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esbe
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Beitrag Verfasst am: 26.04.2010, 21:34    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 76


In dieser Nacht hatte Belana wieder ihren Alptraum. Zitternd und stöhnend wälzte sie sich im Bett hin und her. Und Keanu schlief so fest, dass er es zuerst gar nicht mitbekam. Erst als sie gequält aufschrie, wurde er mit einem Ruck wach. Er setzte sich auf und zog Belana sofort zu sich heran. Auch sie saß aufrecht im Bett und hielt wieder ihre Hände auf ihre Ohren gepresst. Und im diffusen Licht, das von den Straßenlampen ins Zimmer fiel, konnte er auch ihre Augen sehen. Belana hatte sie weit aufgerissen und starrte ins Leere. Er musste sie mehrfach ansprechen und leicht schütteln aber dann endlich nahm sie ihre Hände herunter und legte sie um seine Taille. Und weil Belana eiskalt war und stark zitterte, zog Keanu mit einer Hand die Bettdecke hoch und legte sie ihr über die Schultern. Dann strich er beruhigend über ihren Rücken und sprach leise mit ihr.
"Wieder der Traum, Belana? Gleich wird es besser. Gleich wird dir wieder warm. Komm noch etwas dichter. Ich wärme dich, dann geht es dir besser."
Und Belana schmiegte sich an ihn atmete schon wieder etwas ruhiger.
"Tut mir leid, Keanu" sagte Belana und wollte etwas von Keanu abrücken.
Aber der hielt sie fest.
"Schschsch... Es muss dir nicht leid tun. Bleib sitzen. Ich möchte dich wärmen."
"Danke."

Mehrere Minuten saßen sie still da. Langsam wurde Belana tatsächlich wieder warm und sie seufzte erleichtert auf. Und in diese Stille hinein, sagte Keanu leise:
"Es ist nicht so gewesen, Belana."
"Was?"
"Das, was du träumst."
"Wie meinst du das?" fragte Belana irritiert. "Woher willst du das wissen?"
"Ich habe ......" Keanu verstummte wieder.
"Was hast du?" hakte Belana nach und setzte sich nun doch etwas gerader hin und sah Keanu an.
"Ich habe da ein paar Erkundigungen einziehen lassen."
Belana hatte die Stirn zusammengezogen und sah Keanu fragend an.
"Was für Erkundigungen?"
"Erinnerst du dich an den Abend, als Josh und Mr. Carter bei mir waren?"
"Jaaaa..."
"Mr. Carter ist eine Art Detektiv. Und er hat für mich recherchiert und einiges herausgefunden."
Belana antwortete nicht sofort. Sie musste das, was Keanu gesagt hatte, erst einmal richtig aufnehmen. Hatte sie es wirklich richtig verstanden?

"Er ist Detektiv und du hast ihn gebeten, etwas über den Unfall herauszufinden?" fragte sie nach.
"Ja, genau."
"Warum hast du das gemacht? Das ist so lange her."
"Ja, es ist lange her. Aber es quält dich. Wie lange soll das so weitergehen. Da dachte ich...."
".... dass es besser wäre, wenn ich endlich Bescheid wüsste?"
"Ja, so ungefähr."
"Du hast eben gesagt, dass es nicht so war, wie ich es träume. Was hat er herausgefunden, Keanu?"
"Ich zeige es dir. Ich habe es hier" antwortete Keanu und stand auf. "Ich habe aber auch noch was anderes, Belana."
"Was? Oh, Keanu warte. Ich bin mir gar nicht sicher, dass ich wissen will, was es ist. Ich fühle mich gerade total überfordert."
Keanu nickte. "Aber die Papiere hole ich, ja? Dann kannst du selber lesen."
"Gut" sagte Belana und holte tief Luft. Wie um sich für das, was jetzt kommen würde, zu wappnen.

Keanu ging zu seiner Tasche und nahm einen Hefter heraus. Dann kam er zurück und stieg wieder ins Bett. Er nahm die Kopfkissen und lehnte sie am Kopfende an die Wand. Danach setzte er sich dagegen und öffnete seine Arme.
"Komm her" forderte er Belana auf. Sie war schrecklich blass und er wollte sie im Arm halten, wenn sie las.
Und nachdem Belana sich neben Keanu gesetzt hatte und er seinen Arm fest um sie gelegt hatte, nahm sie ihm den Hefter aus der Hand und starrte einen Moment darauf.
"Was steht drin, Keanu?" fragte sie leise.
"Willst du es nicht selber lesen?"
"Nein, noch nicht. Sag du es mir bitte vorher."
"Gut" nickte er. "Also, das mit dem LKW, der in euren Wagen gefahren ist, stimmt soweit. Der Fahrer hat durch einen geplatzten Reifen die Kontrolle verloren und ist auf eure Fahrbahn geraten. Euer Auto ist dabei in den Graben geschleudert worden, hat sich danach mehrmals überschlagen und ist dann auf dem Feld liegengeblieben. Du musst gleich zu Anfang herausgeschleudert worden sein, denn du wurdest im Graben gefunden. Weit weg vom Auto. Und deine Eltern...."
Keanu konnte spüren, wie Belana leicht zu zittern anfing. Und beruhigend rieb er ihre Schulter. Es viel im schwer, weiterzusprechen und er musste noch einmal Luft holen.
"...deine Eltern waren tatsächlich sofort tot" Keanu schluckte schwer. "Sie haben sich das Genick gebrochen. Im Bericht des Krankenhauses steht, dass sie sich diese Verletzungen bei den Überschlägen zugezogen haben. Sie sind nicht verbrannt, Belana."

Belana saß still neben Keanu und sagte lange nichts. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander. Sie war erleichtert, traurig, dankbar und total verwirrt.
"Warum habe ich das dann all die Jahre geträumt, Keanu?" wollte sie nun wissen.
"ich weiß es nicht, Belana. Mr Carter hat auch herausgefunden, dass du keine psychologische Hilfe bekommen hast. Man hat einfach angenommen, dass du von all dem nicht wirklich viel mitbekommen hast. Und nachdem deine Tante Sofia sich bereit erklärt hatte, dich zu sich zu nehmen, war das für die Behörden wohl erledigt. Die Frau, von der du erzählt hast, muss jemand vom Jugendamt gewesen sein. Zumindest ist das die einzige Frau, die dich im Krankenhaus besucht hat und die hier erwähnt wird."
"Wie kann ich mir sowas ausdenken? Die Geräusche und Bilder. Sie waren so real für mich."
"Ich weiß. Und das Feuer hat es ja tatsächlich auch gegeben. Nur sind deine Eltern nicht daran gestorben. Ich denke, du hättest wirklich Hilfe benötigt. Dann wäre es anders verlaufen. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, dass man dich damit allein gelassen hat."
Belana schwieg.
"Wie fühlst du dich jetzt?" wollte Keanu nun wissen.
"Ich bin mir nicht sicher. Ich bin erleichtert. Und es tröstet mich, dass meine Eltern nicht so leiden mussten. Aber ich bin entsetzt über mich. Bin ich normal, wenn mein Gehirn sich sowas ausdenkt?"
"Du musst nicht entsetzt sein. Im Gegenteil. Du kannst stolz auf dich sein, dass du trotz all der Dinge, die du erlebt hast, so wundervoll bist. Und jetzt wird es bestimmt besser. Du wirst sehen. Vielleicht dauert es noch eine Weile. Aber wenn du es wirklich begriffen und verarbeitet hast, dann werden bestimmt auch die Träume irgendwann aufhören."

Und wieder saßen sie nur nebeneinander. Jetzt hatte sich Belana richtig an Keanu gekuschelt und er hatte den Ordner zu Seite gelegt. Alles genau nachlesen, dass konnte Belana auch noch am nächsten Tag. Dann aber setzte sich Belana doch wieder auf.
"Und was ist das, was du noch hast, Keanu?"
"Willst du das wirklich jetzt noch wissen. Oder lieber morgen?" fragte er. Als er aber das entschlossene Gesicht von Belana sah, nickte er und erhob sich.
"Gut. Dafür müssen wir aber ins Wohnzimmer gehen."
"Warum kannst du es mir nicht hier zeigen?"
"Das kann ich schon. Aber es ist eine DVD."
"Eine DVD? W..was ist d..da drauf?" wollte Belana verunsichert wissen.
Inzwischen hatte Keanu die rote DVD-Hülle aus seiner Tasche genommen und hielt sie in der Hand.
"Du hast mir mal erzählt, dass es das schlimmste für dich ist, dass du dich nicht mehr an die Stimmen deiner Eltern erinnern kannst."
Belana nickte. Daher fuhr Keanu fort.
"Hier sind Berichte über deinen Vater drauf. Er war ein sehr bekannter Professor in seinem Fach und hat viele Vorträge gehalten. Und einige davon sind aufgezeichnet worden. Die hat Josh aufgetrieben und auf dieser DVD zusammengefasst."

