren Tribut und Keanu schlug besorgt vor, wieder zurückzugehen.
Die Sonne stand schon in der Abenddämmerung als sie schliesslich verschwitzt zu Hause endlich wieder ankamen.
„ Ich gehen noch etwas an den Strand.“ sagte er plötzlich und packte sich ein Tuch.“ Ich möchte schwimmen.“
„ Ich komme mit,“ sagte sie.“ oder möchtest du lieber einen Moment für dich alleine haben?“
„ Du kannst gerne mitkommen.“ er sah sie offen an.
Gemütlich spazierten sie den kleinen Weg hinunter an den Strand und breiteten das Leinetuch auf dem warmen Sand aus. Die Babys legten sie eingehüllte und gut geschützt in eine leichte Sandmulde.
Dann zog Keanu sich das Shirt und die Hosen aus und lief zum Meer. Er trug eine schwarze, enge Boxershorts und seine muskulösen Beine und der knackige Männerhintern passten perfekt zu seinen breiten Schultern.
Cindy fragte sich, ob er von Natur aus so gut gebaut war, oder ob er sich diesen Körper mit viel Sport so trainiert hatte?
„ Es ist wunderbar!“ rief er und tauchte in die Wellen.
Cindy erhob sich entschlossen und streifte sich das Kleid aus. Sie trug auch nur Boxershorts, die aber im Gegensatz zu seinen, nicht so perfekt sassen.
Erleichtert tauchte sie in das kühle Wasser und schwamm ein paar Züge Keanu entgegen.
„ Ich liebe das Meer.“ sagte sie lächelnd und liess sich von den Wellen tragen.
„ Ich auch.“ er kraulte von ihr weg, weit hinaus in die offenen Wellen, bis sie ihn kaum mehr sehen konnte.
Als er längere Zeit nicht mehr zurückkehrte wurde Cindy plötzlich nervös. Sie stand auf und spähte aufs offene Meer hinaus. War er das? Sie konnte Wasserspritzer wahrnehmen. Doch als sie genauer hinsah, konnte sie die Delfine sehen, die aus den Wellen sprangen und wieder eintauchten.
Eine Ewigkeit schien es zu dauern, als sie endlich Keanu zurück schwimmen sah, umringt von springenden Delfinen, die ihn anscheinend in die Bucht begleiteten.
Es war ein magisches Bild das sich Cindy bot und wieder überrannte dieser sanfte Schauer ihren Körper. Dieser Mensch war ein halber Fisch, dachte sie lächelnd und schwamm ihm ein wenig entgegen.
Ausser Atem kam er bei ihr an und spritze sie lächelnd an. „ Hallo Nixe.“
„ Und du? Mit den Delfinen geflirtet?“ sie schmunzelte.
„ Da draussen hat es noch viele andere Nixen, nicht gewusst?“ er zwinkerte schelmisch.
„ Anscheinend haben sie dich abblitzen lassen, dass du schon wieder hier bist?“ sie zwinkerte zurück.
Er lachte schallend und hob Cindy so abrupt hoch, dass sie leicht aufkreischte.
„ So, aber jetzt raus aus dem Wasser, ich muss mich hinlegen.“ er schwang sie im Wasser sachte herum und liess sie wieder frei.
Sie gingen an den Strand und liessen sich auf dem Tuch bei den Babys wieder nieder.
Die Sonne war angenehm warm am Abend und es war sehr wohltuend sich von ihr trocknen zu lassen.
Keanus Atem beruhigte sich langsam wieder und er schloss genüsslich die Augen um etwas zu dösen. Auch Cindy rekelte sich in den Sonnenstrahlen und seufzte zufrieden.
„ Das ist doch ein schönes Leben.“ flüsterte sie leise.
Er wusste nicht genau was er darauf Antworten sollte.“ Für eine Weile, ganz sicher.“
„ Ich kenne kein anderes Leben.“ sie seufzte wieder.
Er drehte sich zu ihr um und betrachtete sie ernst. „ Stell dir nur mal vor, wenn eines der Kinder krank wird, Lani.“
Sie sah ihm tief in die Augen.“ Ich weiss.“
„ Wir könnten hier nicht überleben auf die Dauer.“ er strich ihr sanft über die Wange.
“ Sei vernünftig Lani.“
Ihre Kehle brannte wie Feuer und sie musste die Tränen wegschlucken. „ Ich weiss, dass du Recht hast.“
Seine Stimme war so sanft wie eine zärtliche Liebkosung. „ Ich geniesse jeden Tag mit euch…“ flüsterte er leise.
Panik stieg in ihr auf.“ Ich habe Angst.“ sie sah ihn verzweifelt an.“ Was mache in einer unbekannten Welt, in der ich niemanden ausser dich kenne!?“
Er nahm sie fest in die Arme und streichelte ihr beruhigend über das Haar. „ Ich werde dir helfen.“ er küsste zärtlich ihre Stirne.“ Vertrau mir.“
Sie sah zitternd zu ihm auf und hielt ihr Gesicht in seinem Haar verborgen.“ Lass mich dann bitte nicht alleine.“
„ Das werde ich nicht.“ er drückte sie sanft an sich und wiegte sie leicht bis sie sich etwas beruhigt hatte.
„ Danke.“ flüsterte sie und löste sich leicht von ihm.
Sie sahen einander in die Augen du es war wie ein Versprechen, als er sie ganz leicht auf die bebenden Lippen küsste.
„ Hab keine Angst.“ flüsterte er.
Cindy klopfte das Herz bis zum Hals und sie hätte sich am liebsten nie mehr aus diesen starken Armen gelöst. „ Ich vertraue dir.“ hauchte sie.
Er lächelte und sollte Lani eigentlich wieder loslassen, doch er konnte es nicht. Sein Blick ruhte auf ihren bebenden Lippen, während ihre vollen Brüste sich wunderbar weich an seinem Körper anschmiegten, ihre weiblich duftende Haut seine Sinne anregten und der Wunsch nach Nähe sich ohnmächtig in ihm ausbreitete.
Mit aller Kraft riss er sich aus diesem erotischen Gefühl heraus und wich etwas zurück.“ Ich will dir nichts vormachen.“
Sie sah ihn verdutzt an.“ Was meinst du?“
„ Ich fühle mich zu dir hingezogen.“ Er strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
“ Das was ich mit euch erlebt habe ist unvergesslich.“ er biss sich nervös auf die Unterlippe.
„ Was willst du damit sagen?“ fragte sie leise.
„ Ich weiss nicht wie es sein wird, wenn wir nicht mehr hier sind. Wenn Anita vielleicht doch überlebt hat…“ er senkte den Blick.
