Schicksalhafte Begegnung (The Unexpected)
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Mohri
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Beitrag Verfasst am: 23.10.2012, 20:49    Titel: Schicksalhafte Begegnung (The Unexpected) Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 1

„Wo bleibst du nur?“, fragte sich Ceridwen leise und sah zum gefühlten hundertsten Mal auf ihre Uhr. Gleich darauf beobachtete sie die breite Schwingtür, die sich gerade öffnete. Ein hochgewachsener, dunkelhaariger Mann, dessen Gesicht ein schwarzer, flusiger Vollbart zierte, trat ein. Gleich hinter ihm huschte eine ebenfalls dunkelhaarige Frau hinein, die sofort im Theaterinneren verschwand. Beide waren für Ceridwen nicht von Interesse. Daher schenkte sie ihnen keine weitere Beachtung. Stattdessen öffnete sie ihre kleine Handtasche und holte ihr Handy heraus, um zu überprüfen, ob Niall eventuell versucht hatte sie anzurufen. Das hatte er nicht, doch immerhin zeigte das Handy den Eingang einer SMS an.
„Schreib jetzt nicht, dass du nicht kommst“, murmelte Ceridwen und öffnete die Kurznachricht. Bin gleich da, erschien im Display, abgeschickt vor 7 Minuten. Ceridwen ging auf Antwort und schrieb: In 5 Minuten geht es los! Gereizt sah sie sich um. Die Eingangshalle des Theaters war wenig einladend. Kahle Betonsäulen durchbrachen den kühl wirkenden Raum und Deckenstrahler tauchten ihn in diffuses Licht. Das war allerdings auch notwendig, denn von außen konnten sich kaum Sonnenstrahlen durch die großen Fenster kämpfen, unabhängig davon, dass die Sonne bereits untergegangen war. Die breiten, quadratischen Glasscheiben waren vielleicht schon beim Bau des Gebäudes verdunkelt worden. Zudem hatte sie jemand mit Informationsplakaten zum momentanen Spielplan und kommenden Vorstellungen beklebt. Ceridwen wendete sich nach rechts und sah zur weitläufigen Theke in Hufeisenform, auf der sich kleine Getränkeflaschen und Gläser aneinander reihten. Sollte sie sich noch einen Orangensaft gönnen? Die buchefarbenen Holztische, mit den nüchternen, schon in die Jahre gekommenen und mit rotem Samtstoff bezogenen Stühle, die sich um die Tische gruppierten, wirkten wenig einladend auf sie. Hoffentlich waren die Sitze im Vorführungsraum gepolstert, dachte sie sich. Sollte das Stück langatmig und wenig unterhaltsam sein, könnte einem schnell der Hintern weh tun, wenn man gezwungen war auf unbequemen Stühlen zu sitzen. Sie entschied sich gegen den Orangensaft und blieb in der Nähe des Einganges stehen, wo sie ungeduldig ihr Gewicht von einem Bein auf das andere verlagerte.

Nur ein paar Schritte von ihr entfernt atmete der Mann mit dem schwarzen Zottelbart auf. Er war der Meute draußen entkommen und stand nun immerhin im Foyer des Theaters. Seine Schwester Karina war schnell noch einmal auf die Toilette gegangen, bevor die Vorstellung begann. Etwas verloren fühlte er sich ohne seine Begleitung in der großen Halle. Sein Blick fiel auf seine ausgetretenen braunen Lederschuhe, deren Spitze einen dunkel verfärbten Rand aufwies. Irgendwann mussten die Schuhe an der Stelle großer Feuchtigkeit ausgesetzt worden sein. Bestimmt waren sie nicht passend für einen Theaterbesuch. Doch das war ihm gleichgültig. Er liebte sie. Inzwischen waren sie sogar schon zu seinem Markenzeichen geworden. Außerdem hatte er nicht - wie er es gerne getan hätte - seine verwaschene Lieblingsjeans angezogen, sondern einen schwarzen Anzug mit indigoblauem Hemd darunter. Die Schuhe waren also ein guter Kompromiss. Und seine Schwester hatte es ohnehin aufgegeben sich über die Treter zu beschweren.
„Dürfte ich ein Autogramm haben?“, wurde er von einer schüchternen, hohen Stimme, die ihn an einen piepsenden Vogel erinnerte, aus seiner Betrachtung gerissen. Vor ihm stand eine rundliche Frau, die ihm bei seiner Größe von 1,85 m gerade so bis zur Schulter reichte. Mit einem freundlichen Lächeln auf seinen fein geschwungenen Lippen nickte er und nahm geduldig den Stift entgegen, den die Dame ihm reichte. Vergeblich versuchte er die Mine ihres Kugelschreibers heraus zu drücken. So fest er auch den kleinen Knopf am Ende des Schreibgeräts drückte, er wollte einfach nicht nachgeben. So versuchte er durch Schütteln des Kugelschreibers die Verklemmung zu lösen und schlug den Stift anschließend sogar in seine Handfläche. Nichts tat sich.
„Scheint kaputt zu sein“, teilte er der jungen Frau vor sich mit und sah sie bedauernd an. Ihr eben noch strahlendes Lächeln in ihrem runden, von braunen Locken umrahmten Gesicht erlosch.
„Wirklich?“, fragte sie ungläubig und enttäuscht.
„Vielleicht hat sich nur die Feder verklemmt“, überlegte Keanu laut und hielt ihr den Zettel, auf den er unterschreiben sollte, zum Halten entgegen. Ein wenig von der jungen Frau abgewandt, schraubte Keanu den Stift auf. Er schüttelte die Mine mitsamt Feder heraus, ließ erst die Stiftfeder zurück in die Kugelschreiberhülle gleiten und machte sich anschließend daran das dünne Farbröhrchen hinterher zu schieben. Falsch herum. Das stellte er fest als er gerade den Stift zuschrauben wollte und das Röhrchen in hohem Bogen davon flog.

„Au“, fluchte Ceridwen erschrocken und fasste sich reflexartig an die Brust, wo sie einen leichten, stechenden Schmerz verspürte. Sie schielte auf ihre cremeweiße Bluse und bemerkte einen winzigen blauen Punkt an ihrem Brustansatz. Auf der Suche nach der Ursache für diesen Fleck und den Schmerz, erspähte sie vor ihren Füßen eine Stiftmine. Mit gerunzelter Stirn sah sie sich nach dem Übeltäter um, der für diesen Angriff verantwortlich war. Da sah sie den dunkelhaarigen – für ihre Begriffe – ungepflegten Rübezahl mit einem zerlegten Kugelschreiber in der Hand nur ein paar Schritte von ihr entfernt stehen. Ihre Blicke trafen sich.
„Ich hoffe, dass war ein Versehen“, sprach sie ihn verärgert an. Der Mann blinzelte verwirrt, als wüsste er nicht, wovon sie sprach.
„Ihr Spielzeug hat mich hier getroffen und einen Fleck hinterlassen“, erläuterte Cerdiwen ihre Äußerung und zeigte auf ihre Brust. Von ihren schlanken Fingern angezogen, richteten sich die dunkel schimmernden Augen des Mannes auf die Stelle, die Ceridwen anzeigte. Der Fleck war gerade einmal stecknadelkopfgroß, so dass er ihn wahrscheinlich von seiner Position aus nicht erkennen konnte.
„Oh, das tut mir leid. Natürlich war das ein Versehen“, sagte er hastig und errötete.
„Gut so. Den Fleck bekomme ich nämlich sicher nicht so einfach aus der Seide gewaschen“, schimpfte Ceridwen ungnädig mit ihm.
„Ich ähm… Ich könnte für die Reinigung aufkommen“, stammelte er.
„Das könnten Sie mit Sicherheit“, gab sie zurück. „Aber es ist nicht nötig“, setzte sie nach und wendete sich von ihm ab. Just in diesem Moment öffnete sich zum vielleicht hundertsten Mal die Eingangstür. Ein großer, schlaksiger Mann, mit karottenroten, in alle Richtungen abstehenden Haaren, trat ein und zog Ceridwens Aufmerksamkeit auf sich. „Endlich!“, rief sie erleichtert aus und war mit wenigen Schritten bei dem Neuankömmling angelangt, der sie fest in seine Arme zog.
„Wieso nur schaffst du es nicht ein einziges Mal pünktlich zu sein, Niall“, beschwerte sich Ceridwen bei ihrem Bruder.
„Meine Haare wollten nicht wie ich will“, brachte er als Entschuldigung hervor.
Ceridwen seufzte. „Sie wollen nie wie du willst. Das ist eine lahme Ausrede.“ Bevor sie noch weiter mit ihrem Bruder diskutieren konnte, ertönte der erste Gong, der die Besucher des Theaters aufforderte, bald ihre Plätze einzunehmen.
„Komm jetzt“, drängelte Ceridwen, hakte sich bei Niall ein und führte ihn zum Vorführungssaal.
„Ich bin doch noch rechtzeitig gekommen“, meinte Niall ungerührt und folgte seiner Schwester in den Vorstellungsraum. In ihrer Reihe saßen schon einige Zuschauer, die sich von ihren Stühlen erheben mussten, damit die beiden zu ihrem Platz gelangen konnten. Kaum hatten sie sich gesetzt, wurden auch sie wieder aufgescheucht, weil sich ein weiteres Paar setzen wollte. Der Minenwerfer ließ sich neben Ceridwen nieder. Sie betrachtete ihn verstohlen und plötzlich traf sie die Erkenntnis. Sie kannte den Mann. Nicht persönlich zwar, aber von der Leinwand. Neben ihr saß Keanu Reeves. Falls ihn der seltsam struppige Bart, kombiniert mit den halblangen etwas wirren Haaren unkenntlich machen sollte, hatte er Pech gehabt. Sie zumindest war seiner Verkleidung auf die Schliche gekommen. Ceridwen schenkte ihm einen belustigten Blick, als sie hörte, wie er seiner Schwester erklärte Selbstgespräche zu führen, nachdem er sich kurz vorher leise selbst zu seinem Glückstag gratuliert hatte. Viel Zeit blieb ihr nicht mehr Keanu zu betrachten, denn schon wurde das Licht stark gedimmt und das Theaterstück begann.
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:02    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Ceridwen fragte sich, wie das wohl für einen Schauspieler ist in einem Theater zu sitzen und anderen bei der Ausführung eines Berufes zuzusehen den er selbst ausübt. Ob er sich auf das Stück insgesamt konzentrieren konnte? Oder würde er auf kleine Details achten, wie z.B. ob zu schnell oder zu langsam, zu laut oder zu leise gesprochen würde? Würde er darauf achten, ob die Körpersprache auch zu dem Gesagten passte? Würde er sich vielleicht danach sehnen selbst auf der Bühne zu stehen? Oder würde er sich einfach schrecklich langweilen, wie dieser Schauspieler neben ihr? Denn es sah so aus als würde er schlafen. Er hatte die Arme verschränkt, die Beine leicht gespreizt. Seinen Kopf hielt er nach vorne gebeugt. Sie konnte nicht richtig erkennen, ob er die Augen geschlossen hatte. Aber sie könnte schwören, er schnarchte leise. Sie beugte sich leicht nach vorne um einen Blick auf seine Begleitung zu erhaschen. Diese saß ungerührt neben ihm und verfolgte das Geschehen auf der Bühne. Hut ab vor dieser Frau. Sie würde sich furchtbar aufregen, würde ihr Freund neben ihr schlafen, wenn sie zusammen ins Theater gingen. Aber da der Mann neben ihr nicht ihr Freund war, fand sie es sogar recht lustig. „Keanu Reeves sitzt neben mir. Und er schläft“, stieß sie ihren Bruder an. „Wirklich?“, fragte der. „Wirklich was?“, fragte Ceridwen nach. „Keanu Reeves schläft neben dir?“, lachte ihr Bruder leise. „Blödmann“, musste auch sie leise lachen. Plötzlich wurde sie von Keanu angesprochen. „Könnten Sie ein bisschen leiser sein? Ich versuche hier ...“ „…zu schlafen?“, ergänzte Ceridwen sogleich frech. „Ich versuche hier etwas von dem Stück mitzukriegen“, verbesserte Keanu sie mit leichtem Verdruss in der Stimme. „Entschuldigung“, flüsterte sie schnell, faltete ihre Hände im Schoß und starrte auf die Bühne. Sie versuchte sich auf das Stück zu konzentrieren, was ihr aber nicht so richtig gelingen wollte. Denn dieser Mann schnarchte doch tatsächlich schon wieder leise vor sich hin! Doch dieses Mal bemerkte sie, wie seine Freundin ihn an stupste und er aufschreckte. Keanu Reeves schlief im Theater! Das löste in ihr einen leichten Lachanfall aus, den sie mit vorgetäuschtem Husten zu verdecken versuchte. Doch aus dem gekünstelten Husten wurde ein echter und wuchs sich zu einem heftigen Hustenanfall aus. Niall klopfte ihr wie wild auf dem Rücken herum, was natürlich überhaupt nicht half. Sie hatte sich schließlich nicht verschluckt. Doch immerhin war nun Keanu neben ihr wieder richtig wach. „Sie sollten raus gehen“, schlug er ihr ernsthaft vor. „Klappe“, hätte sie am liebsten unflätig geantwortet, wenn sie nur hätte sprechen können. Ja, sie musste raus. Wie unangenehm. Sie stand auf und scheuchte die Leute in ihrer Reihe auf, als sie versuchte nach draußen zu gelangen. Leise Beschwerderufe folgten ihr, genauso wie ihr Bruder.
Keanu sah dieser Frau und ihrem Begleiter nach. Ein Anflug schlechten Gewissens bemächtigte sich seiner. Es war nicht sehr freundlich von ihm gewesen sie darauf hinzuweisen, dass sie besser den Saal verlassen sollte. Aber es klang nicht so, als wollte sich ihr Husten so schnell beruhigen. Eigentlich sollte er ihr dankbar sein. Denn jetzt war er wenigstens wieder einigermaßen wach. Er hatte einen anstrengenden Tag hinter sich, war gerade einmal eine Stunde zu Hause gewesen und musste dann sofort wieder los um seine Schwester Karina fürs Theater abzuholen. Er hatte es ihr versprochen, obwohl er sehr viel lieber ins Bett gegangen wäre und geschlafen hätte. Doch er meinte, er würde schon durchhalten. Offenbar hatte er sich da getäuscht. Mit einem letzten Blick zur Tür aus der die hübsche Dame verschwunden war, sah er zur Bühne.
Ceridwens Husten hatte sich endlich beruhigt. Sie trank noch ein Schluck Wasser und stellte das Glas auf der Theke ab. „Puh, es geht endlich wieder“, seufzte sie und sah ihren Bruder an. „Du weißt schon, dass wir jetzt nicht einfach wieder so zurück können? Wir werden bis zur Pause warten müssen“, meinte dieser mit einem kleinen, belustigten Lächeln. „Ach Unsinn. Natürlich gehen wir zurück. Ich habe meinen ganzen Charme spielen lassen müssen, um diese Karten zu bekommen. Ich werde jetzt nicht die Hälfte des Stückes einfach so vergehen lassen“, entgegnete sie fest und marschierte schon in Richtung der Tür, aus der sie gerade erst gestürzt war. „Sie werden dir da drin den Kopf abreißen, Ceri“, warnte Niall sie. Doch sie zuckte nur mit den Schultern und war so schnell durch die Tür verschwunden, dass die Saalordnerin sie nicht mehr rechtzeitig erwischte. Niall folgte ihr grinsend.
Wie erwartet waren die Besucher ausgesprochen ungehalten darüber, dass sie nun schon wieder mitten in der Vorstellung aufstehen mussten, um Ceridwen und Niall zu ihren Plätzen durchzulassen. Kaum hatten sie sich gesetzt, fragte Keanu sie „Geht es wieder?“ Sie nickte nur und versuchte endlich in das Geschehen auf der Bühne einzutauchen. Nach einiger Zeit gelang ihr das auch. Trotzdem war sie glücklich über die Pause. Ihre Blase drückte und sie konnte nicht schnell genug aus dem Saal zur Toilette kommen.
Keanu ging mit seiner Schwester zum Getränkeausschank. Er spürte neugierige Blicke. Immer wieder wurde er angesprochen. Wie ihm das Stück gefiel, wollte ein Mann wissen. Ob er auch schon einmal auf der Bühne stand, nicht nur hinter der Kamera, fragte eine Frau. Das lief alles in einem überschaubaren Rahmen ab. Freundlich gab er Antwort und gab hie und da auch ein Autogramm. Dann sah er seine Sitznachbarin wieder. Sie ging mit schnellen Schritten zu ihrem Begleiter an dessen Schulter sie kurz ihren Kopf lehnte, bevor sie das Glas Sekt entgegen nahm, das er ihr hin hielt. Wie zufällig schlenderte Keanu in ihre Richtung, bis er vor ihr stand. „Es tut mir leid, dass ich sie etwas grob darauf hinwies besser den Saal zu verlassen“, sprach er sie an. Ihr Blick traf den Seinen. Erstaunt stellte er fest, dass er noch niemals eine solche Augenfarbe gesehen hatte. Türkis? Konnte es das geben? Sie waren grün aber auch irgendwie blau. Oder waren sie blau und irgendwie auch grün? Türkis, ja, das traf es am ehesten. Als sie nichts sagte fühlte er sich bemüßigt weiterzusprechen. „Es ist nur… Man hört auf der Bühne alles. Normalerweise sollte das einen Schauspieler nicht aus der…“ Weiter kam er nicht, denn sie sagte in einem kühlen Ton. „Schon gut. Sie müssen sich nicht erklären.“ Er streckte ihr seine Hand entgegen. „Keanu“, stellte er sich nur mit seinem Vornamen vor. Der erste Gong ertönte. „Ah, weiter geht’s“, rief Ceridwen und ergriff Keanus Hand um sie kurz zu drücken. „Freut mich“, meinte sie und zog ihren Begleiter gleich darauf zum Vorführungsraum zurück. Verblüfft blieb Keanu zurück. Er schüttelte leicht den Kopf und sagte leise zu sich selbst „Na, dann eben nicht.“ „Sprichst du schon wieder mit dir selbst? Langsam mache ich mir Sorgen“, hörte er seine Schwester neben sich. Er lachte leise und nahm ihre Hand. „Weiter geht’s“, zitierte er diese junge, offenbar unnahbare Frau.
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:03    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 2

„Danke, dass du eingesprungen bist“, bedankte sich Ceridwen nun schon zum dritten Mal bei ihrem Bruder als sie nach dem Theater noch einen Cocktail trinken gegangen waren. „Sieh mal, der hat einen wahrhaft hübschen Hintern“, ging ihr Bruder nicht auf ihr Gesagtes ein.
„Niall. Sieh mich an“, forderte Ceridwen ihn auf. „Du vermisst ihn doch schrecklich. Ruf ihn doch an“, meinte sie sanft.
„Ich werde nicht den ersten Schritt tun. Ich bin immer derjenige, der den ersten Schritt tut. Dieses Mal nicht“, schüttelte dieser entschieden den Kopf.
„Du leidest unter der Situation. Du solltest nicht so stolz sein“, seufzte Ceridwen leise. „Das musst gerade du sagen. Ich meine, warum saß ich denn nun zum wiederholten Male mit dir irgendwo, wo eigentlich er an deiner Seite hätte sein sollen?“, spöttelte Niall gutmütig.
„Hmpf“, machte seine Schwester. „Einigen wir uns darauf, dass wir beide nicht beziehungsfähig sind“, sagte sie dann.
„Du vielleicht nicht“, erwiderte Niall.
„Niall!“, rief sie empört.
„Was ist das für eine Beziehung, die du da führst? Er ruft dich an, wenn er Lust hat und du springst sofort. Sobald du ihn gerne sehen möchtest, ist er nie da“, bohrte er tiefer.
„Er ist eben viel beschäftigt“, meinte sie lahm.
„Das bist du eigentlich auch“, behauptete Niall. Womit er recht hatte. Sie war tatsächlich viel beschäftigt. Aber offenbar nicht so viel wie Jason.
„Ceridwen, such dir endlich einen Mann, der die wunderbare Frau in dir erkennt, die du bist. Du hast wahrhaft was Besseres als diesen Jason verdient. Oder hat er irgendwelche anderen herausragenden Talente?“ Gespannt sah Niall seine Schwester an. Sie schenkte ihm nur einen kurzen Blick.
„Du wolltest doch mal Familie“, erinnerte Niall sie.
Ceridwen machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das habe ich ja schon erfolglos versucht. Ich bin jetzt 37 Jahre alt. Wie lange soll ich warten, bis endlich mal der richtige Mann kommt? Ich glaube, ich habe den Wunsch nach Kindern bereits aufgegeben.
“Redest du von deiner Jugendsünde, Ceri? Drei Monate Ehe und als Andenken diesen komischen Nachnamen. Ich frage mich immer wieder, warum du nicht deinen Mädchennamen annimmst“, spöttelte Niall ein wenig. Ceridwen zuckte mit den Achseln. „Ich mag diesen Nachnamen. Er ist freundlich und … und passt besser zu mir als O'Cuinn“, sagte sie leichthin.
„Poppy passt besser zu Ceridwen?“, frage Niall ungläubig.
„Zu mir als Person“, erklärte sie etwas ungeduldig. „Er lässt sich leichter aussprechen und wird meistens richtig geschrieben. Du weißt doch selbst, wie man sich mit 'O’Cuinn' quält. Und dann noch der Vorname. Und nein, es hat immer noch nichts damit zu tun, dass ich noch immer an Charles hänge. Ich finde einfach nur den Namen … nett“, wehrte sich Ceridwen. „Lass uns das Thema wechseln“, bestimmte sie.
Ihr Bruder betrachtete sie noch einen Moment aufmerksam. Aber nachdem seine Schwester so tat als bemerke sie das nicht, seufzte er leise. „Wieso hast du den armen Kerl vorhin eigentlich so abblitzen lassen?“, wechselte er das Thema.
„Welchen armen Kerl?“, fragte sie verwirrt.
Niall beugte sich etwas vor. „Keanu Reeves“, sagte er und sah sie gespannt an.
„Ich habe ihn doch nicht abblitzen lassen“, sagte sie verwundert.
„Wie nennst du das dann, wenn er sich dir vorstellt und du nichts weiter tust als ohne ein weiteres Wort sofort zu verschwinden?“, fragte er belustigt.
„Ich habe…“, setzte Ceridwen an und überlegte. „Oh“, meinte sie dann, als ihr auffiel, dass sie tatsächlich nicht sehr höflich war und lachte auf. „Ich habe ihn wirklich abblitzen lassen. Wie peinlich“, sagte sie noch immer lachend. „Ich habe einfach gedacht, wenn ich seinen Namen kenne, dann muss er ja wohl auch meinen kennen. Verstehst du? Ich habe mich gewundert, dass er sich vorstellt und habe gedacht, er hätte es getan, weil er meinte, ich hätte ihn vielleicht nicht erkannt. Ich habe wirklich VERGESSEN ihm meinen Namen zu nennen.“ Kichernd nahm sie noch einen Schluck von ihrem Cocktail. „Ich hoffe, ich habe ihn nie in der Maske“, schüttelte sie den Kopf.

Keanu riss sich schon beim Betreten seines Hauses die Krawatte über den Kopf. Gleich danach zog er das Hemd aus seiner Hose und schlüpfte aus seinen Schuhen. Er bückte sich, hob sie auf und trug sie in seinen Ankleideraum. Ordentlich stellte er sie ab. „Ihr drückt. Ihr werdet jetzt Winterschlaf halten“, drohte er ihnen und legte seine Krawatte zur Seite. Dann zog er sich bequeme Sachen an und ging in die Küche. Nachdem er sich ein Bier geholt hatte, lümmelte er sich auf seine Couch und schaltete den Fernseher an. Er zappte ein bisschen durch die Programme und blieb bei einem Musikvideo hängen. Eigentlich sollte er schlafen gehen. Morgen musste er schon sehr früh aufstehen. Er hatte ein Interview im Guten-Morgen-TV vor sich. Vor zwei Stunden noch hätte er sich in sein Bett legen können und wäre sofort eingeschlafen. Doch jetzt war er innerlich so unruhig, dass er sich nur hin und her gewälzt hätte.
Er dachte an das Theaterstück zurück. Hm, einmal wieder auf der Bühne stehen. Die Bühne war eine besondere Herausforderung. Alles musste stimmen und zwar auf Anhieb. Es gab kein „Cut! Und noch mal.“ Es gab nur ein „Pech gehabt. Lebe mit deinen Fehlern und der Kritik.“ Trotzdem hatte es ihm auf der Bühne gefallen, damals, als er noch viel jünger war. Er seufzte leise. „Auf dich, Opa“, prostete er sich selbst zu.
Türkisfarbene Augen, schoss es ihm durch den Kopf. Diese Frau war in gewisser Weise wirklich faszinierend gewesen. Ihr schulterlanges, gestuftes Haar hatte eine ebenso ungewöhnliche Farbe wie ihre Augen. Er hatte das Lichtspiel darin beobachtet und einen leichten Rotstich festgestellt. Wenn das Licht jedoch anders fiel, dann waren ihre Haare golden. Sie war recht groß gewesen, nur ein kleines Stück kleiner als er selbst. Allerdings hatte sie auch Schuhe mit hohen Absätzen getragen. Aber über 1,70 m war sie auf jeden Fall. Und sie hatte eine ausgesprochen sinnliche Figur. Das Kostüm, das sie trug, hatte sich an ihren Körper geschmiegt und schöne, weibliche Rundungen offenbart. Er versuchte sich an ihr Gesicht zu erinnern und musste dabei feststellen, dass er viel mehr ihren gesamten Körper betrachtet hatte als ihr Gesicht – ausgenommen ihre Augen. Von der Farbe einmal abgesehen, hatten diese etwas Katzenhaftes. Groß waren sie und leicht mandelförmig, umrahmt von dichten, schwarzen Wimpern. Die konnten jedoch auch geschminkt gewesen sein, wenn man ihre Haarfarbe berücksichtigte. Am Ende war diese gar nicht echt? Doch, sie wirkte so natürlich. Sie hatte ihre Haare bestimmt nicht gefärbt. Zu gerne hätte er ihren Namen gewusst. Aber sie hatte ihn ja einfach stehen lassen. Er schüttelte den Kopf. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend, wenn er an diese Frau dachte. Sie konnte doch unmöglich noch wegen seines kleinen Missgeschicks mit dem Kugelschreiber auf ihn böse gewesen sein? Oder fühlte sie sich persönlich angegriffen, weil er während des Theaterstückes eingeschlafen war? Manche Menschen nahmen so etwas persönlich, obwohl sie nicht selbst auf der Bühne standen. Oder aber sie war ihm noch böse, weil er sie dazu aufgefordert hatte mit ihrem Hustenanfall den Saal zu verlassen? Der Blick, den sie ihm geschenkt hatte, hätte ihn jedenfalls töten können. Wieder schüttelte er den Kopf. Egal, er würde sie ohnehin nicht wieder sehen. Er zappte noch ein bisschen durch das Fernsehprogramm, trank sein Bier und ging, nachdem er sich die Zähne geputzt und einer Katzenwäsche unterzogen hatte, ins Bett.
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:06    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 3

Ceridwen stand fast im Bett. Ihr Bruder hatte ihren Wecker wieder extra laut gestellt, damit sie auf keinen Fall verschlief. Wie schön es doch ist einen großen, fürsorglichen Bruder zu haben, dachte sie sich, während sie versuchte ihren Radiowecker mundtot zu schlagen. Ach verflucht, jetzt war er auch noch vom Nachttisch gefallen. Gleich würden die Nachbarn klopfen bei dem Lärm. Ceridwen beugte sich übers Bett und brachte den Wecker erfolgreich zum Schweigen. Umständlich krabbelte sie aus dem Bett, nachdem sie den Wecker wieder an seinen Platz gestellt hatte. Sie streckte sich und gähnte herzhaft. „Huch“, machte sie und zog schnell ihre zu große Schlafanzughose hinauf. Sie schlüpfte in ihre halb kaputten Hausschuhe und rutschte mehr ins Bad, als dass sie lief. Ohne in den Spiegel zu schauen, putzte sie die Zähne, zog sich aus und trat unter die Dusche. „Verdammter Mist!“, rief sie aus, als eiskaltes Wasser kam. Mit einem Satz war sie wieder aus der Dusche gesprungen. „Mist-Boiler!“, fluchte sie wieder. Sie rubbelte sich mit einem Handtuch trocken und warm und beschloss, dass der kurze Wasserguss reichen musste. Schnell zog sie sich Unterwäsche, Socken, Jeans und T-Shirt an und tuschte ihre Wimpern. Mehr Schminke benutzte sie nur, wenn sie ausging. Für ihre Arbeit war es unnötig. Nach einem kurzen Frühstück machte sie sich auf den Weg zur U-Bahn.

Keanu brauste mit dem Motorrad zum Studio. Er hatte hoffnungslos verschlafen. Nachdem er den Wecker ausgeschaltet hatte, ging dieser, wie normalerweise üblich, nicht wieder an. Die Sekretärin seiner Agentur hatte ihn geweckt. Sie hatten wohl geahnt, dass er verschlafen würde und gnadenlos drei Mal hintereinander angerufen, bis er endlich aufgestanden war. Und nun war er spät dran. Mit dem Motorrad ging es allemal schneller, hatte er sich gedacht. Und dem war auch so. Er konnte sich schön zwischen wartenden Autos hindurch schlängeln und fuhr an der Ampel auch schneller an. Eigentlich hätte er abgeholt werden sollen. Doch das hatte er abgelehnt.

Ceridwen hatte sich ihre Utensilien bereits zurecht gelegt und wartete. Dabei fiel ihr auf, dass sie gar nicht wusste, wer heute in der Guten-Morgen-Show zu Gast sein würde. Hoffentlich nicht Tom Cruise. Der war so furchtbar arrogant, fand sie. Die Moderatoren waren schon im Studio und arbeiteten mit dem Team an den Einstellungen. Bald würde die Sendung beginnen. Und der Gast kam zu spät. Das war natürlich fantastisch, weil sie jetzt wieder zusehen konnte, dass sie ihn oder sie möglichst schnell kameratauglich machte. Ungeduldig trommelte sie mit den Fingern auf dem Tisch. „Komm schon“, murmelte sie als sie endlich Stimmen hörte.
„Keanu Reeves“, schrie sie fast als sie ihn entdeckte. Dieser blieb stehen, grinste, breitete die Arme aus und rief theatralisch „Der Leibhaftige!“
Ceridwen wäre wegen ihres Ausbruches am liebsten im Erdboden versunken. Was fiel ihr ein hier so rum zu schreien? Ihr Blick traf den seinen. Er hatte seine Arme wieder sinken lassen und musterte sie amüsiert.
„Die Dame ohne Namen“, sagte er mit seiner warmen, tiefen Stimme. Ceridwen bemerkte, wie sie leicht errötete.
„Ich habe natürlich schon einen Namen“, erklärte sie überflüssigerweise. Sie registrierte, dass ihre Kollegen sie erstaunt musterten. So ein unprofessionelles Verhalten legte sie normalerweise nicht an den Tag.
„Da haben ihre Eltern Ihnen aber einen großen Gefallen getan“, schmunzelte Keanu und kam näher.
„Möchten Sie einen Kaffee, Herr Reeves?“, wurde er von Ceridwens Kollegin Sybille gefragt.
„Nein, danke“, lehnte er höflich ab.
Ceridwen ging zur Seite und deute auf den Stuhl. „Setzen Sie sich. Wir müssen uns beeilen. Sie sind…“ Sofort brach sie ihren Satz ab. Nein, sie würde ihm jetzt nicht auch noch unter die Nase reiben, dass er zu spät war. „Es ist eine Live-Sendung, wissen Sie?“, meinte sie schnell.
„Ja, das weiß ich“, erwiderte Keanu amüsiert.
Welch eine Überraschung sie wieder zu sehen. Jetzt sollte er es doch hinbekommen ihren Namen zu erfahren.
„Wie ist…“, setzte er an, wurde aber sofort von ihr unterbrochen.
„Moment, Sie kriegen von mir noch dieses Band in die Haare, wegen des Puders, na, sie wissen schon“, sagte sie im selben Moment und zog es ihm auch schon über den Kopf, über sein Gesicht wieder nach oben und fixierte damit seine Haare. Gut, er hat sie gewaschen, dachte sich Ceridwen als sie die leichte Feuchte in seinen Haaren bemerkte. Er wirkte so zerzaust. Sie hätte schwören können, er wäre einfach aus dem Bett direkt ins Studio gesprungen. Und unterwegs hatte ihm noch eine gute Fee die Kleidung auf den Leib gezaubert.