Belana hatte stumm zugehört und konnte nicht fassen, was sie da hörte. Als sie es aber begriff, begriff, dass sie ihren Vater sehen konnte, seine Stimme hören konnte, wurde ihr schwindelig und sie stöhnte laut auf. Haltsuchend streckte sie die Hand nach Keanu aus, der sie auch sofort ergriff.
"Willst du wirklich, Belana? Vielleicht ist es etwas viel auf einmal?"
"Wie könnte ich jetzt aufhören? Ich kann seine Stimme hören? Und ihn auch sehen?"
"Ja. Und du bist auch ganz kurz mit drauf. Und deine Mutter auch."
"Oh..." stöhnte Belana.
Dann aber stand sie auf und begann sich langsam anzuziehen. Sie schlüpfte jedoch nicht nur in ihren Schlafanzug, sondern zog Jeans und T-Shirt über. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dem, was jetzt kam, nicht im Schlafanzug gegenübertreten zu können. Und Keanu tat es ihr gleich.
Zusammen gingen sie dann hinüber ins Wohnzimmer und Keanu legte die DVD ein. Dann setzte er sich neben Belana auf das Sofa und sah sie noch einmal fragend an.
"Soll ich starten. Bist du bereit?"
"Nein, bin ich nicht. Aber ich muss es sehen."
Keanu nickte und drückte auf die Playtaste.

Und tatsächlich war Belana nicht im geringsten auf das vorbereitet, was sie jetzt sah und vor allem, was sie dabei fühlte. Ohne den Blick auch nur eine Sekunde vom Bildschirm zu nehmen, starrte sie darauf. Sie sah ihren Vater, der Vorträge hielt. Sie hörte seine Stimme und erinnerte sich wieder daran. Sie sah ihn und erinnerte sich auch sofort an seine typischen Bewegungen. Sie erinnerte sich daran, wie er sich angefühlt hatte, wie groß und stark er ihr immer vorgekommen war. Und dann sah sie sich selbst. Ein Fernsehsender hatte über die Jahrfeier einer bekannten Universität berichtet und ihrem Vater einige Fragen gestellt. Und neben ihm stand sie. Zu dem Zeitpunkt war sie vielleicht 7 Jahre alt gewesen. Der Reporter fragte auch sie etwas und sie hatte fröhlich und gar nicht ängstlich geantwortet. Und neben ihr stand ihre Mutter. Sie hatte eine Hand auf Belanas Schulter gelegt und lächelte in die Kamera. Und als auch sie etwas sagte, konnte Belana nicht mehr. Ihre Gefühle überwältigten sie. Sie schluchzte auf, sprang hoch und lief zur Tür.

Keanu, der sie die ganze Zeit von der Seite beobachtet hatte, sah ihr erschrocken nach. Es dauerte einige Sekunden, bis auch er aufgestanden war und den Flur erreichte. Die Zeit hatte für Belana gereicht, ihre Schuhe anzuziehen und jetzt stand sie schon in der geöffneten Tür und war im Begriff, rauszulaufen.
"Wo willst du hin, Belana?" fragte Keanu.
"Ich muss hier weg. Ich brauche frische Luft" antwortete sie und blicke Keanu an.
Der Blick aus ihren dunkelblauen Augen war so unendlich traurig, dass Keanu schlucken musste.
"Warte, ich komme mit" sagte er jetzt, aber Belana war schon im Hausflur.
Schnell zog er sich Schuhe an und griff nach seiner Jacke. Und auch ihre Jacke hob er vom Haken, denn Belana hatte sie hängen lassen. Im letzten Moment dachte er noch daran, den Haustürschlüssel abzuziehen und einzustecken. Dann lief auch er, so schnell er konnte, die Treppe herunter. Belana war bereits draußen und rannte geradezu die Straße entlang und mit langen Schritten folgte Keanu ihr und hatte sie schnell wieder eingeholt. Wenn Belana das hier jetzt brauchte, war es gut. Er würde aufpassen, dass ihr nichts zustieß.
Und daher lief Keanu einfach schweigend neben Belana her und legte ihr vorsichtig die Jacke über die Schultern, damit sie wenigstens nicht fror.

Sie waren bereits ein gutes Stück durch die nächtlich leeren Straßen gelaufen, als sie an einem Spielplatz vorbeikamen. Hier bog Belana ein und steuerte auf eine Bank zu, die vor einem Gebüsch stand. Sie setzte sich darauf, beugte sich nach vorn und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Dabei gab sie keinen Ton von sich, aber Keanu konnte sehen, dass ihre Schultern zuckten. Belana weinte. Was hatte er nur wieder angerichtet. Und um sie wissen zu lassen, dass er da war und sie trösten wollte, legte er sanft einen Arm um ihre Schultern. Und Belana reagierte darauf. Denn sie ließ ihre Hände sinken und lehnte sich an Keanu, der sie sofort fester an sich zog und anfing, sie beruhigend zu streicheln.
"Danke Keanu" sagte Belana nun leise.
"Wofür? Dass ich dich wieder zum Weinen gebracht habe? Dafür, scheine ich tatsächlich ein gewisses Talent zu haben" antwortete Keanu traurig.
"Du hast sie mir wiedergegeben. Und auch wenn es mich jetzt richtig fertig macht, kann ich dir nicht genug dafür danken. Ich kann sie wieder hören. Ich erinnere mich plötzlich an so viel. Ich erinnere mich an Sachen, die wir zusammen gemacht haben. An Kleinigkeiten. Eben an Dinge, die ich längst vergessen hatte. Das bedeutet mir so viel. Danke."
"Ja, Erinnerungen sind wichtig."
"Genau. Und jetzt habe ich sie wieder. Ich hatte nur so wenige Fotografien von Ihnen. Aber jetzt habe ich etwas viel besseres. Dank dir."
"Und Josh."
"Ja, dank dir und Josh und Mr. Carter. Woher kennst du eigentlich einen Privatdetektiv. Brauchst du ihn öfter?"
"Nein. Das war das erste Mal. Josh hat ihn mir empfohlen. Josh kennt viele Leute. Und wenn er niemanden kennt, kennt er jemanden der jemanden kennt."
"Aha."
Einen Moment hingen beide ihren Gedanken nach. Dann sprach Belana wieder:
"Wie spät ist es eigentlich? Ich scheuche dich hier nachts durch die Straßen und du kriegst wieder nicht genug Schlaf. Tut mir leid."
"Belana, bitte entschuldige dich doch nicht immer bei mir. Dafür gibt es nämlich keinen Grund. Schlafen kann ich immer noch."
"Wenn du meinst. Aber lass uns jetzt zurückgehen."
"Geht es dir denn besser? Wir können gern noch hierbleiben, wenn du dich noch etwas ausruhen möchtest."
"Es geht mir schon viel besser. Wirklich. Ich glaube, den ersten Schock habe ich überwunden. Und ausruhen können wir uns besser im Bett. Dort ist es auch viel wärmer" antwortete Belana und schüttelte sich.
Da konnte Keanu nur zustimmen, und eng nebeneinander machten sie sich auf den Rückweg.