Cindy fühlte einen Stich im Herzen „ Das ist mir bewusst.“ sagte sie betrübt.“ Aber wirst du unser Freund bleiben?“
„ Ja, das werde ich.“ er wusste, das war alles was er ihr zur Zeit wirklich anbieten konnte.
Cindy sah ihm in die Augen und strich sanft über seine Wangenknochen. " Ich weiss das es nicht einfach für dich ist."
Er nahm ihre Hand und umschloss sie." Für uns beide nicht."
Sie lagen einander in den Armen und sahen dem Sonnenuntergang zu, wie er wieder seinen unglaublichen Farbzauber am Himmel präsentierte. Es war ein Moment des Friedens und der Stille und trotzdem regte sich etwas in Keanu. Etwas, das ihn innerlich nervöse machte.
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 28.01.2010, 03:28    Titel:   

KAPITEL 7

Nach einiger Zeit kehrten sie ins Haus zurück und während Cindy die Babys wusch und wickelte, schaute sich Keanu nach etwas Essbarem um.
Cindy hatte sich aus den Hemden des fremden Koffers provisorische kleine Windelhöschen für die Babys gemacht. Jetzt hatte sie endlich mehr Stoff zu verfügung und begann die Leinentücher zu schneiden, damit sie anschliessend ein paar auf Reseve hatte.
Als sie ihre Babys frisch gemacht hatte, begann sie die Stofftüchlein gründlich waschen und auf der Veranda zum trocknen aufzuhängen. Obwohl sie die Kinder immer im Schatten hielt, hatten sie eine prächtige Farbe bekommen und wirkten aufgeweckt und gesund. Mit zugeschnittenem T-Shirt Stoffärmeln hatte sie ihnen kleine Mützchen gemacht, damit das haarlose Köpfchen in der Hitze gut geschützt war. Endlich fand sie auch etwas Öl und Creme für die Körperpflege der zarten Babyhaut. Ihre Wonneprppen schienen die massierende, beruhigende Berührung ihrer Mutter in vollen Zügen zu geniessen und jammerten, als sie sie anschliessend wieder in die Leinenhöschen einwickelte.
Ein köstlicher Duft drang in ihre Nase und ihr Magen meldete sich hörbar. Lächelnd ging sie mit den Babys in die Küche.
„ Was kochst du gutes?“ fragte sie neugierig.
Er sah sie schmunzelnd an.“ Alles aus der Dose, “ er rührte in einem Topf „ ich kann nämlich überhaupt nicht kochen.“
Sie zuckte die Schultern. „ Es duftet trotzdem herrlich.“
„ Fleischsuppe, Bohnen, und Reis hab ich auch gefunden.“ er gab ihr einen Löffel zum kosten.
„ Mmhhh, wunderbar…“ sie schluckte hungring die würzige Suppe hinunter.
„ Wollen wir heute im Esszimmer dinieren Gnädigste?“ fragte er lässig.
„ Aber sicher, mein Herr.“ sie grinste amüsiert.
„ Natürlich mit Silberbesteck, “ er öffnete die Schublade und zog einen Suppenlöffel hervor „ na ja, guter Stahl tuts auch…“
Cindy lachte und schnappte sich den Löffel. " Ich habe so hunger, ich würde auch mit den Händen essen."

Sie deckten sich den Tisch im hübschen Esszimmer und schlugen sich die Bäuche voll. Es war ein gutes Gefühl satt zu sein und es war ein gutes Gefühl am leben zu sein.
Keanu hatte bei seiner Inspektion heute Morgen im Keller nebst Strom, Wasser, Gasflaschen, Werzeugen und Esswaren auch einige gute Flaschen roten Wein gefunden und schenkte ihnen feierlich ein Glas ein.
„ Was feiern wir?“ fragte Cindy und hob das Glas.
„ Auf unsere gesunden zwei Kleinen.“ er hob das Glas auch an und der Klang der Gläser hallte in einem schönen, klaren Ton im Raum wieder.
„ Wir sollten endlich einen Namen für ihn finden.“ sagte Cindy und sah zu ihrem schlafenden Sohn hinüber.
„ Wie wärs mit Kai, oder Moa?“ er sah sie lächelnd an. „ Das heisst Meer auf hawaiianisch.“
„ Kai…“ Cindy liess den Namen auf der Zunge vergehen „ hört sich gut an.“
„ Finde ich auch“, er nickte „ es heisst See oder Meer. Eigentlich nennt man das Meer Moana, aber man könnte es auch auf Moa abkürzen…“ er strich sich übers Kinn.
Cindy nahm nachdenklich einen kleinen Schluck des roten Weines, sie durfte nicht zu viel trinken, da sie ja stillte. „ Moa…“ sagte sie, um den kKang des Namens zu hören.
„ Moa…“ auch er sprach den Namen noch einmal aus und als hätte der Kleine ein Zeichen setzen wollen, öffnete er in diesem Moment verschlafen seine Äuglein.
„ Oh“, Cindy lachte „ er hört auf den Namen.“
Keanu leerte sein Weinglas und hob das Baby aus dem Kofferbettchen zu sich herauf in die Arme.“ Na, bist du unser kleiner Moa?“
Der winzige Junge lauschte seiner Stimme und griff mit seinen kleinen Händchen nach seinem Finger, mit dem er ihn zärtlich über die Wange strich.
Cindy betrachtete die Szene lächelnd. „ Scheint, wir haben einen Namen gefunden.“

Während Keanu den Tisch abräumte und den Abwasch in Angriff nahm, stillte Cindy ihre Babys und zog sich nach oben ins Schlafzimmer zurück. Sie war müde, der Tag hatte sie sehr angestrengt und sie musste sich endlich etwas hinlegen. Gemütlich kuschelte sie sich mit ihren Zwillingen ins grosse Bett und schlief sofort mit ihnen ein.
Keanu setzte sich später mit einem Glas Wein auf die Veranda und rauchte entspannt eine dicke Havanna.
Die Geräusche die aus dem Busch drangen machten ihm längst keine Angst mehr und ruhig hängte er seinen Gedanken nach. Es waren keine trübe Gedanken, es waren einfach Gedanken und dennoch ertappte er sich wie er in den Sternenhimmel hoch sah und tief seufzte.
Er hatte im Moment des Absturzes seit Jahren das erste Mal ein Gebet gesprochen. Es war mehr ein Stossgebet gewesen, doch etwas Seltsames war dann geschehen. Etwas, dass er sich auf keinen Fall nur eingebildet hatte.