Keanu wollte sie gerade wieder nach dem Namen fragen als sie seinen Kopf leicht nach hinten bog und schon beinahe sanft feststellte „Sie sehen müde aus.“ Ihr Ton dabei klang so als würde sie eher mit sich selbst sprechen.
„Ich bin auch müde“, antwortete er trotzdem. Sie betrachtete ihn ohne richtig zu registrieren, dass auch er ihr Gesicht studierte. Während sie ihm ein wenig Gel unter die Augen tupfte und dann Concealer auftrug, betrachtete Keanu ihre Lippen. Sie hatten einen schönen Schwung, nicht zu breit, nicht zu groß, schon beinahe ein Kussmund. Ihre Unterlippe war etwas fülliger als die Oberlippe. Sein Blick wanderte auf ihre Nase. Sie war gerade, schmal und vielleicht ein bisschen zu lang. Aber sie gab ihr das gewisse Etwas. Ihre Wangenknochen waren schön ausgeprägt, ihre Gesicht oval mit einer Tendenz zum Schmalen. Sie hatte sich einen Zopf gebunden und ein paar vorwitzige Strähnen umrahmten ihr Gesicht. Keanu musste den Impuls unterdrücken diese zu berühren und um seinen Finger zu wickeln.
„Beobachten sie mich, Herr Reeves?“, fragte sie plötzlich und sah ihm unvermittelt in die Augen. Er spürte, wie er errötete. Oh, wie er das verabscheute.
„Nennen Sie mich doch Keanu“, lenkte er ab. „Und verraten Sie mir doch bitte endlich ihren Namen“, fügte er hastig an.
Sie lächelte leicht. „O'Cuinn. Ach Unsinn, Poppy“, antwortete sie ihm.
„Haben sie sich die eben schnell ausgedacht?“, fragte Keanu zweifelnd, nachdem sie ihm zwei sehr unterschiedliche Namen hintereinander genannt hatte. Einer seltsamer als der andere.
„Nein, das ist mein Name“, sagte sie empört.
„Poppy? Das ist aber ein Spitzname oder?“, fragte er zweifelnd.
„Das ist mein Nachname“, antwortete sie scharf.
„Oh“, machte er und spürte, wie er erneut errötete.
„Sie sind ein bisschen blass“, stellte sie fest.
„Finden Sie?“, fragte er ironisch, weil er spürte, wie er glühte.
„Schließen Sie die Augen, Herr Reeves. Nicht, dass sie wegen des Puders in Tränen ausbrechen“, witzelte sie.
„Wenn Sie mich noch einmal Herr Reeves nennen, werden mir wohl eher deswegen die Tränen kommen“, entgegnete er trocken und schloss gehorsam die Augen. „Wie lautet ihr Vorname“, fragte er nun endlich.
„Ceridwen“, antwortete sie und fuhr mit ihrem Pinsel vorsichtig am Rand seines Bartes entlang.
Sybille trat an Ceridwen heran und fragte leise „Wie weit bist du. Die Zeit drängt.“
„Gleich fertig. Ich muss nur noch seine Lippen etwas auffrischen und die Haare kämmen. Dann ist er fertig“, antwortete sie leise.
Ceridwen, wiederholte Keanu in Gedanken. Ungewöhnlich. Irisch? Sie hatte auch diesen anderen Namen erwähnt. Der klang ebenfalls irisch. Gerne hätte er sie danach gefragt, doch sie betupfte ihm gerade die Lippen mit einem zart eingefärbten Gel. Sie tat es sehr sanft. Es fühlte sich schön an. Sie könnte das gerne noch länger machen. Er hielt seine Augen noch immer geschlossen und genoss ihre Berührung.
„Entschuldigung, ich hätte einen Pinsel nehmen sollen. Doch so geht es schneller“, hörte er sie sagen.
„Schon gut“, entgegnete er rau und räusperte sich gleich darauf.
„Ich werde Ihnen jetzt noch die Haare kämmen und dann sind Sie bei mir fertig“, erklärte sie ihm und zog ihm das Band vom Kopf.
Plötzlich war er wieder ganz da. Fertig, das bedeutete Abschied. Abschied ohne Wiedersehen. Ihm musste schnell etwas einfallen. Er spürte schon den Kamm, den sie durch seine Haare zog. Oh Gott fühlte sich das schön an. Sie machte das so wunderbar - zärtlich. Wieder schloss er die Augen, nur um sie gleich darauf wieder aufzureißen. Abschied…
„Würden Sie gerne einmal mit mir was Trinken gehen?“, fragte er und ärgerte sich, weil ihm gerade nichts Besseres einfallen wollte. Doch statt ihm eine Antwort zu geben, fragte sie „Warum?“
Warum? Warum, ja, warum, fragte er sich. Weil ich Sie faszinierend finde? Weil Sie einen so erfrischend normalen Umgang mit mir pflegen? Weil ich Sie anziehend finde? Weil ich das Gefühl habe etwas zu verlieren, wenn ich jetzt einfach gehe? Was davon konnte er ihr sagen, ohne dass es blöd, seltsam oder forsch klang? Er sah auf in ihre schönen Augen.
Sie erwiderte seinen Blick, öffnete den Mund und sagte „Sie sind hier fertig. Leider müssen wir Sie zur Eile antreiben.“ Da erst bemerkte er noch einen Mann neben ihr, der ihn bat mit ihm zu kommen. Verflucht, dachte er und stand auf. Was jetzt? Er beugte sich vor und nahm sich eines der Trockentücher. Er sah auf den Tisch und schnappte sich etwas, das aussah wie ein Stift.
„Bitte, rufen Sie mich an“, sagte er, während er mit diesem Stift seine Telefonnummer auf das Tuch schrieb. Das war leichter gedacht als getan. Sie sollte die Nummer schließlich auch lesen können.
„Nicht doch! Das ist kein Stift, kein Schreibstift!“, rief Ceridwen und versuchte ihm den Kajalstift zu entwenden. Doch Keanu drehte sich weg und schrieb unbeirrt weiter.
„Herr Reeves!“, rief sie und schaffte es dabei gleichzeitig bittend und empört zu klingen.
Keanu richtete sich auf und hielt ihr das Tuch entgegen. „Nicht wegwerfen“, sagte er mit einer gewissen Strenge in der Stimme. „Rufen sie mich an. Bald. Bitte“, meinte er eindringlich und folgte dem ungeduldig wirkenden Mann. Noch einmal drehte er sich um. „Mein Vorname ist übrigens Keanu, Ceridwen“, zwinkerte er ihr zu.
Ceridwen blickte ihm verwirrt nach. Sie sah auf das Tuch in ihrer Hand und betrachtet die Nummer.
„Darf ich die mir eben mal abschreiben?“, fragte Sybille sie. Ceridwen war schon im Begriff ihr das Tuch zu reichen, als sie es im letzten Moment zurück zog.
„Nein. Die Nummer hat er mir sicher nicht gegeben, damit ich sie weiter reiche“, sagte sie.
„Es ist ja nicht so, dass ich sie ins Internet gestellt hätte“, meinte Sybille beleidigt. „Du hast doch einen Freund.“
„Wieso Freund? Was hat denn das mit der Nummer zu tun?“, fragte Ceridwen in Gedanken.
„Na, was hat das wohl damit zu tun, du Schnarchnase. Keanu Reeves hat dir bestimmt nicht seine Nummer gegeben, damit du ihm übers Telefon eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen kannst“, verdrehte Sybille die Augen.
„Nicht?“, fragte Ceridwen blöd, faltete das Tuch und steckte es in ihre Hosentasche.
„Rufst du ihn an?“, fragte Sybille. Ceridwen zuckte nur mit den Achseln.
Sie würde ihn wohl nicht anrufen. Es reichte ihr schon ein rasender Reporter als Freund, da brauchte sie sich nicht noch einen Schauspieler anlachen. Kein Schauspieler mehr! Das hatte sie sich fest vorgenommen, nachdem sie ein paar Mal mit einem der exzentrischen Sorte im Bett gelandet war. Die waren ihr zu … verrückt. Auch wenn Kenau nun nicht den Eindruck auf sie gemacht hatte, dass er verrückt wäre. Aber wer weiß? Stille Wasser sind tief hieß es. Außerdem fühlte sie sich nun nicht gerade zu Männern hingezogen, die aussahen wie Penner von der Straße. Gut, Edelpenner. Seine Kleidung war sicher nicht billig gewesen. Und er roch gut und duschte offenbar. Das konnte man von Pennern im Allgemeinen ja nun nicht gerade behaupten. Hatte sie ihn gerade wirklich mit einem Penner verglichen? Ceridwen schüttelte über sich selbst den Kopf. Keanu Reeves war viel zu gutaussehend für einen Penner. Und sie würde ihn nicht anrufen.

Keanu saß im Studio und erzählte gerade gut gelaunt und gestenreich etwas über seinen neuesten Film, da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Sie war verheiratet. Natürlich. Ceridwen war bereits an einen Mann gebunden. Und wenn er bedachte, dass sie sich bei der Nennung ihres Namens erst vertan hatte, dann war sie vermutlich sogar frisch verheiratet. Er kam ins stocken, erzählte irgendetwas und schwieg. Sie würde ihn nicht anrufen. Fast hoffte er, sie würde es nicht tun. Er würde in der Lage sein und sie zur Ehebrecherin machen. Obwohl… Sie schien ziemlich immun gegen seinen Charme zu sein. Ja, vermutlich auch deswegen, weil sie frisch verheiratet war. Er bemerkte, dass die beiden Moderatoren gespannt darauf warteten, dass er weiter sprach. „Ich habe jetzt den Faden verloren. Wo war ich stehen geblieben?“, fragte er sie und hatte mit einem Mal furchtbar schlechte Laune. Das bekamen die beiden auch sofort zu spüren als sie versuchten etwas aus seinem Privatleben zu erfahren. „Jeder Mensch braucht seine Privatsphäre. Sie doch auch oder nicht?“, sagte er gerade grimmig und dachte an Ceridwens Begleitung im Theater. Das musste ihr Mann sein. Sie waren so vertraut miteinander umgegangen. Und irgendwie passte zu diesem Mann auch der Nachname Poppy. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, lümmelte geradezu auf diesem und verschränkte die Arme vor der Brust. Alles an ihm drückte aus, dass er keine Lust mehr hatte. Die beiden waren Profis und merkten sofort, dass sie unverfängliche Themen anschneiden sollten, damit die Sendung weiterhin angenehm verlief. Er hatte den Ruf ein schwieriger Interviewpartner zu sein. Gerade machte er diesem Ruf alle Ehre. Seine Antworten fielen kurz aus. Und wenn die Fragen nicht präzise genug gestellt waren, antwortete er gerade einmal mit ja und nein.

Ceridwen stand in ihrem Bad um sich für den Abend zu schminken. Sie würde endlich einmal wieder Jason sehen. Als das Telefon klingelte stolperte sie beinahe über ihre neuen Schuhe, die sie vor der Badtür abgestellt hatte. Lass es nicht Jason sein, betete sie innerlich. Sie stürzte in ihr Wohnzimmer und riss das Telefon mit einem mulmigen Gefühl im Magen an sich. „Ja?“, fragte sie etwas atemlos.
„Ceridwen? Jason hier“, hörte sie.
„Sag nicht, dass du keine Zeit hast“, stöhnte sie auf.
„Entschuldige. Ich bin einfach nicht dazu gekommen dich früher anzurufen. Es war viel los. Auch jetzt habe ich nicht viel Zeit. Du wirst es nicht glauben. Aber mein Kollege Dan Thorneby, du weißt schon, er ist krank geworden“, erzählte er aufgeregt.
„Du klingst, als würde dich das freuen. Das ist nicht nett“, unterbrach sie ihn und runzelte die Stirn.
„Natürlich wünsche ich ihm nichts Schlechtes. Aber ich profitiere davon, daher ist es so – ja – es freut mich, dass ich nun für ihn einspringen muss“, erzählte Jason von Ceridwens Tadel unbeeindruckt weiter.
„Berauschend“, meinte Ceridwen sarkastisch und ließ sich in ihren Sessel fallen. „Wo bist du?“, fragte sie.
„In Afrika“, antwortet er knapp.
„In Afrika?“, rief Ceridwen aus. „Seit wann, Jason?“
„Es musste alles ganz schnell gehen, Ceri“, antwortete er und sie konnte deutlich seine Aufregung in der Stimme hören. Er hatte sich nicht einen Moment Gedanken darum gemacht, wie sie sich bei dieser Nachricht fühlen würde.
„Wie lange wirst du dort sein?“, fragte sie mühsam beherrscht.
„Ein paar Wochen“, antwortete er vage.
„Wochen?“, bohrte sie tiefer.
„Drei Monate in etwa“, rückte er schließlich raus.
Ceridwen sog scharf die Luft ein. Was immer er da auch genau tat, es musste doch ein ganz schlechter Scherz sein, den er sich hier gerade mit ihr erlaubte.
„Bist du sicher, dass du nicht einmal 5 Minuten Zeit hattest mich anzurufen, BEVOR du nach Afrika geflogen bist? Und damit meine ich nicht erst als du am Flughafen standest?“, fragte sie in deutlich schärferem Ton.
Als Antwort kam… nichts. Sie dachte schon, er hätte aufgelegt, als sie feststellte, dass er sich mit jemandem unterhielt und sein Handy wohl mit der Hand abdeckte.
„Nein, ich ärgere mich nicht“, versuchte sich Ceridwen zu beruhigen. Doch dazu war es schon viel zu spät. Sie fühlte die Wut immer mehr in sich hoch steigen und tat das, was ihr noch am vernünftigsten erschien. Sie legte ohne ein weiteres Wort auf. Wie viel sie Jason bedeuten musste, merkte sie auch daran, dass er nicht noch einmal versuchte sie anzurufen.
Ceridwen hangelte nach einem Kissen, presste es sich fest an den Mund und schrie hinein. Als sie meinte nun genug geschrien zu haben, schmiss sie es weg. „So, kein Reporter mehr, kein Schauspieler, kein Banker und kein Handwerker, die keine Boiler reparieren können“, schimpfte sie vor sich hin. „Wehe du rufst mich noch mal an“, drohte sie Jason, auch wenn dieser sie gar nicht hören konnte. Sie ging ins Schlafzimmer, zog ihr Kleid aus, ihren Schlafanzug an und ließ sich im Wohnzimmer auf ihre Couch sinken. Hunger hatte sie keinen mehr. Auf dem Couchtisch stand noch eine Flasche mit abgestandenem Wasser. Das musste reichen. Sie machte den Fernseher an und zappte lustlos durchs Programm. Ihr war zum Heulen zumute. Aber sie wollte nicht weinen, wegen eines gefühlskalten Idioten. Ihr Blick fiel auf ihr Regal mit DVDs. Ein Liebesfilm, ja, da könnte sie heulen und vor sich selbst so tun als würde sie es nur wegen der Tragik im Film tun. Sie wusste auch schon genau welchen Film sie sich ansehen würde. Mühsam stand sie auf, holte sich die DVD aus dem Regal und sah kurz darauf. ‚Liebe hat zwei Gesichter‘ mit Barbara Streisand und Jeff Bridges. Das war genau richtig. Eine äußerlich nicht besonders attraktive aber wunderbar liebenswerte Frau traf auf einen zerstreuten, attraktiven Universitäts-Professor, der genug vom Wahnsinn der Liebe (vor allem der körperlichen Liebe) hat. Universitäts-Professoren waren im Übrigen auch gestrichen, nahm sich Ceridwen vor, obwohl sie noch nie mit einem zusammen gewesen war.
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:17    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 4

Keanu saß über ein Skript gebeugt und las es konzentriert. Das könnte sein neuer Film werden. Es las sich interessant und gut. Und die Dreharbeiten sollten erst im nächsten Jahr beginnen. Da hatte er noch ein bisschen Zeit bis dahin. „Du liest es nun schon zum zweiten Mal“, sprach ihn sein Manager Erwin an.
„Worauf willst du hinaus?“, fragte Keanu ihn.
„Dass du dich wohl für einen Film entschieden hast“, lächelte Erwin.
„Ja, gut möglich. Lies du es und sag mir, was du davon hältst“, schob Keanu Erwin das Skript hin, lehnte sich zurück und streckte die Beine aus. Sein Blick schweifte durch die Gegend. Da sah er sie, einige Meter entfernt immerhin, ein wenig versteckt. Er stöhnte leise.
„Was ist?“, fragte Erwin.
„Paparazzi“, knurrte Keanu.
„Haben sie dich wieder erwischt“, lächelte Erwin, der die Scheu seinen Schützlings vor den Fotokameras und deren grellen Blitze nur allzu gut kannte.
„Immer. Überall. Ständig“, zählte Keanu auf. Er drehte sich etwas zur Seite, nahm einen Schluck von seiner Cola und sah Erwin an. „Liest du es?“, fragte er ihn.
„Habe ich schon, Keanu. Ich finde es nicht schlecht. Wenn du möchtest, mache ich einen Termin für eine erste Besprechung aus“, schlug er ihm vor. Keanu nickte nur.
„Was ist mir dir? Du machst einen recht betrübten Eindruck?“, fragte Erwin besorgt.
„Alles o.k.“, winkte Keanu ab und musste an Ceridwen denken. Sie hatte nicht angerufen. Und es war jetzt schon einen Monat her, dass er bei ihr in der Maske war. Sie hatte ihm wirklich gefallen. Aber wie naiv war er eigentlich, wenn er meinte, dass eine solche Frau nicht schon vergeben wäre? Und warum hatte er ihren Begleiter völlig aus seinem Gedächtnis verdrängt? Dann hätte er das gleich abklären können und wäre nun nicht so deprimiert. Er sollte sie endlich vergessen. Seufzend rieb er sich über das Gesicht, kratzte sich am Bart und streckte sich anschließend.
„Ich fahre ein bisschen durch die Gegend. Du meldest dich oder?“, fragte er Erwin und stand schon auf. Er wartete, bis sich auch dieser erhoben hatte, umarmte ihn kurz und schwang sich auf sein Motorrad. Dort zog er sich den Helm über und startete seine Maschine, die ausnahmsweise sofort ansprang. Nach noch einem kurzen Gruß in Richtung seines Managers fuhr er davon.

In Gedanken versunken packte Ceridwen ihre Tüten zusammen und balancierte in der anderen Hand ihren Kaffeebecher. Café to go, das war die beste Erfindung seit es Kaffee gab. Fand sie zumindest. Und er schmeckte meistens auch sehr viel besser als der im Studio. Genau da musste sie jetzt auch wieder hin, stellte sie nach einem umständlichen Blick auf ihre Uhr fest. „Und zwar schnell“, trieb sie sich selbst an. Mit großen Schritten lief sie die Straße hinunter zur Ampel. Rot. Sie blickte schnell nach links und nach rechts und beschloss das Rot der Ampel zu ignorieren. Wrummm machte es da ziemlich nahe an ihrer Nase. Sie spürte den Windhauch eines vorbei fahrenden Motorrads und ließ vor Schreck sowohl Kaffeebecher als auch ihre Tüten fallen. „Idiot!“, schrie sie dem Fahrer hinterher und sammelte ihre Tüten auf. Sie sprang schnell zur Seite als ein Auto kam und presste ihre Hand gegen ihren Brustkorb. „Gott“, hauchte sie vor Schreck. Gerade war doch noch niemand auf der Straße gewesen!
„Hey, habe ich Sie erwischt?“, sprach sie jemand an. Sie erschrak gleich noch einmal und drehte sich ruckartig zu dem Mann mit Helm auf dem Kopf um. Den kannte sie doch.
„Herr Reeves“, rief sie aus. Besagter „Herr Reeves“ zog sich den Helm über den Kopf und sah sie mit einer Mischung aus Besorgnis und Verärgerung an.
„Alles o.k.?“, fragte er und betrachtete sie prüfend.
„Ja“, nickte Ceridwen. „Wo kamen Sie denn jetzt so schnell her? Sie müssen doch viel zu schnell gefahren sein“, sprach sie sofort vorwurfsvoll weiter.
„Sie sind einfach auf die Straße gelaufen. Und dann haben Sie auch noch in aller Seelenruhe ihre Sachen aufgesammelt und wären beinahe noch von einem Auto erfasst worden“, rief Keanu ärgerlich aus. Am liebsten hätte er sie gepackt und sie geschüttelt.
„Jetzt übertreiben Sie mal nicht, Herr Reeves“, erwiderte sie kühl.
„Keanu. Ich heiße Keanu“, erinnerte er sie schnaubend.
„Aber Reeves heißen sie doch auch oder nicht?“, fragte Ceridwen unschuldig.
„Ja, schon. Aber… Ach.“ Keanu fuhr sich in einer unwirschen Geste durch seine Haare.
Ceridwen überkam das schlechte Gewissen. Sie war ja wirklich bei Rot über die Ampel gegangen. Und er war immerhin so freundlich gewesen sie zu fragen, ob sie in Ordnung war. Andere wären einfach weiter gefahren. Verlegen trat sie von einem Bein auf das andere.
„Möchten Sie zur Beruhigung einen Kaffee?“, fragte sie ihn ein wenig scheu.
„Zur Beruhigung? Trinken Sie zur Beruhigung Kaffee? Da trinke ich eher einen Schnaps“, rief er aus.
„Vielleicht haben sie auch einen Schnaps dort“, zeigte Ceridwen in jene Richtung aus der sie gerade gekommen war.
„Und warum brauche überhaupt ich etwas zur Beruhigung? Sie sind doch beinahe überfahren worden“, fragte er verwirrt.
Ceridwen zuckte nur mit den Schultern. „Sie wirken sehr aufgeregt.“
Er konnte sie nur anstarren. Diese Frau war unglaublich. Schweigend sah er zu, wie sie auf ihre Uhr sah und den Mund öffnete. Doch bevor sie dazu kam etwas zu sagen, hatte er sie am Arm gegriffen und zog sie mit sich.
„Nein. Auf keinen Fall. Sie entwischen mir jetzt nicht wieder einfach so. Sie haben mir einen Kaffee versprochen. Ich bin wirklich sehr aufgeregt. Und Kaffee ist gut gegen die Aufregung“, plapperte er darauf los.
„Gerne. Ein anderes Mal. Ich muss zu Arbeit“, sträubte sie sich. Er zog sie noch ein ganzes Stück weiter, bis das, was sie sagte zu ihm durchdrang.
„Wirklich? Ein anderes Mal?“, fragte er hoffnungsvoll und blieb so abrupt stehen, dass sie gegen ihn prallte. „Und was sagt Ihr Mann dazu?“, fragte er. Es war plump. Sehr plump. Aber er musste es wissen.
„Mein Mann? Wie kommen Sie darauf… Oh.“ Belustigt sah sie ihn an. „Sie fragen mich gerade, ob ich mit jemanden zusammen bin“, sah sie ihn prüfend an. Wieder einmal spürte Keanu wie er errötete. Er holte tief Luft und versuchte es mit der Wahrheit.
„Ja“, sagte er schlicht.
„Tragen sie diesen Bart, damit man nicht sehen kann wie sie erröten?“, fragte sie ihn anstelle einer Antwort. „Ich finde das niedlich.“
Niedlich! „Nein. Ich rasiere mich einfach nicht gerne“, antwortete er ehrlich und sah sie abwartend an. „Und?“, fragte er schließlich, nachdem sie nichts sagte.
„Und was?“, fragte sie und ging schon wieder in die andere Richtung. „Mein Gott, ich komme wirklich zu spät. Ich muss los. Rufen Sie mich einfach an“, rief sie und beschleunigte ihren Schritt.
„Wie denn? Ich habe keine Telefonnummer. Aber Sie haben meine. Ceridwen.“ Mit zwei großen Schritten war er wieder neben ihr. „Warum haben Sie mich nicht angerufen?“, fragte er und hielt sie erneut auf. Sie blieb stehen und sah ihn an.
„Also ich… ich wollte eigentlich nicht. Doch dann habe ich das Blatt wieder gefunden und habe versucht die Nummer zu entziffern. Ich habe bestimmt bei zehn Leuten angerufen, die sich fast alle über mich lustig machten. Beinahe alle haben behauptet sie wären Keanu Reeves und haben sich kaputt gelacht. Und dann habe ich es aufgegeben“, erklärte sie und wirkte unglaublich anziehend auf ihn, wie sie so schüchtern da stand.
„Ich habe Ihnen ja gesagt, dass das kein Stift war, mit dem Sie die Nummer in unleserlicher Weise auf das Trockentuch geschrieben haben“, erwachte ihr Kampfesgeist bereits wieder. Keanu musste grinsen. Sie wollte ihn anrufen. Das klang wie Musik in seinen Ohren.
„Und überhaupt, hätte ich sie dran gehabt, hätte ich ohnehin gleich wieder aufgelegt“, behauptete sie.
„Warum?“, fragte Keanu ruhig.
„Na ja, weil… weil ich gar nicht gewusst hätte, was ich sagen soll. Und weil… eben darum“, antwortete sie verlegen. Sein Grinsen wurde breiter. Mit einem Schnauben drehte sie sich weg und marschierte wieder weiter.
„Ich könnte Sie zu Arbeit fahren. Dann sparen Sie Zeit“, schlug er vor.
„Mit dem Ding da und ohne Helm? Ganz sicher nicht. Und außerdem ist es nicht weit“, lehnte sie ab.
„Mit dem Ding?“, rief er empört. „Das ist eine 1a-Maschine. Das ist eine Norton…“
„Mag sein. Aber da bleibt immer noch die Sache mit dem Helm“, unterbrach sie ihn und blieb an der Ampel stehen.
„Sie können meinen nehmen“, schlug er vor.
„Und welchen nehmen Sie dann?“, wollte sie wissen.
„Gar keinen“, antwortete er leichthin.
„Kommt überhaupt nicht in die Tüte. So was mache ich nicht. Das ist gefährlich und ich glaube auch verboten“, schüttelte sie entschieden den Kopf.
Er seufzte leise. „Und wie komme ich jetzt zu meinem Kaffee?“
„Da drüben gibt es einen Laden. Der Kaffee ist ganz gut“, zeigte Ceridwen in die Richtung des Geschäfts, in dem sie gerade noch selbst einen Kaffee geholt hatte. Als sie seinen enttäuschten Gesichtsausdruck sah, seufzte sie leise. „Ich habe wirklich keine Zeit, Keanu. Ich komme schon zu spät. Geben Sie mir Ihre Nummer. Wir gehen ein anderes Mal Kaffee trinken, in Ordnung?“, sagte sie besänftigend.
„Was nutzt es mir, wenn Sie meine Nummer haben und dann nicht mit mir sprechen wollen? Geben Sie mir Ihre. Ich rufe bestimmt an und werde nicht einfach wieder auflegen“, schlug er vor.
„Also gut. Haben Sie einen Zettel und einen Stift?“, sah sie ihn erwartungsvoll aber auch ungeduldig an.
„Ich?“, fragte er verblüfft. Er hatte nie etwas zu Schreiben dabei. Das war nie nötig gewesen. Normalerweise waren immer genug Menschen um ihn herum, die ihm da aushelfen konnten. Er sah sich um. „Dort in dem Laden können sie uns bestimmt weiter helfen“, beschloss er und vertraute darauf, dass Ceridwen ihm folgte, was sie auch tat.
Die Verkäuferin war sehr freundlich, reichte ihm Stift und Zettel und ließ sich gleich noch ein Autogramm geben, genauso wie die anderen Gäste im Geschäft. Ceridwen trommelte ungeduldig auf der Theke herum. Schließlich fragte sie nach einem weiteren Stift und Papier während Keanu beschäftigt war und schrieb schnell ihre Nummer auf. Dann ging sie zu ihm und steckte ihm frech den Zettel in die Hosentasche. Überrascht sah er sie an. „Ich muss wirklich los“, sagte sie bedauernd und war schon verschwunden.
Nicht lange nach ihr verließ Keanu das Geschäft und sah Ceridwen gerade noch über die Straße rennen. Er fühlte sich mit einem Mal wunderbar beschwingt. Er hatte Ceridwen wiedergesehen. Das Schicksal musste es gut mit ihm meinen. Nicht nur, dass er Ceridwen so überraschend wiedergesehen hatte, sie hatte ihm auch ihre Telefonnummer gegeben. Er nahm sich vor sie möglichst schnell anzurufen. Glücklich setzte er sich auf sein Bike und zog den Helm über den Kopf. Erst als er schon losgefahren war fiel ihm auf, dass sie ihm wieder einmal bei einer für ihn bedeutungsvollen Frage ausgewichen war. War sie nun gebunden oder nicht?
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:19    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 5

„Hör zu, du kleines Ferkel, geh dir eine Gurke kaufen und steck sie dir in den Allerwertesten!“, blaffte Ceridwen in ihr Telefon. Dieser Perversling rief nun das fünfte Mal an. Vier Mal hatte sie geduldig ihren Namen genannt, kurz abgewartet, was dieser Typ ihr an Anzüglichkeiten vorzuschlagen hatte und dann wieder aufgelegt. Doch nun war ihr der Geduldsfaden gerissen. Am anderen Ende der Leitung herrschte Schweigen. Gut, offenbar waren ihre deutlichen Worte angekommen. Doch plötzlich hörte sie zögerlich ihren Namen, gesprochen von einem Mann mit einer sehr schönen Stimme. Warm und tief. Oh Gott, schoss es ihr durch den Kopf!
„Wer ist da?“, fragte sie leise und fing schon einmal an zu beten.
„Keanu“, kam prompt die Antwort.
So ein Mist. So ein verfluchter Mist. Wie peinlich, schalt Ceridwen sich in Gedanken selbst und merkte nicht, dass sie schweigend das Telefon gegen ihr Ohr presste.
„Du hast eine interessante Art dich zu melden“, hörte sie Keanu mit leiser Belustigung in der Stimme sagen. Du. Na gut. Nach dieser Begrüßung könnte man schon vermuten, dass sie zu einer vertraulicheren Ebene gewechselt waren.
Sie räusperte sich leise. „Du hast mich gerade zu einem ungünstigen Zeitpunkt erwischt“, sagte sie und war froh, dass er ihr feuerrotes Gesicht nicht sehen konnte.
„Das beruhigt mich irgendwie“, erwiderte er trocken.
„Was kann ich für dich tun?“, fragte sie gestelzt.
„Nun, also da würde mir schon was einfallen. Wie wäre es…“, setzte er zu einer Antwort an, wurde aber sofort von Ceridwen wieder unterbrochen.
„Untersteh dich mir nun unmoralische Angebote zu unterbreiten. Ich werde sofort auflegen“, warnte sie ihn entrüstet.
„Nicht im Traum wäre mir das eingefallen!“, entgegnete er ebenso entrüstet.
„Gut, dann ist das geklärt. Ich hätte nicht gedacht, dass du anrufst“, sagte sie wieder ruhig.
„Im Ernst? Nachdem ich so sehr darauf gedrängt habe wieder mit dir in Kontakt zu kommen, hattest du Zweifel, dass ich mich melde? Wie seltsam. Aber schön, dass ich dich positiv überraschen konnte“, hörte sie ihn sagen. Da war schon wieder dieser belustigte Tonfall.
Wirklich? Hatte er so darauf gedrängt wieder mit ihr in Kontakt zu kommen?, fragte sie sich. Nein, so hatte sie das nicht empfunden. „Du meinst, du hast dich ins Zeug gelegt um einen Kontakt zu mir herzustellen?“, fragte sie zweifelnd nach.
„Ja“, kam es zurück. Wieder überlegte Ceridwen.
„Nein, hast du nicht“, behauptete sie fest. „Hättest du es, hättest du längst schon an meine Telefonnummer kommen können oder mich wiedersehen können. Du hättest nicht auf eine zufällige Begegnung warten müssen. Du kennst meinen Namen und weißt, wo ich arbeite. Du hättest jederzeit im Studio auftauchen können, wenn du das gewollt hättest. Also, nein, du hast dich nicht ins Zeug gelegt“, erklärte sie ihm ihren Gedankengang trocken. Daraufhin herrschte am anderen Ende der Leitung Schweigen.
„Du hattest meine Telefonnummer“, sagte er schwach.
„Eine unleserliche Telefonnummer. Und da habe eher ich mich ins Zeug gelegt wieder mit dir in Kontakt zu treten, denn immerhin habe ich mindestens mir zehn unbekannte Leute angerufen, um sie zu fragen, ob sie Keanu Reeves heißen. Die meisten davon waren wenigstens erheitert“, entgegnete sie und biss sich auf die Lippen. Was tat sie da eigentlich? Sie wollte doch überhaupt keinen Kontakt zu ihm. Und jetzt machte sie ihm Vorwürfe, dass er sich nicht mehr Mühe gegeben hatte sie wiederzusehen? Vorwürfe wollte sie ihm auch nicht machen. Es waren nur Gedankengänge, etwas, was ihr im Kopf herum spukte und was sie nun laut aussprach.
„Du möchtest also erobert werden“, stellte er gerade fest.
„Nein, nein. So ist das gar nicht gemeint. Ich habe einfach nur laut gedacht“, sagte sie schnell.
„Ah, interessant. Ich finde es sehr schön, dass du mich an deinen Gedanken teilhaben lässt. Denn nun weiß ich, dass du erobert werden möchtest und ich mich ziemlich dämlich angestellt habe bisher“, ließ er sie nun an seinen Gedanken teilhaben.
„Ich möchte doch überhaupt nicht von dir erobert werden“, rief Ceridwen aus.
„Ich denke doch“, behauptete Keanu.
„Du hast mich völlig missverstanden. Es waren einfach nur … Ich denke immerzu an irgendwas, meistens wirres Zeug. Und ich versuche für alles eine Erklärung zu finden. Außerdem kann ich nicht anders, als alles zu hinterfragen. Das macht mich zu einem ziemlich komplizierten Menschen. Daher würde mir nicht im Traum einfallen, erobert zu werden. Du hättest ziemlich schnell…“, redete sie will darauf los.
„Ceridwen! Ceridwen!“, versuchte Keanu sie zu stoppen. Nachdem er das dritte Mal ihren Namen gerufen hatte, schwieg sie endlich.