Wieder in der Wohnung angekommen, ging Belana sofort ins Schlafzimmer. Keanu machte erst noch die Geräte im Wohnzimmer aus und benutzte das Bad. Als auch er endlich ins Schlafzimmer kam, lag Belana bereits im Bett. Sie schlief aber nicht, sondern schaute ihn an und beobachtete ihn genau, als er schnell seine Hose auszog. Als er dann zu ihr unter die warme Decke kriechen wollte, hielt sie diese für ihn hoch. Erstaunt stellte er dabei fest, dass sie nichts anhatte. Und während er sich neben sie legte, bedauerte er, dass er ein T-Shirt trug. Wie gerne hätte er sie, ohne störenden Stoff, am ganzen Körper gefühlt. Aber Belana schien seine Gedanken lesen zu können, denn ihre Hand tastete sich sofort vor und schob sein T-Shirt langsam hoch.
"Zieh das doch bitte aus, Keanu. Ich möchte dich so gerne ganz fühlen."
Und nachdem Keanu ihr diesen Wunsch erfüllt hatte, nahm er Belana in seine Arme und drückte sie vorsichtig an sich. Gleichzeitig begannen beide, sich zu streicheln.
"Bitte schlafe mit mir, Keanu. Ich brauche das jetzt. Ich brauche dich. Bitte lass mich heute Nacht nicht mehr los" flüsterte Belana leise in sein Ohr.
Und langsam und zärtlich zeigte Keanu ihr, dass es ihm nicht anders ging und auch er nichts anderes wollte, als sie zu lieben und zu halten.
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Beitrag Verfasst am: 01.05.2010, 21:03    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 77


Obwohl Belana und Keanu erst eingeschlafen waren, als es schon wieder hell wurde, konnten sie am nächsten Morgen nicht lange schlafen. Der Nachbar fing wieder einmal an zu poltern, und auch seine Musik dröhnte wenig später durchs ganze Haus.
"Grrrrr....." knurrte Keanu, als er registrierte, woher die Geräusche kamen. "Dem Kerl drehe ich den Hals um."
"Ich glaube, alle anderen Mieter würden dir ewig dankbar sein und dich auch immer im Gefängnis besuchen" antwortete Belana schläfrig.
"Und mir Kuchen backen, mit Feilen drin?"
"Ganz bestimmt" lachte Belana und Keanu stimmte ein.
"Es ist schön, dich lachen zu sehen. Wie geht es dir?"
"Ich bin müde."
Keanu sah sie streng an. "Du weißt genau, dass ich das nicht meinte, Belana."
"Natürlich, ich weiß. Es geht mir eigentlich ganz gut" Belana überlegte einen Moment. "Ja, es geht mir wirklich gut. Es war schön, in deinem Arm zu schlafen und auch aufzuwachen. Irgendwie ... beruhigend. Das habe ich wirklich gebraucht." Belana kuschelte sich noch etwas mehr an Keanu und schloss die Augen. Nur, um sie sofort wieder zu öffnen.

"Und du?" wollte Belana nun von Keanu wissen. "Wie geht es dir? Du musst doch totmüde sein."
"Das bin ich auch. Ich hätte gern noch länger geschlafen. Das ist der Vorteil, wenn man ein eigenes Haus hat. Aber ich bin schon mit viel weniger Schlaf ausgekommen. Ist also nicht so schlimm. Soll ich uns mal einen Kaffee machen?"
"Kaffee klingt gut. Aber ich mache ihn und du bleibst noch liegen, ja?"
"Ok. Dagegen habe ich nichts" antwortete Keanu und drückte Belana noch einmal. Dann ließ er sie wieder los und Belana stand auf.
Nackt wie sie war, lief sie zuerst ins Bad und danach in die Küche. Als sie dann mit dem Kaffee zurück ins Schlafzimmer kam, lag Keanu mit geschlossenen Augen da. Belana dachte schon, er wäre wieder eingeschlafen. Als sie aber vorsichtig ans Bett trat, sah er sie sofort an und setzte sich auf. Er nahm ihr die Becher aus der Hand, so dass sie sich bequem neben ihn setzen konnte. Dann gab er ihr eine Tasse zurück. Die ersten Schlucke tranken sie schweigend.

"Duuuuu, Keanu?" fragte Belana dann.
"Ja?"
"Wie lange kannst du eigentlich bleiben? Du hast noch gar nichts gesagt."
"Nächsten Samstag muss ich wieder fliegen. Montag habe ich zwei wichtige Termine."
"Eine Woche also noch" sagte Belana leise. Und in Gedanken fügte sie für sich noch das Wort 'nur' hinzu.
"Ja, eine Woche, Belana."
"Hm."
Und um sich von den Abreisegedanken abzulenken, sagte Belana jetzt: "Ich glaube, wir sollten heute einkaufen fahren. Ich habe nicht mehr viel zu essen hier."
"Ja, machen wir. Und ich würde auch gern zum Friseur gehen. Eine Straße weiter ist doch einer. Ist der ok?"
"Du willst zum Friseur? Warum?"
"Einfach so. Wird mal wieder Zeit."
Jetzt sah Belana Keanu prüfend an und fuhr mit ihrer freien Hand durch sein Haar.
"Eigentlich schade drum. Aber dann würdest du wieder aussehen wie in New York" stellte sie fest und streichelte nun auch über seinen Bart.
"Und das würde dir gefallen?" wollte Keanu wissen.
"Ja, würde es" gestand Belana.
"Gut, wenn du mich dann lieber leiden magst."
"Nein, stop. Das habe ich so nicht gesagt. Wegen mir musst du das nicht machen."
"Doch, unbedingt sogar."
"Keanu, willst du dich bei mir einschleimen?" kicherte Belana.
Ganz kurz grinste auch Keanu. Dann wurde er aber sofort wieder ernst.
"Wenn es hilft, ja."
"Wofür hilft?"
"Das du mit mir nach LA kommst" antwortete Keanu und sah Belana an.

"Du willst, dass ich dich begleite?" fragte sie erstaunt. "Aber ich habe doch keinen Urlaub."
"Wer spricht denn von Urlaub, Belana? Ich möchte, dass du mitkommst. Ich dachte, das wäre klar. Ich liebe dich und möchte dich bei mir haben. Für immer."
"Oh, für immer?" Belana schlug sich die Hand vor den Mund und wurde blass. "Das habe ich nicht .... ich meine .... du hast zwar gesagt, dass du .... aber, ich wusste nicht .... ich dachte, du würdest wieder gehen .... und ich...." stotterte sie. Dann aber sprach sie deutlich weiter:
"Nein, was rede ich hier für einen Unsinn? Es ist so schön, dich jetzt hier zu haben. Aber Keanu? Ich für immer bei dir in LA? Wie sollte unser gemeinsames Leben funktionieren? Das würde nie was werden."
"Warum nicht? Wir verstehen uns so gut."
"Schon. Jetzt im Moment. Aber für wie lange? Du lebst so ganz anders als ich und ich könnte mit deinem Leben niemals Schritt halten. Das ganze Herumgereise. Deine Dreharbeiten. Ich wäre ein Klotz an deinem Bein und du würdest bestimmt ganz schnell unzufrieden werden."
"Nein, würde ich nicht. Du bist alles, was ich mir immer gewünscht habe. Mein Leben ist in der Regel ziemlich langweilig und gar nicht aufregend. Und soviel reisen tue ich doch auch nur, weil es für mich bis jetzt keinen Grund gab, lange an einem Ort zu bleiben. Aber du bist so ein Grund, Belana. Mit dir möchte ich endlich zur Ruhe kommen. Und ich bin sicher, zusammen können wir alles schaffen."

Gedankenverloren schüttelte Belana den Kopf.
"Ich soll hier alles aufgeben und zurücklassen? Keanu, ich kann das nicht. Ich ...."
"Nein sag nichts. Bitte. Ich liebe dich, Belana. Ich bin mir meiner Gefühle völlig sicher. Wenn ich dir doch nur deutlicher zeigen könnte, was ich fühle. Vielleicht würdest du dann auch..." Keanu holte tief Luft. "Schon zweimal habe ich dich gehen lassen. Und das waren definitiv zwei Male zuviel. Diesen Fehler möchte ich nie wieder machen. Bitte antworte nicht sofort. Denk einfach noch mal drüber nach, ja? Bitte."
Traurig sah Belana in Keanus bittende Augen. Und langsam nickte sie.
"Du zeigst mir deine Liebe bei allem was du tust, Keanu. Aber ich bin mir einfach nicht sicher. Ich habe Angst und es ist alles so... so ... ach, ich weiß auch nicht" sagte sie und blickte auf ihre Hände herunter und knetete ihre Finger.
Keanu legte beruhigend eine Hand auf ihre.
"Wenn du mir versprichst, darüber nachzudenken. Dann bin ich schon zufrieden."
"Ja, das mache ich. Versprochen."
"Danke" antwortete Keanu und beide schwiegen wieder ein paar Sekunden.
"Keanu?"
"Ja, Belana?"
"Meinst du, dass wir den restlichen Tag ohne Überraschungen hinbekommen? Ich brauche mal eine Verschnaufpause."
"Ab jetzt kann ich dir nur noch das bieten, was du schon kennst. Nichts neues mehr."
"Das beruhigt mich irgendwie."
"Aber ich werde dir immer wieder sagen, wie sehr ich dich liebe. Davon kannst du mich nicht abhalten."
"Nein?"
"Nein!"
Und nachdem Keanu sie noch eine Weile angesehen hatte, hob er seinen Becher wieder an den Mund und trank einen Schluck.
"Brrrrr.... der ist kalt" meinte er dann.
"Gib mir deine Tasse. Ich hole neu. Oder wollen wir aufstehen und frühstücken?"
"Frühstücken. Wir wollen ja heute noch so einiges erledigen."