Es war, als hätte er Gottes Stimme in seinem Kopf gehört, die Worte waren so nah und doch so unendlich weit weg. Aber sie waren nicht aus seinen Gedanken entsprungen, denn das Gefühl das diese Worte begleiteten war so ruhig, so klar, so endgültig wie ein Versprechen von einer allerhöchsten Macht.
Kopfschüttelnd nahm er einen Schluck und fragte sich, warum dieser Gott ihn so oft in seinem Leben verschont hatte und andere die er liebte nicht?
Seit er auf dieser Insel war, fand er immer mehr zu sich selbst zurück und er entdeckte einiges in sich wovon er nicht ahnte, dass er es besass.
Er glaubte an diese hohe Macht. Sie war immer allgegenwärtig in ihm und noch mehr; Er fühlte sich Eins mit ihr.
Die Ruhe auf dieser Insel, das rauschen des Meeres, das leise raschelnd des Windes, die Kraft der Mittagssonne und das Wunder der Geburt dieser Kinder führte ihn in eine Welt zurück die tief in ihm verschüttet lag. Es hatte etwas völlig existenzielles und trotzdem göttliches an sich. Er fühlte sich pur, natürlich und einfach als sich Selbst. Ein Sandkorn im riesigen Kosmos und trotzdem so unglaublich verbunden mit allem was ist.
Er konnte Lani gut verstehen, denn sie fühlte sich als einen Teil dieser Natur hier. Sie ahnte nichts vom Leben da draussen, sondern fühlte sich hier völlig vollkommen. Irgendwie war sie zu beneiden, dachte er und kehrte lächelnd in das Haus zurück.
Wie würde sie die wirkliche Welt verkraften? Oder müsste man sagen, die Welt, die der Mensch geschaffen hatte…?
Leise ging er hoch und sah noch einmal nach den Dreien, die seelenruhig im grossen Bett zusammengekuschelt schliefen. Zärtlich betrachtete er die hübsche Mutter und sein Herz machte einen kleinen Satz, als er Lanis verschlafene Stimme hörte.
„ Bleib bei uns...“
Er zögerte einen Moment, setzte sich dann aber sachte an den Bettrand und streichelte liebevoll die Kinder.
„ Wenn du möchtest.“ flüsterte er.
„ Möchtest du nicht?“ fragte sie leise und ihre blauen Augen glänzten in der Dunkelheit.
Er seufzte nachdenklich, doch eigentlich kannte er die Antwort längst. „ Doch, ich möchte.“
Dann ging er um das grosse Bett herum, zog sich bis zu den Boxershorts aus und legte sich sachte zu ihnen.
Die Babys lagen zwischen ihnen, was Keanu als richtig empfand und dennoch, es viel ihm schwer Schlaf zu finden...

Der Morgen brach an und viele neue Tage folgten, doch nie legte er sich neben Lani ins Bett. Immer legte er sich neben die Kinder und hielt sie mit seinen starken Armen geschützt.
Allmählich hatte er aufgehört die Tage zu zählen und die Hoffnung auf Rettung schwand völlig dahin. Er schätzte, es waren wohl bereits einige Wochen vergangen seit dem Absturz, vielleicht schon zwei oder drei Monate.
Moa und Grace entwickelten sich prächtig und Lani hatte sich von der Geburt sehr gut erholt. Jeden Tag gingen sie ans Meer hinunter um zu schwimmen oder zu fischen. Auch die beiden Wonneproppen kamen nun mit in das kühle Nass und tauchten in die Wellen, als wäre es das natürlichste der Welt.
Immer mehr begannen sie sich von den Dingen, die die Insel bot, zu ernähren und wagten sich immer mehr in den Busch hinein um Erkundigungen zu machen. Auch begegneten sie Gefahren mit einem natürlichen Respekt, wie einmal eine Giftschlange, die sich in ihrem Haus einquartieren wollte. Man musste immer auf der Hut sein, man konnte die Umgebung hier nicht einfach aus den Augen lassen.
Auch Haie tummelten sich ab und zu in der Bucht oder Seeigel, dessen Stachel nicht gerade angenehm anzufühlen war.
Lani hatte immer häufiger kurze Erinnerungsschübe, doch sie konnte sie nicht logisch zusammensetzen. Sie sah Personen und Szenen aus ihrem vergangenen Leben, aber die Personen fanden keinen Bezug zu ihr. Es war wie ein Puzzle, wie eine Dedektivarbeit in ihrem Kopf, die einfach kein klares Bild ergeben wollten.
Keanu versuchte sie so gut wie möglich dabei zu unterstützen, doch da er ihr Leben nicht kannte, war es für ihn genauso verwirrend wie für sie.
Während sein altes Leben immer mehr in den Hintergrund rückte, kam Lanis altes Leben immer mehr in den Vordergrund und öfters ertappte Keanu sich dabei, das er fürchtete, sie würde sich an den leiblichen Vater ihrer Kinder erinnern.
Er wusste, er hatte gesetzlich gesehen kein Anrecht auf die Zwillinge, doch es waren eben doch auch seine Kinder. Er fühlte wie ein Vater für sie und das aus tiefstem Herzen. Auch fühlte er sich von dieser braungebrannten, hellblonden Nixe mit den himmelblauen Augen immer mehr unwiderstehlich angezogen.
Immer noch hatte sie die Gewohnheit sich splitternackt in die Fluten zu werfen und sich dann genüsslich auf dem Felsen zu räkeln, was ihn allmählich um den Verstand brachte.
Auch er hatte bereits enorm Farbe angenommen und man konnte seine exotische Abstammung auf keinen Fall mehr übersehen.
Sein langes Haar hatte er zurückgebunden und die Schultern waren beinah schon schwarz-braun gebrannt, während sich auf seinem Gesicht viele süsse Sommersprossen tummelten.
Wegen des täglichen Schwimmens hatte er reichlich Muskeln angelegt und wirkte vital und sportlich, während Cindy immer noch mit ihrem fetten Bauch und Hintern kämpfte, wie sie es zu ausdrücken pflegte.
Er hingegen fand ihre Rundungen genau das Schöne an ihr und hätte sie stundelang betrachten können, wie sie sich bewegte, wie sie lachte und in der Sonne schlummerte, wie eine wunderschöne Löwin in der Wüstensonne.
In all dieser Zeit hatten sie sich kaum gestritten, doch an diesem Abend zog ein Gewitter auf. Nicht nur draussen, sondern auch im Haus.
„ Ich möchte heute einmal alleine in einem Bett schlafen.“ kündigte er überraschend an.
„ Warum?“ fragte sie überrumpelt.
„ Einfach, darum.“
„ Einfach?“
„ Ja, einfach.“ sagte er mit Nachdruck.