„Ich werde das böse Wort mit ‚er‘ und ‚obert‘ nicht mehr sagen“, versprach er.
„Ich habe mich daran erinnert, dass du mir einen Kaffee versprochen hast. Und dann habe ich noch ein wenig mehr über unser letztes Zusammentreffen nachgedacht. Du hattest sehr viel Glück, dass ich dich nicht angefahren habe. Möglicherweise hätte ich dich ernsthaft verletzt und wäre meines Lebens nicht mehr froh geworden. Ich hatte auch Glück. Ich hätte vom Motorrad fallen können und mich selbst verletzen können. Vielleicht wäre ich am Ende berufsunfähig gewesen. Oder wir wären beide verletzt gewesen und hätten zeitlebens Schmerzen gehabt. Wie wir es drehen und wenden, du hattest viel Glück. Und ich hatte viel Glück. Deswegen finde ich, sollten wir das Glück bei einem gemeinsamen Essen feiern“, erklärte er ihr ausschweifend in selbstwussten Ton. Dieses Selbstbewusstsein empfand er jedoch überhaupt nicht. Er setzte sich auf einen Barhocker und zeichnete nervös mit dem Zeigefinger unsichtbare Spuren auf der Theke nach. Sag ja. Bitte, betete er innerlich.
Endlich sprach sie. „Wenn du das so sagst, dann klingt es wirklich nach Glück. Man könnte es aber auch anders sehen, nämlich dass wir uns möglichst voneinander fern halten sollten.“ Keanu konnte ein leises Stöhnen nicht unterdrücken.
„Wieso das?“, fragte er nach.
„Na ja, überleg doch mal. Unsere Zusammentreffen standen bisher nie unter einem guten Stern. Nehmen wir das Theater. Dort hast du mich erst mit einem Kugelschreiber beworfen, mich dann mit deinem Schnarchen so aus dem Konzept gebracht, dass ich einen Hustenanfall bekommen habe. Und dann hast du mich auch noch des Saales verwiesen“, erklärte sie. Er hätte gerne etwas gesagt, doch sie ließ ihn gerade einmal Luft holen, bevor sie schon weiter sprach.
„Dann sehen wir uns im Studio wieder, wo du mich in arge Zeitnot gebracht hast, weil du hoffnungslos zu spät gekommen bist. Und schließlich fährst du mich beinahe mit dem Motorrad an. Welche Folgen das hätte haben können hast du mir gerade selbst sehr exemplarisch dargelegt.“
Puh, dachte Keanu. Er konnte bald nicht so schnell denken wie sie sprach. Er dachte nach und entgegnete langsam „Vielleicht führt uns aber auch das Schicksal immer wieder zusammen, damit wir es endlich besser machen. Wir stellen uns nur nicht besonders geschickt dabei an. Daher, bitte, versuchen wir es noch einmal. Und dieses Mal verlassen wir uns nicht darauf, dass uns das Schicksal zusammen führt, sondern wir nehmen es selbst in die Hand. Es ist doch nur ein gemeinsames Essen, Ceridwen. Was soll dabei schief gehen?“ Sie schwieg. Lange, während Keanu auf eine Antwort wartete. Er merkte, dass er die Luft anhielt. Tief atmete er ein und leise wieder aus. Komm schon!
„Darf ich dich etwas fragen?“, hörte er sie schließlich.
„Ja“, antwortete er zögernd.
„Warum willst du mich unbedingt wieder sehen?“
Da war wieder das Warum. Und wieder fragte er sich welche Antwort er geben sollte. Nach kurzem Nachdenken entschied er sich für all das, was ihm schon im Studio durch den Kopf gegangen war. Nun ja, fast alles.
„Ich möchte dich wiedersehen, weil du einen erfrischend normalen Umgang mit mir pflegst und ich das selten so erlebe. Ich habe das Gefühl du siehst in mir nur irgendeinen Mann und nicht einen bekannten Schauspieler. Außerdem finde ich dich sehr interessant, geradezu faszinierend. Es ist mir ein Bedürfnis dich näher kennen zu lernen.“
An seinem Tonfall und der Art und Weise wie er ihre Frage beantwortet hatte, konnte Ceridwen erkennen wie ernst es ihm war. Er hatte tatsächlich Interesse an ihr. Aber hatte sie auch Interesse an ihm? Wenn sie ehrlich war, dann ja. Eigentlich entsprach er überhaupt nicht ihrem Typ. Sie mochte gepflegte, rasierte, gut gekleidete Männer, mit kurzen Haaren oder zumindest keinen langen Haaren. Sie mochte ganz bestimmt keine, die mit dem Motorrad durch die Gegend fuhren. Und vor allem machte sie einen Bogen um Schauspieler. Es war nicht so, dass sie oft Gelegenheit hatte einen von ihnen näher kennen zu lernen, jedoch hatte sie einen kleinen Einblick in das komplizierte Leben dieser Menschen. Sie dachte dabei an die Belastung, von einem Drehort zum nächsten reisen zu müssen, monatelang in Hotels zu wohnen und kaum Privatleben zu haben. Dazu noch die Paparazzi, die ihnen auflauerten. Und vernichtende Kritiken im Wechsel mit überschwänglichem Lob. Das Leben eines Schauspielers war unbeständig, anstrengend und öffentlich. Abgesehen davon stand für die meisten ihre Arbeit immer an erste Stelle. Dann erst kam die Familie. Sie hatte schon bei Jason ein Problem damit, dass er so wenig Zeit für sie hatte. Wie wäre es dann mit einem bekannten Schauspieler? Jason… Sie hatten noch ein paar Mal telefoniert. Aber er war dabei kaum auf sie eingegangen, sondern hatte ausschließlich von sich und seiner Arbeit erzählt. Wann hatte sie das letzte Mal mit ihm über Dinge gesprochen, die sie beschäftigten? Und wann hatte sie angefangen in diesem Treffen mit Keanu mehr zu sehen als nur eine Verabredung zum Essen?
„Bist du noch dran, Ceridwen?“, hörte sie Keanu fragen.
„Ja. Ich habe überlegt, was ich sagen soll“, behauptete sie.
„Du könntest einfach ja sagen“, schlug er vor und sie konnte förmlich hören wie er lächelte.
„Hm, na gut. Dann lass uns essen gehen“, sagte sie zögernd zu.
In den nächsten Minuten machten sie einen Treffpunkt aus und beendeten anschließend ihr Gespräch.
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:20    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 6

Gedankenverloren knüpfte Ceridwen in der Werkstatt ihres Bruders ein Haar nach dem anderen in die künstliche Kopfhaut einer Perücke. Ihr Bruder war wie sie Maskenbildner. Nur arbeitete er mit seinem Lebensgefährten selbständig. Gelegentlich half Ceridwen ihnen bei der Herstellung von Masken oder beim Knüpfen von Perücken aus. „Du könntest deine Haare auch einmal für den Film spenden“, schlug ihr Bruder gerade vor.
„Ich möchte nicht, dass eine mir unsympathische Schauspielerin mit meinen Haaren auf dem Kopf herum läuft“, erwiderte sie.
„Du wirst nicht erfahren, wer sie trägt“, versprach Niall.
„Ich werde es herausfinden. Ganz bestimmt“, lachte Ceridwen ihren Bruder an.
„Hast du noch mal über unser Angebot nachgedacht?“, wurde sie von Chad, Nialls Kollegen und Lebensgefährten gefragt.
Ceridwen sah angestrengt auf die Perücke in ihren Händen. Niall und Chad hätten sie gerne als dritte Kraft in ihrem Team. Aber sie zog nicht so recht. Sie liebte es sicher. Und eine Festanstellung bei einem Fernsehsender war sicher, wenn auch mitunter wenig kreativ. Niall und Chad waren laufend für irgendeinen Film unterwegs und sie mochten das beide gerne, auch wenn es wegen Zeitmangel immer wieder einmal in ihrer Beziehung kriselte, wie erst vor kurzem wieder. Ceridwen dagegen ging nach getaner Arbeit gerne nach Hause, traf sich mit Freunden oder suchte sich anderweitig Zerstreuung. Sie mochte den strukturierten Tagesablauf. Und sie mochte ihr eigenes Bett am liebsten. Andererseits juckte sie es in den Fingern, wenn sie Chad und Niall zusah wie sie Masken entwarfen oder kleine Filme drehten, um sich für das nächste Filmprojekt als Maskenbildner zu bewerben. Noch mehr liebte sie es, wenn sie ihnen helfen konnte. Die Arbeit mit Chad und ihrem Bruder wäre so viel kreativer. Bestimmt hätte sie mehr zu tun aber sie hätte vermutlich auch mehr Spaß an ihrer Arbeit. Und sie würde sehr viele neue Leute kennen lernen. Sie hatte keine Familie, eine solche war auch nicht in Sicht. Ihr Freund war wohl auch nicht mehr ihr Freund, wenn sie die Beziehung auch noch nicht offiziell beendet hatten. Wovor hatte sie also Angst?
„Du wirst bei mir angestellt. So wie Niall“, sagte Chad gerade als könne er ihre Gedanken lesen.
„Ja, das sagtest du“, seufzte sie und knüpfte weiter.
„Du bist gut, Ceri. Du verschleuderst dein Potenzial. Das ist so bedauerlich“, sagte Niall sanft.
„Lasst mir noch ein bisschen Zeit, ja? Nur noch ein bisschen“, meinte sie ausweichend.
„Aber nicht zu viel. Wir könnten dich wirklich gut gebrauchen“, erwiderte Chad mit ernstem Blick. Sie nickte nur. Nach einiger Zeit stupste Niall sie an und zeigte ihr eine Maske. „Na, erkennst du die Falten wieder?“, fragt er grinsend.
„Sollte ich?“, fragte sie verständnislos.
„Ich habe sie unserem Vater geraubt“, lachte Niall sie an.
„Oh! Fantastisch. Da wird er sich aber freuen, wenn er seine Falten im Film wieder erkennt“, lachte Ceridwen mit ihm.
„Ich sagte ihm, es würde im Abspann stehen: Falten von Fionn O’Cuinn“, witzelte Niall weiter. Ceridwen lachte wieder.
„Du bist unmöglich. Du weißt genau, er glaubt dir so was“, tadelte sie ihren Bruder liebevoll.
„Was machst du eigentlich nächste Woche am Mittwoch?“, fragte Chad. „Troy hat Geburtstag. Und er möchte dich auch gerne einladen.“
Troy war Chads Bruder. Ceridwen konnte ich ihn nicht ausstehen. Er war viel zu sehr von sich überzeugt, arrogant und selbstverliebt. Und er benutzte ein Parfüm, welches zehn Kilometer gegen den Wind stank. Ceridwen bekam jedes Mal Kopfschmerzen, wenn sie ihn roch.
„Ich kann leider nicht“, sagte sie gespielt betrübt. „Ich habe eine Verabredung.“
„Mit wem?“, fragten Chad und Niall gleichzeitig.
„Mit einem Mann“, antwortete sie ausweichend.
„Tatsächlich? Wer ist es? Jason kann es nicht sein. Hast du ihn endlich in die Wüste geschickt, wenn er da nicht schon ist?“, fragte Niall weiter.
Ceridwen schwieg. „Komm schon, Schwesterchen, uns kannst du es doch erzählen“, lockte ihr Bruder sie.
„Mit Keanu Reeves“, platzte sie heraus. Dann herrschte erst mal Schweigen, bis Chad zu Niall trocken sagte „Ich habe Keanu Reeves verstanden. Du zufällig auch?“
„Ich habe diesen Namen auch genannt“, erklärte Ceridwen lächelnd.
„Und mit wem gehst du wirklich aus?“, fragte Chad gleich.
„Mit Keanu. So wie ich sagte“, wiederholte sie belustigt.
„Wie bist du denn an den geraten? Ich meine… Glaubst du wirklich, dass du mit dem besser fährst als mit Jason?“, fragte Chad kritisch.
„Es geht hier nicht um eine Beziehung, nur um ein Essen“, wehrte sich Ceridwen sofort.
„Nee, ist klar“, machte Chad ironisch.
„Wann hast du ihn wiedergesehen? Du hast ihn im Theater doch abblitzen lassen?“, wollte Niall unbeeindruckt wissen. Chad sah fragend von einem zum anderen.
„Ich hatte ihn in der Maske. Dann hat er mich fast mit dem Motorrad angefahren und mich danach angerufen“, erklärte Ceridwen kurz. Noch bevor Chad oder Niall etwas sagen konnten, fuhr sie mit Keanus Worten fort „Wir feiern das Glück, dass uns beiden nichts passiert ist.“ Auf die zweifelnden Blicke Chads und Nialls hin stöhnte sie auf. „Ich gehe am Mittwoch mit ihm aus. Punkt und Schluss. Demnach kann ich leider nicht zu Troys Geburtstagsparty kommen“, sagte sie fest.
„Du könntest Keanu mitbringen“, schlug Chad vor.
Ganz sicher nicht, dachte sich Ceridwen. Der Mann stünde für alle Zeit unter Schock, wenn er diesen Hühnerhaufen kennen lernen müsste. Troy würde ihn belagern. Der machte jeden hübschen Mann an, der nicht bei drei auf einem Baum saß. Und selbst dann würde er noch von unten nach oben brüllen. Ceridwen war sehr froh, dass Troy nicht heterosexuell war, denn sonst hätte sie noch mehr Freude mit ihm als ohnehin schon. Seine Freunde waren nicht wesentlich besser. Außerdem glaubte die Hälfte davon, dass jeder heterosexuelle Mann umgepolt werden konnte, wenn man nur hartnäckig genug blieb. Und das wollte sie Keanu wirklich nicht antun. Jason hätte sie mitgenommen um ihm eine ordentliche Abreibung zu verpassen. Aber Keanu hatte dergleichen nicht verdient. Möglicherweise änderte sie ihre Meinung nach dem Essen. Dann bliebe jedoch immer noch genug Zeit zu Troys Feier zu gehen.
„Und?“, fragte Chad.
„Wir werden sehen“, antwortete Ceridwen ausweichend.
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:22    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 7

Keanu beeilte sich nach Hause zu kommen. In einer Stunde würde er sich mit Ceridwen treffen. Er musste dringend noch duschen und sich umziehen. Außerdem wollte er auf keinen Fall zu spät kommen. Mit schnellen Schritten lief er ins Bad, zog sich aus und sprang unter die Dusche. Ausgiebig seifte er sich ein und wusch sogar seine Haare. Die würden schon noch trocken werden. Kurz darauf stand er vor der Frage, was er anziehen sollte. Ist diese Frage nicht eher so ein Frauending?, fragte er sich einen Moment und rieb sich über das Kinn. „Jeans sind immer gut“, beschloss er laut und zog sich eine frische aus dem Regal. Sie würden in kein gehobenes Restaurant gehen. Darauf hatte Ceridwen bestanden. Und ihm war es nur recht, denn dort wo sie sich trafen, warteten bestimmt keine Paparazzi auf ihn. So wie er meinte Ceridwen kennen gelernt zu haben, würde eine Paparazzitraube sie wenig erfreuen. Er zog sich noch ein frisches T-Shirt an und schnappte sich ein Jackett. Gleich darauf huschte er ins Bad und sah in den Spiegel. Er beugte sich etwas vor und betrachtete sich kritisch. Wie alt sie wohl war? Vielleicht Anfang 30? Sie sah nicht mehr ganz jung aus, aber auch keineswegs alt. „Schwer zu sagen“, seufzte er und fuhr sich durch den Bart. Kurzerhand griff er zur Schere und stutzte diesen zurecht. Dann putzte er sich noch die Zähne und kämmte seine Haare. Die Socken fielen ihm ein, welche er sich schnell noch holte und anzog. Bisweilen schlüpfte er auch ohne Socken in seine Lieblingsschuhe. Aber das hielt er für diesen Abend für unpassend.
Langsam breitete sich eine gewisse Aufregung in ihm aus. Ein schönes Gefühl, weil er es selten spürte, wenn er eine Verabredung hatte. Doch mit Ceridwen war bisher so ziemlich alles anders und selten gewesen. Er konnte es kaum noch erwarten sie wiederzusehen. Alleine die Vorstellung ihr eine ganze Weile gegenüber zu sitzen und ihr in diese ungewöhnlichen, schönen Augen sehen zu können, ließ sein Herz schon schneller schlagen. Ob sie sich auch darauf freute ihn wiederzusehen? Er hoffte es. Er würde sich ganz schön anstrengen müssen, um sie zu beeindrucken. Gleichzeitig wünschte er sich diesen Abend ungezwungen und locker.
Sie wollte erobert werden, auch wenn sie das vehement abgestritten hatte. Doch nach seinem Dafürhalten hatte sie das bei ihrem etwas verrückten Telefongespräch deutlich zum Ausdruck gebracht. Keanu überlegte, ob er überhaupt schon einmal eine Frau so richtig umwerben und erobern musste. Spontan fiel ihm keine ein. Bisher war es ihm immer leicht gefallen, eine Frau für sich zu gewinnen. Sein Charme, sein Aussehen, ziemlich sicher auch sein Bekanntheitsgrad, hatten es ihm leicht gemacht. Doch Ceridwen hatte sich bislang weder von seinem Charme, noch von seinem Aussehen und erst recht nicht von seinem Bekanntheitsgrad beeindrucken lassen. Aber genau das reizte ihn an ihr, musste er zugeben. Das, ihr Aussehen und vor allem ihre ungeheure Ausstrahlung. Nach einem letzten prüfenden Blick in den Spiegel ging er noch seine Post durchsehen. Nun war es auch schon Zeit zu gehen. Kurz überlegte er, ob er mit dem Motorrad oder mit dem Auto fahren soll, entschied sich dann jedoch für das Auto, da Ceridwen wenig Begeisterung für das Motorradfahren gezeigt hatte. Und wer weiß, was der Abend noch bereit hielt.

Ceridwen sah auf ihre Uhr. Keanu war nun fünf Minuten zu spät. Oder sie war einfach zu früh. Sie mochte Unpünktlichkeit nicht. Weder bei sich selbst noch bei anderen. Sie hatte schon oft versucht sich dahingehend nicht aufzuregen. Denn fast alle kamen zu spät. Das gehörte wohl zum guten Ton. Aber nach fünf Minuten wurde sie ungeduldig und fing doch an sich zu ärgern. Diese Ungeduld stieg nun wieder in ihr hoch. Sie dachte daran, dass sie selbst versucht hatte, zu spät zu kommen. Das machte man so als Frau, hatte ihr eine Freundin erklärt. Männer rechneten damit. Und man gab ihnen die Gelegenheit, sich noch mehr auf das Zusammentreffen zu freuen. Wie viel an dieser Logik dran war, vermochte Ceridwen nicht zu sagen. Jedenfalls hatte sie es nicht geschafft. Sobald sie merkte, dass sie nicht pünktlich am Treffpunkt ankommen würde, hatte sie sich beeilt und stand punkt 19.30 Uhr vor dem Lokal. Sie unterdrückte den Impuls, erneut auf die Uhr zu sehen, und dachte stattdessen daran, dass Keanu gut daran getan hatte, ihr seine Telefonnummer nicht noch einmal zu geben. Mehr als einmal hatte sie den Wunsch verspürt, das Treffen wieder abzusagen. Doch ohne Telefonnummer, Mail-Adresse oder überhaupt einer Adresse war ihr das nicht möglich gewesen. Und nun stand sie hier und hatte vor Nervosität Herzklopfen. Sie sah auf ihre Fingernägel. Liebend gerne würde sie ihren kleinen Finger in den Mund nehmen und am Fingernagel knabbern. Das tat sie immer, wenn sie nervös war. Allerdings sah der Fingernagel hinterher furchtbar aus, vor allem, wenn alle anderen Fingernägel manikürt waren. „Keanu“, flüsterte sie ungeduldig.

„Ja“, hörte sie vor sich. Erschrocken sah Ceridwen auf. Da stand er und lächelte sie an.
„Du hast dich …“
„… verspätet“, nickte Keanu. „Tut mir leid. Ich habe keinen Parkplatz gefunden und musste ein ganzes Stück laufen“, entschuldigte er sich sofort.
Ceridwen lächelte leicht. „Eigentlich wollte ich sagen, dass du dich rasiert hast. Zumindest hast du deinen Bart gepflegt“, meinte sie.
„Ah, es fällt dir auf“, grinste Keanu.
„Ja, sofort“, lachte Ceridwen und musterte ihn verstohlen. Er sah gut aus, frisch und erholt.
„Dann gehst du so also mit mir in dieses Lokal?“, fragt er und zeigte hinter sie auf den Eingang. Ceridwen tat so als müsse sie ihn erst noch einmal eingehend in Augenschein nehmen, bevor sie langsam nickte. Lächelnd hielt Kenau ihr die Tür auf und Ceridwen ging voraus. Keanu betrachtete ausgiebig Ceridwens Rückansicht. Sie hatte sich ebenfalls eine Jeans angezogen. Eine enge Jeans wie er mit einem Blick auf ihren hübschen Po feststellte. Er mochte ihren Gang. Sie trat leise auf und wiegte dabei sanft ihre Hüften. Es sah verführerisch aus und er hätte ihr gerne noch länger dabei zugesehen, wie sie einen Fuß vor den anderen setzte, doch sie waren bereits an ihrem Tisch angekommen. Keanu war so vertieft gewesen sie zu betrachten, dass er nicht mitbekommen hatte, wie sie mit dem Kellner gesprochen hatte, der sie daraufhin zu dem Tisch führte. Es war auch der Kellner, der Ceridwen den Stuhl zurück zog und an ihre Kniekehlen schob, bis sie sich setzte. Keanu setzte sich mit einem freundlichen Nicken Ceridwen gegenüber. Bald darauf wurde ihnen die Speisekarte gereicht. „Trinkst du Wein?“, fragte er sie.
„Nein. Ich trinke keinen Alkohol“, antwortete sie.
„Gar keinen?“, fragte Keanu erstaunt.
Sie schien zu überlegen. „Ich glaube, ich habe gelegentlich einen Cocktail mit Alkohol getrunken. Aber meistens sind auch die ohne“, antwortete sie schließlich. „Warum fragst du?“
„Weil ich dann Wein für uns bestellt hätte, wenn du das gewollt hättest“, antwortete er.
„Nein, für mich nicht. Aber du kannst gerne einen trinken“, meinte sie freundlich.
„Was trinkst du?“, wollte Keanu wissen.
„Wasser“, antwortete sie und er konnte beobachten wie sie die Stirn runzelte.
„Nur Wasser?“, fragte er verwundert.
„Hm, ja“, machte sie abwesend. Gleich darauf sah sie mit noch immer gerunzelter Stirn auf und sah ihn an. „Sag mal, stehen bei dir auch keine Preise in der Karte?“, fragte sie ihn und war im Begriff ihm seine Speisekarte aus der Hand zu ziehen.
„Nein“, sagte er schnell und zog die Karte zurück.
„Nein?“, fragte Ceridwen verwundert.
„Ähm, doch“, antwortete er schnell. „Es ist so gewollt, dass der Mann die Karte mit den Preisen hat und die Frau die Karte ohne Preise“, erklärte er.
„Aha. Ich habe davon gehört, es nur noch nie gesehen. Ich wusste nicht, dass das hier so ein Lokal ist. Sind wir dafür eigentlich richtig angezogen?“ Verstohlen sah Ceridwen sich um und die anderen Gäste an. Es war ein recht gemischtes Publikum. Offenbar fand die Restaurantleitung diesen Brauch, die Speisekarte des Mannes mit Preisen zu versehen und die der Frauen nicht, interessant. Plötzlich war er seine los und Ceridwen legte ihm ihre vor die Nase.
„Hey“, beschwerte er sich und versuchte ihr die Karte wieder abzunehmen. „Das ist die Karte für den Mann.“
„In unserem Fall nicht“, entgegnete Ceridwen ungerührt und schlug die Karte bereits auf. Keanu konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Das machte ihm jetzt schon Spaß. Ihm war es egal ob er die Preise sehen konnte oder nicht, er würde die Rechnung so oder so begleichen. Vorsichtshalber sagte er aber „Ich werde bezahlen.“
„Nicht für mich“, entgegnete sie prompt.
„Doch. Auch für dich. So war es abgemacht“, sagte er fest ohne sie anzusehen.
„Wirklich?“, fragte sie erstaunt und versuchte sich zu erinnern.

Der Kellner kam vorbei und wollte die Bestellung aufnehmen. Immerhin schafften sie es, die Getränke aufzugeben. Für das Essen war Ceridwen noch nicht bereit. Keanu klappte seine Karte zu und legte sie neben sich auf den Tisch. „Weißt du wohl schon, was du gerne essen würdest?“, fragte sie ihn ehrlich erstaunt, was ihm erneut ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
„Schon?“, zog er sie leicht auf. „Ich könnte für dich mit bestellen“, schlug er ihr vor.
„Ja? Würdest du das tun? Ich kann mich einfach nicht entscheiden“, sah sie ihn hoffnungsvoll an.
Er bestellte für sie beide, nachdem der Kellner die Getränke gebracht hatte. „Ich hoffe, das schmeckt dir jetzt auch“, meinte er unsicher.
„Das hoffe ich für uns beide“, lächelte Ceridwen und nahm einen Schluck von ihrem Wasser. „Ich kann mich übrigens nicht daran erinnern, dass wir am Telefon ausgemacht hätten, dass du das Essen bezahlst“, sagte sie nebenbei.
„Ich schon. Ich muss es mir nur lange genug einbilden“, entgegnete Keanu trocken.
Ceridwen musste lachen. „Ach so. Man muss sich nur etwas lange genug einbilden und schon wird es wahr.“
Keanu grinste. „Nachdem wir das jetzt geklärt haben, erkläre mir doch einmal bitte diese Sache mit deinem Nachnamen. Bist du verheiratet?“, fragte er. Er musste es jetzt einfach wissen. Die ganze Zeit spukte es ihm im Kopf herum. Jetzt wollte er endlich eine Antwort.
„Nein, bin ich nicht. Ich würde nicht mit dir essen gehen, wäre ich verheiratet“, antwortete sie ernst.
„Und warum hast du dann deinen Namen verwechselt?“, fragte er erleichtert aber auch verwirrt.
Ceridwen sah auf den Tisch und schob das Besteck hin und her. „Ich war einmal verheiratet. O’Cuinn ist mein Mädchenname. Poppy der meines Exmannes. Ich habe mich mit den Namen nur vertan, weil mein Bruder und ich darüber diskutiert hatten. Den hast du übrigens auch gesehen. Meinen Bruder meine ich. Im Theater“, erklärte sie ihm.
Ihr Bruder! Weder ihr Ehemann, noch ihr Freund. Keanu fiel ein großer Stein vom Herzen. „Warum habt ihr darüber diskutiert?“, fragte er neugierig.
„Mein Bruder findet Poppy albern und meint, ich solle doch wieder O’Cuinn heißen. Aber ich habe mich schon so an Poppy gewöhnt. O’Cuinn kann kein Mensch schreiben, manchmal nicht einmal richtig aussprechen. Außerdem passt Poppy zu mir. Ich finde den Namen ganz nett“, erklärte sie.
„Und wie lange warst du verheiratet?“, wagte sich Keanu weiter vor.
Bildete er sich das ein oder wurde Ceridwen ein bisschen rot?
„Drei Monate“, murmelte sie.
„Drei Monate!“, rief Keanu aus. „Das ist eine enorm lange Zeit. Ich bin beeindruckt“, meinte er sarkastisch.
Ceridwen schenkte ihm einen scharfen Blick. „Du warst doch wohl noch nie verheiratet oder?“, fragte sie ihn.
„Nein, vermutlich aus Angst, dass ich es gerade einmal auf drei Monate bringen würde“, antwortete Keanu und sah sie an. Ihr Blick war grimmig. Sofort bereute er seine Worte.
„Er war meine High School Liebe. Ich war 18 Jahre alt. Da kann man sich wohl mal täuschen“, sagte sie scharf.
„Du hast mit 18 Jahren geheiratet? Mein Gott, da war ich noch nicht einmal so reif, überhaupt an eine feste Beziehung zu denken, geschweige denn zu heiraten“, rief er aus.
„Ich war auch nicht reif genug. Daher war es auch nur eine kurze Ehe“, erwiderte Ceridwen und spielte wieder mit ihrem Besteck.
„Und wie reif bist du jetzt?“, fragte er interessiert.
Sie lachte. „Willst du mir einen Heiratsantrag machen?“
„Oh, äh, nein. Ich meinte eigentlich… etwas anderes“, stotterte Keanu und spielte nun ebenfalls mit seinem Besteck. „Warum hielt es nur so kurz?“, fragte er ohne sie anzusehen.
„Ich weiß es nicht. Keine Ahnung. Vielleicht war einfach die Ehe nichts für mich“, antwortete Ceridwen nachdenklich.
„Oder der Mann“, gab Keanu zu bedenken.
„Der Mann, hmh, ich weiß es nicht. Ich kam mit Charles zusammen als ich 16 war. Mit 18 wollte ich ihn unbedingt heiraten. Wir beide wollten es. Meine Familie fiel aus allen Wolken. Seine Familie ebenso. Aber wir waren davon überzeugt, sehr genau zu wissen was richtig und was falsch ist. Also brannten wir durch und heirateten. Nicht lange danach stimmte alles nicht mehr. Wir stritten wegen der unmöglichsten Sachen. Vor allem Charles schien überfordert. Ich glaube, aus heutiger Sicht, ist ihm nach der Eheschließung erst der Ernst unseres Tuns klar geworden, und er bekam Panik. Er zog mit seinen Freunden um die Häuser und landete bei irgendwelchen Frauen im Bett. Ich ging schließlich nach Hause zurück und erwartete, dass meine Familie mir sagte, sie hätten es doch vorher gewusst. Aber das taten sie nicht. Meine Eltern sagten nur, dass sie hoffen, ich hätte aus diesem Fehler gelernt. Charles und ich ließen uns scheiden und haben uns nie wieder gesehen“, erzählte sie.
Keanu hatte ihr interessiert zugehört. Doch bevor er etwas sagen konnte, wurde ihr Gespräch vom Kellner unterbrochen, der die Vorspeise brachte. Nachdem er wieder gegangen war, aßen sie schweigend. „Schmeckt es dir?“, fragte Keanu schließlich.
„Ja“, nickte Ceridwen. „Ich hoffe dir auch“, lächelte sie ihn an. Auch er nickte und sah sie mit einem Glitzern in den Augen an. „Erzähle mir mehr von dir“, forderte er sie auf.
„Und was ist mit dir? Du erzählst gar nichts?“, fragte sie und sah ihm in die Augen. Was für schöne Augen er hat, dachte sie sich.
„Ich erzähle beim nächsten Essen von mir“, antwortete Keanu und zwinkerte ihr zu.
„So, du willst mich also neugierig machen, damit ich noch einmal mit dir ausgehe“, überlegte Ceridwen laut.
„Und? Funktioniert es?“, fragte Keanu mit einem tiefen Blick.
„Eine Antwort darauf bekommst du nach dem Essen“, wich Ceridwen aus, nahm sich ihr Glas und trank. Erst nach dem zweiten Schluck stellte sie fest, dass sie nicht ihr Glas in der Hand hielt, denn sie trank Wein. Sie hustete und stellte es schnell ab. „Oh nein!“, rief sie aus und sprang so schnell auf, dass ihr Stuhl beinahe umkippte. Erschrocken erhob sich auch Keanu. „Was ist?“, fragt er besorgt.
„Ich muss gehen“, keuchte sie, nahm ihre Tasche an sich. „Es tut mir leid“, sagte sie noch und flüchtete aus dem Lokal.
„Ceridwen!“, rief Keanu hinter ihr her und zog seinen Geldbeutel aus der Tasche. Er schmiss einige Scheine auf den Tisch, in der Hoffnung es wäre genug und sah zu, dass er hinter Ceridwen her kam. Sie war schnell und bereits aus dem Lokal getreten. Als er draußen ankam, musste er erst suchen, bevor er sah in welche Richtung sie gelaufen war. „Ceridwen!“, rief er noch einmal und setzte sich in Bewegung. Ein stechender Schmerz fuhr ihm ins Knie und zwang ihn kurz stehen zu bleiben. „Spielen wir jetzt Cinderella? Dann lass mir wenigstens deinen Schuh da!“, rief er ihr ärgerlich hinterher, weil er merkte, dass er sie nicht mehr einholen würde. Was war denn nur in sie gefahren? Er fluchte unflätig und ließ sich dabei auch nicht von den ihn musternden Passanten abhalten. Kurz ging er zurück ins Lokal, um sich zu versichern, dass er genug Geld auf den Tisch gelegt hatte. Dann lief er in schnellen Schritten zurück zu seinem Auto. Sein Knie schmerzte noch immer, aber er ignorierte es.
Mit Schwung schlug er seine Autotür zu und fuhr los. Was war nur passiert? Hatte er etwas Falsches gesagt? War er zu forsch gewesen, als er sie dazu aufforderte sich noch einmal mit ihm zu treffen? Aber das war doch kein Grund, auf derart übertriebene Art und Weise zu reagieren! Verärgert schlug er mit der flachen Hand aufs Lenkrad und fuhr viel zu schnell durch die Straßen nach Hause. Wieder überlegte er was passiert war. Was hatte er gesagt oder getan? Ihm fiel ein, dass sie aus seinem Glas getrunken hatte. Hatte sie etwa geglaubt, dass er ihr den Wein unterjubeln wollte? Er hatte sein Glas in die Nähe ihres gestellt. Da er Linkshänder war, stellte er immer sein Glas auf der linken Seite ab. Niemals hätte er versucht ihr Alkohol aufzudrängen, wenn sie keinen trank. Glaubte sie wirklich, er wäre zu so etwas fähig? Also, wenn sie so von ihm dachte, dann konnte sie ihm gestohlen bleiben! Allerdings hatte sie nicht wütend gewirkt, eher verzweifelt. „Herrgott noch mal! Ich werde aus dir nicht schlau!“, rief Keanu laut und war froh, ohne Polizeikontrolle nach Hause gekommen zu sein.
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:24    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 8

„Ihr müsst mir helfen“, platzte Ceridwen in Chads und Nialls Werkstatt.
„Dir auch einen guten Abend“, sagte Chad trocken und ließ sich in Ruhe einen Kaffee aus der Maschine. Ceridwen ging nicht auf seinen Ton ein.
„Es ist zwei Wochen her. Er hat nicht wieder bei mir angerufen. Ich muss ihm einfach erklären, was an diesem Abend passiert ist“, jammerte sie.
„Wovon sprichst du?“, fragte Chad und ließ sich auf einem Stuhl nieder, um in Ruhe seinen Kaffee zu trinken. Nein, er schlürfte seinen Kaffee. Chad schlürfte jedes Getränk.
„Ich nehme an von dem Abend, an dem sie Keanu Reeves davon rannte“, antwortete Niall an Ceridwens Stelle.
„Er denkt bestimmt, ich habe sie nicht mehr alle. Er hat mir noch irgendwas von Cinderella hinterher gerufen, und das klang nicht erfreut. Es hatte so gut angefangen. Er war ganz lieb. Wir waren im Begriff, uns gut zu unterhalten. Er war so zurückhaltend. Das hatte ich nicht von ihm erwartet. Und ich… Ich habe es versaut. Ihr müsst mir helfen“, jammerte Ceridwen weiter.
„Und wie sollen wir dir helfen, Ceri?“, fragte Niall mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Ihr kennt Gott und die Welt. Ihr könnt doch bestimmt an seine Telefonnummer ran kommen“, antwortete sie hoffnungsvoll.
„So gut sind wir nun auch nicht mit Keanus Freunden bekannt. Oder glaubst du, dass Keanu seine Telefonnummer erst einmal an jeden am Set verteilt?“, fragte Chad mit triefendem Sarkasmus.
„Chad“, ermahnte ihn Niall, bevor er sich wieder seiner Schwester zuwendete. „Es stimmt. Wir haben keine Telefonnummer von ihm. Und wir haben leider auch noch nie bei einem Film mit ihm mitgearbeitet. Ich wüsste nicht, wen ich fragen könnte. Aber an seine Adresse kommen wir bestimmt.“
„Und dann? Die haben doch alle ein Postfach. Da kann ich doch keinen Brief hin schicken“, verzweifelte Ceridwen fast.
„Dann gehst du hin und klingelst“, sagte Chad in seiner typisch trockenen Art.
„Wie stellst du dir das vor? Ich klingle bei ihm und falls er die Tür öffnet, was dann?“, fragte sie gereizt.
„Dann sprichst du mit ihm, Dummerchen“, verdrehte Chad die Augen.
„Nein. Das kann ich nicht“, schüttelte Ceridwen den Kopf.
„Dann schreib einen Brief, fahre zu seiner Adresse und stecke ihm den Brief an die Tür“, schlug ihr Bruder vor.
„Und den liest er dann?“, fragte sie zweifelnd.
„Zumindest besteht eine Chance“, antwortete Niall.