Etwas mehr als zwei Stunden später verließen sie dann die Wohnung und fuhren einkaufen. Schnell hatten sie im Supermarkt alles zusammen, denn Belana wusste genau, was sie wollte. An der Kasse zog Keanu sofort sein Portemonnaie aus der Tasche, um zu bezahlen. Aber Belana schüttelte den Kopf.
"Das bezahle ich."
"Nein, Belana. Das möchte ich nicht. Lass mich das übernehmen bitte."
"Du hast in LA immer alles bezahlt. Hier bin ich dran. So kann ich mich wenigstens etwas revanchieren."
"Das brauchst du nicht. Ich mache das wirklich gerne."
Aber wieder verneinte Belana.
"Keine Chance, Keanu. Ich zahle" meinte sie und zog einen Geldschein aus ihrer Geldbörse.
Die junge Kassiererin blickte verwirrt von einem zum anderen und nahm das Geld entgegen, dass Belana ihr hinhielt. Nachdem sie dann mit zittrigen Fingern das Wechselgeld herausgegeben hatte, sah sie Keanu und Belana lange hinterher. Erst der nächste Kunde in der Schlange holte sie mit einem ungeduldigen Räuspern in die Gegenwart zurück.

Nachdem die Lebensmittel in Belanas Schränken und im Kühlschrank verstaut waren, machten sich die beiden auf den Weg zum Friseur. Da es wirklich nur ein paar Schritte waren, blieb das Auto diesmal stehen. Hand in Hand liefen sie die Straße entlang und betraten kurz darauf das Geschäft. Ein älterer Herr begrüßte sie freundlich und Belana übersetzte Keanus Wünsche. Nachdem Keanu sich dann auf einen Stuhl gesetzt hatte, machte der Friseur sich gleich an die Arbeit. Während kurz darauf die Haare rieselten und immer mehr den Boden bedeckten, unterhielt Belana sich mit dem Mann. Keanu blieb stumm. Denn er verstand kein Wort von dem, was gesprochen wurde. Zum Schluss enfernte der Friseur noch die feinen Nackenhaare und hielt Keanu dann einen Spiegel hin, so dass dieser auch sehen konnte, wie er von hinten aussah. Als Keanu zustimmend nickte, lächelte der Friseur und verbeugte sich. Diesmal bezahlte Keanu und eine halbe Stunde nachdem sie den Laden betreten hatten, standen sie wieder auf der Straße. Keanu nahm wieder Belanas Hand und lief den Weg zurück. Er machte so große Schritte, dass Belana Schwierigkeiten hatte, ihm zu folgen.

Daher blieb sie einfach abrupt stehen und sah Keanu fragend an.
"Kannst du mir mal verraten, warum du so rennst? Sind wir auf der Flucht?"
Keanu lachte auf und blickte in ihr Gesicht.
"Nein. Aber Haareschneiden macht mich immer hungrig. Wenn ich dich allerdings so ansehe, dann....." antwortete er und stellte sich vor Belana. Mit seiner linken Hand strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und beugte sich dann herunter, um ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund zu geben.
"Was dann?"
"...habe ich es doch nicht mehr so eilig" meinte er und schlang seine Arme um ihren Körper. Vorsichtig zog er sie an sich heran und küsste sie noch einmal. Auch Belana hatte ihre Arme unter seine Jacke geschoben und streichelte sanft seinen Rücken, was Keanu ein Seufzen entlockte.
"Weißt du, was ich herrlich finde?" fragte er sie leise.
"Hm?"
"Das ich hier mit dir auf der Straße stehen kann und kein Mensch kümmert sich um mich."
Diese Antwort hatte Belana nicht erwartet. Daher blickte sie gespielt entrüstet zu ihm auf, und ließ ihre Arme sinken.
"Wie bitte. Und ich dachte, du würdest vielleicht meine Umarmung herrlich finden. Oder meinen Kuss .... oder so."
Und wieder lachte Keanu auf und drückte sie noch einmal fest an sich.
"Das auch, Belana. Das auch. Und weißt du auch warum?"
"Nein, warum?"
"Weil ich dich liebe."
"Ich weiß."
"Gut, dann lass uns endlich zurückgehen und...."
"Ja?"
"Was essen. Ich habe wirklich hunger. Auf ein richtig leckeres Sandwich. Und außerdem..." Keanu schüttelte seine Schultern.
"... kratzt es im Nacken ganz fürchterlich. Ich muss auch duschen."
Jetzt war es Belana, die lachte und gleich darauf setzten sie ihren Weg fort.

Wieder in der Wohnung, verschwand Keanu auch tatsächlich sofort im Schlafzimmer, um sich auszuziehen und dann unter die Dusche zu springen. Belana ging in die Küche und machte die Brote. Dann setzten sie sich gemeinsam an den Tisch und aßen mit gutem Appetit. Sie unterhielten sich dabei, lachten und scherzten miteinander. Als sie die Küche wieder verließen, war es bereits früher Nachmittag.
"Möchtest du dich jetzt etwas hinlegen, Keanu?"
"Nein, lieber nicht. Dann komme ich schlecht wieder in die Gänge. Aber ein bisschen ausruhen wäre nicht schlecht. Wir können uns ja mit einem Buch aufs Sofa setzen. Ich könnte dir vorlesen?"
"Das hört sich gut an. Was liest du?"
"Ach, das Buch, das ich dabei habe, ist nicht so spannend. Aber ich habe in deinem Regal etwas entdeckt."
"Ja, was denn?"
"Lady Chatterley. Was meinst du? Erinnerst du dich? Ich habe doch gesagt, irgendwann lesen wir es zusammen."
"Oh, ja. Ich erinnere mich. Das war in New York. Ja, warum nicht? Ich glaube, es wird mir gefallen, wenn du es mir vorliest" meinte Belana etwas verlegen.
"Prima. Dann komm."
Eng aneinandergekuschelt nahmen sie also auf dem Sofa platz und Keanu begann, mit seiner dunklen, ruhigen Stimme zu lesen.
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Beitrag Verfasst am: 07.05.2010, 18:18    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 78


Und auch wenn Keanu am Anfang des Buches begann, so las er längst nicht alles. Da er das Buch genau kannte und wusste, dass es auch bei Belana so war, ließ er diverse Passagen aus und sprang sogar über einige Kapitel ganz hinweg. Er las nur die Stellen, die ihm wirklich wichtig und schön erschienen. Belana hatte dadurch in gewisser Weise das Gefühl, Keanu würde die Geschichte für sie neu erfinden. Und indem er auch anders betonte, als sie es beim Lesen des Buches immer getan hatte, gab er ihr die Möglichkeit, die Charaktere ganz neu zu entdecken und zu verstehen. Es war für Belana ganz erstaunlich, denn auch diesmal gelang es Keanu, den Personen Leben einzuhauchen. Seine Stimme klang mal einfühlsam, dann wieder wütend, brutal, verlegen und auch unheimlich sexy. Und obwohl er das Buch in der einen Hand hielt, und zudem Belana, die an ihn gelehnt dasaß, an sich drückte, schaffte er es mit mal kühnen, mal sanften aber immer sehr ausdrucksvollen Bewegungen der freien linken Hand, seinen ohnehin schon fantastischen Vortrag zusätzlich aufzupeppen.

Dadurch war Belana so vertieft und hatte alles um sich herum vergessen. So sehr vergessen, dass auch das Klingeln des Telefons nicht zu ihr durchdrang. Erst als Keanu, der aufgehört hatte zu lesen, sie das zweite Mal ansprach, schrak sie hoch.
"Belana. Telefon."
"Hm? Was? Ja und?"
"Willst du nicht rangehen?"
"Nein."
"Nein?"
"Wer auch immer da stört, soll wieder anrufen. Lies bitte weiter."
"Und wenn es was wichtiges ist? Ich möchte sowieso gern etwas trinken."
"Ja? ... Hach...na gut, wenn es sein muss...." stimmte sie schließlich unwillig zu und stand auf.
Schnell ging sie zum Telefon und nahm das Gespräch an.
Keanu musste über sie grinsen als er in die Küche ging. Aber er freute sich auch, denn schließlich machte Belana ihm mit ihrer Reaktion ein großes Kompliment. Und es zeigte ihm, dass sie es genauso genoss wie er.