„ Gehen wir dir auf den Nerv?“
Er stöhnte innerlich auf. „ Das ist absurd.“
„ Nun, es gibt hier auf der Insel nicht viel Abwechslung. Kann doch sein, das wir dich allmählich langweilen?“
Ihre Worte trafen ihn sehr.“ Du redest quatsch.“
„ Ich finde das nicht Quatsch.“ meinte sie schnippisch.
„ Doch das ist es.“ auch seine Stimme erhob sich, während er sich auf das Rasieren zu konzentrieren versuchte.
„ Nun gut, dann bin ich vielleicht einfach ein wenig blöd.“ sie wusch sich neben ihm energisch das Gesicht.
„ Das hab ich nicht gesagt.“ er hielt in seiner Bewegung inne und sah sie scharf an.
„ Wie du meinst, “ murrte sie und knallte den Waschlappen hin „ ich rede also nur Quatsch.“
Er seufzte laut und wusch sich die Seife vom Gesicht.“ Kannst du das nicht akzeptieren?“
Sie kämmte sich hastig ihr Haar.“ Was? Das ich dumm bin, oder das du nicht bei uns sein willst?“
Er knurrte in sich hinein, während gleichzeitig ein lautes grollen am Himmel ein aufkommendes Gewitter ankündigte.
„ Denk was du willst, “ er trocknete sein Gesicht und trat aus dem Badezimmer hinaus.
Cindy machte sich einen Zopf aus ihrem langen blonden Haar und missachtete ihn einfach, als er ihr eine gute Nacht wünschte und die Treppe hinunter ging.
Doch ihre Gedanken kreisten um den Streit den sie hatten und sie fühlte sich plötzlich sehr egoistisch. Wie konnte sie erwarten, dass er Anita und sein Leben mit ihr einfach vergessen hatte? Wie konnte sie erwarten, dass er sie und die Kinder einfach als seine betrachtete? Wie konnte sie annehmen das er sie genauso liebte, wie sie ihn?
Diese Gedanken erschreckte Cindy. Sie erkannte, dass sie diesen Mann wirklich liebte, doch gleichzeitig konnte sie sich doch eigentlich gar nicht an eine andere Liebe erinnern, so, wie er das tun konnte, oder? Er liebte Anita, er liebte nicht Lani, dass musste sie einfach endlich akzeptieren.
Das Gewitter dröhnte furchterregend über dem Haus und Cindy hielt ihre Babys dicht an sich, sie hoffte, sie würden nicht erwachen bei diesem Getöse. Ängstlich zog sie die Decke über den Kopf und hoffte, das Unwetter würde endlich aufhören.
Der Wind rüttelte laut an den Fensterläden, der Donner liess die Scheiben erzittern und der Blitz zischte gefährlich auf die Insel nieder, während Keanu frustriert an die Decke hinauf starrte. Warum konnte er Lani nicht einfach sagen was mit ihm los war? Warum brachte er den Mut nicht auf ihr die Wahrheit zu sagen?
Könnte man in die Zukunft sehen, so hätte er ihr garantiert gesagt, warum er nicht bei ihr schlafen wollte. Hätte er gewusst, was am nächsten Morgen geschehen würde, hätte er diese Nacht nicht alleine verbracht, sondern er hätte sie endlich in seine Arme genommen, sie gestreichelt, geküsst und sie endlich geliebt.
Er hätte ihr einfach gesagt dass er mit ihr schlafen wolle, dass er viel für sie empfand und das er sonst verzweifelte jede Nacht neben ihr. er hätte ihr gesagt das er die Kinder liebte als wären es seine eigenen und er hätte ihr gesagt ,dass er sich in seine sexy Nixe allmählich aber sicher zu verlieben begann.
Doch dafür blieb keine Zeit mehr, Zeit, die er, so dachte er jetzt noch, doch genügend haben würde, auf dieser gottverlassenen Insel...
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 20.02.2010, 01:50    Titel:   

KAPITEL 8

Laute Stimmen liessen ihn aus dem Schlaf hochschrecken. Verwirrt, erschrocken und aufgeregt zugleich erhob er sich ruckartig vom Sofa.
„ Ist hier jemand!? “ hörte er eine grelle Frauenstimme rufen.
„ Hallo!!? “ eine Männerstimme.
„ Wer ist da!? “ rief er zurück und zog sich hastig die beige Bundfaltenhose an.
Bevor er sich versah, standen eine Frau und ein Mann im Wohnzimmer und starrten ihn entsetzt und ungläubig an.
„ Was tun sie hier? “ fragte die Frau aufgebracht.
„ Ich wohne hier. “ sagte Keanu und strich sich das wirre Haar aus dem Gesicht.
„ Sie…“ der Mann kam mit zusammengekniffenen Augen auf ihn zu „…sie sind doch! “ er zeigte mit dem Finger auf Keanu.
„ Ja genau!!! “ kreischte die Frau.
„ Ihr Bild ging um die Welt! Sie sind Keanu Reeves! “ der Mann schüttelte ihm überglücklich die Hand.
„ Sie leben!!! “ kreischte die Frau.
„ Ja, ich lebe.“ Keanu fuhr sich mit der Hand durchs Haar „ Ich bin nicht der einzige Überlebende, Lani und ihre Zwillinge sind auch hier. “
„ Oh mein Gott, Kinder!? “ rief die Frau aufgeregt.
„ Sie sind hier auf der Insel zur Welt gekommen.“ Keanu lächelte „ Es war das grösste Wunder das ich erlebt habe.“
„ Meine Güte.“ der Mann sah ihn gerührt an.“ Gut das sie das Haus fanden.“
Als hätte Cindy es geahnt, stand sie schon Reisebereit auf der Treppe mit ihren Zwillingen. Tränen glitzerten in ihren Augen, als sie unsicher die Stufen hinunter kam, die Zwillinge eingewickelt in ihren Armen.
„ Lani!“ rief Keanu „ Wir haben Besuch.“
Die beiden Fremden wandten sich ihr zu und bombardierten sie mit Fragen, während sie die beiden Wonneproppen betrachteten.
„ Das ist unglaublich! “ sagte die Frau seufzend und sah sich die Babys an. „ Das sie überlebt haben.“
„ Gab es weitere Überlebende?“ fragte Keanu und eine Gänsehaut überlief ihn dabei.
„ Ja es gab einige.“ der Mann räusperte sich etwas verlegen „ Aber sehr viele starben bei dem Absturz.“
Keanu senkte sofort den Blick. „ Dachte ich mir.“
„ Wir werden sie jetzt am besten zurückbringen und die Polizei benachrichtigen.“ der Mann ging zur Türe und kramte sein Handy hervor. „ Sie wollen sicher endlich nach Hause.“
Keanu seufzte tief als er Lanis ängstliches Gesicht sah und legte einen Arm um sie.