Ceridwen war zwei Mal an Keanus Haus vorbei geschlichen, bevor sie den Mut aufbrachte, sich dem Haus zu nähern. Sie kam sich vor wie ein Groupie, das auf den großen Star wartete. In der Hand hielt sie ihren Brief an ihn. Sie hätte ihn wirklich lieber angerufen. Doch niemand konnte seine Nummer vollständig entziffern. Eigentlich hätte sie das Ganze auf sich beruhen lassen sollen. Schließlich hatte sie sich lange genug eingeredet, keinen näheren Kontakt zu ihm haben zu wollen. Doch es ließ ihr keine Ruhe, dass er nun das Schlimmste von ihr annehmen könnte. Sie war sich sicher, dass er das tat, denn er hatte nicht angerufen. Inzwischen waren sogar drei Wochen vergangen. Noch kurz bevor sie das Restaurant so fluchtartig verlassen hatte, hatte er gesagt, er wolle sie noch einmal treffen. Zu diesem Zweck hätte er sie noch einmal anrufen müssen. Da er es nicht getan hatte, konnte sie eins und eins zusammen rechnen. Mit gerunzelter Stirn suchte sie nach einem Briefkasten. Sie konnte jedoch keinen ausmachen. Es gab auch keine Fußmatte. Aber da brauchte sie ohnehin keinen Brief drunter legen. Wer weiß, wann und ob er diesen überhaupt finden würde. Gerade nahm sie seine Haustüre in Augenschein, als sie ein Motorrad näher kommen hörte. Schnell sprang sie hinter die Palme neben dem Eingang und versteckte sich. „Du bist vollkommen durchgeknallt, Ceridwen“, schimpfte sie gleich darauf mit sich selbst und kam aus ihrem Versteck hervor, nachdem das Motorrad vorbei gefahren war. Sie hoffte, dass sie niemand bei dieser Aktion beobachtet hatte. Jetzt wurde es Zeit, dass sie ihren Brief los wurde und verschwand. Wieder ging sie zur Haustüre und versuchte den Brief in einen Schlitz zu klemmen. Plötzlich schreckte sie zurück. Wenn er nun eine Alarmanlage hatte und sie diese auslöste? Er hatte bestimmt eine. Wer in dieser Gegend mit solchen Häusern hatte keine? „Ach verflucht noch eins!“, rief sie aus und achtete nicht auf das Auto, das sich näherte.
Sie war gerade im Begriff den Brief direkt vor seiner Haustüre abzulegen, als das Auto auf die Einfahrt fuhr. Ceridwen erstarrte. Sie vergaß sogar zu atmen, was sie erst bemerkte als Keanu aus seinem Porsche stieg und sie direkt ansah. Da holte sie tief Luft. Noch immer bewegungsunfähig beobachtete sie, wie er auf sie zu ging und schließlich direkt vor ihr stehen blieb. Schweigend streckte sie ihm den Brief entgegen, den er annahm und betrachtete. „Was ist das?“, fragte er.
„Ein Brief“, antwortete Ceridwen rau und schloss für einen Moment die Augen. „Eine Erklärung“, ergänzte sie und räusperte sich.
Er hob den Brief leicht an und zerriss ihn vor ihren Augen. „Die hätte ich gerne persönlich“, sagte er und ging zurück zu seinem Auto „Komm“, lockte er sie.
„Nein, warte“, hielt Ceridwen ihn fest. Sofort ließ sie ihn wieder los, als er sich zu ihr umdrehte. „Im Auto?“, fragte sie verwirrt.
„Ich fahre es in die Garage und dann gehen wir von der Garage aus ins Haus“, erklärte er, ging zu seinem Auto und hielt ihr die Tür auf. „Darf ich bitten?“, fragte er freundlich.
„Du möchtest, dass ich in dein Auto steige, um ungefähr einen halben Meter mit dir in deine Garage zu fahren?“, fragte sie ungläubig und blieb an der offenen Autotür stehen. Ernst sah Keanu sie an und nickte. Ceridwen biss sich auf die Unterlippe und setzte sich. Nein, in Wahrheit plumpste sie in den Sitz, denn sie hatte unterschätzt wie tief es war. Nachdem sie ihre Beine im Inneren verstaut hatte, schlug Keanu die Tür zu und ging um den Porsche herum auf die Fahrerseite. Als er sich setzte, steckte Ceridwen gerade ihren Gurt fest. Er musste lachen.
„Was ist?“, fragte sie verwirrt. Er schüttelte nur den Kopf und fuhr noch immer leise lachend in die Garage. Schon stiegen sie wieder aus.
„Ich hoffe, die Fahrt war angenehm“, witzelte Keanu als er beobachtete, wie der Gurt sich wieder in die Halterung einzog. Er ging voraus durch die Garage und hielt ihr eine Tür auf. Zögernd ging Ceridwen auf ihn zu, trat ein und wartete, dass er weiter voraus ging. Langsam folgte sie ihm durch einen schmalen Gang, um die Ecke und durch einen breiteren Gang bis sie schließlich mitten in einem großen, sonnendurchfluteten Wohnraum stand.
„Setz dich“, forderte er sie auf.
„Nein“, sagte sie spontan.
„Du wolltest mir doch etwas erklären“, meinte er daraufhin.
„Ich habe dir einen Brief geschrieben. Du hast ihn zerrissen“, erwiderte sie vorwurfsvoll.
„Setz dich und erzähle mir, was darin stand. Ich bringe dir sogar … ein Wasser“, sagte er mit leichtem Spott in der Stimme.
Das habe ich wohl verdient, dachte sich Ceridwen. „Wohin soll ich mich setzen?“, fragte sie ihn, während sie sich krampfhaft an ihrer Handtasche festhielt.
„Wohin du willst“, antworte er und ließ sie an Ort und Stelle stehen, um ihr das Wasser zu holen, wie sie vermutete. Ceridwen sah sich um und umrundete einmal die Sitzgruppe, neben der sie stand. Keanu trat wieder zu ihr und sah ihr interessiert zu. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass du nicht besonders entscheidungsfreudig bist“, zog er sie auf.
„Ich würde lieber raus gehen“, zeigte Ceridwen auf die Terrasse und sah ihn erwartungsvoll an.
„Bitte“, meinte er und öffnete die ausladenden Terrassentüren. Wieder ging er voran und wartete, bis sich Ceridwen endlich gesetzt hatte. Er stellte ihr das Glas Wasser vor die Nase und ließ sich anschließend selbst in einen Stuhl fallen.
„Also?“, sagte er, nachdem sie sich eine Weile schweigend gegenüber saßen.
„Es ist nicht nett, dass du meinen Brief zerrissen hast“, meinte sie.
„Mag sein. Aber ich möchte keinen Brief lesen, wenn du persönlich vor mir stehst. Rede mit mir und ich höre dir zu“, entgegnete Keanu ruhig.
Ceridwen holte tief Luft. „Ich vertrage keine Trauben. Ich reagiere ziemlich heftig darauf und sehe sehr schnell aus wie eine Wasserleiche“, war alles was sie sagte.
„Ich habe noch nie eine Wasserleiche gesehen“, sagte Keanu, dem das an Erklärung eindeutig zu wenig war.
„Siehst du, das habe ich geahnt. Daher wollte ich dir den Anblick ersparen“, rief sie aus.
„Ceridwen“, meinte Keanu warnend und beugte sich etwas vor. „Verkauf mich jetzt nicht für dumm.“
„Das will ich doch gar nicht“, lenkte sie ein. „Ich meine es ernst. Ich reagiere sehr stark allergisch auf Trauben, auf Rotwein, Sekt, Rosinen, eben alles um und mit Trauben. Ziemlich schnell schwellen mir die Augen zu und die Lippen werden dick, sogar meine Zunge schwillt an. Wenn es ganz schlimm ist, dann kann ich nicht mehr gut atmen, und einmal bin ich sogar in Ohnmacht gefallen. Ich passe sonst immer sehr gut auf, was ich esse oder trinke. Aber dann habe ich von deinem Wein getrunken und geriet in Panik, weil ich einfach nicht wusste, wie schnell ich wie reagieren würde. Ich wollte nur nach Hause und meine Tabletten nehmen, die ich leider nicht bei mir hatte. Es ist schon so lange her, dass ich in so eine Situation gekommen bin. Ich war nicht in der Lage, rational zu handeln. Es tut mir sehr leid“, sprudelte es aus ihr heraus.
„Es war dir also nicht möglich, mir eine kurze Erklärung zu liefern, bevor du auf und davon gerannt bist?“, fragte Keanu noch einmal nach.
„Nein. Ich war dazu nicht in der Lage. Ich war einfach nur panisch. Ich rannte davon, sprang in die U-Bahn, habe mich dort schon halb ausgezogen, weil ich mir einbildete, bereits nicht mehr richtig atmen zu können. Und als ich zu Hause ankam, hatte ich bereits einen Kloß statt einer Zunge im Mund, Monsterlippen und konnte kaum noch aus meinen Augen schauen. Ich warf mir die Tabletten ein, legte mich aufs Bett und versuchte keinen Heulkrampf zu bekommen. Als ich merkte, dass ich nicht daran sterben würde, dachte ich darüber nach wie ich mich verhalten habe, und habe doch einen Heulkrampf bekommen“, antwortete sie ihm herrlich offen.
Keanu dachte nach. Schließlich sagte er „Du stellst fest, dass du Wein getrunken hast, stehst auf, sagst dass du weg musst und es dir leid tut, und läufst davon. Du hättest auch feststellen können, dass du Wein getrunken hast, aufstehen können, sagen können, dass du allergisch bist und schnell nach Hause musst und mich mit dir gehen lassen können. Ich hätte dich nach Hause fahren können. Du wärst bestimmt schneller zu Hause gewesen.“ Kritisch betrachtete er sie.
„Ja, in der Tat. Das wäre möglich gewesen. Aber so habe ich nicht reagiert. Weil ich überhaupt nicht daran dachte so zu reagieren. Zu der Panik vor den Auswirkungen der Allergie kam ja noch eine andere Angst dazu“, sagte Ceridwen hastig.
„Welche andere Angst?“, wollte es Keanu genau wissen.
Ceridwen zögerte. Sie blies laut die Luft aus und antwortete schließlich langsam „Die Angst, dass du mich so zu sehen bekommst. Keine Frau präsentiert sich einem Date – es war doch ein Date? – als Monster. Und ich bin mir sicher, du hättest dich mir auch nicht so zeigen wollen.“
„Ganz bestimmt hätte ich dich nicht als Monster gesehen, Ceridwen. Ich hätte dir viel mehr helfen wollen, diesen Zustand zu überwinden. Und wäre es mir so ergangen, dann hätte ich dir wohl in schnellen Worten erklärt, was mit mir los ist“, entgegnete Keanu mit Tadel in der Stimme.
„Du argumentierst mit der Stimme der Vernunft. Doch ich folgte nur einer Art Instinkt. Sobald ich jedoch zu Hause war und mich beruhigt hatte, hat auch das rationale Denken wieder eingesetzt. Ich hätte dich gerne angerufen. Denn es war mir durchaus bewusst, dass du dich wohl nicht mehr bei mir melden würdest. Nachdem das aber nicht ging, habe ich abgewartet. Und nun … Ich wollte einfach, dass du weißt, wie leid mir mein Verhalten tut. Ich wollte dir erklären, was in mir vorgegangen ist, und mich bei dir entschuldigen“, sagte sie ernst und sah Keanu dabei in die Augen, auch wenn es ihr schwer fiel. Er hielt ihrem Blick stand und nickte langsam. „Ich nehme deine Entschuldigung an.“
Ceridwen lächelte. Dann seufzte sie tief. „Das war dann wohl auch ein weiterer Hinweis darauf, dass das Schicksal es nicht gut mit uns meint.“ Vorsichtig sah sie ihn an. Er sah in die Ferne, nickte langsam und drehte den Kopf wieder zu ihr.
„Langsam glaube auch ich daran“, nickt er. „Aber das heißt nicht, dass ich so leicht aufgebe. Ich will eine neue Chance. Ich will es noch einmal versuchen. Und du wirst nicht nein sagen, weil ich ganz bestimmt etwas gut bei dir habe“, sagte er fest.
Sie konnte kaum glauben, was er da sagte. „Wirklich?“, fragte sie zögernd.
„Natürlich habe ich etwas gut bei dir. Siehst du das etwa anders?“, fragte er beinahe empört.
„Nein, ich meine, bist du sicher, dass du noch einmal mit mir ausgehen möchtest“, stellte Ceridwen richtig.
Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie ernst an. „Ja, das bin ich. Ich möchte mit dir ausgehen, mit allem drum und dran. Ich werde dich abholen. Dann gehen wir ins Il Sole. Danach fahre ich dich wieder nach Hause oder wir tun, was uns sonst so einfällt“, bestimmte er.
„Ins Il Sole? Das ist so ein Promischu… Da…“, setzte Ceridwen entsetzt an und sprach lieber nicht weiter.
„Das Essen ist gut dort und der Wein noch viel besser“, meinte Keanu ungerührt.
Ceridwen sah ihn nicht an. Sie stand auf und hängte ihre Tasche über die Schulter.
„Gut. Dann melde dich“, sagte sie.
Keanu sprang auf. „Das werde ich. Sogar recht bald.“ Er brachte sie noch nach draußen. Und nachdem Ceridwen ihm versichert hatte, dass er sie nicht nach Hause fahren brauchte, verabschiedeten sie sich.
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Mohri
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:28    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 9

Ceridwen war vor Aufregung schon ganz schlecht. Jetzt hatte Keanu sie so weit. Vorbei war es mit ihrer Ruhe, wenn sie an ihn dachte. Vorbei war es mit der Sicherheit, dass er sie nicht interessierte. Vorbei war es mit ihrem Glauben, dass es einfach nur ein gemeinsames Essen mit ihm sein würde, das rein gar nichts für sie bedeutete. All das hatte sich ins Gegenteil verkehrt. Wenn sie jetzt an ihn dachte, klopfte ihr Herz schneller. Er interessierte sie. Sehr sogar. Und sie wünschte sich, dass es auch für ihn mehr als nur ein gemeinsames Essen war. Wann hatten sich ihre Gefühle verändert?
Sie hatte über eine Stunde gebraucht, bis sie endlich etwas zum Anziehen gefunden hatte, womit sie einigermaßen glücklich war. Ihr Schlafzimmer sah aus, als hätten Einbrecher ihr Unwesen getrieben. Aber dort würde sie ihn nicht rein lassen. Wenn er doch mit in ihre Wohnung kam, musste die Couch genügen. Oder war die vielleicht schon ein bisschen zu sehr durchgesessen? Sie wollte sich schon längst eine neue kaufen. Bisher war sie immer zu faul gewesen. Jetzt ärgerte sie sich fast. „Bist du eigentlich verrückt?“, fragte sie sich laut selbst als ihr bewusst wurde, in welche Richtung ihre Gedanken gerade gingen.
Il Sole. Wieso dieses Restaurant? Sie hatte es nicht gewagt ihn am Telefon danach zu fragen. Sie konnte sich nur vorstellen, dass er sie prüfen wollte. Meinte sie es ernst oder spielte sie mit ihm? Aber was hatte er davon, wenn sie an seiner Seite am nächsten oder übernächsten Tag die Klatschspalten füllte? Sie würde es den Paparazzi, die mit Sicherheit dort lauerten, schwer machen. Sie hatte sogar geübt, wie sie sich am besten unkenntlich machte. Dafür trug sie extra ihr Haar offen, sogar etwas wild. Chad persönlich hatte sich ihrer Frisur angenommen. „Dass du’s nicht wieder versaust“, hatte er sie gewarnt. Jedenfalls fiel es ihr nun, wenn sie den Kopf beugte, nach vorne so ins Gesicht, dass sie noch etwas sehen konnte und auch trotzdem ordentlich aussah, wenn sie sich wieder gerade hielt. Sie hoffte, dass sie nicht aus Keanus Auto stolperte, weil sie irgendwo hängen blieb. Selbst das hatte sie geübt. Sie hatte versucht möglichst elegant von einem Kissenberg aufzustehen, der eine gefühlte, ähnliche Höhe hatte wie Keanus Porsche. Das war sehr schwierig gewesen. Vor allem mit dem Rock, für den sie sich entschieden hatte. Ein Höschenbild brauchte sie nicht auch noch in irgendeiner Zeitung oder gar in allen. Oh Gott, und wenn er jetzt mit dem Motorrad kam? Dann war ihre Frisur völlig im Eimer und den Rock sollte sie dann auch besser gegen eine Hose eintauschen. Aber nein, das würde er ihr nicht antun. Oder doch? Panisch rannte sie zurück in ihr Schlafzimmer, trat über den Berg ihrer Klamotten und suchte nach einer passenden Hose zu ihrem Oberteil. „Wo ist sie nur? Wo ist sie nur?“, suchte sie laut und raufte sich das Haar als es klingelte. Wie erstarrt hielt sie in ihrer Bewegung inne. Da war er. Konnte ein Herz aus der Kehle springen?
„Komm hoch“, rief sie Keanu über den Türöffner zu. Sie hoffte, dass er es war. Ceridwen wartete hinter der Tür. Und als sie seine Schritte hörte, riss sie diese auf. Ihr Blick fiel sofort auf seine Hände. Er hatte keinen Helm dabei. Gott sei Dank. „Komm rein“, sagte sie schnell und trat zur Seite. „Wo sind deine Haare?“, fragte sie ihn gleich darauf verwundert. Sie waren plötzlich kurz.
„Abgeschnitten“, antwortete er und sah sie grinsend an. „Wie ich sehe warst du auch beim Friseur?“
„Chad hat mir die Haare gemacht. Er ist der Lebensgefährte meines Bruders. Und er ist auch Maskenbildner“, antwortete Ceridwen ihm.
„Oh“, machte Keanu daraufhin erstaunt. Ceridwen runzelte die Stirn und schenkte ihrem Spiegelbild noch einen kurzen Blick während sie ihre Handtasche von der Garderobe angelte. „Ach du meine Güte“, rief sie erschrocken aus und strich ihre Haare mit beiden Händen glatt. Sie sah aus wie ein alter Besen. Das war doch eben noch nicht so gewesen. Als sie die Haare einigermaßen gebändigt hatte, drehte sie sich zu Keanu um, der leise in sich hinein lachte.
„Ich sehe schrecklich aus, nicht wahr?“, fragte sie betrübt. „So sehr, dass du über mich lachen musst.“
„Nein!“, rief er gleich aus. „Du siehst ganz zauberhaft aus! Es ist nur deine Art… Du bringst mich einfach immer wieder zum Lachen. Und das ist gut“, beeilte er sich zu sagen.
Zweifelnd sah sie ihn an. „Nun komm“, sagte er sanft und hielt ihr seine Hand hin. Vorsichtig schob sie ihre Hand in seine. Jetzt lag ihr Herz definitiv zappelnd auf dem Boden. Wie schön sich das anfühlte. Sie hatte schon bemerkt, dass seine Hände groß waren. Ihre waren auch nicht gerade klein. Doch als er nun ihre Hand umfasst hielt, meinte sie die zartesten und kleinsten Hände auf der Welt zu haben. Seine Haut war weich und warm und kein bisschen schwielig. Leider hielt er ihre Hand nur so lange fest, bis sie aus ihrer Wohnung gegangen waren und Ceridwen die Haustür absperrte.

Sie saßen schon im Auto als Keanu merkte, wie Ceridwen ihn musterte. „Was ist?“, fragte er schließlich.
„Du gefällst mir“, hörte er sie antworten. Er schenkte ihr einen überraschten Blick, bevor er sich wieder auf die Straße konzentrierte.
„Vielen Dank. Du gefällst mir auch“, meinte er. Sie räusperte sich leise.
„Ich meine deine Frisur. Und auch das, was du dir angezogen hast“, erklärte sie ihm präziser.
„Ja. So geht es mir mit dir auch“, sagte er darauf.
„Danke“, meinte sie leise und er lächelte sie an.
Sie fuhren eine Weile schweigend als Keanu plötzlich meinte „O.k., ich glaube wir sollten für heute Abend ein paar Verhaltensregeln aufstellen.“
„Ist das dein Ernst?“, fragte Ceridwen und wusste nicht, ob sie darüber empört sein sollte.
„Durchaus. Eine Regel besagt, dass du dich von meinem Weinglas fern hältst“, sprach er weiter.
„Ich habe nicht absichtlich aus deinem Glas getrunken“, beschwerte sie sich.
„Ich meine ja nur, dass so etwas wie bei unserem ersten … Date nicht noch einmal passieren soll. Und so kommen wir auch schon zur zweiten Regel. Es gibt nichts, absolut gar nichts, weswegen du einfach davon laufen musst“, sagte er geradezu streng.
Ceridwen stöhnte leise. „Ich laufe nicht wieder davon. Ich verspreche es. Ich habe nicht vor, dieses Treffen auch noch zu versauen“, erklärte sie ihm ernst. „Und ich denke, durch die Wahl des Lokals hast du dich schon gut abgesichert, dass ich nicht Hals über Kopf verschwinde.“
„Wie meinst du das?“, fragte er.
„Du wirst wohl wissen, dass ich uns beiden die Peinlichkeit erspare, uns den wartenden Paparazzi zum Fraß vorzuwerfen. Ich werde dir folgen, weil es der Boden ist, auf dem du dich sicher bewegst, wohin gehend ich völlig ahnungslos deine Anleitung brauche. Also mache dir nicht allzu viele Sorgen. Ich werde dich höchstens im Lokal selbst in Verlegenheit bringen, aber ganz bestimmt auch nicht mit Absicht. Und was den Wein angeht, ich habe heute meine Tabletten dabei. Dennoch wäre ich der sehr dankbar, wenn du mich davon abhalten könntest, sollte ich versuchen, irgendwas mit Trauben zu mir nehmen zu wollen“, antwortete sie ihm ernsthaft.
„Das werde ich ganz bestimmt“, nickte er und ging nicht weiter auf ihre Vermutung hinsichtlich der Wahl des Lokals ein.

Keanu fuhr langsamer. Sie kamen dem Restaurant näher. Der erste Paparazzo hatte das Auto bereits erkannt und beeilte sich auch der Erste zu sein, der sie ablichtete. Ihnen wurde die Tür geöffnet. Während er schwungvoll aus dem Auto sprang, kletterte Ceridwen wie sie es zu Hause mit den Kissen geübt hatte heraus. Sie stand kaum, da war Keanu schon an ihrer Seite. Während er seine Hand vors Gesicht hielt, beugte Ceridwen den Kopf und ließ ihre Haare nach vorne fallen. Das Blitzlicht blendete sie trotzdem hin und wieder, während sie neben Keanu her lief. Beide schwiegen sie. Beide ignorierten die Rufe der Männer, die um sie herum wuselten. Schließlich ließ Ceridwen sich etwas zurück fallen und ging einmal links und einmal rechts hinter Keanu.
„Was machst du da?“, fragte Keanu irgendwann, nachdem er schon glaubte, er würde auf der Straße tanzen, weil er im Zickzack lief. Immerhin schaffte Ceridwen es damit auch, die Paparazzi ein wenig zu verwirren.
„Ich versuche, mich hinter dir zu verstecken. Aber du machst es mir ganz schön schwer“, antwortete sie leise.
Endlich waren sie am Eingang und schlüpften hinein. Ceridwen atmete tief durch. Ihr wurde die Jacke abgenommen und schon wurden sie an ihren Tisch geleitet. Schweigend setzten sie sich gegenüber.
Als sie mit der Speisekarte versorgt waren und schließlich bestellt hatten, entspannte sich Ceridwen langsam.
„So, dann erzähle mal was über dich. Heute bist schließlich du dran“, forderte sie Keanu auf.
„Nein, nein, nein. Das ist nicht richtig. Du warst immerhin nach unserem letzten Treffen bereits nach der Vorspeise verschwunden. Also musst du noch ein wenig mehr über dich erzählen“, winkte Keanu ab.
„So“, meinte Ceridwen gedehnt. „Na gut, ein bisschen erzähle ich dir noch über mich. Aber dann bist du dran. Was willst du wissen?“
„Woher kommt dein Name? Ich habe Ceridwen noch nie zuvor gehört. Ich weiß nicht einmal wie er geschrieben wird“, fragte er.
„Ich habe auf dem Brief an dich unterschrieben. Deine bereuende Ceridwen oder so etwas in der Art. Das war der Brief, den du zerrissen hast“, sah sie ihn mit einem leichten Lächeln an.
„Ich habe den Brief noch. Ich könnte nachsehen“, lächelte er ebenfalls.
„Ceridwen ist ein keltischer Name. Meine Großeltern kommen aus Irland und Wales. Mein Vater ist aber bereits hier geboren. Meine Mutter, sie stammt hier aus L.A., findet alles Irische, Keltische, Walisische faszinierend. Daher haben mein Bruder und ich keltische bzw. irische Namen“, antwortete sie ihm auf seine Frage, woher ihr Name kommt.
„Und hat er eine besondere Bedeutung?“, interessierte sich Keanu weiter.
„Oh Gott, ja“, antwortete Ceridwen und verdrehte leicht die Augen. „Ceridwen ist die Göttin der Schweine.“
Keanu, der gerade dabei war zu trinken, verschluckte sich beinahe. Er brach in Gelächter aus und schüttelte den Kopf. „Ceridwen, wirklich. Du willst mir doch jetzt einen Bären aufbinden“, lachte er immer noch leise.
Ceridwen lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Ruhig sagte sie „Nachdem sie oft die Gestalt des Schweines annahm, ist ihr dieses Tier geweiht. Allerdings sollte man hierbei den Aspekt der Muttersau…“
Sie unterbrach sich, weil Keanu die Hand vor den Mund hielt und sich ein tiefes Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Du solltest dich nicht über meinen Namen lustig machen. Schließlich ist deiner auch nicht ohne Bedeutung. Wie war das? Wirbelsturm oder so was?“, wies sie ihn gutmütig zurecht.
„Wirbelsturm“, lachte er. „Nein, nicht ganz. Hast du wirklich noch nie eine Erklärung meines Namens gehört? Keanu bedeutet kühle Brise über den Bergen. Das klingt doch sehr angenehm, findest du nicht?“, fragte er sie mit einem tiefen Blick aus seinen dunklen, warmen Augen.
„Das kommt darauf an. Wenn es warm auf dem Berg ist, dann sicherlich. Aber wenn dort Schnee liegt, es windig und kalt ist und dann noch einmal extra eine kühle Brise über den Berg kommt, dann stelle ich mir das gar nicht angenehm vor“, entgegnete sie und erwiderte seinen Blick. Langsam lehnte sich Keanu ein wenig nach vorne und sah sie aus schmalen Augen an.
Oh Gott, jetzt habe ich ihn ernsthaft beleidigt, befürchtete Ceridwen und dachte angestrengt nach, womit sie ihn beruhigen könnte. Da öffnete er auch schon den Mund.
„Kehren wir doch noch mal zu der Muttersau zurück“, sagte er und grinste sie an. Ceridwen lachte hell auf. „Also wenn du die Geschichte um die Göttin der Schweine hören möchtest, dann erzähle ich sie dir gerne“, sagte sie und strahlte ihn an.
„Unbedingt. Es interessiert mich wirklich“, nickte er bekräftigend.
„Im Übrigen weiß ich, was Keanu bedeutet. Ich habe es nachgelesen. Die kühle Brise über den Bergen brachten die Ureinwohner Hawaiis mit höheren Mächten bzw. Gottheiten in Verbindung. So stand es jedenfalls geschrieben“, erklärte sie.
„Du hast dich also über mich informiert“, stellte er interessiert fest.
„Über deinen Namen“, korrigierte sie ihn.
„Nur über meinen Namen?“, fragte er kritisch nach.
„Möchtest du nun mehr über Ceridwen wissen?“, wich sie aus und war froh, dass die Vorspeise angerichtet wurde.
Natürlich hatte sie sich nicht nur über seinen Namen informiert. Es hatte angefangen damit, dass sie nachgesehen hatte, welche Filme er gedreht hatte und welche sie davon gesehen hatte. Und dann kam sie darauf, die Bedeutung seines Namens zu erforschen. Schließlich las sie Interviews, sah sich auch welche an und blieb zuletzt an den vielen Bildern von ihm hängen, die durchs Internet geisterten. Doch sie hatte nicht vor, das Keanu auf die Nase zu binden.
„Wie kamen deine Eltern dazu, dich nach der Göttin der Schweine zu benennen? Ich finde das etwas befremdlich, wenn ich ehrlich sein darf“, kam Keanu während des Essens wieder auf das Thema zurück.
„Das haben sie auch nicht wirklich. Ich fragte meine Mutter einmal danach, wie sie auf meinen Namen kam. Und sie sagte, sie hätte ihn in einem dieser keltischen Liebesromane gelesen und wollte daraufhin, dass ich so heiße. Ich habe ihr vor längerer Zeit schon die Bedeutung meines Namens erklärt. Da hat sie nur gelacht“, erzählte Ceridwen.
„Ceridwen nahm also die Gestalt des Schweines an?“, fragte er neugierig.
„Ja, zumindest oft. Daher ist ihr das Schwein geweiht. Sie ist zudem die walisische Fruchtbarkeitsgöttin. Die Sau ist ein Symbol für Fruchtbarkeit, da Schweine sich sehr rasch und in hoher Zahl vermehren. Die Muttersau ist eine hingebungsvolle Mutter und behütet sowie nährt ihre Jungen sehr gut. Die Geschichte von Taliesin erzählt mehr von Ceridwen“, erklärte sie ihm.
„Erzähle mir die Geschichte“, bat er sie und sah sie aufmerksam an.
Ceridwen nahm einen Schluck von ihrem Wasser. Sie hatte genau darauf geachtet, auch wirklich ihr Glas zu nehmen.
„In dieser Geschichte ist Ceridwen eine walisische Zauberin. Sie hat eine wunderschöne Tochter namens Creirwy und einen abgrundtief hässlichen Sohn mit dem Namen Afaggdu. Um von dessen Hässlichkeit abzulenken, möchte sie ihn zu einem weisen Mann machen. Dafür braut sie einen Trank in einem Kessel. Dieser Trank muss eine bestimmte Zeit kochen mit Berücksichtigung bestimmter Mondzyklen und der Beimischung besonderer Kräuter. Da Ceridwen den Kessel nicht ständig alleine bewachen kann, beauftragt sie den Jungen Gwion Bach, den Kessel zu bewachen und ihn in bestimmten Abständen umzurühren. Als der Zaubertrank fertig war, spritzten drei Tropfen des Gebräus auf den Finger des Gwion Bach. Er steckte sich den Finger in den Mund. So wirkte der Zauber bei ihm und nicht bei Afaggdu. Gwion Bach hatte nun die Weisheit erlangt und realisierte, wie zornig Ceridwen sein würde, denn nur die ersten drei Tropfen brachten Wirkung. Der Rest wurde zu Gift und der Kessel zersprang. Ceridwen sieht die Zerstörung und verfolgt Gwion. Dieser versteckt sich. Doch als Ceridwen ihm nahe kommt, verwandelt er sich in einen Hasen und läuft davon. Ceridwen durschaut ihn und verwandelt sich in einen Greyhound um ihn zu jagen. In der Folge wird Gwion zum Fisch und Ceridwen zum Fischotter. Gwion wird zum Vogel, Ceridwen zum Adler. Zuletzt wird Gwion zu einem Weizenkorn unter tausenden. Doch Ceridwen wird zum Huhn und pickt ihn auf. Danach verwandelt sie sich in einen Menschen zurück und stellt fest, dass sie ein Kind erwartet. Eigentlich möchte sie das Kind töten, nachdem sie es zur Welt gebracht hat. Da es aber so wunderschön ist, bringt sie es nicht übers Herz und setzt es in einem Boot aus. Das Boot mit dem Knaben treibt den Fluss hinunter und wird schließlich vom Prinzen Ephin gefunden. Er nennt den Jungen Taliesin, was so viel wie ‚glänzende Stirn‘ bedeutet. Der Junge hat nämlich die Weisheit durch die – nun ja – Wiedergeburt nicht verloren. Er wird der erste und höchste Dichter und Barde von Britannien. Noch lange nannten sich die Barden „Cerddorion“, die Söhne der Ceridwen.“

Keanu hatte ihr interessiert zugehört. Zum Einen fand er die Geschichte tatsächlich interessant, zum Anderen hörte er sehr gerne Ceridwens Stimme. Sie war angenehm, eher tief als hoch. Während sie mit ihm sprach, hatte sie ihn durchwegs angesehen, so dass er in den Tiefen ihrer türkisfarbenen Augen versinken konnte, so als würde er im Meer in reinem Wasser tauchen. Er fragte sich, ob sie wusste, welch unglaubliche Ausstrahlung sie besaß.
Plötzlich hörte er Ceridwen leise lachen. Fragend sah er sie an.
„Wenigstens unsere Namen passen zusammen. Du kündigst durch deinen Namen – die kühle Brise über den Bergen – das Erscheinen der Göttin der Schweine an“, erklärte sie.
„Oh ja“, lachte Keanu. Er machte eine ausladende Geste und rief. „Spürt den Wind. Hier kommt die Göttin der Schweine.“
„Nicht so laut“, ermahnte Ceridwen ihn und sah sich verstohlen um. Doch Keanu lächelte nur.
„Was meinst du eigentlich mit wenigstens?“, fragt er sie.
„Na ja, du weißt schon. Die Sache mit dem Schicksal“, antwortete Ceridwen leichthin.

Während sie die Hauptspeise einnahmen, sagte Keanu wie nebenbei „Ich glaube übrigens daran, dass die Sterne, der Himmel und der Zeitpunkt, an dem wir geboren werden, Einfluss auf unser Leben haben. Leider bin ich Jungfrau. Und ich hasse es. Es ist so langweilig. Perfektionistisch, ordentlich, treu, bodenständig." Er schüttelte sich vor Abscheu und lacht.
„Das klingt wirklich schlimm“, zog Ceridwen ihn auf. „Ich kann mir gar nicht Schlimmeres vorstellen. Ordentlich! Pfui. Treu! Empörend.“
„Welches Sternzeichen hast du?“, sah Keanu Ceridwen neugierig an.
„Ich bin ein Bock“, antwortete sie kurz.
Keanu machte mit seinen Fingern Hörner nach. „So ein Bock?“, fragte er.
„Darf man hier so albern sein?“, fragte Ceridwen vorsichtig.
Gutmütig sah er sie an. „Hast du eigentlich jemals etwas Verbotenes getan?“
Sie dachte einen Moment nach und antwortete zögernd „Ich bin schon einmal durch ein Loch im Zaun in ein Freibad geschlüpft und bin dort mit meinem Exmann – damals noch Freund – nackt baden gegangen.“
„Oh“, machte er und sah sie wieder mit diesem eindringlichen Blick an. „Würdest du das mit mir wiederholen?“, fragte er und zwinkerte ihr zu.
„Es kommt darauf an wie gut wir uns kennen“, ging sie auf sein Flirten ein.
„Wie gut müssten wir uns kennen?“ sah er sie gespannt an.
„Ausgesprochen gut“, antwortete Ceridwen wage. Sie lächelte ihn zart an. „Besser als jetzt“, ruderte sie ein wenig zurück. Schweigend hielten seine Augen die ihren noch immer gefangen.
„Ich meine das Verbot, den Einbruch“, ergänzte sie schließlich ein klein wenig rau. Seine Augen schienen ihre Farbe zu verändern. Sie wurden eine Spur dunkler, bevor er sich sein Weinglas nahm und einen Schluck trank.
Oh Gott, was macht er nur mit ihr? Ceridwen war froh, dass sie saß. Ihre Knie fühlten sich auch so schon weich an. Diese Augen, dieser Blick, dieses Lächeln. Wenn sie nicht aufpasste, hatte er ihr Herz erobert und sie konnte sich das Ende bereits ausmalen. Sie würde sich auf ihn einlassen, er würde ihr das Herz brechen. So war das mit schönen Männern, wie er einer war. Und erst recht war das so mit schönen Hollywood-Stars. Doch, wenn sie diese Gefahr sah, was machte sie dann hier?
„Hey, was ist los? Du machst plötzlich einen abwesenden Eindruck?“, riss er sie besorgt aus ihren Gedanken.
„Nein, nein“, beeilte sie sich zu sagen. „Ich habe nur geträumt.“
„Kam ich auch in deinem Traum vor?“, fragte er und lächelte leicht.
„Du hattest die Hauptrolle“, seufzte sie leise. Erschrocken sah sie auf. Sein Blick ruhte auf ihr. „Habe ich das jetzt laut gesagt?“
Er nickte nur langsam. In seinen Augen lag ein Glitzern. Warum nur dachte sie immer laut?, fragte sie sich verzweifelt. Sie kam sich vor wie Jim Carrey in „Der Dummschwätzer“, der gezwungen war, sofort und ständig mit allem hinaus zu platzen, was er sich dachte.
„Da fällt mir ein, wir sind jetzt beim Nachtisch angelangt. Jetzt bist du dran mit erzählen“, lenkte sie schnell ab und lächelte ihn entwaffnend an.
„Was willst du wissen?“, fragt er und klang dabei vorsichtig.
„Alles das, was ich nicht weiß. Und ich weiß nicht viel. Wer war zum Beispiel deine Begleitung im Theater?“, sah sie ihn gespannt an.
„Meine Schwester Karina. Sie ist meine Halbschwester“, antwortete er.
„Ah, das ist ja witzig. Da waren wir beide mit unseren Geschwistern da. Und wir beide dachten, sie wären unsere Partner“, lachte Ceridwen leise.
Keanu entspannte sich wieder ein wenig. Er hatte sie so eingeschätzt, dass sie ihm heikle Fragen stellte, die er nicht beantworten konnte und wollte. Wenigstens noch nicht. Daher hatte er mit Ausreden darauf bestanden, dass sie von sich erzählte, was natürlich auch von Interesse für ihn war. Aber vielleicht sollte er sich auch nicht zu früh freuen. Die heiklen Fragen konnten noch kommen.
„Wie ist es für dich so viel unterwegs zu sein?“, fragte sie gerade. „Weißt du, der Lebensgefährte meines Bruders möchte gerne, dass ich bei ihnen einsteige. Chad, ich erzählte schon von ihm. Doch ich bin so ein Sicherheitsmensch. Ich bin bei diesem Sender angestellt, arbeite meine Zeiten ab und gehe nach Hause. In meinem Bett schlafe ich am besten. In Hotelbetten schlafe ich nie besonders gut. Aber die Arbeit bei Chad wäre sehr viel abwechslungsreicher. Jedoch wäre ich auch ständig unterwegs. Mal hier mal dort. Für eine Beziehung hätte ich vermutlich keine Zeit. Oder doch? Hast du Zeit für eine Beziehung und für deine Freunde?“, plapperte sie darauf los.
Keanu überlegte. „Wenn ich drehe oder promote oder was noch so anfällt, wenn ich im Begriff bin mich für einen neuen Film engagieren zu lassen, dann habe ich natürlich nicht sehr viel Zeit für Freunde oder eine Beziehung. Aber ich habe dann auch wieder lange Ruhephasen dazwischen, wenn ich sie mir gönne. In diesen Phasen habe ich sehr wohl Zeit. Es ist wohl eine Frage der Organisation und auch des Wollens“, antwortete er langsam.
„Des Wollens?“, fragte Ceridwen interessiert nach.
„Ja. Wenn mir ein Freund und eine Freundin sehr viel bedeuten, dann sehe ich auch zu, dass es funktioniert. Das ist normal so, würde ich sagen. Das ist nicht vom Beruf abhängig. Schauspieler haben es schwerer zu erkennen, welche Menschen nur die unterschiedlichen Rollen in ihnen sehen oder den Menschen hinter den Rollen. Nichts, was ich je gespielt habe ist das, was ich bin“, erklärte er ihr ernst.