"Aponi."
"Belana. Endlich! Ich wollte gerade wieder auflegen weil ich dachte, ihr seid gar nicht da."
"Hallo Doro. Doch wir sind hier" begrüßte Belana Doro und drehte sich zu Keanu um, der mit einem Glas Wasser in der Hand wieder zur Tür hereinkam und sie anlächelte.
Belana streckte eine Hand nach ihm aus und Keanu trat sofort näher und legte seine Arme um sie. Das Glas hatte er auf dem Tisch abgestellt, damit er die Hände frei hatte.
"Es ist so schönes Wetter draußen, Belana. Und ich wollte fragen, ob ihr nicht Lust habt, jetzt schon zu kommen. Wir könnten noch eine Weile auf der Terasse sitzen, bevor es Essen gibt. Ich würde mich sehr freuen. Was meinst du?"
"Wie spät ist es denn?" wollte Belana wissen. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren, beantwortete sich die Frage aber schon selbst, indem sie auf ihre Armbanduhr sah.
"Vier Uhr. Tja, also...ich weiß nicht" sagte sie und blickte sehnsüchtig zum Buch hinüber.
Keanu, der ihrem Blick gefolgt war, sah sie fragend an. Daher gab Belana Doros Frage an ihn weiter und hoffte insgeheim, er würde den Kopf schütteln. Aber das tat er nicht. Statt dessen zuckte Keanu mit den Schultern und zog eine Augenbraue hoch. Ganz so, als wollte er sagen: 'Tja, von mir aus. Was solls, da kann man nichts machen'. Und daher stimmte Belana, nach einem stummen Seufzer, zu.
"Oh, prima" freute sich Doro. "Wann könnt ihr hier sein?"
"In einer halben Stunde?"
"Ja, gut. Bis dann."
"Bis gleich, Doro" antwortete Belana und legte das Telefon zur Seite.
Sofort zog Keanu sie fester in seine Arme und drückte sie an sich.
"Schade, Keanu. Es war so schön. Ich hätte dir gern noch länger zugehört."
"Und ich hätte dir gern noch vorgelesen. Aber das Buch, Belana, ist nachher auch noch da."
"Ja" seufzte Belana. "Da hast du recht. Aber die Stimmung war so besonders. Ich war dort, in dem Buch. Und jetzt ist sie dahin."
Sachte strich Keanu über Belanas Gesicht.
"Ich verspreche dir, ich hole sie für dich wieder. Diese Stimmung."
Belana sah Keanu nachdenklich an.
"Ja, ich denke, das kannst du wirklich. Es scheint dir nicht schwer zu fallen. Hast du das schon oft gemacht?"
"Du meinst, meinen Freundinnen vorgelesen, und sie dadurch in eine andere Welt entführt?"
Augenblicklich machte sich Eifersucht in Belana breit. Heiß und brennend brach sie über ihr herein. Ein schreckliches Gefühl, das sie bisher so nicht gekannt hatte. Und sie war sich sicher, dass Keanu es ihr ansehen konnte und daher wurde sie rot und musste schlucken bevor sie sprechen konnte.
"Jaaa....das meinte ich" sagte sie, und schaute verlegen zu Boden.
Keanu legte seine Hand unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht wieder an.
"Ich habe es schon versucht Belana, ja. Aber bis jetzt hat es noch niemandem sonderlich gefallen und daher hat es auch nicht geklappt. Du bist die erste. Und es fühlt sich für mich schön an, es mit dir zu erleben. Es für dich zu erleben."
"Danke."
"Wofür?"
"Nur so" meinte Belana immer noch verlegen. Ihre unguten Gefühle aber waren genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen waren. Warum war sie überhaupt eifersüchtig geworden? Sie hatte doch überhaupt keinen Grund dazu.
"Ok. Dann lass uns fahren" antwortete Keanu und küsste noch einmal zärtlich ihre Lippen.
Dann löste er sich wieder und zog Belana Richtung Tür.

Die Adresse, zu der Belana Keanu lotste, war eine sehr gute Wohngegend. Hier standen große alleinstehende Häuser. Alle von gepflegten Gärten umgeben. Nirgendwo standen Fahrräder oder Spielsachen herum. Keine Kinder spielten auf der Straße. Alles war sehr ordentlich und vor den Häudern standen teure neue Autos. Das Haus, auf dessen Auffahrt Keanu jetzt einbog, war aus rotem Backstein gemauert und hatte weiße Sprossenfenster. Es sah älter aus als die anderen Häuser, war aber nicht weniger in Schuss. Im Gegenteil. Es machte sogar einen viel gemütlicheren Eindruck. Und was es für Keanu wirklich ungewöhnlich machte, war der Umstand, dass es ein Dach aus Reet hatte. Als er austieg, stellte er fest, dass es sich noch durch etwas anderes von den anderen Häusern unterschied. Es hatte nämlich keinen Vorgarten mit Zierrasen und penibel beschnittenen Sträuchern und Büschen, sondern ein buntes Blumenmeer wuchs vor der Eingangstür. Und das alles war eingefasst von kleinen Hecken aus Buchsbaum. Keanu hatte sowas schon gesehen. Vor langer Zeit. Auf Bildern. Bauerngärten, schoss es ihm durch den Kopf. Ja, so waren die Bilder betitelt, an die er sich erinnerte. Bunte, wunderschöne Bauerngärten.

Leider blieb ihm nicht viel Zeit, das alles in Ruhe auf sich wirken zu lassen, denn in diesem Moment wurde die Eingangstür geöffnet und Doro streckte den Kopf heraus.
"Hallo, da seid ihr ja. Kommt herein" sagte sie und hielt die Tür einladend auf.
Belana ging lächelnd auf sie zu und wurde sofort von Doro in den Arm genommen. Keanu folgte ihr über den gewundenen Weg aus Natursteinen und gab Doro die Hand und schüttelte sie kräftig. Als sie dann durch die Tür in die Eingangshalle getreten waren, führte Doro sie gleich auf die Terasse. Von dort hatte man einen wunderbaren Blick auf einen riesigen Garten. Auch hier blühte alles, und war wunderschön anzusehen. Nachdem sie in gemütlichen Holzstühlen Platz genommen hatten, fragte Doro, was sie trinken wollten. Keanu entschied sich für einen Weißwein. Belana meinte mit einem Zwinkern, sie würde zurückfahren und wollte daher nur Selter. Als jeder ein gefülltes Glas vor sich stehen hatte, prosteten sie sich zu.

"Schön, dich wiederzusehen, Keanu."
"Ich freue mich auch, Doro. Danke für die Einladung."
"Gerne. Und ich glaube, du hast es nötig. Du bist viel zu dünn."
"Doro" sagte Belana warnend.
"Wieso? Stimmt doch. Gibt es in LA nichts mehr zu essen?"
"Doch schon" antwortete Keanu. "Aber ich fürchte, ich habe in letzter Zeit etwas ungesund gelebt."
Doro schüttelte wissend den Kopf, sagte aber nichts dazu.
"Wo ist Dok?" wollte Belana jetzt wissen.
"Er müsste jeden Moment kommen" antwortete Doro und horchte. "Ich glaube, da ist er schon."
Und tatsächlich trat Dok wenig später aus der Tür und begrüßte alle strahlend. Nachdem auch er mit einem Glas Wein versorgt war und am Tisch saß, waren sie sofort in eine angeregte Unterhaltung vertieft. Doro, die bemerkte, dass Keanu dabei immer wieder Blicke auf das Haus und den Garten warf, sprach ihn schließlich darauf an.
"Gefallen dir der Garten und das Haus, Keanu?"
"Ja" stimmte er sofort zu. "Das Haus ist wunderschön. Ganz ungewöhnlich anzusehen für mich durch die Bauweise und das Dach. Und der Garten passt perfekt dazu. Er ist so bunt und dabei doch so gepflegt."
"Das haben wir, zum großen Teil, Belana zu verdanken. Sie hat wirklich einen grünen Daumen und arbeitet für drei."
"Ach, nun übertreib mal nicht" meinte Belana verlegen. "Es macht mir eben riesen Spass. Da ist es keine Arbeit."
"Ja, ich weiß, Belana. Aber trotzdem würde er ohne dich nicht so aussehen. Hast du auch einen großen Garten, Keanu?"
"Nein....eigentlich habe ich gar keinen. Ich habe eine große Terasse mit Pool. Aber nichts grünes drumherum. Mein winziger bewachsener Innenhof zählt da glaube ich nicht."
"Ein Haus ohne Garten? Aha. Das hast du uns gar nicht erzählt, Belana" meinte Doro.
Und Keanu hatte plötzlich das Gefühl, dass das nicht gut war. Ein Haus ohne Garten. Belana liebte es grün. Aber das konnte er ihr nicht bieten. Hatte sie deshalb nichts über sein Haus erzählt. Weil es ihr doch nicht so gefallen hatte. Hatten Karina und Becky sich getäuscht? Und tief in Gedanken versunken, trank er sein Glas in einem Zug leer. Belana beobachtete ihn dabei und sah wieder das Fragezeichen auf seiner Stirn. Sofort fragte sie sich, worüber er jetzt wieder nachgrübelte und warum er den Wein so hinunterstürzte. Was gefiel ihm nicht?
"So" sagte in diesem Moment Doro und erhob sich. "Ich werde mich mal ums Essen kümmern. Belana hilfst du mir ein bisschen?"
"Natürlich" stimmte Belana zu, und stand ebenfalls auf. Sie lächelte Keanu noch einmal an und folgte Doro dann in die Küche.