„ Keine Angst.“ er küsste sie sanft auf die Stirn. „ Warten sie! “ sagte er dann hastig und Cindy sah ihn erstaunt an.
„ Ja? “ fragte der Mann verdutzt.
„ Lani…“ Keanu räusperte sich „…sie hat ihr Gedächtnis bei dem Absturz verloren.“
Die Frau und der Mann sahen sich schockiert an. „ Oh.“ meinten sie gleichzeitig, sie wussten nicht wie sie reagieren sollten.
„ Ich weiss nicht mehr wie ich heisse und woher ich komme.“ murmelte Cindy leise.
„ Man kann ihnen sicher helfen.“ meinte der Mann und fuhr mit der Hand über seinen sauber geschnittenen Bart. Sein Blick ruhte besorgt in Lanis grossen, blauen Augen.
„ Ihre Verwandte werden sie erkennen, das wird ihnen sicher helfen.“ die grosse, schlanke Frau tätschelte Cindys Hand beschwichtigend.
Cindy nickte nur und drückte ihre Zwillinge fest an sich.
„ Es wird alles gut werden.“ Keanu sah sie kopfnickend an und sein Blick erinnerte Cindy an den Blick, den er ihr gab, kurz bevor das Flugzeug abstürzte.
Schon einmal hatte er Recht behalten, sie hoffte, es würde auch jetzt so sein.
„ Ja, das wird es.“ sagte sie dann tapfer und nahm einen tiefen Atemzug.
Sie sahen sich alle an, als wäre das nun der letzte Countdown.
„ Gut, dann rufe ich nun die Polizei an.“ sagte der elegant gekleidete Mann und tippte die Nummer ein.

Es ging alles Schlag auf Schlag und Keanu kam sich vor wie in einem seiner Filme. Es wirkte alles so Unreal, wie in einem Traum oder einem Aktionthriller. Erlebte er all dies tatsächlich!?
Der Helikopter landete am Strand, sie stiegen hastig ein, wurden sofort Befragt, Untersucht und zum nächsten Flughafen gebracht, wo schon ein Streifenwagen wartete um sie ins Flughafengebäude zu fahren.
Es war ein winziger Flughafen auf einer der ozeanischen kleinen Inseln, doch das war genau richtig, denn die Babys schrien durchgehend und Cindy konnte sie kaum mehr beruhigen, geschweige davon sich selbst!
Keanu war ihr Helfer in dieser Not und nahm ihr die Kinder eine Weile ab. Seine ruhige, beschützende Art und die tiefe, sanfte Stimme liessen die Zwillinge endlich wieder etwas ruhiger werden.
Erst nach Stunden startete ein kleiner Jet, mit dem Keanu, Cindy und die Zwillinge zurück nach Los Angeles flogen konnten.
Die Babys waren so erschöpft von dem ungewohnten Trubel, dass sie sofort nach dem Start einschliefen, sogar in halb sitzender Position. Cindy streichelte ihnen besorgt über die zarten Wangen. Dieser Lärm, der Stress und die vielen Menschen setzte ihren Kinder völlig zu. Das Personal kümmerte sich jedoch rührend um alle. Sie betteten die Babys in warme kuschelige Wolldecken ein, brachten Cindy sogar einen Shoppen mit Kamillentee für die Kleinen und fragten immer wieder nach ihrem Wohlbefinden.
Keanu und Cindy genossen eine warme Mahlzeit und einen Orangensaft und versuchten sich auch etwas zu Entspannen.
Erst nach einiger Zeit, wagte sich eine Stewardess, Keanu um ein Autogramm zu bitten.
„ Ich weiss es ist ein sehr schlechter Zeitpunkt Mister Reeves. Ich hoffe sie sind mir nicht Böse wenn ich sie um ein Autogramm bitten …“ stotterte sie „ …aber ich…ich bin so froh das sie am Leben sind! “ Tränen traten in ihre Augen, als sie ihm ein Blöckchen und einen Stift hinhielt.
Hundert verschiedene Gefühle kamen in ihm hoch, die junge Dame wusste gar nicht welches Chaos sie in ihm auslöste.
„ Bitte…“ er sah sie flehend an „…lassen sie mich in Ruhe.“ er schüttelte den Kopf, er konnte einfach nicht anders reagieren.
Verlegen und hoch Errötet zog sie sich zurück und eilte davon.
„ Was war denn das? “ fragte Cindy nach einer Weile.
Er zuckte müde die Schultern. „ Wären wir doch auf der Insel geblieben.“
„ Wie meinst du das?“ sie sah ihn verwundert an.
„ Ach Lani…“ er seufzte „ mein Leben ist alles andere als Entspannend.“
„ Du bist eine berühmte Persönlichkeit? “ sie sah ihn lächelnd an.
„ Ich bin nur ein Schauspieler, einer aus tausenden.“ er fühlte sich Elend.
Sie sah ihn forschend an. „ Du kannst nicht einer aus tausenden sein, sonst würde man dich nicht wie einen Star behandeln“ sie kniff die Augen zusammen „ darum bist du in der Businessklasse geflogen!?“
Er wälzte sich unbehaglich auf dem Stuhl hin und her und mied es ihr in die Augen zu schauen.
„ Gib mir eine Antwort bitte.“ sie bohrte weiter.
„ Was soll ich dir sagen Lani?“ er zuckte hilflos die Schulter.
„ Wer du bist. „ sie wuschelte aufgeregt an ihren Haaren „ Ich will es wissen, damit ich wenigstens etwas mehr weiss, in meinem leeren Hirn.“
Er sah sie entsetzt an. „ Sprich nicht so abschätzig von dir! “
„ Nun? “ sie ging gar nicht auf ihn ein, sondern verlangte nach einer Antwort.
„ O.k., o.k.…“ er begann etwas wiederstrebend zu sprechen “…ich bin ein weltberühmter Schauspieler und ich verdiene etliche Millionen.“
Jetzt musste Cindy grinsen.“ Du nimmst mich auf den Arm? “ flüsterte sie und zwickte ihn spielerisch in den Arm.
Keanu musste laut lachen. „ Ich bin so froh das du mir nicht glaubst! "es hörte sich fast verzweifelt an.