Ihr Gespräch wurde durch das Auftragen der Nachspeise unterbrochen. Kaum war der Service wieder gegangen, fragte Keanu „Und willst du Chads Angebot annehmen? Er arbeitet beim Film, wenn er viel unterwegs ist, nehme ich an.“
„Genau. Und ich weiß es eben nicht. Und so langsam sollte ich mich entscheiden. Im Sender, das langweilt mich inzwischen ein bisschen. Niall sagt, ich verschwende mein Potenzial. Selbst Chad, der eigentlich immer kritisch ist, meint das“, antwortete sie ihm seufzend.
„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, heißt es“, sagt er sanft.
„Würdest du es tun?“, fragte sie ihn auf Hilfe hoffend.
„Ich kann dir diese Entscheidung nicht abnehmen, Ceridwen“, antwortete er mit einem zarten Lächeln.
Sie seufzte tief. „Nein, das stimmt. Hattest du nie Angst, dass du es als Schauspieler nicht schaffen könntest?“
„Nein. Nie. Ich war noch so jung, als ich es beschlossen habe. Ich hatte die Kraft des jugendlichen Glaubens.“ Er lachte leise. „Ich hatte aber auch mit meinem Stiefvater jemanden, der mich an die richtigen Leute brachte.“
„Gut, der jugendliche Glauben geht mir jetzt leider etwas ab“, erwiderte Ceridwen sein Lächeln. „Die richtigen Leute habe ich jedoch auch. Mal sehen. Vielleicht wache ich morgen auf und kann mich endlich entscheiden.“
Der Nachtisch war gegessen und die Teller abgeräumt. „Ich muss mal… weg“, hörte Keanu Ceridwen plötzlich sagen. Alarmiert sah er sie an. „Weg? Wie weg?“
„Oh, nicht sooo weg. Ich muss nur mal – wie sagt man – meine Nase pudern. Ich weiß, das schickt sich nicht während des Essens, wobei wir eigentlich damit fertig sind. Jedenfalls habe ich nun das dringende Bedürfnis, mir … ähm… die Nase zu pudern“, stammelte sie. „Entschuldigst du mich kurz?“, fragte sie höflich.
„Aber natürlich“, nickte er und stand mit ihr auf. Langsam ging Ceridwen erst einmal in die falsche Richtung. Dann mit schnellen Schritten dorthin, wo sie eigentlich hin wollte.
Auf der Toilette war sie alleine. Sie ging zu den Waschbecken und ließ sich kaltes Wasser über die Hände laufen. Als sie in den Spiegel sah, stellte sie fest, dass ihre Wangen gerötet waren und ihre Augen wie im Fieber glänzten. Vorsichtig betupfte sie ihr Gesicht mit dem kalten Wasser. Was ihn wohl an ihr reizte? Ja, sie war nicht hässlich, aber für ihr Dafürhalten auch nicht übermäßig hübsch. Auf alle Fälle war sie weit davon entfernt wie eine seiner Schauspielkolleginnen auszusehen. Plötzlich bereute sie fast, dass sie sich selbst davon abgehalten hatte, mehr über ihn zu recherchieren. Sie wollte nichts über ihn lesen, denn das hätte ihre Einstellung und ihr Denken über ihn garantiert beeinflusst. Es hatte schon gereicht, seine Interviews zu lesen und anzusehen. Natürlich wusste sie ein bisschen was über ihn. Es gab Dinge, die bereits vor längerer Zeit, bevor sie ihn getroffen hatte, auch an ihre Ohren gelangt waren. Seine persönlichen Verluste zum Beispiel. Aber ansonsten war er ihr nur durch einige seiner Filme bekannt. Und die meisten davon hatte sie aus beruflichen Gründen gesehen. Sie las kaum Klatsch, einfach aus dem Grund, dass sie eine von den Personen, über die sie gelesen hatte, in der Maske haben könnte. Und dann hätte sie sich schon vor dem Zusammentreffen ein Bild über ihn gemacht und fand den Menschen am Ende unsympathisch, obwohl er es oder sie es gar nicht war. Dann wäre sie vielleicht nicht besonders nett oder würde sich ärgern. Sie hörte dies und das, gab hin und wieder auch einen Kommentar ab und vergaß es dann wieder. Aber nun bekam sie bei Keanu Herzklopfen, obwohl er noch nicht viel von sich preis gegeben hatte. Und er kam zu einem Zeitpunkt in ihr Leben, als Jason ihre gerade erst ordentlich zugesetzt hatte. Jetzt hätte sie gerne gewusst, was man über ihn schrieb. Vielleicht war er gar nicht der Typ, der von einem Bett ins nächste hüpfte, wie sie sich das vorstellte. Vielleicht hatte er schon so manche Enttäuschung erlebt – so wie sie – und war daher genauso vorsichtig. Vielleicht war er einfach ein Mann, der sich eine feste Beziehung wünschte. Ein paar Schauspieler gab es schließlich, die dieses Modell lebten. Sie strich sich eine Strähne hinters Ohr und atmete tief durch. „Ich könnte natürlich auch einfach mit ihm darüber sprechen“, sagte sie laut. Dann lächelte sie sich zu, straffte die Schultern und ging wieder zurück.
Keanu erhob sich auch von seinem Stuhl, als sie zurückkam. „Bleib doch sitzen“, bat sie ihn freundlich und plumpste beinahe auf ihren Stuhl, da sie nicht bemerkt hatte, wie eine Servicekraft zu ihr geeilt war, um ihr diesen zurecht zu rücken. Sie bedankte sich schnell und wendete sich wieder ihrem Gegenüber zu.
„Der Toilettenraum sieht schön aus“, sagte sie und fragte sich im selben Moment, was sie da eigentlich von sich gab. Fing das jetzt schon wieder an? Vorsichtig sah sie Keanu an und bemerkt gerade noch seinen belustigten Blick.
„Insgesamt ist es ein schönes Lokal“, stellte er jedoch im ernsten Tonfall fest.
„Gut, dass wir das geklärt haben. Übrigens, heute übernehme ich die Rechnung. Und dann hätte ich gerne noch deine Telefonnummer“, sprang sie schon zum nächsten Thema. Sie sah ihn mit einer gewissen Strenge im Blick an, die ihn von jeglicher Widerrede abhalten sollte.
„Meine Telefonnummer bekommst du selbstverständlich. Aber nur, wenn du dann auch anrufst und nicht wieder auflegst, sobald ich mich melde“, nickte er amüsiert.
„Das wäre doch total albern“, meinte Ceridwen trocken und sah sich nach dem Kellner um.
„Du hast gesagt, dass du das tun würdest“, erwiderte Keanu. Er sah zu, wie sie mit dem für sie zuständigen Kellner Blickkontakt aufnahm und ihn damit zu sich bat.
„Aber doch jetzt nicht mehr“, sagte sie ihm, bevor sie zum Kellner aufsah. „Ich hätte gerne die Rechnung“, meinte sie leise.
„Herr Reeves hat schon bezahlt“, antwortete dieser höflich.
„Warum?“, fragte Ceridwen Keanu mit zusammengezogenen Augenbrauen.
Der zuckte nur mit den Schultern. „Mir war so danach.“ Bevor Ceridwen mit ihm über die bezahlte Rechnung diskutieren konnte, fragte er sie schnell „Wenn du meine Nummer hast, mich anrufst, was wirst du dann sagen?“
„Hallo Keanu. Hier ist Ceridwen. Ich habe Neuigkeiten für dich. Heute gehen wir in ein klassisches Konzert, morgen werden wir uns betrinken, übermorgen backen wir zusammen Kuchen, überübermorgen tanzen wir auf der Straße und am Sonntag ist Ruhetag. Nächste Woche am Montag koche ich für dich, am Dienstag du für mich. Am Mittwoch sitzen wir am Lagerfeuer, am Donnerstag gehen wir Eis essen. Am Freitag gehen wir Schlittschuhlaufen und am Samstag singen wir ein Duett“, zählte sie ihm auf und registrierte, wie sein Lächeln immer strahlender wurde. Welch schönes Lächeln, welch schöner Mann.
„Und wann brechen wir ins Freibad ein, um nackt zu baden?“, fragte er frech und sah sie herausfordernd an.
„Nicht am Sonntag. Da ist Ruhetag. Da gehe ich höchstens in die Badewanne, zwar auch nackt, aber alleine.“ Sie lachte leise. Doch bei dem Gedanken daran, mit ihm in der Badewanne zu sitzen, und daran, was sie dort alles miteinander anstellen könnten, wurde ihr ganz warm, so als hätte sie gerade schön heißen Tee getrunken. Als sie ihm in die Augen sah, wurde sie das Gefühl nicht los, dass auch er gerade an etwas ganz anderes dachte als ans Rückenwaschen.
„Ich freue mich auf deinen Anruf. Allerdings sollten wir das mit dem Kochen noch einmal überdenken. Ich glaube, du wirst nichts essen wollen, was ich für dich koche“, stellte er fest und winkte dem Kellner erneut. Als dieser zu ihnen kam, bat er um einen Stift und um einen Zettel. Beides wurde ihm umgehend gereicht. Langsam und ausgesprochen ordentlich, schrieb er seine Telefonnummer und seinen Namen auf. Er reichte Ceridwen den Zettel und meinte „Lies vor. Aber leise.“ Ceridwen gehorchte und Keanu nickte als sie die Nummer richtig vorlas. Um ihn ein wenig zu necken, las sie ihm sogar seinen Namen vor. Nun durfte sie nur die Nummer nicht verlieren. Das wäre schon alleine deswegen dumm, weil sein Name mit auf dem Zettel stand. Er nahm ihn ihr wieder ab und strich den Namen wild durch. „Falls du den Zettel verlierst“, erklärte er und sie nickte nur.

Wenn sie nicht anrief, würde er sich auf jeden Fall melden. Im Verlauf des Essens fühlte er sich immer mehr zu ihr hingezogen – noch mehr als ohnehin schon. Ihre lockere, zurückhaltende Art ihm gegenüber gefiel ihm ausnehmend gut. Er glaubte nicht, dass sie ihm etwas vor machte. Sie war, wie sie fühlte. Und er könnte jedes Mal in herzliches Lachen ausbrechen, wenn sie wieder einmal laut dachte und hinterher entsetzt war. Hoffentlich tat sie das noch sehr oft. Ihre dahingesagten Vorschläge für ihre nächsten Zusammentreffen fand er beinahe allesamt reizvoll. Sogar die Idee mit dem Duett machte ihn neugierig. Ob sie gut singen konnte? Er stellte es sich lustig vor, mit ihr gemeinsam zu singen, während sie sich vor Lachen auf dem Boden kugelten. Vielleicht wurden sie aber auch beide von einer knisternden Stimmung überrascht die dabei entstehen könnte. Sie hätte nicht sagen sollen, dass sie sonntags nackt baden ging. Natürlich ging sie nackt baden, aber das aus ihrem Mund zu hören hatte ihn sofort zum Träumen gebracht. Er hatte sie ohne jedes Stückchen Stoff auf ihrer Haut vor sich gesehen, wie sie eines ihrer langen Beine über den Rand der Badewanne hob, dabei ihr süßer Po… Nein, aufhören!, schalt er sich selbst. Wenn er seinen Gedanken weiterhin freien Lauf ließ, konnte er die ganze Nacht hier mit einer Erektion sitzen bleiben und Ausreden erfinden, warum sie auf keinen Fall schon gehen sollten.

„Das Wichtigste ist, dass du mich nicht furchtbar findest und mich anrufen willst“, dachte nun er laut.
„Wie kommst du darauf, dass ich dich furchtbar finden könnte?“, fragte Ceridwen überrascht.
„Wegen dieses Schicksalszeug, was du so gerne erwähnst“, antwortete Keanu schnell.
Sie antwortete nicht, sondern sah ihn nur aus schalkhaft blitzenden Augen an. „Wenn du etwas für mich kochst, was mir schmeckt, dann darfst du dir was wünschen“, spielte sie mit ihm.
Er legte seine Fingerspitzen an sein Kinn und sah sie nachdenklich an.
„Ohne Hilfe“, ergänzte Ceridwen schnell. „Es muss von dir sein. Nur du darfst es gekocht haben.“
„Abgemacht“, rief er aus. „Du wirst zu mir kommen und mir dabei zusehen, wie ich für dich kochen werde. Dann kannst du sicher gehen, dass ich alles selbst gemacht habe.“ Zögernd gab Ceridwen ihm die Hand darauf. Ob sie sich da gerade einen Gefallen getan hatte?

Keanu lag noch immer hellwach in seinem Bett. Ein Blick auf seinen Wecker sagte ihm, dass es bereits nach 1.00 Uhr war. Mit einem Lächeln auf den Lippen dachte er an Ceridwen. Sie hatten, obwohl er schon bezahlt hatte, noch eine ganze Weile am Tisch gesessen und sich unterhalten. Als sie aufgebrochen waren, hatte er ihr vor den Paparazzi, die noch zahlreicher waren als bei ihrer Ankunft, Schutz gegeben. Er hatte ihr die Autotür aufgehalten und sich beeilt, neben ihr Platz zu nehmen, um los zu fahren. Auf der Fahrt hatte er ihr immer wieder verstohlene Blicke zugeworfen. Sie hatte es geschafft, ihn in Verlegenheit zu bringen, als sie ihn trocken darauf hingewiesen hatte, besser auf die Straße als auf sie zu schauen. Aber sie hatte es in einem freundlichen, fast liebevollen Ton gesagt. Und dann waren sie an ihrer Wohnung angekommen. Er hatte ihr die Autotür aufgehalten und ihr beim Aussteigen geholfen. Trotzdem war sie gestolpert und er hatte sie aufgefangen. Danach standen sie so da und hatten sich angesehen. Keanu konnte sie einfach nicht los lassen und Ceridwen löste sich auch von sich aus nicht von ihm. Ihre Blicke hatten sich getroffen. Er hatte sich zu ihr gebeugt und wollte sie küssen, doch da hatte sie beide Hände auf seine Wangen gelegt und ihn aufgehalten. „Fantastisch!“, hatte sie ausgerufen, was ihn völlig aus dem Konzept gebracht hatte. Sie hatte angefangen sein Gesicht zu streicheln, genauer gesagt seinen Bart. Er war da gestanden, als wäre er am Boden festgewachsen und hatte ihr Streicheln stumm genossen. Er kannte Abschiedsküsse. Aber Abschiedsstreicheln war ihm bis dato noch nicht untergekommen. „Er ist ganz weich. Ich konnte mich nicht erinnern, ob er kratzt oder weich ist und vermutete, dass er wie bei den meisten Männern kratzt. Aber er ist weich“, hatte sie fasziniert und erstaunt sogleich ausgerufen. Dann war ihr wohl leider bewusst geworden, was sie tat und sie hatte sich aus seinen Armen gelöst. Verlegen hatte sie ihn angesehen. „Ich… ich rufe dich an, ja?“, hatte sie schüchtern gefragt. Er musste sich räuspern, weil seine Stimme ihm nicht gehorchen wollte. Und auch dann brachte er nur ein kehliges Ja heraus. „Gute Nacht“, hatte sie lächelnd gesagt. Das war der Moment als er aus seiner Erstarrung aufgewacht war. Er hatte sich zu ihr gebeugt und nur ganz kurz ihre Lippen mit seinen berührt. „Gute Nacht“, hatte er gehaucht und war mit brennenden Lippen und wild klopfenden Herzen in seinen Wagen gestiegen. Sie hatte ihm nachgesehen, wie er davon fuhr.
Jetzt lag er hier in seinem Bett und konnte nicht aufhören an sie zu denken, an ihre streichelnden Hände auf seinem Gesicht, so zärtlich, weich, sanft und dieser einfache Kontakt seiner Lippen mit ihren. Diese zarte Berührung hatte einen Blitz durch seinen Körper gejagt, den er noch immer meinte zu spüren. Er fühlte sich beschwingt und glücklich. Diese Frau war etwas Besonderes. Und er würde alles dafür tun sie zu erobern, Schritt für Schritt, so langsam, wie es nötig war. Für sie würde er sogar kochen lernen.
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Mohri
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:30    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 10

Verstohlen blickte Ceridwen auf die kleine, nervös wirkende Frau hinab und suchte nach einem Namensschild. Sie würde natürlich keines finden. Die Gäste der Guten-Morgen-Show hatten noch nie Namensschilder getragen. Aber die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt. Bei ihrer Betrachtung registrierte sie, dass die Dame nicht nur sehr klein war – oh tatsächlich, sie trug sogar Schuhe mit hohen Absätzen! – sondern auch ganz furchtbar grell geschminkt war. Wer hatte ihr denn da Böses gewollt? Oder hatte sie sich am Ende selbst so zugerichtet?
„Ceridwen Poppy“, stellte sie sich der Person vor, in der Hoffnung, dass diese sich ebenso mit dem Namen vorstellen würde. Doch diesen Gefallen tat sie ihr leider nicht.
„Guten Morgen“, sagte sie mit einer sehr tiefen, rauchigen Stimme, die Ceridwen vor Erstaunen beinahe dazu brachte die Augen aufzureißen. Diese Stimme passte überhaupt nicht zu dieser Frau. Sie passte eher zu einer großen, voluminösen Frau.
„Setzen sie sich“, bat sie die Dame und zeigte auf den Stuhl hinter ihrem Tisch mit ihren Utensilien für die Maske. Mühevoll versuchte sich diese kleine Person auf den sehr hoch eingestellten Stuhl zu hieven.
„Warten Sie“, rief Ceridwen, betätigte das Pedal und ließ den Stuhl hinunter. Sie war heute nicht sehr aufmerksam, stellte sie fest. Endlich saß die Dame. Und während Ceridwen den Stuhl nach oben pumpte und ihr das Haarband über den Kopf schob, um ihre wilden, braunen Locken von ihrem Gesicht fernzuhalten, überlegte sie noch einmal fieberhaft, wie der Name dieser Frau war. Drei Mal hatte sie ihn vor ihrer Ankunft nachgelesen und sofort wieder vergessen. Sie wusste nur noch, dass sie eine Schriftstellerin war, die einen Bestseller-Roman geschrieben hatte. Wie war der Titel noch gleich? Ach ja. „Mäuse sind auch nachts grauer als Katzen“. Sehr seltsamer Titel, aber scheinbar lesenswert. Zuerst beschloss sie, die kleine Frau komplett abzuschminken, denn sie sah einfach grauenhaft aus.
„Oh, sieht das nicht gut aus?“, hörte sie die Dame fragen. Erschrocken zuckte Ceridwen zusammen. Hatte sie etwa wieder laut gedacht? Vorsichtig, mit einem prüfenden Blick sah sie auf sie hinab in ihre Augen. Doch darin sah sie keine Spur von Kränkung, nur Freundlichkeit.
„Das mache ich immer so. Ich weiß, wie stark aufgetragen und in welchen Farben das Make-up vor der Kamera am besten und am natürlichsten aussieht“, antwortete sie schnell. Und welches am besten zu ihrem Typ passt, fügte sie in Gedanken noch hinzu. Sie brauchte fünf Abschminktücher, bis sie die Schriftstellerin von ihrer Kriegsbemalung befreit hatte. Dann erst konnte sie sich an die Arbeit machen. Sie fing damit an, ihr zu erklären, was sie zu tun gedachte. Manchen Menschen waren Berührungen unangenehm. Und wenn sie erklärte, welche Schritte sie unternahm, konnten sie sich darauf einstellen.
„Sind sie nett?“, wollte die Dame plötzlich wissen.
„Ich?“, fragte Ceridwen verwirrt.
Die Frau lachte leise. „Sie sind es bestimmt. Ich meine die Moderatoren. Wie war der Name der beiden noch einmal?“
Ceridwen lächelte ein wenig. „Sie sind sehr nett. Chris Vaughner und Maura Walker heißen sie.“ Sie sah ihr in die Augen und bemerkte die Unsicherheit darin. „Entschuldigen Sie bitte. Wie war Ihr Name noch gleich? Ich kann ihn mir einfach nicht merken“, traute sie sich nun doch zu fragen.
„Chesterty Pumpington-Starfield“, antwortete die Dame lächelnd. „Nennen Sie mich einfach Chesterty.“
Erleichtert sie beim Vornamen nennen zu dürfen, ging Ceridwen einen Schritt zurück, so dass sie an die Tischkante hinter ihr stieß. Sie sah, wie Chesterty nervös ihre Finger knetete. „Stehen Sie das erste Mal vor der Kamera?“, fragte sie höflich.
„Ich hoffe nicht, dass ich stehe. Aber ja“, antwortete Chesterty ebenso freundlich.
Ceridwen setzte sich nun auf die Tischkante, damit sie sich in etwa auf Chestertys Augenhöhe befand. „Chris und Maura arbeiten schon lange zusammen und sind sehr professionell. Sie haben ein gutes Gespür für ihre Gäste. Ich bin mir sehr sicher, sie werden Sie nicht provozieren oder versuchen, Sie zu verunsichern. Wenn Ihnen Fragen unangenehm sind, dann weichen Sie aus. Vielleicht fällt Ihnen ein schönes Zitat aus ihrem Buch ein, womit Sie ablenken können. Die Moderatoren werden nicht weiter bohren. Machen Sie sich keine Sorgen“, versuchte Ceridwen sie zu beruhigen. Sie drehte sich um und reihte ihre benötigten Arbeitsmaterialien vor sich auf. Mit einem aufmunternden Lächeln verwandelte sie danach Chesterty in eine strahlende, natürliche Frau. Chesterty war überrascht als sie sich im Spiegel sah. Das Puder war zwar sehr dick aufgetragen, doch ansonsten war sie sehr glücklich mit ihrem Aussehen.
„Und ich habe wirklich keinen Grund nervös zu sein?“, fragte sie noch einmal.
„Nein“, schüttelte Ceridwen lächelnd den Kopf. Mit einem letzten Blick zurück und einem Danke ging Chesterty.

Wie nett. Sie erlebte es selten, dass eine oder einer der Gäste der Sendungen unsicher oder sehr nervös waren. Meistens wurden Schauspieler, Sänger, Politiker oder Experten irgendwelcher Fachgebiete eingeladen, die den Umgang mit Kameras gut kannten. Viele von ihnen redeten nicht einmal mit ihr. Sie schafften es gerade, sie zu grüßen und ließen sich anschließend schweigend von ihr kameratauglich machen.

Ceridwen ließ sich kurz auf ihren Stuhl fallen. Sie hatte ungefähr fünf Minuten, bis die erste Werbung ausgestrahlt wurde und sie die Moderatoren und Chesterty „auffrischen“ musste. Keanu, schoss ihr in den Kopf. „Keanu, Keanu, Keanu“, sagte sie leise vor sich hin. Seitdem sie sich nach ihrer Verabredung im Il Sole vor ihrem Wohnhaus verabschiedet hatten, drängte er sich ständig in ihre Gedanken. Sie hatte die Nacht kaum geschlafen. Zu viel war ihr im Kopf herum gegangen. Und es ging immer um Keanu. Sie träumte davon wie sie sein Gesicht streichelte, den weichen Bart entlang, über seine Kehle zu dem kleinen Stück Haut seines Oberkörpers, welches der Kragen seines T-Shirts vorblitzen ließ. Der Traum war so real, dass sie meinte die Wärme seiner Haut zu spüren. Im nächsten Moment lag sie in seinen Armen, fühlte seine sinnlichen, festen und doch zugleich weichen Lippen auf ihren und atmete dabei seinen Duft ein. Dann wachte sie auf. Drei Mal war es ihr so ergangen. Drei Mal wachte sie nach diesem Traum erhitzt und schwer atmend auf. Und das Erste, was ihr einfiel als sie die Augen öffnete, nachdem ihr Radiowecker sie aus dem traumreichen Schlaf gerissen hatte, war Keanu. Sie machte sich für den Tag zurecht, ging aus dem Haus zur U-Bahn und sobald sie in der Bahn saß dachte sie an Keanu. Als sie im Studio ankam, um mit ihrer Arbeit zu beginnen, brauchte sie nur ihren Arbeitsplatz zu sehen und dachte an Keanu. Er hatte schließlich dort auf diesem Stuhl gesessen. Da konnte einem der Gedanke an ihn schon mal überkommen.

Was hatte er nur mit ihr gemacht? Sie hatte mit ihm doch viel mehr angestellt als er mit ihr. Immerhin hatte sie ihn gestreichelt und nicht er sie. Und der Kuss… Das war doch gar keiner. Diese hauchzarte Berührung seiner Lippen mit ihren war auch eher ein Streicheln gewesen. Vielleicht war er ein Zauberer. Ja, er hatte sie mit einem Zauber belegt. Dieser Zauber bewirkte, dass sie immerzu an ihn denken musste. Sie durfte ihn auf keinen Fall vergessen. Deswegen schoss ihr ständig sein Name in den Kopf. Ach ja, Keanu. Oh, beinahe hätte ich Keanu vergessen. Hm, hier riecht es nach Keanu. Verdammt, sie musste ins Studio, in das, in dem schon einmal Keanu saß. Das musste aufhören. Sofort!
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:32    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 11

Keanu stand am Fenster und sah hinaus. „Hast du schon gepackt?“, fragte Janey Bergam, seine Freundin und Assistentin.
„Hm?“, machte er und sah sie fragend an.
„Hast du schon gepackt?“, fragte Janey noch einmal.
Er winkte ab. „Das geht doch schnell.“
Janey verdrehte die Augen und seufzte. „Und dann musst du dich wieder abhetzen.“
„Ich habe es immer irgendwie geschafft“, grinste er sie an.
Sie sagte lieber nichts dazu. „Also los, machen wir weiter. Sonst werden wie nie fertig“, trieb sie ihn an.
Langsam bewegte sich Keanu vom Fenster weg und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Er spielte mit seinem Handy, das auf dem Tisch lag. Warum hatte Ceridwen sich nicht gemeldet?, fragte er sich zum wiederholten Male. Sie hatte gesagt, dass sie sich morgen melden würde. Morgen war jetzt drei Tage her. Er hatte versucht nicht nervös zu werden, was ihm aber zunehmend schwerer fiel. Hatte sie seine Nummer verlegt? Zuzutrauen wäre es ihr, dachte er mit einem leichten Lächeln. Drei Tage, da wäre es doch bestimmt möglich, dass er sie anrief ohne aufdringlich zu wirken. Und er hätte auch einen Grund. Er wollte ihr sagen, dass er nach London fliegen musste.
„Keanu“, drang Janeys Stimme nachdrücklich an sein Ohr.
„Wie wäre es mit Kaffee?“, fragte er.
„Das wäre jetzt der dritte kurz hintereinander“, bemerkte sie und musterte ihn durchdringend. Keanu wich ihrem Blick aus und erhob sich wieder.
„Soll ich dir einen mitbringen?“, fragte er und wusste bereits, dass sie ablehnen würde. Er wollte gerade zur Tür raus gehen, als sein Handy klingelte. Sofort drehte er um, nahm sein Handy an sich und sah aufs Display.
„Da muss ich ran gehen“, sagte er zu Janey und ging mit seinem Handy schnell aus dem Raum.
„Ceridwen“, sagte er erfreut, nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte und bevor sie die Chance hatte sich zu melden.
„Hallo Keanu. Es scheint, du hast meinen Anruf erwartet“, sagte sie. Ihre Stimme klang, als würde sie lächeln.
„Das habe ich“, war er ehrlich. Sie schwieg, also sprach er weiter. „Ich muss morgen nach London fliegen, für ungefähr drei Tage.“
„Oh“, war alles, was sie sagte. Klang sie enttäuscht?
„Wenn ich wieder da bin, dann melde ich mich bei dir“, sagte er langsam.
„Gut“, erwiderte sie einsilbig.
Was war hier los? Sie hatte sich melden wollen. Warum war sie jetzt so kurz angebunden?
„Ceridwen… ich…“, setzte er an und seufzte leise. „Du hast gesagt, du würdest anrufen. Ich wollte nicht aufdringlich sein. Daher habe ich mich nicht gemeldet“, erklärte er ihr.

Als Keanu ihr sagte, er würde morgen nach London reisen, hatte Ceridwen sofort Jason im Kopf. Erst recht, weil Keanu nicht sie angerufen hatte, sondern sie ihn. Hätte er es ihr überhaupt mitgeteilt, wenn sie sich nicht gemeldet hätte? Sie schalt sich selbst eine Idiotin, dass sie ihn so nahe an sich heran gelassen hatte. Sie hatte voraus gesagt wie es laufen würde. Und sie hatte sich vorgemacht, er wäre ernsthaft an ihr interessiert. Denn warum sonst hatte er ihr nach ihrem ersten verpatzten Date eine zweite Chance gegeben? Doch nach seinem letzten Satz horchte sie auf.
„Hättest du dich denn gemeldet, wenn ich jetzt nicht angerufen hätte?“, fragte sie vorsichtig.
„Ja. Heute Abend. Ich hätte mich jetzt noch mit Arbeit abgelenkt und gehofft, du rufst an. Aber spätestens heute Abend hätte ich mich gemeldet, auch auf die Gefahr hin, dass du mich als furchtbar zudringlich empfunden hättest“, antwortet er ihr. Er klang ernst und ruhig dabei.
Nun war es an Ceridwen zu seufzen. „Keanu, darf ich offen und ehrlich zu dir sein, ohne dass du meinst, ich wäre töricht?“, fragte sie.
„Ich bitte darum, dass du offen und ehrlich zu mir bist“, antwortete er sofort sehr ernst.
Zögernd fing Ceridwen an zu sprechen. „Ich habe einer Freundin von uns erzählt und auch davon, dass ich dich anrufen würde. Keine Angst, deinen Namen habe ich nicht erwähnt. Jedenfalls sagte sie, ich solle mit einem Anruf bei dir mindestens drei Tage warten, denn sonst könntest du glauben, ich wolle mich dir aufdrängen. Es wäre eine allgemeine Regel, dass man nicht sofort anruft, wenn man das erste Date hatte. Und da es ja in gewisser Weise das erste Date war, habe ich gewartet. Ich wollte einfach…“ Sie brach ab. Große Güte, sie war 37 Jahre alt und benahm sich wie eine 17-jährige. In diesem Moment gestattete sie sich den Gedanken, dass Keanu ihr mehr unter die Haut ging, als sie vor sich selbst zugeben wollte. Sie wollte alles richtig machen. Daher hörte sie sich um, welche Regeln es für Dates und Wiedersehen und Zeitpunkte des Telefonierens gab, so als hätte sie das alles nicht schon vor Keanu einmal erlebt. Wie unsinnig. Gespannt wartete sie, dass er etwas sagte.

Keanu hielt sich das Handy ans Ohr und musste bei ihren Worten lächeln. Ihre Erklärung deutete er so, dass er ihr nicht gleichgültig war und das freute ihn ungemein.
„Eine unsinnige Regel“, stellte er noch immer lächelnd fest.
„Absolut“, bestätigte Ceridwen und klang erleichtert.
„Ich hatte schon die Befürchtung, du hättest meine Nummer nicht mehr. Ich freue mich sehr über deinen Anruf“, sagte er warm.
Sie lachte leise. „Aha. Du denkst, ich bin unordentlich. Was genau bringt dich zu dem Gedanken? Dein Trockentuch habe ich schließlich auch nicht verlegt, sondern ich konnte nur einfach nicht alle Zahlen darauf entziffern. Und in meinem Schlafzimmer warst du nicht, als du mich ins Il Sole abgeholt hast.“
Im ersten Moment war Keanu verlegen. Doch ihr letzter Satz erheiterte ihn.
„Was von deinen Ideen lässt sich in ungefähr zwei Stunden noch umsetzen?“, fragte er sie.
„Ideen?“, fragte sie verwirrt.
„Diese Ideen die du hattest, wenn du bei mir anrufst. Duett singen, Kuchen backen, du kochst für mich, ich koche für dich“, erklärte er.
„Ah, das hast du dir alles gemerkt. Beeindruckend“, meinte sich trocken. „Hm, mal sehen. Wir könnten jetzt hier sofort ein Duett singen“, dachte sie laut nach.
„Nein. Nicht am Telefon. Da sehe ich dich ja nicht. Ich hätte gerne noch etwas mit dir unternommen, wobei wir uns sehen können“, sagte er gerade heraus.
„Oh, hm… Eis essen?“, fragte Ceridwen nach einiger Zeit.
„Eis essen“, wiederholte er nachdenklich.
„Da gibt es bestimmt auch was anderes, wenn du kein Eis magst. Die Waffeln zum Beispiel“, witzelte Ceridwen.

Sie überlegten, wo sie sich treffen könnten und legten dann schnell auf, um keine Zeit zu verlieren. Keanu schloss für einen Moment die Augen und lehnte sich gegen die Wand. Er spürte sein Herz schnell und kräftig schlagen. Könnte es sein, dass er sich verliebt hatte? Einfach so, ohne Ceridwen besonders gut zu kennen, besonders viel Zeit mit ihr verbracht zu haben und ohne sie im Arm gehabt zu haben? Lächelnd ging er zurück zu Janey.
„Ich muss noch mal weg“, teilte er ihr knapp mit.
„Wie bitte? Das geht nicht, Keanu!“, rief sie entsetzt aus.
„Ich bin in zwei Stunden wieder da“, entgegnete er ungerührt und schlüpfte schon wieder durch die Tür nach draußen.
„Keanu!“, hörte er Janey noch einmal empört rufen, doch er war fast schon in seiner Garage. Er würde ein Motorrad nehmen. Das ging einfach schneller.