Wie erwartet, wollte Doro dort erst einmal genaueres über Keanu und Belana wissen. Und Belana erzählte bereitwillig. Sie ließ auch nicht aus, dass Keanu sie gebeten hatte, ihn zu begleiten und sie von dieser Bitte überrascht worden war und noch keine Antwort wusste. Doro drang daher auch nicht weiter in sie, denn sie konnte verstehen, dass Belana Zeit brauchte. Wenn sie eine Entscheidung getroffen hatte, würde sie es erfahren. Und sie musste sich eingestehen, dass sie Angst vor dieser Entscheidung hatte.
Die Gespräche auf der Terasse verliefen weit weniger persönlich. Dok und Keanu unterhielten sich ausgezeichnet über New York, Autos, Sport und ihre Häuser. Als Dok Keanu anbot, ihm das Haus zu zeigen, stimmte der begeistert zu. Er war sofort neugierig auf das Haus gewesen und wollte es sich gerne genauer ansehen, hatte sich aber nicht getraut zu fragen.

Als sie während der Besichtigung als letztes zu den Frauen in die Küche kamen, roch es dort schon sehr lecker. Dok erzählte seiner Frau, dass er Keanu das Haus gezeigt hatte und Keanu sagte auch ihr noch einmal, dass er es wirklich sehr mochte.
"Ja, es ist sehr schön geworden. Als wir es vor 10 Jahren gekauft haben, war es ziemlich heruntergekommen und verwohnt. Wir haben wirklich alles neu gemacht. Vom Keller bis zum Dachboden. Und auch diverse Wände haben wir eingerissen und versetzt, so dass aus vielen kleinen Räumen große wurden. Jetzt ist es genauso, wie ich es immer haben wollte. Und der Garten auch. Nur das Obergeschoss steht leider fast leer."
Das hatte Keanu bemerkt und er nickte.
"Wir haben immer gehofft, Belana würde zu uns ziehen. Da oben ist ja eigentlich eine kleine abgeschlossene Wohnung. Aber sie hat sich bis jetzt gesträubt. Warum, weiß ich immer noch nicht genau. Und fremde Leute möchten wir nicht so gerne hier haben" fügte Doro noch hinzu und sah Belana an.
Diese hatte die Augenbrauen hochgezogen und schüttelte den Kopf. Schon so oft hatte sie Doro versucht zu erklären, warum sie nicht hier einziehen wollte.
"Du weißt, Doro. Ich habe euch wirklich lieb. Sehr lieb sogar. Und irgendwann möchte ich die Wohnung vielleicht. Vieleicht bald. Aber bitte las uns jetzt nicht wieder darüber sprechen, ok?"
Doro seufzte auf und nickte. Und da das Gespräch damit beendet war, lud Belana nun Geschirr und Besteck auf ein Tablett und ging damit hinaus auf die Terasse, um dort den Tisch zu decken. Keanu und Dok folgten ihr und setzten sich wieder an den Tisch. Dok schenkte noch einmal Wein nach und ein sehr nachdenklicher Keanu trank es recht schnell aus.

Als wenig später das Essen fertig war, trugen Belana und Doro es auf und setzten sich dann ebenfalls. Es schmeckte hervorragend und alle lobten die Köchin. Doro freute sich sichtlich und nahm das Lob gerne an. Die Unterhaltung während des Essens und auch danach war locker und entspannt. Aber trotzdem bemerkte Belana, dass sich immer wieder das Fragezeichen auf Keanus Stirn schlich und er sie mehrfach lange von der Seite anschaute. Zeit, darüber nachzudenken, hatte sie jedoch im Moment nicht, wollte sie der Unterhaltung auch weiterhin folgen. Aber sie nahm sich vor, Keanu später danach zu fragen. Und als dann auch eine zweite Weinflasche geleert war, schien der richtige Moment für einen Aufbruch gekommen zu sein. Nach einer herzlichen Verabschiedung saßen Belana und Keanu endlich wieder im Wagen und Belana startete den Motor.

Schweigend saßen sie nebeneinander und Keanu starrte aus dem Fenster auf die nächtliche Straße. Als Belana den Wagen aus dem Wohngebiet herausgesteuert hatte und etwas beschleunigen konnte, stöhnte Keanu leise auf.
"Alles in Ordnung mit dir, Keanu?" fragte Belana ihn.
Keanu wandte den Blick nicht vom Fenster ab, nickte aber mit dem Kopf. Mehr als ein kurzes "Hm..." brachte er nicht heraus und schweigend fuhren sie weiter. Als Belana den Wagen geparkt hatte, stiegen sie aus und gingen gemeinsam zur Haustür. Belana schloss auf und stieg die Treppe hinauf. Langsam und schwerfällig folgte Keanu ihr in die Wohnung und schloss die Tür hinter sich.
"Keanu, was ist..."
"Ich möchte heute auf dem Sofa schlafen, Belana" unterbrach Keanu sie.
Erstaunt blickte sie ihn an und schaute in zwei fast schwarze, unruhig hin und her blickende Augen.
"Was ist passiert? Habe ich was falsch gemacht?"
"Nein, dass hast du nicht" stöhnte Keanu auf und konnte Belana dabei nicht ansehen. "Aber ich bin ... nicht gut drauf. Es ist wirklich besser, ich schlafe nicht neben dir heute Nacht. Bitte, Belana."
"Warum?" fragte sie und wollte ihre Hände auf seine Oberarme legen. Keanu aber zuckte vor ihr zurück.
"Nicht."
Belana war erschrocken. Was hatte er nur? Und dann dämmerte es ihr. Diesen Blick aus seinen Augen hatte sie schon einmal gesehen.
"Du fühlst dich wieder so wie damals nach der Party bei Josh, Keanu. Stimmts? Und du meinst, wenn ich weiter weg bin, kannst du es unterdrücken?"
"Ja" antwortete Keanu leise und trat noch einen Schritt zurück.

"Aber du musst es nicht unterdrücken."
"Doch Belana. Lass mich bitte. Du weißt doch was sonst passiert. Ich möchte dir nie wieder sowas antun."
"Dann mach es diesmal anders. Ich helfe dir dabei."
"Nein, das kannst du nicht. Ich würde es wieder nicht kontrollieren können und dir wieder weh tun."
"Du hast mir damals nicht weh getan. Und du wirst es auch diesmal nicht."
"Wie kannst du dir so sicher sein?" Keanu schüttelte den Kopf und stöhnte. "Ich will das doch nicht, Belana."
"Ich weiß, Keanu" sagte Belana und trat wieder einen Schritt auf ihn zu.
Diesmal blieb er stehen und nach dem zweiten Schritt konnte sie ihre Arme um ihn legen. Still lagen Belanas Hände auf seinem Rücken und sie konnte spüren, wie er sich noch mehr verkrampfte und leicht zitterte.
"Belana, nicht" knurrte er ganz tief, blieb aber stehen.
"Doch. Wenn du es so willst wie damals in LA, dann mach. Ich bin hier. Wenn du es aber ändern möchtest, versuche es" antwortete Belana und gab ihm einen leichten Kuss auf seine Lippen.