Cindy sah verwirrt zu ihm auf. „ Was ist los Keanu? “
Er brauchte eine Weile um sich zu Erholen und wischte sich hastig eine Träne aus dem Auge. „ Du glaubst gar nicht wie schlimm es sein kann Berühmt und Wohlhabend zu sein.“ er sah sie ernst an „ Du Lani, bist einer der wenigen Frauen in meinem Leben, die mich nur als Mensch kennen und nicht als Superstar. Ich bin mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich mein altes Leben wieder zurückhaben will! “
Sie stutzte einen Augenblick und sah ihm in die Augen. Es schien tatsächlich wahr zu sein, was er da sagte. „ Reichtum kann die Hölle sein.“ dieser Satz kam tief aus ihrem Innern und sie wusste plötzlich, dass ihre Mutter ihr diesen Satz oft gesagt hatte.
Er sah sie nickend an. „ So ist es.“ er strich über seinen Dreitagebart. " Jedenfalls was das Berühmt sein betrifft. Ich kann nicht einmal in Ruhe aus meinem Haus gehen..."
„ Ich kann mich an meine Mutter erinnern!“ Cindy sah ihn strahlend an, sie konnte Keanus Worte jetzt keine Aufmerksamkeit schenken,
„ Wow!“ er gab ihr einen leichten Kuss auf die Wange. „ Siehst du, die Erinnerung kommt wieder!“

Sie wussten beide nicht, das ihre Bilder bereits zu diesem Zeitpunkt um die halbe Welt gingen und die Presse ein riesen Wirbel um die beiden Vermissten machten. Der Flughafen in Los Angeles füllte sich von Stunde zu Stunde von Reportern, Fans und Schaulustigen, so dass ein ganzer Bereich von Polizisten abgesichert werden musste.
Auch ein Nothelferteam und die engsten Verwandten wurden benachrichtigt, damit sie ihre Liebsten direkt beim Flugzeug empfangen konnten.
Bei Keanu stellte sich dies als eine schwere Sache heraus, denn die meisten seiner Verwandten hatten keine öffentlichen Telefonnummern. Auch bei Cindy war das keine leichte Aufgabe, denn ihre Mutter befand sich zurzeit in Europa.
Durch den Pressewirbel jedoch, meldeten sich einige Angehörige beim Los Angeles Police Department von selbst und waren völlig aufgelöst von Freude.
Keanus Mutter setzte sich sofort ins Auto und raste mit ihrem Mann dem Heighway entgegen. Sogar sein Vater, den er seit Jahren nicht mehr sehen wollte, flog von Hawaii nach Los Angeles. Seine Schwester Kim, setzte sich in Italien in den nächst besten Flug, auch wenn sie dreimal Umsteigen musste, sie wollte ihren Bruder in die Arme nehmen können. Und noch jemand fuhr mit dem Taxi schnellstens an den Flughafen. Es war Anita, die ihr Glück kaum fassen konnte. Ihre grosse Liebe lebte noch und endlich konnte sie ihn wieder in ihre Arme schliessen!
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pearl71
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Beitrag Verfasst am: 15.03.2010, 11:53    Titel:   

KAPITEL 9

Cindy konnte sich einfach nicht entspannen. Tausend Dinge gingen ihr durch den Kopf. Sie hatte keine Ahnung wie ihr Leben mit ihren Kindern nun weitergehen sollte.
Wer würde sie erwarten am Flughafen von L.A.? Wie sah L.A. überhaupt aus? Wo wohnte sie und welchen Beruf übte sie überhaupt aus?
Doch am meisten Angst machte ihr die Frage: Wer war eigentlich der Vater ihrer Kinder?
Keanu ging es sehr ähnlich und obwohl er die Augen geschlossen hielt, hatte er grosse Mühe seine kreisenden Gedanken unter Kontrolle zu halten.
Erstaunlicherweise kreisten sie nur um Cindy und die Kinder. Er wollte sie nicht alleine lassen, er wollte sich nicht von ihnen Trennen und sie schon gar nicht verliehren.
Sie waren seine Familie geworden, die er über alles liebte.
Doch was war mit dem leiblichen Vater der Kinder? Keanu hatte kein Anrecht auf die Zwillinge und Lani würde wohl wieder zu ihrem Mann zurückkehren.
Schon wieder verlohr er eine Familie und dieses Gefühl löste einen Ansturm der Verzweiflung in ihm aus. Seine Kehle begann zu brennen und ein dicker Kloss bildete sich im Hals.

Als das Flugzeug langsam seinen Senkflug zur Landung begann, konnte er seine Tränen kaum mehr zurückhalten.
“ Weisst du, warum ich diese Nacht nicht bei dir schlafen wollte?” begann er plötzlich mit bebender Stimme.
Cindy sah ihn erstaunt an. Wie um Himmels Willen kam er denn plötzlich auf dieser Thema zurück?
“ Nein, ich weiss es nicht.” sagte sie leise und öffnete die Augen. Als sie sein verwirrtes Gesicht sah spührte sie einen heftigen stich in ihrem Herzen.
Sanft strich er ihr über die rosigen Wangen. Dann nahm er ihr hübsches Gesicht in seine warmen, grossen Hände und sah ihr tief in die Augen.” Weil ich…”
“ Entschuldigen sie…” die Stuardess lächelte freundlich, doch Keanu und Cindy sahen sie bestrafend an. Musste sie ausgerechnet in diesem Moment stören!?!
Er seufzte laut. “ Ja?”
“ Kann ich noch etwas für sie tun? Wir landen in zwanzig Minuten.” sie sah die beiden fürsorglich an.
Keanu und Cindy schüttelten den Kopf.” Nein danke, sehr freundlich von ihnen.”
“ Warum also?” fragte Cindy dann und lächelte ihn dabei so süss an, das sein Herzschlag sich sofort beschleunigte.
“ Weil ich die Finger sonst nicht mehr von dir lassen kann.” er blinzelte ein wenig, doch seine Augen ruhten Ernst in ihren.
Eine leichte röte überzog Cindys Gesicht. “ Oh…” hauchte sie nur.
“ Ich wollte dich nicht belästigen, also hielt ich es für klüger mich zurück zu ziehen.” er räusperte sich unsicher.
Sie wollte etwas erwiedern, doch sie Lautsprecherdurchsage hielt sie davon ab.
Sie mussten sich anschnallen, die Landung begann definitiv und somit auch das Ende ihrer gemeinsamen Zeit…
Cindys Herz schlug immer schneller und ihre Hände begannen nervös zu schwitzen. Ihr Hals war trocken und es wurde ihr schrecklich flau im Magen. Sie hasste dieses Gefühl als der Flieger auf die Rollbahn zu steuerte und mit einem starken Ruck auf dem Boden aufzetzte. Sie konnte sich an ihre Flugangst nicht mehr erinnern, aber auch jetzt machte ihr dieser Schwebezustand sehr zu schaffen.
Zudem kam die Nervosität der unbekannten Welt da draussen noch dazu und sie konnte ihre Tränen kaum verbergen.