Lässig lehnte Keanu an einem Laternenpfahl und wartete auf Ceridwens Ankunft. Sie hatte sich ein Café namens Milk ausgesucht. Er war noch nie zuvor da gewesen. In der Nähe lag der Pan Pacific Park. Vielleicht konnten sie dort etwas spazieren gehen oder sich einfach auf eine Bank setzen und die Ruhe genießen, sofern es dort ruhig war. Während er darüber nachdachte, sah er Ceridwen auf sich zukommen. Sie hatte ihn bereits erkannt und winkte ihm zu. Keanu lächelte und winkte zurück. Als sie beinahe bei ihm war, stieß er sich vom Laternenpfahl ab und ging die letzten Schritte auf sie zu. Spontan fasste er sie an den Schultern und hauchte ihr rechts und links ein Küsschen auf die Wangen, wobei ihm ein zarter Rosenduft in die Nase stieg.
„Du siehst wunderbar aus“, sagte er und meinte es auch so. Ihre Augen strahlten, ihre Wangen waren leicht gerötet, genauso wie ihre Lippen.
„Du sowieso“, lächelte sie ihn an. Sie zeigte auf das Café und fragte „Hast du es dir schon mal angesehen? Da gibt es auch ganz leckeres Gebäck. Tolle Cookies, Cupcakes und Brownies. Sogar Blondies. Und natürlich gibt es auch Kaffee.“
„Und Eis gibt es nicht?“, fragte Keanu belustigt, weil sie ihm so vieles schmackhaft machen wollte.
„Doch. Ich hatte den Eindruck, Eis wäre nicht ganz so dein Ding“, antwortete sie und ging voraus ins Café.
Es war ziemlich voll dort. Keanu spürte schon bald die ersten neugierigen Blicke auf sich. Er beugte sich etwas zu Ceridwen. „Da ist ein Park um ein paar Ecken. Wir könnten auf meinem Bike dorthin fahren“, raunte er ihr zu.
Sie drehte ihren Kopf zu ihm und schenkte ihm einen strengen Blick. „Dein Bike…“, setzte sie an, wobei sie das Wort Bike abfällig betonte, „… kann hier stehen bleiben und wir laufen. Ich sehe in deiner Hand nämlich nur einen Helm. Und ich fahre auf so einem -Ding nicht ohne Helm.“
„Der zweite Helm ist draußen bei der Maschine. Ich würde dich doch niemals zu etwas Verbotenem anstiften“, entgegnete er amüsiert.
„Und wie transportieren wir Eis und Kuchen und dergleichen?“, fragte sie ihn.
„Das schaffe ich schon“, antwortete er leichthin und wurde gleich darauf von einem jungen Mann höflich gefragt, ob er ein Autogramm haben dürfte.
Ceridwen ließ sich einen Eisbecher zum Mitnehmen bereiten und Keanu entschied sich für einen Kaffee und einen Cupcake. Die Bedienung verpackte die Sachen gut in einer Box und gab sie an Keanu weiter.
„Bedauerlicherweise fällt mir jetzt gerade keine weitere Ausrede ein, warum ich nicht auf dein Motorrad steigen kann“, überlegte Ceridwen laut, als sie draußen vor seiner Maschine standen. Es war nicht die, die er bei ihrem Beinahe-Zusammenstoß an der Ampel gefahren hatte, stellte sie fest.
Keanu lachte leise. „Und ich werde dir auch nicht dabei helfen, noch eine zu finden“, zwinkerte er ihr zu und reichte ihr den zweiten Helm.

Ergeben und leise seufzend zog sie diesen an. Sie wartete bis er aufgestiegen war, reichte ihm die Box und sah zu wie er diese zwischen seinen Beinen einklemmte. Dann setzte sie sich widerwillig hinter ihn und klammerte sich seitlich an seiner Jacke fest. Keanu startete das Motorrad, doch bevor er los fuhr, löste er ihre Hände von seiner Jacke und zog sie entschieden nach vorne, damit sie seinen Oberkörper umfasste. Auf diese Weise rutschte Ceridwen noch näher an ihn heran. Ihm so nahe zu sein ließ ihr Herz förmlich galoppieren. Gott sei Dank konnte er es nicht hören oder spüren. Aber sie könnte vielleicht seines spüren. Sie müsste nur ihre Hände nach oben gleiten lassen. Bevor sie diesen Gedanken weiter spinnen konnte und am Ende auch noch umsetzte, fuhr er an. Sie konzentrierte sich darauf, sich gut festzuhalten und darauf, sich zu sorgen, dass die Box auch da blieb, wo er sie platziert hatte. Sie hatte wirklich Lust auf ihren leckeren Eisbecher und würde ihm die Leviten lesen, wenn dieser auf dem Boden landen würde, nur weil er nicht zum Park laufen wollte. Immerhin fuhr er nicht sehr schnell.

Keanu bremste vorsichtig und wartete, bis Ceridwen abgestiegen war. Er hatte ihre Umklammerung sehr genossen, wurde aber das Gefühl nicht los, dass sie sich während der Fahrt nicht wohl gefühlt hatte. Sie nahm ihm die Box ab und wartete, bis er selbst abgestiegen war. Bevor er ihr die Leckereien wieder abnahm, zog er sich den Helm aus. Ceridwen tastete an dem Verschluss ihres Helmes herum und brauchte offenbar Hilfe. Kurzerhand stellte er die Schachtel wieder ab und half ihr. Vorsichtig zog er ihr den Helm vom Kopf. Sie fuhr sich mit einem tiefen Atemzug durch die Haare und lächelte leicht.
„Hurra, wir leben noch“, rief sie affektiert aus.
„Es schmerzt mich, dass du anderes erwartet hast“, sagte Keanu darauf nüchtern und ging mit der Box zum Parkeingang. Sie suchten sich eine Bank, auf der sie Platz nahmen. Es war kein übermäßig heißer Tag, so dass Ceridwens Eis nicht sehr geschmolzen war. Sie tauchte den beiliegenden Löffel hinein und steckte ihn sich mit Sahne und Nüssen garniert in den Mund.
„Hm, himmlisch“, seufzte sie. „Möchtest du probieren?“
„Nein. Ich bleibe bei Kaffee und Cupcake. Du darfst dein Eis ganz alleine genießen“, antwortete er ihr und sah ihr mit einem sehnsüchtigen Blick dabei zu, wie sie ihre Zunge über den Löffel gleiten ließ, ein wenig Sahne und Eis aufnahm, schluckte und dann erst den Löffel selbst in den Mund schob. Er wünschte sich, sie zu küssen, wünschte sich ihre Lippen so lange mit seinen zu massieren, bis diese leicht geschwollen waren und rot leuchteten. Er wünschte sich ihre Zunge mit seiner zu umschlingen, sie…
„Du willst doch probieren“, riss Ceridwen ihn aus seinen Träumereien. Sie hielt ihm ihren Löffel voll Eis und Sahne vor den Mund.
„Nein, wirklich nicht“, sagte er schnell und räusperte sich, da seine Stimme plötzlich belegt war.
„Dein sehnsüchtiger Blick sagt etwas anderes“, behauptete sie und berührte mit ihrem Löffel nun fast schon seine Lippen. Um nichts Unbedachtes zu sagen oder gar zu tun, schnappte Keanu danach und zog den Löffel in seinen Mund. Gemächlich lutschte er ihn ab und sah Ceridwen dabei in die Augen. Ihre Lippen waren leicht geöffnet, während sie ihn ihrerseits beobachtete.
„Schmeckt gut, nicht wahr?“, fragte sie, wobei ihre Stimme nun ebenso rau klang, wie seine kurz vorher. Er nickte nur und sah sie weiterhin unverwandt an.
„Du hast da etwas Sahne“, deutete Ceridwen auf seinen Mundwinkel.
Keanu fuhr mit der Zungenspitze knapp daran vorbei, wobei er registrierte, wie Ceridwens Blick an seiner Zungenspitze hängen blieb. Er spürte genau, wo die Sahne war. Doch er hoffte, dass Ceridwen sie ihm abwischen würde. Er sehnte sich geradezu danach ihre Fingerspitze – oder noch lieber gleich ihre Zunge - an seinem Mundwinkel zu spüren.
„Fast. Ein bisschen weiter rechts“, sagte sie gerade und klang dabei leicht atemlos. Wieder leckte er daran vorbei. Ceridwen jedoch benutzte nun nicht ihren Finger oder ihre Zunge, um ihm behilflich zu sein, sondern sie nahm ihren Löffel und kratzte ihm die Sahne ab. Ihr Blick bohrte sich dabei in seinen, und er erkannte, dass sie ihn durchschaut hatte. Dieses kleine Biest hatte wahrhaftig nicht vor, es ihm einfach zu machen. Und es kostete ihn arge Beherrschung, sie nicht einfach an sich zu ziehen, als er beobachtete, wie sie den Löffel mit der Restsahne aus seinem Mundwinkel in ihren Mund nahm.
Langsam löste sie ihre Augen von seinen und konzentrierte sich wieder auf ihr Eis.

„Hattest du mal ein schlechtes Erlebnis mit einem Motorrad?“, fragte Keanu, nachdem er einen Schluck von seinem Kaffee getrunken hatte, was ihm half, wieder ein bisschen runter zu kommen.
„Kann man so sagen“, antwortete Ceridwen und schenkte ihm einen kurzen Blick. Sie drehte sich auf der Bank und saß ihm nun ein wenig mehr zugewandt.
„Ich habe versucht den Führerschein dafür zu machen. Doch bereits in meiner zweiten Fahrstunde, rutschte die Maschine unter mir weg. Ich stürzte und dieses dumme Ding lag auf mir drauf, mit dem heißen Auspuff an meinem Bein. Ich hatte nur eine Jeans an“, erzählte Ceridwen, bückte sich und schob ihr Hosenbein über ihre Wade. „Hier die Narbe habe ich davon“, zeigte sie ihm eine nicht allzu große Brandnarbe. „Das war es mit meinem Versuch den Führerschein zu machen. Da ich ein kleiner Angsthase bin, habe ich mich seitdem von Motorrädern fern gehalten. Ich bin sehr froh, dass wir Gesetze haben. So kann ich mich immer darauf beziehen und brauche keine Ausreden, wenn ich nichts Verbotenes oder Gefährliches tun möchte“, erklärte sie ihm.
„Ah“, machte Keanu leise lachend. „Gesetze sind doch dazu da, um gebrochen zu werden.“ Gleich darauf wiegelte er ab. „Na ja, ein paar vielleicht. Die Sache mit dem Helm zum Beispiel.“
„Gesetze machen aber auch Sinn, genauso wie der Helm“, widersprach Ceridwen.
„Und das Anschnallen bei einer Autofahrt von ungefähr einem Meter in die Garage“, zog er sie auf.
„Durchaus“, sah Ceridwen ihn fest aber mit einem leichten Schmunzeln an.

Sie schwiegen eine kleine Weile, bis Ceridwen schließlich sagte „Also bist du drei Tage in London. Warum? Einfach so oder hast du Termine?“
„Ich habe Termine. Ich besuche zwei Shows und hoffe, dass mein anderes Anliegen Gehör findet“, antwortete er.
„Welches Anliegen?“, war Ceridwen neugierig.
„Ausgerechnet dir kann ich das leider nicht verraten“, antwortete Keanu geheimnisvoll.
„Ausgerechnet mir“, wiederholte sie nachdenklich. „Das bedeutet, es hat etwas mit mir zu tun. Eine Überraschung?“ Gespannt sah sie ihn an.
„In gewisser Weise“, lächelte er und schlug ein Bein über das andere.
Mit geschürzten Lippen fixierte Ceridwen ihn. Keanu hielt ihrem Blick ungerührt stand und grinste innerlich. Wie lange würde sie wohl bohren, um ihre Neugierde zu befriedigen?
„Kennst du dieses Spiel, bei dem der eine Fragen stellt und der andere nur mit ja oder nein antworten darf?“, fragte sie ihn.
„Das kenne ich nur zu gut. Nur darf ich gerne mehr erzählen, ich will lediglich einfach nicht“, antwortete Keanu mit zarter Ironie.
Verständnislos sah Ceridwen ihn an. „Interviews“, half er ihr auf die Sprünge.
Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ich will dich doch nicht interviewen“, rief sie aus. „Wobei. Es kommt darauf an wie man das definiert. Du hast recht, es wäre ein Interview. Ein Interview ist eine Befragung. Und ich habe vor dich zu befragen. Wärst du bereit, dich von mir befragen zu lassen? Du musst nicht mehr als ja oder nein sagen“, schwatzte sie darauf los.
„Nein. Denn es gehört zu meinem Vorhaben, dich zu überraschen. Und eine Überraschung ist das Erleben unvorhergesehener Situationen, Geschenke, Worte oder so etwas in die Richtung. Wenn du mich nun befragst, verrate ich dir am Ende zu viel und kann dich nicht mehr überraschen“, entgegnete er mit glänzenden Augen. Es gefiel ihm, sich auf diese Weise einen Schlagabtausch mit ihr zu liefern.
„Du bist gut“, stellte sie aus schmalen Augen fest.
„Du hast nicht mal die geringste Ahnung WIE gut ich bin“, äußerte er zweideutig, mit tiefer Stimme und einem weiteren intensiven Blick in ihre Augen, so dass Ceridwen meinte, er würde ihr direkt in die Seele blicken. Oh ja, sie hatte tatsächlich nicht viel Ahnung davon WIE gut er war. Und sie wünschte sich, er würde ihr nicht ständig mit diesem intensiven Blick in die Augen sehen. Der jagte ihr einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.
„Dann muss ich mich wohl überraschen lassen“, seufzte sie leise und sah in den Park hinein.
„Es ist nur eine indirekte Überraschung“, bemerkte er.
Ceridwen wendete sich ihm wieder zu. „Dann kannst du sie mir ja auch verraten“, rief sie erfreut.
Langsam schüttelte er den Kopf und biss gleich darauf herzhaft in seinen Cupcake.
Keanu war schließlich gezwungen, ihre Zusammenkunft für beendet zu erklären, denn er musste dringend zurück zu Janey. Sie hatten noch zu tun. Ohnehin würde Janey ihm ordentlich den Kopf waschen. Er durfte ihre Geduld nicht noch mehr auf die Probe stellen, denn sonst würde sie ernsthaft böse auf ihn werden.
Immerhin konnte er Ceridwen dazu überreden, sie auf seiner Maschine nach Hause zu fahren. Jetzt saß sie wieder hinter ihm, die Arme fest um ihn geschlungen. Er genoss die Wärme ihres Oberkörpers und wie sich ihre Brüste gelegentlich an seinen Rücken drückten. Die Fahrt war seiner Meinung nach viel zu schnell beendet. Ceridwen stieg ab und zog ihren Helm aus. Zwischenzeitlich war auch Keanu abgestiegen und hatte seinen Helm ausgezogen. Er nahm ihren entgegen und legte beide Helme auf seinem Motorrad ab.
„Ich wünsche dir viel Spaß in London“, sagte sie und biss nervös auf ihrer Unterlippe herum. Keanus Blick wurde unweigerlich davon angezogen. Er musste sich zwingen, ihr wieder in die Augen zu sehen.
„Danke. Ich wünsche dir hier viel Spaß. Und ich würde dich nach meiner Rückkehr gerne wiedersehen. Geht es dir mit mir auch so?“ Lächelnd sah er sie an. Ceridwen erwiderte sein Lächeln.
„Ja, mir geht es auch so“, antwortete sie ehrlich. Ceridwen streckte sich um Keanu zum Abschied auf die Wange zu küssen. Kurz bevor sie seine Wange berührte, drehte er seinen Kopf und ihr Kuss landete in Höhe seines Mundwinkels. Er deutete auf die andere Seite und Ceridwen wendete sich auch dieser Seite zu. Doch bevor ihre Lippen an dieser Stelle auftrafen, drehte er seinen Kopf erneut. Es war nur minimal, doch es reichte aus, dass sich nun ihre Lippen berührten. Für den Bruchteil einer Sekunde wollte Ceridwen zurückweichen. Sie tat es jedoch nicht, sondern presste ihren Mund auf seinen, registrierte das leise Kitzeln seines Bartes, um sich gleich darauf in das schöne Gefühl fallen zu lassen, welches seine sinnlichen Lippen auf ihren auslöste. Nur am Rande bemerkte sie, wie er ihre Oberarme umfasste und sie näher an sich zog. Er intensivierte den Kuss und tat das, was er sich schon im Park erträumt hatte. Mit sanftem Druck massierte er ihre Lippen, erforschte ihre weiche Unterlippe, die er ein wenig zwischen seine Lippen zog. Langsam legte er seine Arme um sie. Das war der Moment, in dem Ceridwens Verstand wieder Oberhand gewann. Er merkte es daran, dass sie sich leicht versteifte. Gleich darauf zog sie ihren Kopf zurück, legte ihre Hände gegen seine Brust und drückte ihn vorsichtig von sich.
„Gute Reise“, hauchte sie mit unsicherer Stimme und lief die fünf Stufen zum Hauseingang hinauf. Dort drehte sie sich noch einmal um, lächelte ihn warm an und winkte kurz, bevor sie im Hausinneren verschwand. Keanu blieb noch einen Moment stehen, atmete tief durch und machte sich bald darauf auf den Weg nach Hause.
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Mohri
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:34    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 12

Ceridwen schlug die Augen auf und ihr erster Gedanke galt Keanu. Heute war er nach London geflogen. Jetzt saß er vermutlich bereits, beziehungsweise noch, im Flugzeug. Vorsichtig berührte sie ihre Lippen. Sie hatte ihn geküsst – nein – er hatte sie geküsst. Wie auch immer, sie hatten sich geküsst, und sie konnte die Berührung seiner warmen Lippen noch immer auf ihren spüren. Er hatte sie überrumpelt, und sie hatte nicht den Willen gehabt, ihm sofort Einhalt zu gebieten. Warum auch? Es war doch nur ein Kuss. Zumindest hatte sie das gedacht. Bis Keanus Nähe, sein Geruch und diese ungemein sinnlichen Lippen ihre Sinne vernebelt hatten. Hätte er sie nicht kurz los gelassen, um seine Arme um sie zu legen, hätte sie sich noch mehr in ihm verloren und dann… Ja, und dann? Den Gedanken wollte sie lieber nicht weiterspinnen, denn dieser kurze, wundervolle Kuss hatte ihr schon den Boden unter den Füßen weggezogen. Eigentlich war sie fest davon überzeugt gewesen, dass es keinen Mann gab, der besser küssen kann als Jason. Keanu hatte sie eines Besseren belehrt. Und er hatte ihr nur eine Kostprobe davon gegeben, was noch sein könnte. Leise seufzend drehte sie sich auf die Seite.
Ihr Blick fiel auf die Uhr. Schon 11.00 Uhr vorbei. Sie musste aufstehen. Heute stand das allmonatliche Sonntagsessen bei ihren Eltern auf dem Plan. Widerwillig setzte sie sich auf und streckte sich. Langsam stand sie auf und streckte sich noch einmal. Sie hielt ihre Schlafanzughose fest, schlüpfte in ihre immer weniger werdenden Hausschuhe und rutschte ins Bad. Bevor sie unter die Dusche sprang, ließ sie das Wasser laufen und hielt eine Hand darunter. Sehr schön, der Boiler funktionierte heute. Obwohl sie spät dran war, nutzte sie die Gunst der Stunde und wusch sich die Haare. Sie hatte schließlich nicht alle Tage warmes Wasser. Nach der Dusche, dem Abtrocknen und Eincremen rutschte sie zurück in ihr Schlafzimmer und zog sich an. Keine Jeans, sondern eine Stoffhose. Am Sonntag sollte man gut gekleidet sein, hatte ihre Mutter immer gepredigt. Wimpern tuschen, Haare kämmen, noch einmal trocken rubbeln, wieder kämmen und der Zopf. Fertig war sie. Leider blieb keine Zeit mehr für ein Frühstück. Nicht einmal mehr einen Kaffee konnte sie trinken.
Zeitgleich mit Niall kam sie am Haus ihrer Eltern an. „Wo ist Chad?“, fragte Ceridwen ihn.
„Der hatte keine Lust auf Familientreffen. Hat gestern ein bisschen zu tief ins Glas geschaut“, klärte ihr Bruder sie auf. „Sein Bruder hat mal wieder eine seiner legendären Partys geschmissen. Ich bin…“ Weiter kam er nicht, denn die Haustür wurde aufgerissen und ihre Mutter kam heraus, um sie beide mit Küsschen zu begrüßen.
„Hallo Papa“, grüßte Ceridwen auch ihren Vater, als ihre Mutter sie endlich ins Haus gelassen hatte. Ihr Vater gab ihr ebenfalls ein Begrüßungsküsschen.
„Wie geht’s dir?“, fragte er liebevoll.
„Wir haben doch erst telefoniert, Papa. Mir geht es gut“, lächelte Ceridwen ihren Papa an.
„Ceridwen, decke doch schnell den Tisch. Wir können gleich essen“, bat ihre Mutter sie, bevor sie sich ausführlicher mit ihrem Vater unterhalten konnte.
„Schade, das Chad nicht mitgekommen ist“, behauptete ihre Mutter beim Essen. Das sagte sie jedes Mal, wenn er nicht dabei war. Dabei wussten sowohl Niall als auch Ceridwen ganz genau, dass sie ihn insgeheim nicht ausstehen konnte und froh war, wenn er nicht mit kam. Mit dem Umstand, dass Niall Männer lieber mochte als Frauen, hatte sie sich inzwischen abgefunden. Aber mit Chad wurde sie nicht warm. Dabei bemühte er sich immer, möglichst zahm in ihrer Gegenwart zu sein und seinen trockenen, sarkastischen Humor zu Hause zu lassen.
„Wie geht es Jason?“, fragte ihr Vater.
„Er ist immer noch in Afrika“, meinte Ceridwen, ohne wirklich zu antworten.
„Und da kann er auch bleiben“, mischte sich Niall ein. Vor einer Woche noch hätte Ceridwen ihm entschieden widersprochen. Jetzt jedoch schwieg sie.
„Ceridwen, ich bilde mir ein, ich hätte dich in der Zeitung gesehen“, hörte sie ihre Mutter plötzlich sagen. Unsicher sah Ceridwen ihren Bruder an, doch der zuckte nur mit den Schultern.
„Ich habe dich an deinen Haaren erkannt und an dem Rock, den du getragen hast. Den haben wir zusammen gekauft. Ich habe drei Mal hingesehen, weil ich es kaum glauben konnte“, sprach Ceridwens Mutter weiter. Jane O’Cuinn verfolgte seit vielen Jahren die europäischen Adelshäuser und kaufte zu diesem Zweck alle Klatschzeitschriften, die etwas zu diesem Thema berichteten. Sie ließ sich von Verwandten aus Irland, Wales und England sogar Zeitschriften schicken, so vernarrt war sie in die Könige und Königinnen, die Fürsten und Fürstinnen und deren Nachkommen. Und scheinbar blätterte sie die restlichen Seiten auch durch.
„Den Rock haben wir zusammen gekauft? Wirklich?“, versuchte Ceridwen abzulenken.
„Kanu hieß der Schauspieler? Ein hübscher Mann“, ließ sich ihre Mutter jedoch nicht auf Ceridwens Ablenkungsmanöver ein.
„Keanu, nicht Kanu“, korrigierte Niall.
„Er ist doch hoffentlich nicht verheiratet? Schauspieler führen ja oft ein Doppelleben“, fiel Ceridwens Vater plötzlich ein.
Niall lachte. „Er ist so schwul wie ich und mit David Geffen verheiratet“, sagte er leichthin.
„Was redest du da?“, fragte Ceridwen ihren Bruder und sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren.
„Wusstest du das nicht, Schwesterherz? Du solltest dich besser über die Männer informieren, die du triffst, vor allem wenn du dich auch noch von Paparazzi bei einem Treffen mit ihnen ablichten lässt“, zog Niall sie auf.
„Hast du das denn nicht gewusst, Ceridwen?“, fragte Fionn O’Cuinn seine Tochter besorgt.
„Nein, weil es Unsinn ist!“, rief sie aus. „Niall, hör auf so einen Blödsinn zu erzählen.“ Zornig funkelte sie ihren Bruder an. Der grinste und Ceridwen stöhnte innerlich. Er hatte sie wieder einmal erwischt. Er liebte es, sie zu testen, um herauszufinden, wie sehr sie einem neuen Mann in ihrem Leben zugetan war. Und Ceridwen fiel jedes Mal darauf herein. Finster sah sie ihn an.
„Stimmt es jetzt oder nicht?“, mischte sich ihre Mutter wieder ein.
„Es stimmt nicht. Das war nur eine Presseente“, gab Niall Antwort.
Ceridwen war immer noch wütend auf ihren Bruder als sie den Heimweg antraten. „Komm, ich nehme dich in meinem Auto mit“, bot er ihr im versöhnlichen Ton an. Kaum saßen sie im Wagen ging Ceridwen auch schon auf ihn los.
„Was sollte das vorhin? Du weißt genau, dass unsere Eltern dir jeden Mist glauben, den du erzählst. Sie glauben immer viel zu sehr an das Gute in dir“, regte sie sich auf.
„Jetzt mach mal halblang. Ich habe mir das schließlich nicht ausgedacht“, wehrte sich Niall. Ceridwen schwieg. „Er scheint dir ganz schön unter die Haut zu gehen“, stellte er nach einiger Zeit fest. Ein Schnauben war alles, was er für diese Behauptung erntete. „Ceri, ich meine es doch nicht böse. Ich kenne dich. Ich weiß, wie leicht du dein Herz verlierst. Du bist gerade erst mit Jason auf die Nase gefallen. Möchtest du, dass gleich der nächste auf deinem Herzen herum trampelt?“, fragte er liebevoll.
„Woher willst du wissen, dass Keanu das tut?“, entgegnete Ceridwen dickköpfig.
„Ich weiß es natürlich nicht. Ich vermute es nur“, gab Niall zu. „Ich sage dir warum. Keanu Reeves ist ziemlich verschlossen, was man so hört. Mit Sicherheit ist er nicht einfach zu handhaben. Zudem hat er nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die Arbeit bei ihm an erster Stelle steht. Und das bedeutet, er ist noch mehr unterwegs als Chad und ich. Und du vielleicht, wenn du dich endlich für den Job bei Chad entschieden hast. Erinnere dich an Jason. Das hat dich immer an ihm gestört“, sprach er weiter und schenkte ihr einen kurzen Blick, um zu sehen, wie sie auf seine Worte reagierte. Ceridwen verschränkte die Arme unter der Brust. „Was mich an Jason stört ist, dass er mir erst sagt, dass er weg muss, wenn er es schon längst ist. Er sagt immer erst dann ab, wenn wir kurz vor einem Treffen stehen. Er ist einfach unzuverlässig. Und deswegen bin ich jedes Mal so enttäuscht. Keanu… Richtig, ich kenne ihn nicht gut. Aber er hat mir zum Beispiel Bescheid gesagt, dass er nach London fliegt, noch bevor er am Flughafen stand. Besser noch, er hat sich sogar die Mühe gemacht, sich noch einmal mit mir zu treffen, obwohl er in Zeitdruck war. Momentan ist er der Gute von uns beiden. Er ist es nicht gewesen, der bei unserem ersten Date davon gelaufen ist. Er hat angerufen, als er sagte, dass er anruft. Ich leider nicht“, erklärte sie immer leiser werdend.
„Was soll’s, Ceri. Dann werde ich dein Herz eben wieder zusammenflicken, wenn er es dir gebrochen hat“, lenkte Niall ein und lächelte sie an.
Ceridwen sah ihn an und schenkte ihm ebenfalls ein Lächeln. „Ich weiß, worauf ich mich da einlasse. Momentan ist es auch nur ein zartes Pflänzchen. Das kann sich in zwei Richtungen entwickeln. Und es entwickelt sich langsam, nicht so schnell wie bei Jason. Das ist doch positiv, stimmt’s?“
Niall nickte. „Ja, Schwesterherz, das ist es. Und jetzt lassen wir Keanu Keanu sein und trinken noch ein paar Cocktails, ja?“ Hoffnungsvoll sah er sie an.
„Es ist erst halb sieben“, gab Ceridwen zu bedenken.
„Man kann nie früh genug mit Cocktails anfangen. Außerdem trinken wir den bei Chad und mir. Du kannst auch bei uns schlafen“, erwiderte Niall und setzte seinen Hundeblick auf, der meistens wirkte, um Ceridwen zu erweichen.

„Hey, freut mich“, lachte Jamie Oliver Keanu an und reichte seinem prominenten Schüler die Hand.
Keanu nahm sie und drückte sie kurz. „Warten wir ab, wie ich mich anstelle“, grinste er.
„Ein ganzes Menü wolltest du kochen? Wie viele Gänge? Mehr als drei?“, fragte Jamie ihn und führte ihn in seine Küche. Er bot Keanu ein Glas Wein an, welches dieser dankend annahm.
„Setz dich“, deutete er auf einen Barhocker.
Keanu gehorchte. „Drei werden wohl reichen“, antwortete er auf Jamies Frage.
„Für wen willst du kochen? Für Kumpels, für deine Familie, deine Freundin?“, fragte Jamie ihn.
Als Keanu nicht sofort antwortete, erklärte er „Ich habe einiges eingekauft. Was wir heute nicht verwenden, verwende ich morgen. Also, für wen wollen wir kochen?“ Gespannt sah Jamie Keanu an.
„Für eine Frau. Sie ist nicht meine Freundin… denke ich. Sie sagte, wenn ich etwas für sie koche, was ihr auch schmeckt, dann habe ich einen Wunsch frei“, erzählte er zögernd.
Jamie lachte. „Ah, sehr gut. Das kriegen wir hin. Weißt du, was sie gar nicht isst?“
Hilflos sah Keanu Jamie an. „Nein, weiß ich nicht. So gut kenne ich sie nicht“, gab er zu.
„O.k., dann schlage ich vor, ich sage dir, was ich mit dir kochen will und du sagst, ob es passen würde“, grinste Jamie ihn an. Keanu nickte nur.
Jamie lief zu seinem Kühlschrank und riss die Tür auf. Er stöberte etwas darin herum, holte ein paar Zutaten heraus und legte sie vor Keanu auf die Theke. Dann wendete er ihm den Rücken zu und holte noch ein paar andere Zutaten aus einer anderen Ecke seiner Küche, die er ebenso vor Keanu ausbreitete.
„Gut, was haben wir hier? Kabeljau, Basilikum, Cocktailtomaten, Mozzarella, Ricotta, Pilze… hm… Also, machen wir überbackene Pilze mit Ricotta zur Vorspeise und als Hauptgang gebackenen Kabeljau mit Cocktailtomaten. Beides kommt in den Ofen. Das gibt dir genug Zeit dich jeweils um den anderen Gang zu kümmern. Dabei kannst du dich auch unterhalten. Das wirkt lässig und beeindruckt die Dame vielleicht, vor allem wenn sie glaubt, dass du nicht kochen kannst. Isst sie Fisch?“, plapperte Jamie drauf los.
„Ich habe sie schon Fisch essen sehen“, antwortete Keanu, als er an das Essen mit ihr im Il Sole dachte.
„Zum Nachtisch gibt es Schokoladencreme. Die ist ganz einfach. Du kannst sie zuerst machen oder kurz bevor deine Freundin kommt. Zart schmelzende Creme und Schokolade. Das wird sie mögen. Und du packst ein paar Früchte drauf. Das gibt dem Ganzen etwas Frische“, erklärte Jamie und fing auch schon an Blockschokolade zu zerkleinern. Keanu öffnete derweil sein Notizbuch und fing an zu schreiben.
„Wie viel Schokolade ist das?“, fragte er nach.
„Komm, wir kochen erst. Schreiben kannst du später“, lachte Jamie.
„Ich schreibe lieber gleich. Sonst vergesse ich alles“, widersprach Keanu und sah ihn unsicher an.
„Aber ich nicht. Das kriegen wir. Konzentriere dich jetzt aufs Kochen. Es soll doch so aussehen, als hättest du Ahnung von dem, was du tust oder?“, versuchte Jamie ihn zu überreden. Zögernd gab Keanu nach.

Bald darauf stellte er fest, dass es ihm Spaß machte. Das lag aber auch an diesem quirligen Kerl neben ihm. Jamie hatte einen trockenen Humor und sie lachten viel, plauderten über Gott und die Welt und aßen schließlich das gemeinsam gekochte Mahl. Es schmeckte himmlisch. Keanu war begeistert und sich sehr sicher, dass es Ceridwen ebenso zusagen würde. Wer hätte das gedacht? Er hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sich eine private Kochstunde bei Jamie Oliver geben zu lassen, der ihm von Londoner Freunden wegen seiner schnell zubereiteten und appetitlichen Menüs empfohlen worden war. Und das nur, um eine Frau hinterher mit selbst gezaubertem Essen zu beeindrucken. Ceridwen ließ ihn über sich selbst staunen. Normalerweise war er der Meinung, die Frauen sollten ihn so nehmen, wie er ist. Doch ihretwegen hatte er seine Haare abschneiden lassen, dachte zumindest darüber nach, sich den Bart abzurasieren und lernte kochen. Und darum hatte sie ihn noch nicht einmal gebeten. Was würde er wohl als nächstes für sie tun? Nackt auf der Straße tanzen und „I’m singing in the rain“ trällern?

Später im Hotel, vom Wein angeheitert, dachte er wieder an die Frau, von der er träumte. Sowohl nachts als auch tagsüber. Sie hatte auch schon etwas für ihn getan. Ihre Entschuldigung und ihr Bedauern über das verpatzte Date war ehrlich gemeint gewesen, denn sie hatte sich den Paparazzi gestellt, auf die Gefahr hin, in den Klatschzeitungen zu erscheinen. Sie hatte ihm einen sehr schönen handgeschriebenen Brief geschrieben, den er zwar erst zerrissen hatte, später aber wieder zusammengeklebt hatte. Sie war gleich zwei Mal auf sein Motorrad gestiegen. Dabei hatte sie sich vertrauensvoll an ihn geschmiegt und das, obwohl sie sich offenbar unwohl gefühlt hatte. Nicht seinetwegen, so dachte und hoffte er zumindest, sondern wegen der Fahrt auf einem Motorrad.
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Mohri
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:36    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 13

Mit weit geöffnetem Mund gähnte Keanu. Langsam hob er die Arme über seinen Kopf und verschränkte die Hände dahinter. Zufrieden starrte er an die Decke seines Schlafzimmers. Nach dem turbulenten Flug von London zurück nach L.A., bei dem sie in ein Unwetter geraten waren, hatte er nun eine ruhige, lange Nacht in seinem Bett verbracht. Er fühlte sich wunderbar ausgeruht. Anfangs wollte er lieber nach New York fliegen und die Nacht in seinem Appartement verbringen. Der Flug von London nach New York wäre nur halb so lange gewesen und er hätte in Ruhe am Tag darauf nach L.A. fliegen können. Aber er konnte es nicht erwarten, Ceridwen anzurufen und sie einzuladen, bevor er das von Jamie Oliver Gelernte wieder vergaß. Daher hatte er sich dazu entschlossen, gleich nach Los Angeles zu fliegen. Erst 9.00 Uhr stellte er nach einem Blick auf seine Uhr fest. Ob Ceridwen wohl schon wach war? Natürlich war sie das, schalt er sich selbst. Sie würde vermutlich schon arbeiten. Er drehte sich auf die Seite, reckte und streckte sich und zog sein Handy zu sich. Versuchen könnte er es einmal.