Wieder knurrte Keanu auf und riss Belana an sich. Gierig presste er seine Lippen auf ihre und seine Hände schoben sich unter ihr T-Shirt auf ihre nackte Haut. Er war nicht zärlich, als seine Hände fordernd über ihren Rücken fuhren. Sein Atem ging schnell und sein Herz pochte, als er Belana jetzt rückwärts Richtung Schlafzimmertür schob. Langsam machte Belana einen Schritt nach dem anderen. Das war aber auch ihre einzige Reaktion. Ansonsten bewegte sie sich nicht. Sie hatte ihre Hände von seinem Rücken genommen und ließ sie locker an ihren Seiten herunterhängen. Und sie erwiderte auch seinen Kuss nicht. Ihre Lippen blieben geschlossen, auch wenn Keanu versuchte, sie auseinanderzudrücken.

Im Schlafzimmer angekommen, drängte Keanu sie weiter zum Bett. Belana erwartete, dass er sie nun daraufschubsen würde, um sich dann neben oder sogar auf sie zu legen. Aber das tat er nicht. Er blieb weiterhin mit ihr im Arm stehen und rieb seinen Unterkörper an ihr. Und Belana konnte ganz deutlich an ihrem Bauch fühlen, wie erregt er war.
Einen kurzen Moment machte Keanu noch genau so weiter. Dann jedoch schob er sie genauso schnell, wie er sie eben an sich gezogen hatte, wieder von sich. Ihr Verhalten schien ihm nicht zu gefallen, denn mit wütendem Gesicht starrte er sie an. Seine Wangen waren gerötet und die Augen noch genauso unstet wie eben. Und mit einem tiefen Grollen in der Stimme, knurrte er ihren Namen. Belana blickte ihm direkt in die Augen, wich aber nicht einen Millimeter vor ihm zurück. Das schien ihn zu irritieren und in seinen Blick schlich sich ein Funke Traurigkeit.

"Du kannst so weitermachen, wie du angefangen hast und es auch so zuende bringen, Keanu. Aber dann werde ich mich nicht ein Stück bewegen und du musst es dir holen."
Wieder blickte Keanu sie wütend an und machte erneut einen Schritt auf sie zu. Und wieder wich Belana nicht zurück.
"Oder du lässt mich dir helfen. Dann gebe ich dir freiwillig, was du brauchst und es wird für uns beide schön."
"Ich kann nicht. Ich will es jetzt" sagte Keanu mit zusammengepressten Zähnen und machte noch einen Schritt. Seine Hände hatte er zu Fäusten geballt.
"Aber du kannst es doch jetzt haben. Und mich dazu. Zärtlich und liebevoll. Ich werde dich ausziehen und dich streicheln. Und du mich. Du kannst mich fühlen, sehen, hören und riechen."
Keanu stand vor ihr und rührte sich nicht. Viele Sekunden stand er so. Dann aber veränderte sich sein Blick. Er wurde weicher und jetzt sah er Belana in die Augen und wich ihrem Blick nicht mehr aus. Als ob das, was ihn aufrecht gehalten hatte, von ihm abfiel, sackten seine Schultern herunter und er begann zu zittern und eine Träne lief seine Wange herab. Belana musste schlucken, so sehr berührte er sie. Am liebsten hätte sie ihn sofort in ihre Arme genommen und getröstet. Aber noch blieb sie still stehen.

"Ich würde dich jetzt so gerne küssen. Und streicheln und riechen und ..... ach, Belana. Sieh mich doch nicht so an. Ich fühle mich doch sowieso schon wie ein Monster. Beinahe hätte ich es wieder getan."
Jetzt trat Belana doch zu ihm, legte ihre Arme um ihn und zog ihn dicht an sich heran. Ihre Hände streichelten sanft über seinen Rücken.
"Dann tu es doch, Keanu. Küss mich bitte und streichle mich. Jetzt."
Und Keanu küsste sie. Er streichelte, fühlte, roch, hörte, gab und nahm. Für beide war es ein wunderbar intensives Erlebnis und sehr befriedigend.

Danach lag Belana träge in Keanus Arm. Sie hatten die Bettdecke über sich gezogen und streichelten sich immer noch sanft. Ein paar Mal hatte Keanu ihr 'danke' ins Ohr geflüstert und auch das er sie liebte und am liebsten wäre Belana jetzt so eingeschlafen. Aber die Frage nach dem 'Warum', beschäftigte sie doch zu sehr. Daher fragte sie nun leise:
"Keanu?"
"Hm..." brummte er ebenso träge.
"Wieso? Was ist vorgefallen?"
Keanu atmete tief ein und antwortete nicht sofort. Er hatte die Frage befürchtet, und musste seine Gedanken trotzdem erst für sich zusammenfassen. Dann jedoch begann er zu sprechen:
"Ich werde es dir erklären. Nein, erklären ist nicht das richtige Wort. Ich sage es dir. Du wirst es wahrscheinlich nicht nachvollziehen können und brauchst auch nichts zu antworten. Ich verstehe das. Du hast versprochen nachzudenken, und darüber bin ich froh" hier machte er eine kleine Pause.
"Ich glaube der Auslöser war der Garten. Das Haus und der Garten sind so schön. Du liebst die Gartenarbeit und ich kann dir sowas im Moment nicht bieten. Und ich habe gesehen, wie ihr drei miteinander umgeht. Ihr seid so vertraut. Das ist mir damals in NY schon aufgefallen. Damals war mein erster Gedanken, dass sie deine Eltern sein müssten. Und auch heute sind sie mir wieder eher wie Eltern als wie Freunde oder sogar Arbeitgeber vorgekommen. Und dann die Wohnung im Dachgeschoss. Dok und Doro möchten so gerne, dass du dort einziehst. Und du hast geantwortet, dass du sie vielleicht bald haben willst. Das hat mich fertig gemacht. Und dann hast du auch noch zu Doro gesagt, dass du sie lieb hast. Wie kann ich da erwarten, dass du mit mir nach LA kommst? Wie kann ich erwarten, dass du sie zurücklässt für ein unbekanntes Leben mit mir?"

Belana hatte mit geschlossenen Augen, still zugehört. Was sollte sie dazu sagen? Ihre Gedanken wirbelten durcheinander. War sie doch noch zu keinem endgültigen Entschluss gekommen. Sie machte die Augen wieder auf und wollte gerade den Mund öffnen, um zu antworten, da kam ihr Keanu zuvor. Vorsichtig legte er ihr seinen Zeigefinger auf die Lippen und schüttelte den Kopf.
"Sag bitte nichts. Du musst nichts erklären oder dich rechtfertigen, ok? Ich warte deine Entscheidung ab. Und wie immer sie ausfällt, ich werde sie akzeptieren."
Dankbar lächelte Belana Keanu an. Der zog sie wieder fester in seine Arme und begann erneut, sie sanft zu streicheln.
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Beitrag Verfasst am: 09.05.2010, 19:39    Titel:  Benutzer-Profile anzeigen 

Kapitel 79


Eigentlich hätte Keanu müde sein müssen. Sehr müde sogar. Bei dem wenigen Schlaf, den er in der letzten Zeit bekommen hatte, wäre das nur natürlich gewesen. Aber er war es nicht. Er war hellwach und aufgewühlt. Denn heute hatte er etwas geschafft, das er bisher für unmöglich gehalten hatte. So lange hatte er diese Angst vor seinen Gefühlsausbrüchen mit sich herumgetragen. Und heute hatte er durch Belana, und zusammen mit ihr, das Monster in sich besiegt. Endlich war er als Sieger aus diesem Kampf hervorgegangen. Und die Gewissheit, dass er es ab jetzt immer wieder schaffen würde, ließ in ihm ein fast euphorisches Gefühl aufkommen.
Und Belana, die neben ihm lag und seine Liebkosungen immer wieder mit leisen Seufzern belohnte, hielt ihn zusätzlich wach. Auf keinen Fall wollte er jetzt schlafen. Ihre warme, weiche Haut unter seinen Händen zu spüren, war wunderschön. Genauso schön wir ihre Hand, die so sanft über seine Haut streichelte und ihr gleichmäßiger Atem, den er an seiner Brust spüren konnte.