Keanu nahm ihre Hand in seine ohne sie anzusehen. Er musste sich mental auf den Moment dieser Welle von Menschen vorbereiten. Er ahnte schon, dass der Flughafen voller Reporter sein würde und das er wohl die nächsten Wochen nicht ohne Bodyguard aus dem Haus gehen konnte. Ein widerliches Gefühl stieg in ihm hoch.
Gleichzeitig freute er sich auf seine Familie, die ihn sicher schon erwartete.

Sie durften als erste aus dem Flugzeug aussteigen.
Heisse, nach Kerosien stinkende Luft schlug ihnen beim öffnen der Lucke entgegen. Keanu hielt die Kinder fest an sich gedrückt und sah Lani kopfnickend an.
“ Jetzt gibts kein zurück mehr.”
Tränen schossen ihr in die Augen, die Glieder begannen zu schlottern und ihre Zähne klapperten beinah aufeinander. Sie hatte panische Angst!
“ Ich glaube ich Falle in Ohnmacht…” murmelte sie, als bitteres Wasser in ihrem Mund zusammenlief und die Umgebung zu schwanken began.
Keanu sah sie erschrocken an und hielt sie sofort fest. “ Ich helfe dir!”
Sie sackte beinah zusammen und Kenau versuchte verzweifelt seine kleine Familie in seinen Armen festzuhalten, als endlich ein Helfer die Treppe hinaufgerannt kam.
“ Geht es ihnen nicht gut!?” rief der junge Mann und stützte Lani von der Seite.
« Ich… » murmelte sie und sackte dann wie eine leblose Puppe zusammen.
Blitzlichtgewitter und laute rufe der Reporter drangen ihnen entgegen und selbst Keanu wurde es beinah schlecht, als er die hysterische Menschenmenge sah. War es denn wirklich nötig gewesen, die Reporter so nahe heran zu lassen? Meine Güte, hatten denn die Menschen keinen Respekt mehr voreinander?
Die Babys schrien laut und panisch, als weitere Helfer die Treppe hinaufeilten, um die ohnmächtige Mutter und ihre Kinder in den Krankenwagen zu bringen.
Keanu überliess sie ihnen nur widerwillig und wollte schnellstmöglich mit Lani und den Babys wegfahren, doch eine Stimme hielt ihn auf einzusteigen.
“ Keanu!!!” aus tausend Stimmen würde er ihre erkennen “ Keanu!!!”
Verwirrt drehte er den Kopf und sah seiner Mutter entgegen die mit offen Armen auf ihn zukam und ihn überglücklich in die Arme schloss!
Mann konnte bei dem Lärm und den grellen Kameralichtern kaum etwas wahrnehmen und standing hielt ihm jemand ein Mikrifon vors Gesicht. Die Reporter schrien seinen Namen und rangelten um ein Interwiew, doch Keanu starrte verzweifelt auf den davonfahrenden Krankenwagen.
“ Lani!!!” schrie er und wollte dem Wagen nachrennen “ Lani!!!”
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Beitrag Verfasst am: 29.04.2010, 22:48    Titel:   

„ Keanu!!!“ eine geliebte Stimme liess ihn verzweifelt zwischen dem davonfahrenden Krankenwagen und der winkenden Frau hin und her schauen.
„ Keanu!“ rief sie noch einmal, überglücklich strahlte sie ihn an und versuchte sich an den Reportern durchzuzwängen. Das Blitzlichtgewitter und die lauten Schreie der Menschenmenge waren ohrenbetäubend, doch das Gefühl das Keanu innerlich hatte, als er in Anitas tränennasse Augen sah, lähmte ihn geradezu. Es war, als stände er völlig neben sich. Er konnte nicht lachen, nicht reagieren, sich nicht bewegen und das schlimmste, er konnte nicht einmal etwas fühlen!
„ Keanu…“ sagte sie noch einmal und viel ihm erleichtert und zittern um den Hals.
„ Anita.“ stotterte er und schloss sie in die Arme.
Der Boden schien sich zu öffnen unter seinen Füssen und er verlor innerlich total den Halt. Willkommen im Chaos der Gefühle. Willkommen in der realen Welt, dachte er und sog scharf die Luft ein. So musste sich Neo also tatsächlich gefühlt haben, als er aus der Matrix entbunden und in die reale Welt zurückkehrte. Gefeiert wie Held, aber eigentlich absolut schockiert, schoss ih absurderweise durch den Kopf.
Anita schlotterte am ganzen Leib und Tränen rannen wie Wasserfälle über ihre Wangen. „ Ich bin so froh dass du lebst!“ schluchzte sie und küsste ihn sanft.
Er konnte immer noch nichts sagen und plötzliche Übelkeit stieg in ihm hoch. Das waren einfach zu viele Dinge auf einmal!
Seine Mutter und Schwester kamen auch zu ihm und alle hielten sich fest. Es war eine sehr emotionale Situation und alle waren aufgeregt.
„ Lasst uns in den Wagen gehen…“ sagte er dann mit belegter Stimme und strich seiner Schwester die Tränen von der Backe. „ Lasst uns endlich nach Hause gehen.“
Sie drängten sich durch die Menge, während die Wachleute die Menschenmenge in Schach hielten, die immer noch rufend und kreischend ein exklusiv Interview, ein Foto oder ein Autogramm zu erhaschen versuchten. Ständig hielten sie Keanu ein Mikrophon vors Gesicht, zogen an ihm und fuchtelten wie wild mit den Armen, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen.
Keanu blieb wie benommen stehen, als ein Reporter sich durch die Wachleute durchriss und auf ihn zu stürmte.
„ Keanu!“ schrie er und drückte ihm ein riesiges Mikrophon unter die Nase, während der Kameramann beinah vor seine Füsse stolperte. „ Wie geht es di...“ der Reporter konnte den Satz nicht beenden, denn Keanu’s Faust landete mitten in seinem Gesicht. Schmerzerfüllt hielt dieser sich die blutende Nase und sah Keanu schockiert an. War das der richtige Keanu Reeves? Er war doch sonst immer ruhig und gelassen!?
„ Verpiss dich!!!“ schrie Keanu wütend und packte ihm am Hemdkragen „ Hau ab!!!“ aufgebracht schüttelte er den erschrockenen Mann wie eine kleine Handpuppe hin und her.
Die Menge kreischte auf, während ein Polizist und seine Familie ihn versuchten zu beruhigen.