Es klingelte drei Mal, dann hörte er erst einmal ein Knallen an seinem Ohr. Erschrocken hielt er sein Handy etwas weiter weg, bis er eine Stimme vernahm. „Ceridwen?“, fragte er zögernd.
„Ich glaube schon“, murmelte sie heiser.
„Ach du meine Güte. Bist du etwa krank?“, fragte Keanu besorgt.
Er hörte ein Stöhnen. „Nein. Nur betrunken und müde oder anders herum“, antwortete Ceridwen und stöhnte erneut.
„Betrunken?“, fragte Keanu belustigt.
„Ich sage dir, lass dich niemals von deinem Bruder zu der Geburtstagsfeier eines Barbesitzers überreden. Du wirst da nicht heil herauskommen“, murmelte sie undeutlich.
„Ich habe keinen Bruder“, lachte er leise. „Eigentlich müsste ich jetzt böse auf dich sein. Wir wollten uns doch zusammen betrinken“, erinnerte er sie.
„Sei froh, dass ich dich nicht in mein Elend hineingezogen habe. Ich habe das Gefühl, Watte statt eines Gehirns im Kopf zu haben. Da fällt mir ein, bist du es überhaupt? Keanu? Bist du schon wieder zu Hause?“, entgegnete Ceridwen.
„Ja, hier ist Keanu und ich bin zu Hause und warte auf dich“, sprach er mit seiner warmen, tiefen Stimme.
„Waren wir etwa verabredet?“, fragte Ceridwen entsetzt. Er stellte sich vor, wie sie fieberhaft darüber nachdachte, ob das stimmen konnte. Und dann konnte er förmlich sehen, wie sie nach der Uhrzeit schielte.
„Nein, noch nicht. Ich versprach dir, mich zu melden, wenn ich wieder zurück bin. Allerdings habe ich etwa zwölf Stunden damit gewartet“, gab er zu. Und noch ehe er darüber nachdenken konnte, ergänzte er „Ich wollte unbedingt deine Stimme hören.“
Eine Weile sagte sie gar nichts. Er fragte sich schon, ob er zu weit gegangen war, da sprach Ceridwen leise und bewegt. „Das ist so lieb von dir.“
Keanus Herz tat einen Sprung als er sie so hörte. „Ich wollte dich zum Essen einladen. Aber dafür hast du vermutlich jetzt nicht viel übrig“, sagte er schnell, bevor er gefühlsduselig wurde.
„Wohin? Nicht irgendwohin, wo Paparazzi lungern. Meine Mutter hat mich nämlich in der Zeitung entdeckt. Und ich bin knapp den Familiengründungsfragen entkommen“, meinte sie.
„Den Familiengründungsfragen?“, fragte Keanu verständnislos.
„Du weißt schon. Diese gemeinen, hinterlistigen Fragen, die man ganz vorsichtig beantworten sollte. Ein falsches Wort, schon steht man vor dem Altar und hat mindestens vier Kinder angedichtet bekommen“, erklärte Ceridwen.
Keanu schmunzelte. „Ich glaube, das hat meine Mutter bereits aufgegeben, falls sie überhaupt einmal solche Familiengründungsfragen gestellt hat. Am Ende habe ich es gar nicht bemerkt.“ Er betrachtete seine Hand als er ernst fortfuhr „Aber um noch einmal auf meine Einladung zurückzukommen, ich möchte dich zu mir nach Hause einladen. Ich möchte für dich kochen. Am liebsten schon heute, sofern du bis heute Abend nüchtern genug bist und vielleicht auch wieder Hunger verspürst.“
„Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich mich heute Abend fühle. Im Moment möchte ich mich am liebsten in eine Höhle verkriechen. Ich habe in meinem ganzen bisherigen Leben nicht so viel getrunken, wie in den letzten zwei Tagen. Kann ich dich noch mal anrufen? Du musst bestimmt noch einkaufen oder einkaufen lassen oder wie du das so machst. Bis wann musst du Bescheid wissen?“, reagierte Ceridwen zögernd auf seine Einladung.
„Ich kaufe selbst ein, Ceridwen“, meinte Keanu und konnte einen leisen Tadel in seinem Tonfall nicht verbergen. „Wenn es dir so schlecht geht, was hältst du dann von morgen Abend?“, wollte er wissen.
„Morgen, ja, morgen geht. Morgen ist bestimmt besser als heute. Aber denke daran, dass ich dir auf deine schönen Finger schauen will“, sagte sie. Gleich darauf hörte er ein Seufzen, das nach leichter Verzweiflung klang. „Hör nicht so genau hin, was ich dir sage. Ich bin betrunken und müde“, sagte sie schnell.
Doch Keanu hatte über die Erwähnung seiner schönen Finger bereits lächeln müssen. Er hatte bisher nicht sagen können, ob sie ihn genauer musterte, wenn er scheinbar nicht hinsah. Doch nun hatte er eine Antwort darauf. Zumindest seine Hände hatte sie sich genauer angesehen.
„Komm morgen um halb sieben zu mir. Dann koche ich für dich, und du kannst mir dabei mit deinen wunderschönen Augen auf meine schönen Finger schauen“, meinte er noch immer mit einem Lächeln auf den Lippen.
„Charmeur“, lachte Ceridwen leise. „Ich werde da sein. Und ich werde ganz genau hinsehen“, warnte sie ihn.
Ceridwen stand vor Keanus Haustüre und überlegte, ob sie klingeln sollte. Klopfen würde er wohl kaum hören, dachte sie sich. Aber sie vermutete auch, dass er die Klingel abgestellt hatte. Allerdings wusste er, dass sie kommen würde. Kurzerhand nahm sie ihr Handy und rief ihn an. „Keanu, ich stehe vor deiner Haustüre. Hörst du die Klingel, wenn ich sie jetzt drücken würde?“, fragte sie ihn, als er sich meldete.
„Du bist wirklich originell, Ceridwen. Warum probierst du es nicht erst aus und rufst danach an?“, hörte sie ihn lachend fragen. „Ich mache dir auf“, versprach er ihr gleich darauf.
Eine gefühlte Ewigkeit später stand er schließlich vor ihr. Er ging einen Schritt zur Seite und ließ sie eintreten. Sofort schloss er die Tür. Sanft fasste er sie an der Hand und zog sie zu sich. „Guten Abend, Ceridwen. Schön, dass du da bist“, sagte er lächelnd. Gleich darauf spürte sie seine Lippen abwechselnd auf ihren Wangen.
„Hallo“, schaffte es Ceridwen geradeso zu hauchen. Einen Moment sah Keanu ihr in die Augen, bevor er sie bat, ihm zu folgen. Er ging zu seiner Küche und zeigte auf einen Barhocker vor einer Theke. „Setz dich. Von hier aus kannst du mir gut beim Kochen zu sehen. Möchtest du etwas trinken?“
Nachdem er ihr ein Wasser gereicht hatte, machte er sich daran das Dessert vorzubereiten. Wie Jamie Oliver in London fing er damit an die Blockschokolade zu zerkleinern. Ceridwen streckte sich, um zu sehen, was er tat. Aber so richtig beobachten konnte sie Keanu bei seiner Arbeit nicht, ohne dass es unbequem wurde. Kurzerhand ging sie um die Theke herum, schob ein paar seiner Utensilien zur Seite und hievte sich unter den erstaunten Blicken von Keanu auf die Arbeitsplatte. „So sehe ich besser“, erklärte sie knapp. Ich auch, dachte sich Keanu, sprach es aber nicht laut aus. Er hätte nichts dagegen, wenn ihr Kleid noch ein wenig weiter als über ihre Knie rutschen würde.
„Erklärst du mir, für was du die Schokolade brauchst?“, fragte sie ihn und beugte sich etwas zu ihm in der Hoffnung einen Blick auf seine Aufzeichnungen werfen zu können, die neben ihm lagen. Er schob diese jedoch wie beiläufig zur Seite.
„Ich mache eine Schokoladencreme mit frischen Früchten. Weil sie abkühlen muss, mache ich sie noch vor der Vorspeise und dem Hauptgericht.“
„Oh, eine Schokoladencreme mit frischen Früchten“, wiederholte Ceridwen und leckte sich mit der Zungenspitze über die Lippen. „Das klingt wunderbar. Das schmeckt mir schon mal ganz bestimmt. Aber woher weißt du denn, wie du die machen musst? Ich dachte, du kannst nicht kochen?“
Keanus Blick hatte sich an Ceridwens Zungenspitze festgesaugt und hang noch immer an ihren Lippen, als diese schon längst wieder im Inneren ihres Mundes verschwunden war. Beinahe hätte er sich deswegen in den Finger geschnitten. Wollte sie ihn verführen? „Ich kann auch nicht kochen. Eigentlich. Ich habe es mir zeigen lassen. Nur für dich“, antwortete er mit einem seiner tiefen, intensiven Blicke in ihre Augen.
„Wirklich? Nur für mich? Oder vielleicht doch auch ein wenig für dich?“, fragte Ceridwen prüfend nach.
Keanu schmunzelte nur und schwieg. Er konzentrierte sich wieder auf die Zubereitung des Desserts.
„Von wem hast du es dir zeigen lassen?“, fragte Ceridwen neugierig und spielte mit der Flasche voll Sahne.
„Sage ich nicht. Am Ende kennst du ihn“, antwortete Keanu.
„Wen?“, fragte Ceridwen trotzdem.
„Den Koch“, rutschte es Keanu heraus.
„Du hast einen Koch gefragt? Einen echten Koch?“, fragte Ceridwen erstaunt.
Ohne zu antworten griff Keanu nach der Sahneflasche, wobei er Ceridwens Finger streifte, als er sie ihr abnahm. Ein feines Kribbeln wanderte seine Hand hinauf und beschleunigte seinen Puls. Er gab die Sahne, Zucker und ein ganz klein wenig Salz in einen Topf und erhitzte die Zutaten. Die zerkleinerte Schokolade gab er nach und nach ebenfalls in den Topf, verrührte alles, bis die Schokolade geschmolzen war und gab dann noch Milch und Butter dazu. Die Masse goss er in zwei Gläser und stellte diese zur Seite.

Ceridwen hatte ihm schweigend zugesehen. Er war sehr konzentriert und genau vorgegangen. Offenbar war er kein Mann von halben Sachen. Das schloss sie auch daraus, dass er erst einen Koch konsultiert hatte, bevor er für sie kochte. Es musste perfekt sein. Das konnte sowohl liebenswert als auch anstrengend sein. Oder sie schätzte ihn falsch ein, und es ging ihm einfach nur darum, dass sie ihm seinen Wunsch erfüllte. Nur deswegen versuchte er, alles richtig zu machen. Sie hatte mit Tashina, ihrer besten Freundin, über die Abmachung mit dem Geheimnisvollen, wie Tashina inzwischen witzelte, gesprochen. Sie hatten gemeinsam gerätselt, was Keanu sich wohl von ihr wünschen würde. Tashina war der Meinung, er würde sich eine Nacht mit ihr wünschen. Ceridwen hatte widersprochen, denn sie glaubte, Keanu wäre viel zu sehr Gentleman, als dass er so rüde nach Sex verlangen würde. Da hatte Tashinas Mann Chris laut hinter ihnen gelacht. „Wie rücksichtsvoll er auch erscheinen mag, er ist immer noch ein Mann. Und ein Mann wäre schön dämlich, wenn er sich nicht genau DAS wünschen würde, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt.“
„Einen Penny für deine Gedanken“, riss Keanu sie aus ihren Träumereien. Ceridwen errötete leicht, was Keanu noch neugieriger machte.
„Hast du dir mich gerade nackt vorgestellt?“, vermutete er frech ins Blaue hinein. „Ich habe mir sagen lassen, Frauen fänden es anziehend, wenn ein Mann nackt für sie kocht.
Empört riss Ceridwen die Augen auf. „Nein!“, rief sie aus und stellte sich ihn jetzt, nachdem er es erwähnt hatte, tatsächlich nackt vor. Sie schlug die Hände vors Gesicht. Keanu tat es sofort leid, dass er sie so in Verlegenheit gebracht hatte. „Ich hoffe, du isst Fisch“, sagte er so dahin, um sie abzulenken.
„Welchen?“, fragte sie und erschreckte ihn mit dieser Frage sehr. Er hatte nicht darüber nachgedacht, dass sie nur bestimmten Fisch essen könnte. Er war davon ausgegangen, wenn sie Fisch aß, dann jeden Fisch.
„Kabeljau“, antwortete er und sah sie prüfend an. Jamie hatte ihm erklärt, er könne auch Hühnerbrust für das Gericht verwenden, müsste dann aber die Garzeit etwas verlängern. Aber Keanu hatte geglaubt, dass es nicht nötig wäre, eine Alternative zu dem Fisch zu besorgen. Jetzt ärgerte er sich darüber.
„Ja, Kabeljau esse ich“, sagte Ceridwen langsam, weil sie merkte, wie angespannt er auf ihre Antwort wartete. Strafe musste sein. Sie stellte sich ihn immer noch nackt vor, insbesondere, wenn sie auf seinen knackigen Hintern in dieser gut sitzenden Hose guckte. Keanu sah heute einfach fantastisch aus. Die dunkle, etwas verwaschene Jeans saß tief auf seinen Hüften und schmiegte sich in verführerischer Art und Weise an seine Beine und eben an seinen hübschen Hintern. Darüber trug er ein schwarzes Hemd, dessen zwei oberen Knöpfe nicht geschlossen waren und einen Blick auf seine helle Haut und ein paar einzelnen Brusthaare unterhalb seines Halses freigaben.
„Aber erst einmal scheint es etwas anderes zu geben“, stellte sie atemlos fest, als sie die Pilze bemerkte, die er zu sich herangezogen hatte.
„Überbackene Champignons mit Ricottafüllung“, erklärte er ihr und wartete auf eine Reaktion. Ceridwen betrachtete sich die Zutaten. Sie sah eine Zitrone, eine Chilischote, Parmesan, Majoran, Rucola.
„Wenn du mir einen Gefallen tun willst, nimm nicht so viel von der Chilischote. Ich esse nicht gerne scharf“, meinte sie und sah ihm dabei zu, wie er die Majoranblätter klein hackte. Er vermischte den Ricotta mit ein wenig Zitronenschale, Parmesan und Majoranblättern und würzte das Ganze mit Salz und Pfeffer. „Soll ich den Chili lieber gleich ganz weg lassen?“, fragte er sie.
„Nein. Aber mach die Kerne raus“, antwortete Ceridwen.

Hilflos sah Keanu auf die Chilischote. Wie hatte Jamie die noch einmal verarbeitet? Er entschied, sie lieber gleich ganz wegzulassen. Das sollte auch ohne schmecken. Er nahm die Pilze, die er schon geputzt hatte, zur Hand und entfernte die Stiele. Gleich darauf füllte er die Ricottacreme in die Champignons und legte sie auf ein Backblech, welches er in den vorgeheizten Ofen schob. Er holte zwei große Teller aus einem Schrank und verteilte den Rucola darauf. Als er seinen Kopf hob, sah er wie Ceridwen ihn zart lächelnd beobachtete. Er erwiderte ihr Lächeln und unterdrückte den Impuls zu ihr zu gehen, sich zwischen ihre Beine zu stellen und sie ausführlich zu küssen. „Jetzt bereite ich die Hauptspeise vor. Wenn diese in den Ofen muss, ist die Vorspeise fertig. Jamie meinte …“, mit einem Stöhnen brach er ab. Seine Hoffnung, dass Ceridwen vielleicht nicht genau zugehört hatte oder mit dem Namen Jamie nichts anfangen konnte, zerschlug sich augenblicklich als er sie überrascht fragen hörte „Jamie Oliver?“ Keanu nickte nur.
„Du hast mit Jamie Oliver gekocht? Wann wird das ausgestrahlt? Das muss ich unbedingt meiner Cousine erzählen. Sie lebt in London und findet Jamie Oliver total toll. Und wenn ich ihr von dir vorschwärme, findet sie dich auch total toll und sieht sich die Sendung mit Jamie und dir garantiert an. Außerdem darf sie die dann auch gleich für mich aufnehmen“, plapperte Ceridwen auch schon darauf los. Keanu trat zu ihr und legte seine Hände auf ihre nackten Knie, was Ceridwen augenblicklich zum Verstummen brachte. Nimm die Hände weg, nimm sie nicht weg, nimm sie weg, lieber nicht, brach ein Wirrwarr von Wünschen über Ceridwen herein. Im selben Moment, als Keanu in ihre großen Augen blickte, die ihn sofort in ihren Bann zogen, dachte er sich, dass er seine Hände lieber nicht auf ihre Knie hätte legen sollen. Seine Handflächen schienen zu brennen, so heiß fühlten sie sich an.
„Es war privat. Es gibt davon keine Aufzeichnung. Ich habe mich…“ setzte Keanu an und musste sich erst einmal räuspern. „Ich habe mich darum bemüht, eine private Kochstunde von ihm zu bekommen, damit dir auch schmeckt, was ich gedenke, dir zu servieren“, versuchte er es noch mal. Langsam nahm er die Hände wieder von ihren Knien, bevor sie sich verselbständigen konnten und auf die Reise gingen, unter ihr Kleid, die Oberschenkel hinauf, die er leicht spreizen würde, damit er die weiche Haut der Innenseiten streicheln konnte. Schnell trat er einen Schritt zurück.
„Du bist ganz schön gerissen. Wie kann ich da auch nur die geringste Chance haben, hm? Natürlich wird es mir schmecken. Ein Menü von Jamie Oliver von einem Mann wie dir gekocht. Du hast schon gewonnen“, sagte Ceridwen mit warmer, liebevoller Stimme und einem ebensolchen Blick.
Keanu hatte erwartet, dass sie verärgert wäre, wenngleich sie auch nie ausgemacht hatten, dass er sich nicht im Vorfeld hätte Hilfe suchen dürfen. Es war nur die Rede von selbstgekocht gewesen, nicht davon, dass das Rezept auch von ihm hätte sein müssen. Zudem hatte er seinen Namen, seinen Bekanntheitsgrad hergenommen, um so schnell mit Jamie Oliver einen Termin zu finden oder überhaupt einen mit ihm zu finden. Hätte er Charles Smith geheißen und wäre Tellerwäsche bei einer Diner-Kette gewesen, wäre er wohl keine fünf Meter an ihn heran gekommen. Doch Ceridwen war nicht beleidigt oder verärgert oder nahm es ihm in irgendeiner Weise krumm. Nein, sie sah nur das Warum, seinen guten Willen dahinter. Das berührte ihn.

Welch wunderbarer Mann, dachte sich Ceridwen. Erst ein Mann hatte einmal für sie gekocht. Das war Charles gewesen, genau zwei Tage nach ihrer Eheschließung. Er hatte eine Dose Ravioli aufgemacht und ihr den Inhalt aufgewärmt, vermeintlich schön auf einem Teller angerichtet, mit ein paar Petersilienblättern garniert. Sie hatte es unglaublich romantisch gefunden und ihm überschwänglich gedankt. Nicht nur mit Worten, auch mit Taten. Und nun stand da Keanu und kochte mit frischen Zutaten für sie, obwohl er nie oder so gut wie nie kochte, wie er sagte und sicherlich erst recht keine 3-Gänge-Menüs. Im ersten Moment war ihr der Gedanke gekommen, wie typisch es wieder war, dass ein Schauspieler seinen Namen benutzte, um an einen Koch wie Jamie Oliver zu kommen. Er konnte einfach alles bekommen, wenn er es nur wollte. Doch gleich darauf war ihr klar geworden, dass sie es nicht anders gemacht hätte. Aber sie hätte es nur dann getan, wenn ihr der Mensch wichtig gewesen wäre, den sie versuchte zu beeindrucken. Konnte das sein? Konnte sie, Ceridwen Poppy, eine normale, nicht besonders aufregende, einfache Frau, einem Mann wie Keanu Reeves wichtig sein?
Ich habe mich in dich verliebt, formulierte sie in Gedanken und sah zu ihm. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, drehte er den Kopf zu ihr und schenkte ihr einen seiner intensiven Blicke, die direkt in ihre Seele zu reichen schienen. Sie sah schnell auf seine Hände, um nicht in Versuchung zu geraten das, was sie gerade noch gedacht hatte, laut auszusprechen. Sie sah zu, wie er das Messer ansetzte, es hinten leicht anhob und schnitt – in seinen Finger. Erschrocken ließ er das Messer fallen.
„Oh Gott, oh Gott, oh Gott“, rief Ceridwen aufgeregt und sprang schnell von der Arbeitsplatte. Sie eilte zu Keanu, nahm seinen Finger und steckte ihn sich in den Mund.

Keanu stand wie erstarrt da und versuchte zu begreifen, was gerade vor sich ging. Befand sich sein blutiger Finger gerade tatsächlich in Ceridwens Mundhöhle? Bevor er aus seiner Erstarrung erwachte, hatte Ceridwen den Finger jedoch wieder aus ihrem Mund rutschen lassen und lief zur Spüle, um hinein zu spucken. Sie drehte das Wasser auf und spülte sich den Mund aus.
„Ich habe dein Blut geleckt!“, rief sie aus und klang leicht panisch dabei. „Bring mir einen Schnaps“, rief sie aus. Doch bevor er sich in Bewegung setzen konnte, schenkte sie seinem Finger wieder ihre Aufmerksamkeit. „Du blutest stark!“, stellte sie dabei aufgeregt fest.
Keanu schnappte sich schnell ein Küchentuch und wickelte es sich um den Finger. Noch während er das tat, trat er zu ihr. Sanft fasste er sie an den Schultern. „Ceridwen“, sagte er leise, mit beruhigender Stimme. Sie war sehr blass geworden. Mit schreckensgeweiteten Augen sah sie zu ihm auf.
„Ich kann kein Blut sehen. Kein echtes Blut jedenfalls“, gestand sie ihm und sah aus, als würde sie jeden Moment in Ohnmacht fallen. Kurzerhand zog Keanu sie in seine Arme, hielt sie fest an seinen Körper gepresst und streichelte ihr beruhigend über den Rücken. „Was kann ich für dich tun? Was brauchst du jetzt? Wirklich einen Schnaps?“, fragte er sanft. Er spürte, wie sie sich langsam entspannte und ihren Kopf gegen seine Wange legte.
„Zuerst einmal brauchst du ein Pflaster“, sagte sie leise.
„Mir geht es viel besser als dir“, entgegnete Keanu. „Was kann ich für dich tun?“, fragte er noch einmal.
Sie blieb erst schweigend mit ihm in der Umarmung stehen, bevor sie sich schließlich vorsichtig von ihm löste und zu ihm aufsah. „Ich habe dein Blut geleckt“, stellte sie noch einmal entsetzt fest.
„Ja“, bestätigte er gedehnt. „Ich gebe zu, dass mich das auch sehr verwundert hat. Was immer du dir dabei gedacht hast, du musst dich nicht sorgen. Ich bin gesund.“ Prüfend sah er sie an. Sie war noch immer recht blass.
„Gar nichts habe ich gedacht. Ich mache das mit meinem Finger so, wenn ich mich geschnitten habe. Ich wollte dir deinen Finger eigentlich in DEINEN Mund schieben“, erklärte sie und biss sich auf die Unterlippe. Keanu musste sich sehr beherrschen, um bei ihren Worten nicht wenigstens zu schmunzeln.
„Sei mir bitte nicht böse, aber ich hätte wirklich gerne einen Schnaps. Dein Blut in meinem Mund, das ist einfach… Könnte ich…“, stammelte sie. Keanu ließ sich nicht noch einmal bitten. Er ging und holte ihr ein Glas mit einem doppelten Schnaps, welchen Ceridwen sofort, ohne zu zögern hinunter kippte. Sie hustete und stellte das Glas ab. Dankbar sah sie ihn an.
„Meine Güte, ich bin wirklich total bescheuert. Das erinnert mich an ein Erlebnis mit diesen Nüssen, diese roten Nüsse, die man in Kneipen aus dem Automaten ziehen kann. Weißt du, welche ich meine? Ich liebe diese Nüsse, obwohl sie genau genommen ziemlich widerlich sind. Jedenfalls war ich in dieser Kneipe und habe sie mir aus dem Automaten gezogen. Nach und nach habe ich sie gegessen. Es waren nur noch ein paar übrig, als ich kleine weiße Maden zwischen den Resten hindurch kriechen sah. Ich brauchte fünf Schnäpse um den Würgereiz in den Griff zu bekommen“, erzählte sie ihm. Oh nein, hatte sie jetzt auch noch Keanus Blut mit ekligen Maden verglichen?, fragte sie sich gleich darauf entsetzt. Erschrocken sah sie ihn an. Sein Blick war ernst und ruhig. Plötzlich lachte er auf. Er konnte sich kaum beruhigen, so sehr musste er lachen.
Ceridwen sah ihn verwundert an. Nach und nach breitete sich auf ihrem Gesicht ein Lächeln aus. Sie hörte ihn gerne lachen, auch wenn er über sie lachte. Aber vor allem war sie erleichtert, dass er ihr ihren beleidigenden Vergleich nicht übel nahm.
„Keanu“, sagte sie und nahm seine Hand um sich seinen Finger anzusehen. Er hatte ihn gut eingewickelt. Langsam beruhigte er sich wieder. „Du bist wirklich einmalig, Ceridwen. Ich hoffe, du erzählst mir noch viele solcher Geschichten“, lachte er noch immer leise. Sein Blick ging zum Ofen. „Ich muss mich beeilen. Die Hauptspeise muss fertig vorbereitet sein, bevor die Vorspeise aus dem Ofen muss“, stellte er fest.
„Ich werde dir helfen. Ich habe mich jetzt lange genug davon überzeugen können, dass du selbst kochst. Außerdem bist du verletzt“, meinte Ceridwen fest und nahm das Messer auf, dass Keanu gerade erst auf die Arbeitsplatte hatte fallen lassen. Erst wollte Keanu widersprechen. Doch er entschied sich dagegen und erklärte ihr, was als nächstes zu tun war. Gemeinsam bereiteten sie die Hauptspeise vor. Er richtete die Champignons auf den Tellern an, während Ceridwen den Fisch in den Ofen schob. Anschließend folgte sie Keanu zum bereits gedeckten Esstisch. Sogar Kerzen und Blumen hatte er aufgestellt. Erst als sie sich gesetzt hatte, stellte er den Teller vor sie ab. Von rechts kommend. Offenbar hatte er sich auch über die richtige Servierweise erkundigt. Er bedauerte, dass sie keinen Wein trinken könnte und brachte ihr auf ihren Wunsch hin stattdessen noch ein Wasser.
Die Vorspeise schmeckte Ceridwen schon fantastisch, was sie Keanu auch sagte. Er bestand darauf, dass sie sich von ihm bedienen ließ, so dass sie sich auch die wunderbare Hauptspeise und die Schokoladencreme von ihm auftragen ließ. Es gab nichts an dem Essen auszusetzen. Er hatte seine Hausaufgaben sehr gut gemacht. Sehr satt und zufrieden legte Ceridwen ihren Löffel zur Seite und sah Keanu gespannt an. „Wie geht es deinem Finger?“, fragte sie ihn erst einmal.
„Er pocht noch etwas. Aber ansonsten gut“, gab Keanu Antwort und betrachtete sie.
„Du solltest dir ein Pflaster drauf machen. Du bekommst doch allen möglichen Dreck in die Wunde“, schlug sie ihm einmal mehr besorgt vor. Doch er blieb stur. Er mochte Pflaster nicht. Und deswegen wollte er auch keines haben.
Ceridwen holte tief Luft. „Also sag schon. Wie lautet dein Wunsch“, platzte es aus ihr heraus.
„Du machst drei Tage eine Tour mit mir auf dem Bike. Die Strecke legen wir gemeinsam fest“, brach seine Antwort genauso schnell aus ihm heraus. Ceridwen sah ihn ungläubig an. Langsam schüttelte sie den Kopf, um schließlich fest „Nein“, zu sagen.
„Doch. Du hast gesagt, es hat fantastisch geschmeckt. Das Wort hast du mehrfach gebraucht. Und du hast gesagt, wenn es dir schmeckt, dann habe ich einen Wunsch frei. Das ist mein Wunsch. Du MUSST ihn erfüllen. So war die Abmachung“, sagte er, verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie beinahe grimmig an.
„Ich hätte mit allem möglichen gerechnet. Aber nicht mit so was. Nein, nein, nein“, schüttelte Ceridwen störrisch den Kopf.
„Mit was hast du gerechnet?“, wollte Keanu wissen und beugte sich zu ihr vor. „Hm?“, machte er fragend und fing dabei ihren Blick ein. Ceridwen öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn jedoch schnell wieder. Sie schüttelte nur den Kopf und versuchte krampfhaft die Bilder, die sich ihr aufdrängten zu unterdrücken. Jetzt kein nackter Keanu auf einer nackten Ceridwen. Oder sie nackt auf ihm. Nein, sie wollte die Beine jetzt nicht spreizen, damit er sich dazwischen schieben konnte. Und nein, seine Lenden pressten sich jetzt auch nicht an ihren Po. Ihr Gesicht glühte, sie drehte den Kopf, sah den Pool, deutete mit dem Finger darauf und hauchte „Ich will da rein.“
„Was, jetzt?“, fragte Keanu ungläubig.
Sie hatte wieder laut gedacht. Gott sei Dank nur das und nicht das kurz davor auch noch. „Mit dem Auto würde ich mitfahren“, meinte sie und wagte es ihn wieder anzusehen.
„Nichts da Auto. Mit dem Motorrad“, entgegnete er unnachgiebig. „Nur du, ich und das Bike.“
„Und wo kommt der Koffer hin?“ Gespannt sah sie ihn an.
Keanu schüttelte den Kopf und lachte leise. „Ich könnte dich wirklich… Ceridwen… Du schaffst mich.“ Er hob die Hand und strich sich in seiner typischen Geste übers Kinn. „Kann es eigentlich auch langweilig mit dir werden?“, fragte er zart lächelnd.
„Ganz bestimmt. Du würdest dich schrecklich langweilen drei Tage lang mit mir auf dem Motorrad“, nickte Ceridwen bekräftigend.
„Das könnte dir so passen“, rief Keanu aus. „Mein Wunsch ist dir Befehl. Und es gibt keinen Koffer, sondern einen Rucksack. Da kommt nur das Nötigste rein. Also keine zehn Kleider, Hosen, Schminke und was dir sonst noch so einfällt. Den Rucksack bekommst du auf den Rücken geschnallt und dann geht es los.“
„Wieso ich?“, rief Ceridwen entsetzt aus.
„Wie soll er zwischen uns passen?“, fragte Keanu sie und sah sie gespannt an. „Komm mit, ich zeige ihn dir.“

Keine Minute später stand Ceridwen in seinem Schlafzimmer. Sie versuchte nicht ständig auf dieses große Bett zu starren, denn das führte wieder zu diesen Fantasien, die sie nicht haben wollte. Jedenfalls nicht, wenn er direkt vor ihr stand und sich bückte. So wie jetzt. Das Bett war vergessen. Ihre Augen fixierten nun stattdessen seinen Po, den er ihr in dieser – sie konnte es nur immer wieder betonen – sehr gut sitzenden Jeans präsentierte. Einmal nur darüber streichen, versehentlich, zufällig. Sie stand einfach zu nahe an ihm dran, wollte nur die Hand heben und schon war es passiert. Das lag nicht in ihrer Absicht. „Ceridwen?“, hörte sie seine samtige Stimme. „Hm?“, machte sie und riss die Augen auf. Wann hatte er sich umgedreht? Sie starrte ihm jetzt direkt auf den Schritt und er sah sie an und sah genau, wohin sie starrte.
Ceridwen konnte den Blick nicht heben. Sie glühte - nein – sie brannte. Sie konnte ihm jetzt nicht in die Augen sehen. Verzweifelt schlug sie die Hände vors Gesicht und murmelte „Wie furchtbar.“
„So hat noch keine Frau darauf reagiert“, hörte sie ihn trocken sagen. Sie zog scharf die Luft ein, hielt sie einen Moment an, blies sie langsam wieder aus und versuchte es mit der Wahrheit.
„Ich hatte eigentlich deinen Po betrachtet. Ich habe nicht gemerkt, dass du dich umgedreht hattest. Wirklich, wahrhaftig, ich schwöre“, rief sie aus und wagte nun doch einen Blick. Er sah sie ruhig und interessiert an, hob schweigend einen relativ großen Rucksack hoch und streckte ihn ihr entgegen.
„Das wäre er, der Rucksack“, sagte er. Nichts wies daraufhin, dass ihn ihr Geständnis störte, gefiel oder in irgendeiner anderen Weise berührte. Er war ein Meister der Selbstkontrolle und Ceridwen würde sonst was dafür geben, könnte sie auch nur ein bisschen davon ab haben.
„Ist der nicht ein bisschen groß für mich?“, fragte sie zweifelnd und stellte fest, wie eindeutig zweideutig das im Zusammenhang mit ihren Blicken gerade klang.
„Das glaube ich nicht. Wir probieren es aus“, entgegnete Keanu ungerührt. Offenbar klang es für ihn nicht eindeutig zweideutig, auch seine Antwort nicht. Schon stand er hinter ihr und schob ihr die Rucksackträger über die Schultern. Er ging um sie herum und schloss den Beckengurt. Zum Greifen nah, dachte sich Ceridwen und betrachtete seine Hände. Sehr schöne Hände, befand sie.
„Und nun gehen wir in meine Garage, setzten uns auf meine Norton und fahren eine Runde“, beschloss er, beugte sich zu ihr und küsste sie einfach. Nur kurz und flüchtig war der Kuss, doch er reichte aus, um Ceridwen die Sprache zu verschlagen. Wie ein hypnotisiertes Kaninchen folgte sie ihm.
Keanu hatte die Maschine schon vor die Garage gestellt, hatte den Helm auf und wartete, dass auch Ceridwen sich ihren endlich anzog.
„Kannst du mir bitte mal erklären, wie ich mit diesem Kleid auf dieses Motorrad klettern soll, ohne dass ich Körperregionen von mir zeige, die ich normalerweise nicht der Öffentlichkeit präsentiere?“, fragte sie ihn gerade.
Keanu sah sich um. „Von welcher Öffentlichkeit sprichst du?“, wollte er von ihr wissen, denn er konnte keine Paparazzi ausmachen.
„Von dir“, gab sie knapp Antwort.
„Setz jetzt den Helm auf und schwing deinen süßen Hintern auf diese Maschine“, erwiderte er mit einem strengen Blick und wartete, dass sie tat, was er ihr sagte. Widerwillig folgte sie seiner Anweisung, nicht jedoch, ohne ihm noch einen grimmigen Blick zuzuwerfen. Immerhin war Keanu Gentleman genug wegzusehen, als sie ihr Bein hob, um hinter ihm Platz zu nehmen. Sie hatte kaum Zeit seine Taille zu umfassen, geschweige denn sich an den Rucksack auf ihrem Rücken zu gewöhnen, da fuhr er auch schon los. Und es gefiel ihr. Ein bisschen kalt war es vielleicht. Doch das war nichts gegen das Gefühl von Leichtigkeit, dass sie trotz der – zugegebenermaßen – kleinen Last auf ihrem Rücken empfand.
Keanu war sich Ceridwens Nähe nur zu bewusst. Ihre Hände, die auf seiner Taille lagen, ihre Brüste an seinem Rücken, ihre Beine gespreizt rechts und links neben seinen. Und der Gedanke daran, dass sie keine Hose, sondern ein Kleid trug, während sie breitbeinig hinter ihm saß, ließ seinen Puls in die Höhe schießen. Am liebsten würde er anhalten, sie an sich reißen, um sie sofort an Ort und Stelle zu nehmen. Womöglich hätte sie nicht einmal etwas dagegen? Schließlich hatte sie sowohl seinen Hintern als auch seine Vorderseite ausführlich in Augenschein genommen. Sie hatte zwar behauptet, ihr Blick auf seiner vorderen Körpermitte wäre nur ein Versehen gewesen, aber er musste das nicht glauben. Doch, musste er. Ihre Erklärung war so spontan und hastig gekommen, mit den rot glühenden Wangen, es war in der Tat ein Versehen gewesen. Es war trotzdem an ihm, sich wenigstens etwas anderes einbilden zu können.
Dennoch würde er seinem Verlangen nicht nachgeben. Dass sie es langsam angingen, gefiel ihm. Es baute die Spannung und Erregung noch mehr auf. Und vor allem verschaffte es ihnen Zeit, sich erst näher kennen zu lernen. Wäre einmal der Bann gebrochen, lägen sie sich erst einmal in den Armen - so war sich Keanu sicher - würden sie so schnell nicht mehr aus dem Bett kommen. Es würde eine ganze Weile nur darum gehen, wie, wann und wo sie am besten miteinander schlafen könnten. Alles Andere wäre zweitrangig. So jedoch stand das Andere an erster Stelle. Allerdings barg es auch eine Gefahr. Keanu fühlte bereits die Unsicherheit, die Zweifel, die sich an ihn heranschlichen, über ihn kamen und ihn gefangen hielten. Es waren immer die gleichen dunklen Gefühle und Gedanken, die sich seiner bemächtigten, wenn er meinte, eine Person käme ihm zu nahe. Auf der einen Seite war da der Wunsch jemanden zu haben, mit dem er sein Leben teilen könnte, auf den er sich einlassen könnte, den er lieben könnte, bedingungslos, offen und selbstverständlich. Auf der anderen Seite stand die Furcht vor zu viel Nähe, zu vielen Kompromissen, dem Aufgeben liebgewonnener Gewohnheiten und immer wieder die große Angst vor dem Verlust. Hätte er erst einmal sein Herz verloren, wäre er erst einmal so weit gegangen sich in einem Menschen zu verlieren, dann war die Gefahr groß den Schmerz des Verlustes wieder einmal erfahren zu müssen. Das musste nicht der Tod sein. Eine andere Art verlassen zu werden, würde schon ausreichen. Er stellte sich diesen Gedanken und diesen Zweifeln nicht wirklich. Wenn er daran dachte, kratzte er an der Oberfläche und suchte sich gleich darauf lieber etwas anderes, um vor sich selbst eine Erklärung zu finden, warum er immer noch oder wieder alleine war und blieb. Er hatte Angst vor den Antworten, die er finden könnte, wenn er sich mehr auf die Frage nach seiner Angst vor Verlust einließe. Er fürchtete sich davor Vergrabenes wieder aufzuwühlen. Die Mauer um sich herum brauchte er. Bisher war er einfach nicht bereit gewesen, diese einzureißen. Wie musste eine Frau sein, dass er es zumindest versuchen würde? Was musste passieren, dass er den Mut dazu aufbrachte? Und wenn es so weit kommen würde, war da immer noch die Frage, ob die Frau, der er seine Liebe und ein Teil seiner selbst schenken wollte, seine Zweifel, Ängste, Traurigkeit und Wut auch aushalten könnte. Wenn die Frau im Moment seiner größten Schwäche gehen würde, dann wusste er nicht, wie er es aushalten könnte.