„ Beruhigen sie sich.“ sagte der Polizist eindringlich und packte Keanu's Hand, damit er den Reporter frei gab. „ Ich entferne den Mann.“
Keanu blitzte ihn wütend an, gab ihn dann aber mit einem heftigen Ruck frei. „ Ich hasse euch Scheisser.“
Dann eilte er verstört in die Limousine, die darauf wartete, die Familie und ihn weg zu bringen. Als er sich hineinsetzten wollte, überkam ihn der nächste Schock. Sein Vater sass auf der Rückbank und sah ihn mit Tränen in den Augen an.
„ Mein Sohn…“ flüsterte er leise.
„ Dad!“ Keanu starrte ihn entsetzt an. „ Was tust du hier!!?“ seine Stimme überschlug sich fast.
„ Ich wollte dich sehen.“ er streckte Keanu die Hand entgegen, doch dieser wich zurück und öffnete stattdessen hastig die Beifahrertüre.
Er setzte sich neben den Fahrersitz und vergrub sein Gesicht in den Händen. „ Bringen sie mich nach Hause bitte…“ flüsterte er zum Fahrer.
Seine Mutter, Kim und Anita setzten sich hastig nach Hinten zu Samuel, als der Fahrer schon hupend einen Weg durch die Masse bahnte.
Seine Mutter strich Keanu von hinten sanft übers Haar. „ Es war alles zu viel.“
„ Ich hasse mein Leben.“ meinte er mehr für sich, doch alle konnten es hören. Die Atmosphäre im Wagen war auf einmal sehr angespannt.
„ Sag das nicht.“ sagte seine Mutter aufgebracht.“ Wir sind glücklich das du lebst und du solltest das auch sein!“
Er seufzte. „ Ich hätte aber gerne ein anderes Leben.“
Anita sah ihn mitfühlend an.“ Der Trubel wird sich wieder legen.“
„ Ja, ganz sicher.“ pflichtete Kim ihr zu.
„ Bald ist alles wieder ganz normal.“ sagte die Mutter besänftigend.
Keanu stöhnte innerlich auf. Sie konnten ihn einfach nicht verstehen. Wie auch, sie hatten keine Ahnung was er die vergangenen Monate erlebt hatte!
Sein Blick viel im Rückspiegel auf seinen Vater, der nachdenklich aus dem Fenster sah.
Keanu musterte ihn verstohlen. Er war alt geworden, doch seine Züge wirkten sanfter als früher. Sein grau meliertes Haar trug er wie immer ganz kurz und seine Haut war genauso Sonnengebräunt wie seine eigene.
Als hätte der Vater ihn Gefühlt, sah er in den Rückspiegel und erwiderte den Blick seines Sohnes. „ Ich bin stolz auf dich, aber ich verstehe, dass dieses Leben nicht einfach ist.“
„ Du hast es mir nicht einfacher gemacht.“ sagte Keanu trocken.
„ Doch, das habe ich.“ der Vater nickte bedächtig.
„ Samuel!“ rief die Mutter aufgeregt.“ Lass ihn in Ruhe!“
Keanu ignorierte den Einwand und sah seinen Vater an.“ Ich habe auf dieser Insel zwei Kindern auf diese Welt geholfen, während die Mutter ihr Leben dafür aufs Spiel setzte.“ sein Herz klopfte laut „ Ich hätte sie nie…niemals im Stich gelassen!“
Alle schwiegen, die Luft war schneidend.
Der Vater nickte ruhig.“ Tatsächlich nicht?! “
Das sass wie eine Ohrfeige und Keanu rang kurz nach Luft, während die anderen erschrockene Blicke austauschten.
„ Es reicht, Samuel.“ die Stimme der Mutter klang scharf.
Keanu verzog keine Miene als er den Fahrer anwies am Strassenrand zu halten. Die Limousine hielt mit quietschenden Rädern und Staub wirbelte bis zu den Fenstern hoch. „ Raus!“ sagte er dann ruhig aber bestimmt.
Alle sahen sich verdutzt an, doch sein Vater wusste genau, dass er ihn meinte. Er nickte seufzend und öffnete die Tür.
„ Man kann vielleicht nicht vergessen Keanu, doch man kann verzeihen.“ sagte er leise und stieg aus.
Keanu schoss die Farbe ins Gesicht und sein Puls raste augenblicklich, als er die Autotür aufriss und ausstieg.
Sein Vater wich angesichts seines wütenden Sohnes sofort zurück, doch er wich nicht seinem Blick aus.
„ Du…“ zischte Keanu zwischen den Zähnen „…hattest wenigsten die Chance dazu um Verzeihung zu bitten!!!“ er ballte die Fäuste.
„ Ja, die hatte ich.“ sein Vater zog tief die Luft ein.
„ Warum hast du es denn noch nicht getan!!?“ schrie Keanu ihn an.
Sein Vater sah ihn offen an, doch seine zitternden Lippen verrieten seinen inneren Aufruhr.
„ Warum nicht!!?“ schrie Keanu wieder.
„ Aber das habe ich doch!!!“ rief sein Vater zurück und Tränen glänzten in seinen Augen.“ Aber du wolltest es nicht hören!“
Keanu schnappte nach Luft.“ Ich war noch ein Kind!“
Samuel schloss die Augen und senkte den Blick.“ Ich war kein guter Vater, das weiss ich.“
Keanu schüttelte den Kopf und verwarf die Hände. „ Was stehe ich hier überhaupt !?!“ er setzte sich wieder ins Auto und knallte die Türe zu. „ Fahren sie weiter.“
Der Fahrer schien einen Moment zu zögern, während die anderen ihn fassungslos anstarrten.
„ Aber du kannst deinen Vater doch nicht einfach stehen lassen.“ meinte Anita zögerlich.
„ Doch, das kann ich.“ Keanu hob trotzig den Kopf.“ Fahren sie endlich los!“
Die restliche Fahrt schien eine halbe Ewigkeit zu dauern und sie verlief ziemlich schweigsam. Keanu war erschöpft und er war in Gedanken vertieft. Sein Vater hatte ihn aufgewühlt und er war wütend, dass er auf Jennifer anspielte. Keanu hatte Jennifer nicht schwanger im Stich gelassen. Jeniffer hatte sich von ihm getrennt, nicht er von ihr. Als er damals die Rolle als Neo bekommen hatte, ging die Beziehung mit Jeniffer immer mehr in die Brüche. Jennifer setzte Keanu damals sehr unter Druck und er fühlte sich zwischen Beruf und Familie hin und her gezogen, aber er wollte sie nicht verlassen!
Er schloss die Augen und versuchte sich innerlich zu beruhigen. Er dachte an die Insel, an Lani und an die Babys, als er plötzlich erstarrte.
„ Fahren sie ins Krankenhaus.“ wies er den Fahrer an hastig an.
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