Keanu registrierte wie Ceridwens Hände einen Weg auf seiner Brust nach oben suchten. Ihre linke Hand lag nun auf Höhe seines Herzens, das fest und schnell gegen seine Brust schlug, als wolle es sie begrüßen. Sie war anders. Und deswegen brachen in ihrer Gegenwart seine Ängste und seine Zweifel schneller über ihn herein. Sie berührte ihn jetzt schon auf eine Art und Weise, die er kaum jemandem gestattete. Dennoch suchte er ihre Nähe, wollte sie, brauchte sie. Dabei ging es nicht vordergründig ums Begehren, sondern vielmehr darum, sie um sich zu haben. Sie hatte bisher nicht versucht, in ihn zu dringen, ihn mit Fragen zu bestürmen, ihn ganz und gar am liebsten sofort für sich einzunehmen. Sie beobachtete ihn. Das war ihm nicht entgangen. Und dabei meinte er nicht, dass sie sich seinen Hintern oder seine Hände genauer betrachtet hatte. Er bemerkte es, wenn er mit ihr sprach. Sie sah ihm immer direkt ins Gesicht, in seine Augen, beobachtete was er mit seinen Händen tat, registrierte, wenn er seine Arme vor der Brust verschränkte. Als er sie vor ein paar Wochen nach Hause gebracht hatte, und sie sein Gesicht gestreichelt hatte, hatte er das Gefühl gehabt, sie würde ihn durch diese Geste kennen lernen wollen.

Er wusste inzwischen, dass sie seinen Bart nicht mochte. Die kleinen Bemerkungen darüber, hatten es ihm verraten. Sie hätte sich abwenden können oder ihn unter Druck setzen können, dass er sich ihr zuliebe rasieren solle. Doch stattdessen versuchte sie, sich damit anzufreunden, ließ ihrer Neugierde freien Lauf. Auch schien es sie in keiner Weise zu interessieren, dass er eine Person des öffentlichen Interesses war. Es war ihr wichtig gewesen, ihm zu zeigen wie sehr ihr das Weglaufen bei ihrem ersten Date leid tat. Also ging sie mit ihm ins Il Sole, mit dem Bewusstsein von der Presse abgelichtet zu werden. Sie nahm es an, als einen Teil von ihm. Und auch wenn er Autogramme gab, stellte sie sich nicht neben ihn, um zu demonstrieren, dass SIE zu ihm gehörte, wie es so viele Frauen vor ihr taten. Nein, sie ließ ihn seine Autogramme schreiben und erledigte währenddessen das, was sie erledigen wollte. Sie wartete ihm Hintergrund, bis er fertig war und verhielt sich, als hätte es diese Unterbrechungen gerade nicht gegeben. Sie sah in ihm einen Mann, mit einem künstlerischen Beruf, der dazu führte, dass ihn viele Menschen erkannten. Mehr gab es für sie dazu nicht zu sagen. Ein Beruf wie jeder anderer. Ein Mann wie viele andere Männer. Nun, das vielleicht nicht gerade. Wenn sie nicht irgendetwas ihn ihm sehen würde, was ihn von anderen Männern abhob, wäre sie jetzt kaum bei ihm. Und noch etwas war da, was ihn berührte. Sie war vorsichtig, bisweilen sogar misstrauisch. Er fragte sich, ob sie das nur bei ihm war oder generell Männern gegenüber. Oder lag es am Ende doch an seinem Beruf, und er täuschte sich in der Annahme, dass ihr dieser gleichgültig war?
Sie tippte ihm gegen die Brust. Sofort hielt er an. Irgendetwas stimmte nicht. Noch während er den Helm abnahm und sich zu ihr umdrehte, wurde ihm eines bewusst. Seine Mauer war bereits am bröckeln. „Was hast du in den Rucksack gepackt?“, riss Ceridwen ihn aus seinen Gedanken.
„Ein paar T-Shirts und so was. Wieso? Ist er dir zu schwer?“, fragte er besorgt, denn das würde ihre Motorradtour von drei Tagen zunichtemachen. Sie schüttelte den Kopf.
„Nein, mir ist nur kalt. Darf ich mir etwas von dir anziehen?“, erklärte sie.
Er schalt sich einen Idioten. Sich selbst hatte er eine Jacke angezogen. Und Ceridwen ließ er im kurzärmligen Kleid aufs Motorrad steigen. Er bat sie abzusteigen und stellte das Bike ab. Gleich darauf drehte er Ceridwen um und öffnete den Rucksack, um einen Pullover herauszuholen. Ceridwen nestelte währenddessen am Verschluss des Helmes und zog ihn sich vom Kopf. Beim Öffnen des Gurtes um ihre Taille half er ihr. „Entschuldige, Ceridwen. Ich war wirklich gedankenlos“, sagte er, als er ihr den Rucksack von den Schultern streifte. Er legte den Pullover über die Maschine und zog seine Jacke aus. Gleich darauf hielt er sie ihr auf, damit sie hineinschlüpfen konnte. Fragend sah sie ihn an.
„Wenn du dich beeilst, ist sie noch warm“, lächelt er sie an. Diesem Angebot konnte Ceridwen nicht widerstehen. Sie schlüpfte in die Jacke und knöpfte sie zu. Ein wohliger Schauer rieselte durch ihren Körper. Es fühlte sich verdammt gut an, seine von seinem Körper gewärmte Jacke zu tragen. Keanu selbst zog sich den Pullover über. Nachdem sie ihre Helme wieder auf dem Kopf hatten, half Keanu Ceridwen noch, den Rucksack festzuschnallen. „Jetzt können wir gerne noch ein wenig herum fahren, ja?“, bat Ceridwen ihn mit glänzenden Augen.
„Es gefällt dir?“, fragte Keanu erfreut. Sie nickte bekräftigend.
„Dann los“, lachte er. Gleich darauf setzten sie ihre Fahrt fort.
Es war schon spät, als sie den Heimweg antraten. Zwischendrin mussten sie einmal halten, damit Keanu das Bike auftanken konnte. Dabei bat Ceridwen ihn, sie nach Hause zu fahren, weil sie am nächsten Tag bzw. eigentlich schon an diesem Tag früh raus musste. Als sie vor ihrem Wohnhaus standen, gab sie ihm die Jacke zurück, die er kurzerhand über den Pullover zog. Gleich darauf zog er Ceridwen an sich. „Bekomme ich einen Abschiedskuss?“, fragte er leise, mit sonorer Stimme.
„Ja“, hauchte sie und schon lagen seine Lippen auf ihren. Sie seufzte auf, als sie seine Zungenspitze fühlte, die die Konturen ihrer Lippen nachfuhr. Hingebungsvoll und zärtlich verschloss sein Mund den ihren. Ihr Denken war ausgeschaltet. Sie gab sich dem kribbelnden Gefühl hin, dass durch ihren Körper wanderte, ausgelöst durch seine Liebkosungen. Als er mit seiner Zunge einen Vorstoß wagte, öffnete sie bereitwillig den Mund für ihn und gewährte ihr Einlass. Sanft umschlang seine Zunge nun die ihre, erkundete die raue Oberseite und vereinigte sich mit ihr in einem leidenschaftlichen Tanz. Mit einem leisen Stöhnen löste er plötzlich seine Lippen von ihren, hielt sie jedoch weiterhin in seinen Armen. Ceridwen gestattete es sich, sich noch einen Moment an ihn zu lehnen, denn ihre Beine drohten nachzugeben. Sie hob den Blick und sah ihm in seine dunklen Augen. Ihnen beiden fehlten die Worte und so lächelten sie sich nur an. Schließlich löste sich Ceridwen aus seiner Umarmung. Sie musste sich erst räuspern, bevor sie sprechen konnte. „Danke für den schönen Abend, Keanu“, sagte sie.
„Den haben wir dir zu verdanken“, entgegnete er. Er beugte sich vor und küsste sie noch einmal, dieses Mal schnell und kurz. „Ich warte auf deinen Anruf. Und bitte lass dir nicht wieder so lange Zeit.“ Hatte er das jetzt wirklich gesagt?
„Ich werde gleich anrufen, sobald ich eine Landkarte gekauft habe und meinen Beitrag zu unserer Tour leisten kann“, versprach sie ihm. „Und ich werde sehr schnell eine kaufen“, fügte sie noch hastig an. Dann streichelte sie noch einmal über seine Wange und lief zum Hauseingang. So wie beim letzten Mal drehte sie sich noch einmal zu ihm um, winkte und verschwand im Hausinneren.
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Mohri
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Beitrag Verfasst am: 03.01.2013, 22:37    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 14

Ceridwen war gleich nach Feierabend in drei verschiedene Buchhandlungen gegangen und hatte fünf Landkarten gekauft. Als sie die erste Karte auf dem Fußboden in ihrem Wohnzimmer ausgebreitet hatte, fragte sie sich allerdings, wofür sie eigentlich fünf Landkarten benötigte. Die Gegend würde sich wohl kaum innerhalb von 10 Minuten – oder wie lange sie auch immer brauchte, interessante Straßen zu finden – so verändern, dass in der nächsten Landkarte bereits eine Straße mehr verzeichnet war. Vielleicht hatte man jedoch in der einen Karte eine Straße vergessen, die wiederum in der anderen Karte zu finden war. Und in der nächsten wäre es wieder genauso. Ceridwen schüttelte den Kopf über sich selbst. Ein leicht verrücktes Huhn war sie schon immer gewesen, hatte jedenfalls ihr Bruder behauptet. Aber seitdem sie sich mehr und mehr in Keanu verliebte, nahm das Ausmaße an, die ihr selbst langsam unheimlich wurden. Sie sollte dringend einen Baum umarmen, um sich zu erden. Tashina hatte ihr das ans Herz gelegt. Das tat diese öfter.

Sie starrte auf die ausgebreitete Karte vor sich und versuchte erst einmal ihren Standort zu finden. Ihren oder Keanus?, fragte sie sich. Ihren, er würde sie bestimmt abholen. Gut, wo wohnte sie? Ceridwen beugte sich weiter über die Karte und suchte. Endlich hatte sie ihre Straße gefunden. Sogleich stand sie vor dem nächsten Problem. Sie war unglaublich schlecht im Abschätzen von Entfernungen. Nach ihrem Dafürhalten waren die drei Tage bereits rum, wenn sie am Ende der Stadt angekommen waren. Aber da das natürlich nicht der Fall war, wohin sollte es dann weiter gehen? Die Küste entlang? Da gab es viele Touristen. Ob es Keanu recht wäre, an jeder Ecke auf jemanden zu stoßen, der oder die ihn erkennen würde? Oder sein Plan war drei Tage ohne Pause durchzufahren. Tief seufzend griff sie zum Telefon. Sie hatte Keanus Nummer bereits ins Telefon gespeichert. Es klingelte und klingelte. Gerade wollte sie auflegen, als sie seine Stimme hörte.
„Keanu, ich brauche deine Hilfe“, rief sie schon, ohne sich zu melden.
„Ist was passiert?“, fragte er besorgt, denn er hatte sie sofort erkannt.
„Nicht direkt. Ich habe fünf Landkarten hier und finde mich nicht zurecht. Überlege dir, ob ich wirklich dazu geeignet bin, mit dir auf eine Motorradtour zu gehen. Denn, wenn wir uns verfahren, dann kommen wir nie mehr zurück. Nie mehr. Schließlich kannst du nicht gleichzeitig fahren und die Landkarte lesen. Stell dir vor, wir sind irgendwo, wo kein Mensch ist. Einfach niemand. In Ghost Town. Na gut, da sind Touristen. In einer echten Geisterstadt. Vielleicht sind dort auch Menschen, aber sie sind alle an einer Seuche gestorben. Einfach so. Die Leute sitzen vielleicht noch an den Esstischen, weil sie sehr plötzlich gestorben sind. Und wir stehen mittendrin und können niemanden fragen, wie wir dort wieder weg kommen. Der Tank ist fast leer, keine Tankstelle weit und breit. Oh Gott“, redete und redete sie.
„Schreibst du gerade an einem Drehbuch für einen Horrorfilm?“, fragte Keanu leise lachend. „Falls wir uns verfahren und irgendwo landen, wo keine Menschen sind, die wir fragen können – nicht weil sie tot sind, sondern weil einfach niemand da ist – kann ich anhalten und einen Blick auf die Karte werfen. Das könnte ich sogar öfter tun, bis wir wieder auf der Spur sind.“
„Vielleicht, vielleicht auch nicht“, meinte Ceridwen daraufhin vage.
„Ach, natürlich, ich vergaß. Es könnte natürlich ganz plötzlich ein Ufo über uns schweben und die Außerirdischen beamen uns zu sich hinauf. Wenn wir sie jedoch freundlich bitten, dann fliegen sie uns bestimmt nach Hause“, zog er sie auf.
„Und deine Maschine?“, fragte Ceridwen zweifelnd.
„Oh nein, meinst du, die behalten sie? Das geht natürlich überhaupt nicht“, rief Keanu entsetzt und lachte wieder leise. „Möchtest du, dass wir uns zusammen eine Route heraus suchen?“, fragte er gleich darauf ernst und beinahe zärtlich.
„Genau deswegen rufe ich an“, antwortete Ceridwen und lächelte, auch wenn Keanu sie nicht sehen konnte.
Kaum hatten sie aufgelegt, war ihr bewusst geworden, wie chaotisch ihr Zuhause war, vor allem im Vergleich zu Keanus. Allerdings hatte sie auch eine deutlich kleinere Wohnfläche. Sie nutzte die Zeit vor seinem Erscheinen, räumte auf, saugte und wischte sogar den Boden. Sie war kaum fertig, da klopfte es an ihrer Tür. Scheinbar hatte wieder jemand die Haustür unten offen gelassen „Toll, jetzt sehe ich aus wie eine Vogelscheuche“, beschwerte sie sich leise über sich selbst, nachdem sie einen Blick in ihren Flurspiegel warf. Schnell zog sie den Haargummi aus ihren Haaren und kämmte sie mit den Fingern. Dann riss sie dir Tür auf. Doch da stand nicht Keanu, sondern ein ihr inzwischen unliebsam gewordener Bewohner aus dem Stockwerk unter ihr. „Hallo Piotr, hast du wieder ein Paket für mich?“, fragte sie ihn und sah ihn ungeduldig an.
„Ja, genau. Habe angenommen. Kam schon gestern“, antwortete er in seiner für ihn typischen Art. Er war Pole und sprach ihre Sprache nur gebrochen.
„Sehr schön, danke“, meinte Ceridwen, nahm es entgegen und wartete, dass er ging. Da klingelte es erneut und Ceridwen betätigte den Türöffner. Keanu kam schnell die Treppe herauf, während sie noch immer wartete, dass Piotr sich verabschiedete.
„Dein Freund?“, fragte Piotr grinsend, als Keanu beinahe schon neben ihm stand. Gute Frage, dachte sie sich und sah Keanu lächelnd an.
„Ja, mein Freund. Und der kann Karate… äh… Kung Fu oder?“, antwortete sie und sah Keanu fragend an. Der hob die Augenbrauen, warf erst einen Blick auf den alten Mann, um anschließend Ceridwen hilflos anzusehen.
„Film-Kung-Fu“, antwortete er vorsichtig.
„Ach ja. Das ist noch viel aggressiver“, behauptete Ceridwen und zog ihn in ihre Wohnung. „Danke dann, Piotr. Bis irgendwann mal.“ Schon hatte sie die Tür vor der Nase dieses Mannes geschlossen.
„Viel aggressiver?“, fragte Keanu sie sogleich verwirrt. „Wo bin ich da jetzt gerade rein geraten?“
„Entschuldige Keanu. Piotr wohnt unter mir und hat meine Nachbarin sexuell belästigt“, erklärte Ceridwen schnell. Sie schickte sich an ihm seine Jacke von den Schultern zu ziehen.
„Was?“, fragte Keanu entsetzt und drehte Ceridwen den Rücken zu, damit sie bei ihrem Vorhaben mehr Erfolg hatte. Dieser Mann war schon nicht mehr sehr jung gewesen.
„Bei mir hat er das auch versucht. Aber ich habe es nicht kapiert. Gott sei Dank nicht.“, erzählte sie weiter, während sie seine Jacke an der Garderobe aufhängte.
„Was?“, fragte Keanu wieder entsetzt und schüttelte den Kopf. Er fragte sich, ob ihm heute auch noch einmal ein anderes Wort einfallen würde. Ceridwen hatte ihn mit ihrer ungewöhnlichen Begrüßung wieder einmal völlig verwirrt.
„Komm ins Wohnzimmer, da liegen die Landkarten“, lockte sie ihn mit sich. Und da ist es am saubersten, ergänzte sie in Gedanken. „Was willst du trinken? Saft oder Wasser oder beides?“, fragte sie ihn. „Ich habe auch noch Cola, glaube ich. Und Wodka.“
Er holte einmal tief Luft und sah sie durchdringend an. „Zuerst einmal hallo. Und dann hätte ich gerne die Geschichte von deinem … von diesem… von Piotr, deiner Nachbarin und dir gehört. Falls sie sich mit Cola leichter ertragen lässt, dann hätte ich die gerne“, sagt er ruhig und lächelte anschließend.
Ceridwen stellte das Glas Cola vor Keanu auf den Wohnzimmertisch. Er hatte sich auf die Couch gesetzt und lächelte sie an. Sie ließ sich in ihren Sessel fallen und erwiderte sein Lächeln. „Die Geschichte mit Piotr und meiner Nachbarin. Also, wenn du mich fragst, hat dieser Mann Notstand. Er ist eigentlich verheiratet. Aber bei ihm und seiner Frau scheint tote Hose zu herrschen. Nun ja, bei seiner Frau zumindest. Bei ihm ist das wohl nicht der Fall. Er hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, eine von uns Frauen in diesem Haus zu einem kleinen Stell-dich-ein zu überreden. Und bei meiner Nachbarin hat er das dann etwas übertrieben. Er brachte ihr ein Paket und drängte sie mit netten Worten und Fragen einfach in ihre Wohnung. Dabei machte er ihr eindeutige Vorschläge, die sie allesamt ablehnte. Sie bat ihn mehrfach zu gehen. Das tat er schließlich auch. Gleich darauf kam sie zu mir. Sie zitterte am ganzen Leib. Sie war fix und fertig“, fing sie an zu erzählen.
„Und bei dir hat er das auch gemacht?“, fragte Keanu mit grimmigem Blick.
Ceridwen seufzte. „Nein, nicht auf diese Weise. Ich habe auch erst nach dem Vorfall bei meiner Nachbarin kapiert, dass er versucht hatte, mit mir über Sex zu sprechen.“
„Über Sex sprechen?“, fragte Keanu erstaunt weiter. Er stellte sich vor, wie eine ältere Dame, eine Nachbarin, bei ihm klingelte, um mit ihm über Sex zu sprechen.
„Er hat mir ein Paket gebracht und gefragt, ob da Sexbücher drin wären. Aufgrund seiner gebrochenen Sprache, dachte ich, dass er Liebesromane meinte und sagte daraufhin auch: ganz recht, da sind Liebesromane drin. Er hat mich danach angeschaut, als wolle ich mich über ihn lustig machen“, sprach Ceridwen weiter, schüttelte den Kopf und lachte leise.
Keanu sah sie amüsiert an. „Du bist so originell, dass ich mir um dich keine Sorgen machen brauche“, meinte er und sah ihr fasziniert in die Augen. „Was passierte mit deiner Nachbarin?“, wollte er dennoch besorgt wissen.
„Ihr Mann hat sich Piotr zur Brust genommen und ihm gesagt, wie der Hase läuft“, antwortete Ceridwen. „Aber ich habe leider keinen Mann. Ich muss mich also mit Naivität und dem Glauben an das Gute im Menschen aus so einer Geschichte heraus mogeln“, seufzte sie theatralisch.
„Oder Piotr mit deinem Freund, der Film-Kung-Fu beherrscht, Angst machen“, ergänzte Keanu humorig.
Ceridwen grinste. „Unglaublich aggressivem Film-Kung-Fu.“
„Richtig“, nickte Keanu und fuhr sich mit der Hand übers Kinn. Seine Augen suchten erneut ihre. Er versank in diesem tiefen Türkis. Langsam stand er auf, beugte sich über Ceridwen, wobei er seine Hände rechts und links auf die Lehnen ihres Sessels abstützte und wartete darauf, dass sie das Gesicht anhob. Sobald sie es tat, senkte er seines zu ihr. Schon trafen sich ihre Lippen. Erst vorsichtig und zurückhaltend küsste er sie. Doch als sie ihre Hände auf seine Wangen legte, um ihn daran zu hindern, sich zurückzuziehen, gestaltete er den Kuss sehr viel leidenschaftlicher. Seine Lippen lagen fest auf ihren, während sich seine Zunge einen Weg in ihren Mund bahnte, um ihre zu umschlingen. Immer wieder von neuem fanden sich ihre Lippen und spielten ihre Zungen miteinander. Keanu löste sich schließlich von Ceridwen, denn er konnte sich nicht länger gebeugt und aufgestützt auf dem Sessel halten. Für einen kurzen Moment lehnte er seine Stirn an ihre, bevor er sich langsam wieder aufrichtete.

Ceridwen sah zu ihm auf. Ihre Lippen waren leicht geöffnet und glänzten rot, was Keanu schier verrückt machte. Sie war so unglaublich anziehend. „Da hinten liegen die Karten“, sagte sie atemlos und zeigte mit dem Daumen hinter sich. Auch sie stand noch in seinem Bann. Es gelang ihr einfach nicht, ihren Blick von seinem zu lösen.
„Karten?“, fragte Keanu leise, denn er wusste gerade wirklich nicht, worüber sie sprach.
„Landkarten“, erwiderte Ceridwen.
„Landkarten… Landkarten. Ja, richtig, Landkarten“, fiel es ihm wieder ein. Er streckte Ceridwen die Hände entgegen. Als sie ihre in seine legte, meinte er eine ganze Farm Ameisen würde seine Arme hinauf krabbeln. Sie erhob sich mit seiner Unterstützung. Nun stand sie so nahe bei ihm, dass er ihren Atem spüren konnte. Wenn er nicht sofort einen Schritt zurück trat, dann würde er sie wieder an sich reißen. Und dann könnte er nicht mehr so schnell damit aufhören, sie zu küssen. Als sie leise, sanft und zärtlich seinen Namen flüsterte, war es um seine Selbstbeherrschung geschehen. Schon lag sie in seinen Armen, fest an ihn gepresst. Während er sie küsste, spürte er ihre Hände seinen Rücken hinauf streicheln, bis sie diese in seinen Haaren vergrub. Ein leises Stöhnen entrang sich ihrer Kehle. Ihre Zungenspitze kitzelte seine Lippen. Genussvoll bot er ihr seinen Mund dar. Sie erkundete seine Lippen mit ihren Lippen, seine Mundhöhle mit ihrer Zunge. Keanu saugte an ihrer Zunge und umkreiste sie spielerisch. Vorsichtig hob er ihr Shirt an. Sanft stahlen sich seine Hände darunter, berührten ihr weiche, warme Haut und fuhren ihren Rücken entlang. Wie gut sie sich anfühlte. Er unterbrach sein Streicheln, als er an den Verschluss ihres BHs kam. Ohne darüber nachzudenken öffnete er die kleinen Häkchen. Ihr BH sprang auseinander und wurde nur noch durch die schmalen Träger an Ort und Stelle gehalten. Zärtlich wanderten seine Finger nach vorne. Sanft schoben sie sich unter den lose hängenden BH direkt auf ihre Brüste. Ceridwen hatte kurz die Luft angehalten, als er die Häkchen geöffnet hatte, doch nun presste sie ihre Brüste, die wie reife, feste Pfirsiche wunderbar seine Hände ausfüllten, noch gegen diese. Mit dem Daumen umkreiste er ihre Perlen, die sich unter dieser Berührung sofort zusammenzogen und sich gegen seine Daumenkuppen drängten. Während er sie so streichelte, wurden ihre Küsse immer leidenschaftlicher und wilder. Auch Ceridwen hatte inzwischen den Weg unter sein T-Shirt gefunden. Ihre Fingerspitzen liebkosten seinen Bauch, fuhren zart seine Narbe entlang, weiter nach oben auf seine Brust.
„Mahna mahna, ba dee bedebe, mahna mahna, ba debe dee“, erklangen plötzlich laute Singstimmen vom Wohnzimmertisch. Ceridwen zuckte zurück. „Verfluchter… Niall!“, stieß sie hervor. Keanu nahm seine Hände von ihren Brüsten und trat einen Schritt zurück. „Mah mama na mahna mah namwomp mwomp…“, ertönte es weiter. „Die Sesamstraße“, flüsterte er leise und verschränkte die Arme vor der Brust, weil er nicht wusste, was er mit ihnen anstellen sollte.
„Oh Gott, das ist ja wohl nur peinlich“, flüsterte Ceridwen und stürzte zum Tisch, über den sie sich beugte, um nach dem Handy zu angeln. Ohne darauf zu achten, wer sie anrief, schaltete sie das Handy aus. Sie sah unsicher zu Keanu und bemerkte, wie er die Lippen aufeinander presste. In seinen Augen lag ein belustigter, aber auch lustvoller Glanz, als er sie nun betrachtete. Sie wurde sich ihrer vom BH befreiten Brüste nur zu bewusst und versuchte, ihn mit vor Scham geröteten Wangen wieder zu schließen. Keanu drehte sich um. Er brauchte so wie sie einen Moment, sich zu sammeln, damit seine Erregung abkühlen konnte. Sein Glied presste sich hart gegen seine Hose und pochte unangenehm. Keanu entdeckte die Landkarten im Regal, ging zu diesem und nahm sie an sich. Er atmete ein paar Mal tief durch. „Das sind aber eine ganze Menge“, stellte er fest, als er sie durchsah.

Ceridwen war ihm sehr dankbar, dass er sich umgedreht hatte und ihr so einen Augenblick Zeit gab, sich ordentlich anzuziehen sowie ihre überschäumenden Gefühle zu kontrollieren. Wenn das Handy nicht gewesen wäre, dann hätte sie ihn nicht daran gehindert noch weiterzugehen. Und Keanu hätte sich vermutlich auch nicht selbst daran gehindert. Sie hätten miteinander geschlafen. Wäre das schlimm gewesen? Nein, bestimmt nicht. Sehr schön sogar, vermutete sie. Aber es wäre ihr zu schnell gegangen. Sie tat es immer zu schnell und war anschließend die Dumme. Beute erlegt und weiter zur nächsten, dachten sich die Männer wohl. Die bekam man leicht rum, die konnte man sich warm halten. So musste auch Jason gedacht haben, vermutete Ceridwen. Eigentlich glaubte sie nicht, dass Keanu auch so war. Doch sie wusste es eben nicht mit Sicherheit. Sie hatten es so schön langsam angehen lassen. Es war offenbar auch von seiner Seite aus gewollt, es nicht zu überstürzen. Das fand sie einfach himmlisch, denn so konnten sie sich besser kennen lernen, und er vermochte sich genauso in sie zu verlieben wie sie sich in ihn. Sie hoffte, er würde es können, denn sie fand ihn wunderbar. Sie wollte bei ihm alles richtig machen. Wie man alles richtig machte – noch dazu bei einem Schauspieler, der oft lange nicht zu Hause war - wusste sie zwar nicht so genau, aber sie wusste, dass sofortiges Miteinanderschlafen nicht dazu gehörte, denn damit war sie nun oft genug auf die Nase gefallen. Bei Gelegenheit sollte sie sich bei ihrem Bruder bedanken, dachte sie. Wenn auch nicht für die Wahl des Klingeltons. Sesamstraße!

Mit einem leisen Seufzen trat sie neben Keanu. „Ja. Falls bei einer eine Straße fehlt, können wir sie vielleicht in der anderen Karte finden“, ging sie auf seine Feststellung ein, dass sie viele Landkarten besäße. Sie blickte ihn schmunzelnd an und nahm ihm eine davon aus der Hand. „Wir müssen sie auf dem Boden ausbreiten“, meinte sie. „Oder wir gehen rüber in die Küche und räumen den Tisch leer.“ Fragend sah sie ihn an. Er sah so gut aus, mit diesem zerstruppelten Haar, den wundervollen braunen Augen, die einen warmen Glanz angenommen hatten. Ceridwen musste sich mit Mühe zurückhalten, nicht sofort wieder über ihn herzufallen.
„Küchentisch“, entschied Keanu einsilbig, aber nicht, weil er unfreundlich sein wollte, sondern weil er die erotischen Bilder, die sich alleine bei der Erwähnung dieses Möbelstücks gepaart mit Ceridwens Anblick, kaum aus dem Kopf bekam.

Sie nahm es ihm nicht krumm, sondern ging einfach voran. Ihre Küche war geräumig, hell, sonnig und mit allerlei Dekoration bestückt. Keanu sah sich um. Es war aufgeräumt, sauber und doch blieb ein Gefühl, als hätte Ceridwen gerade noch hier gekocht und dann mit Freunden hier gesessen. Die Küche verkörperte das, was er in ihr sah. Sie war voller Wärme, voller Gefühl, voller Liebe, gefüllt mit kleinen chaotischen Ecken, die neugierig machten. Er fühlte sich sofort wohl in diesem Raum. Noch wohler als schon in ihrem Wohnzimmer. Das, was er bisher von ihrer Wohnung gesehen hatte, spiegelte Ceridwen wieder. Sie wohnte nicht nur hier, sie lebte hier, ihre Seele hatte in ihren Räumen Einzug gehalten.
„Setz dich“, bat sie ihn und schob ihm einen Stuhl zurecht. Er bedankte sich mit einem liebevollen Lächeln und ließ sich auf dem Stuhl nieder. Ceridwen tat es ihm auf dem zweiten Stuhl gleich. Sie entfaltete eine der Landkarten und breitete sie auf dem Tisch so aus, dass der für sie interessante Teil gut sichtbar vor ihnen lag.

Eine halbe Stunde schon hatten sie hin und her überlegt. Ceridwen hatte ihnen zwischendrin einen Kaffee gemacht, auch auf die Gefahr hin, dass dieser sie wach halten könnte. Sie schwankten nun zwischen zwei Routen. Die eine Route ging an der Küste entlang, wo es viele Sehenswürdigkeiten gab, aber auch viele Touristen. Die andere Route führte in die San Gabriel Mountains. Keanu bevorzugte die San Gabriel Mountains. Ceridwen den Weg die Küste entlang. Es erschien Ceridwen so, als würden sie noch ewig um den heißen Brei reden, weil keiner von ihnen derjenige sein wollte, der seinen Kopf durchsetzte.
„Also gut, wir fahren die Küste entlang“, gab Keanu schließlich nach, nahm seine Tasse auf und trank einen großen Schluck Kaffee.
„Moment mal. Eben wolltest du doch noch in die Berge“, erinnerte Ceridwen ihn. Verständnislos sah sie ihn an.
„Irgendwann müssen wir eine Entscheidung treffen. Sonst finden wir am Ende keinen Termin mehr, an dem wir die Tour überhaupt machen können“, erklärte Keanu, streckte seine Hand aus und strich ihr mit einer zärtlichen Geste eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ceridwen senkte lächelnd den Blick auf die Karte. Sie hatten die ganze letzte halbe Stunde vermieden, sich zu nahe zu kommen. Seine Hand auf ihrem Haar, an ihrer Wange, überraschte und erfreute sie. Ein wohliges Ziehen breitete sich in ihrem Magen aus und strahlte in alle Richtungen.
„Nein, wir fahren in die Berge“, sagte sie noch immer auf die Karte starrend.
„Ceridwen“, rief Keanu und fuhr sich in gespielter Verzweiflung durch die Haare. Sie sah ihn wieder an.
„Es war dein Wunsch. Also solltest du auch die Entscheidung fällen dürfen, wo wir entlang fahren werden“, erklärte sie.
„An der Küste entlang“, nickte er und sah ihr dabei fest in die Augen.
„Ich bevorzuge die Berge“, behauptete sie, während sie seinen Blick erwiderte.
„Ceridwen“, rief Keanu erneut und seufzte tief. „Wozu die ganze Diskussion, wenn du dann doch lieber das machen möchtest, was ich mir vorgestellt habe?“, fragte er und sah sie gespannt an.
„Entschuldige, du hast ja Recht. Es ist nur… Ich möchte nicht, dass du dich unwohl fühlst. Und ich werde mich wohl auch nicht schlecht fühlen, wenn wir in die Berge fahren. Solange wir genug Pausen machen, versteht sich. Es war dein Wunsch. Es war unsinnig von mir, überhaupt mit dir über eine Route zu diskutieren“, antwortete sie etwas zerknirscht.
„Ich habe doch angeboten, dass wir uns zusammen eine aussuchen“, erinnerte Keanu sie.
„Ja. Und das haben wir gemacht. Wir haben beide Routen gemeinsam ausgesucht. Und die in die Berge wird es jetzt. Schon alleine deswegen, weil ich dort viel seltener war, als an der Küste“, sagte Ceridwen fest und stand auf, um ihre Tasse wegzuräumen. „Und was passiert jetzt?“, fragte sie ihn von der Küchentheke aus.
Keanu erklärte ihr, welche und wie viele Sachen sie für die Fahrt benötigte und zusammenpacken sollte. Anschließend sah Ceridwen in ihrem Kalender nach, wann sie Zeit hätte und schrieb Keanu die Daten auf, damit er sie mit seinen Terminen abgleichen konnte. Bald darauf machte er sich auf den Weg nach Hause, nicht ohne Ceridwen noch einen langen, leidenschaftlichen Kuss zu geben, der sie mit weichen Knien und wild klopfendem Herzen zurück ließ.
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