Ganz unbewusst stöhnte auch er leise auf und Belana hielt kurz inne. Dann streichelte sie weiter. Erst noch genau wie bisher, aber langsam veränderten sich ihre Bewegungen. Sie waren jetzt nicht mehr so leicht, sondern wurden etwas fester und auch ihr Atem ging schneller. Keanu kannte diese Signale und ein Schauer lief durch seinen Körper.
Als Belana dann auch noch mit leiser, tiefer Stimme
"Keanu?" fragte,
stöhnte er wieder auf und ein bekanntes Ziehen in seinen Lenden zeigte ihm, dass auch er für diese Nacht noch nicht genug hatte.
Statt einer Antwort rollte er sich auf seinen Rücken und zog Belana mit sich, so dass sie auf ihm lag. Ein erschrockenes "Uhhh..." von Belana ging sofort in ein Kichern über, verstummte aber augenblicklich, als Keanu seine Lippen auf ihre legte und sie leidenschaftlich küsste.

Am nächsten Morgen schliefen sie sehr lange. Das Poltern und die laute Musik des Nachbarn störten sie diesmal überhaupt nicht. Sie hörten es nicht einmal. Und es war schon fast Mittag als Keanu verschlafen die Augen aufschlug. Immer noch hielt er Belana im Arm und lauschte einen Moment ihrem gleichmäßigen Atem. Dann jedoch musste er sich von ihr lösen. Er musste dringend auf die Toilette und vorsichtig versuchte er, seinen Arm unter ihrem Kopf herauszuziehen. Belana brummte zwar einmal kurz auf und Keanu befürchtete schon, sie würde aufwachen, aber sie schlief dann doch ruhig weiter und er schob sich an den Rand des Bettes und stand auf. Nachdem er im Bad fertig war, ging er in die Küche und kochte Kaffee. Mit zwei ziemlich vollen Bechern in der Hand, ging er langsam ins Schlafzimmer zurück. Um nichts zu verschütten, hatte er seinen Blick auf die Becher gesenkt und grinste dabei.
"Warum grinst du von einem Ohr zum anderen?" wurde er fröhlich von Belana begrüßt.
Sie hatte sich aufgesetzt und blickte ihm entgegen.
"Ich freue mich nur darüber, dass wir wieder zusammen Kaffee im Bett trinken werden. Das ist absolut herrlich."
"Das finde ich auch" stimmte Belana sofort zu, und nahm Keanu die Tassen aus der Hand, so dass er sich gemütlich neben sie setzen konnte.
"Heute ist die Party bei Lisa. Wann fahren wir hin?" wollte Keanu nun wissen.
"Um sechs möchte ich gern da sein. Ich dachte, dass ich ihr noch helfen den Rest vorzubereiten. Um sieben kommen die anderen Gäste."
Belana lachte. "Lea kann es bestimmt kaum erwarten, bis du endlich kommst. Sie hat nämlich einen Narren an dir gefressen."
"Das ist schön. Sie ist wirklich süß."
"Ja, das ist sie."

Der Nachmittag verging für Belana wie im Fluge. Als sie den Kaffee getrunken hatten, blieben sie noch etwas im Bett liegen und kuschelten miteinander. Nachdem sie dann aufgestanden waren und gefrühstückt hatten, war Belana im Bad verschwunden, um es sauber zu machen. Keanu hatte es sich nicht nehmen lassen, ihr zu helfen und hatte daher die Wohnung gesaugt. Danach hatten sie einen langen Spaziergang gemacht und als sie wieder in die Wohnung zurückkamen, wurde es Zeit zu duschen, und dann aufzubrechen. Keanu stand schon in Jacke im Flur, als Belana mit ihrer Gitarre in der Hand aus dem Wohnzimmer kam.
"Wofür brauchst du die? Willst du spielen und singen?" fragte Keanu hoffnungsvoll.
"Lisa und ich haben als Überraschung ein Geburtstagslied einstudiert. Sie wird singen. Du wirst sehen."
Keanu nickte verstehend und zusammen verließen sie die Wohnung.

Sie wurden auch bereits erwartet. Und nachdem sie Lisa gratuliert hatten, nahm Lea Keanu tatsächlich gleich in Beschlag. Die beiden verschwanden in Leas Zimmer und Belana folgte Lisa in die Küche. So viel war nicht mehr vorzubereiten, und sie konnten sich Zeit lassen. Als dann kurz vor sieben Lea zu ihnen in die Küche kam, fragte Belana:
"Wo hast du Keanu gelassen, Lea?"
"Der ist jetzt grade mit Papa in die Garage gegangen. Das Motorrad ansehen. Das ist doch blöd und langweilig."
"Für Papa und Keanu nicht, Lea" wies Lisa ihre Tochter zurecht. "Würdest du bitte noch diesen Salat auf den Tisch stellen" fügte sie noch hinzu, um ihre Tochter abzulenken.
Aber das hätte sie gar nicht tun brauchen, denn in diesem Moment klingelte es an der Tür.
Innerhalb weniger Minuten trafen alle Gäste ein und das Wohnzimmer füllte sich. Da alle sich gut kannten, war die Stimmung sofort super und alles redete im Wohnzimmer fröhlich durcheinander. Nur Tim und Keanu ließen sich nicht blicken und daher schickte Lisa Lea in die Garage.

Auch Belana hatte alle begrüßt und dann noch einige Schüsseln aus der Küche ins Wohnzimmer getragen und auf den gedeckten Tisch gestellt. Gerade kam sie mit der letzten Platte herein, als Birgit sich zu ihr umdrehte und sie laut ansprach:
"Oh, Belana. Vielleicht solltest du das lieber jemandem überlassen, der da was von versteht. Nicht, dass du uns auch noch vollkleckerst, wie du es neulich auf dem Geburtstagsempfang gemacht hast. Hat man dich schon entlassen. Bestimmt. Und das geschieht dir recht. Sowas geht ja auch nicht. Den Gästen absichtlich Wein über den Anzug schütten."
Alle hatten nun aufgehört, sich zu unterhalten und sahen Belana an. Birgit blickte in die Runde. Sie war stolz darüber, Belana endlich mal wieder eins auswischen zu können. Denn so wie alle guckten, hatten sie scheinbar noch nichts von dieser Geschichte gehört. Belana aber sah Birgit an und zuckte nur die Schultern. Sie hatte es gar nicht nötig, sich hier für irgendetwas zu rechtfertigen. Schon gar nicht vor Birgit und sie wollte gerade weiter auf den Tisch zugehen, als sich von hinten ein Arm um ihre Hüfte legte.

Belana hörte, wie jemand nach Luft schnappte und sah wieder hoch und noch einmal direkt in das Gesicht von Birgit. Diese stand mit offenem Mund da und starrte Keanu an. Tim, der mit Keanu zur Tür hereingekommen war, nahm Belana die Platte aus der Hand und brachte sie zum Tisch.
"Hallo Leute. Schön, dass ihr alle da seid" sagte er dann. "Darf ich euch Keanu vorstellen."
"Neo! Wow" meinte Lars und machte einen Schritt auf Keanu zu, um ihn zu begrüßen.
Auch die anderen stellten sich jetzt vor und Keanu schüttelte alle Hände, ließ aber Belana nicht eine Sekunde los. Und auch sie hatte einen Arm um ihn gelegt. Alle, bis auf zwei, kannten Keanu und diese beiden wurden schnell aufgeklärt. Im Wohnzimmer war es wieder genauso laut wie vorher. Alle redeten durcheinander. Nur leider verstand Keanu kein Wort davon, denn es wurde deutsch gesprochen. Nur Birgit stand stocksteif im Raum und rührte sich nicht. Erst als Frank, ihr Freund, sie anstieß, gab sie Keanu ebenfalls die Hand, brachte aber keinen Ton heraus. Belana betrachtete sie und konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen. Und um es noch ein bisschen mehr auszukosten, gab sie Keanu einen Kuss auf die Wange. Sofort wandte er ihr sein Gesicht zu, und küsste sie ebenfalls. Aber diesmal auf den Mund. Und als er sich wieder von ihr löste, sah er ihr noch einen Moment in die Augen und lächelte. Dieser kurze Moment hatte ausgereicht, um Belanas Herz zum Flattern zu bringen. Und noch etwas anderes fühlte sie. Etwas, dass sie noch niemals gefühlt hatte. Gewissheit. Gewissheit darüber, dass Keanu sie liebte. Und Stolz. Ja, sie war tatsächlich stolz auf diesen großen, starken Mann und darauf, ihn an ihrer Seite zu haben, und sich auf ihn verlassen zu können.

Lea hatte sich das alles ungeduldig angesehen, und zog nun schon zum zweiten Mal an Belanas Ärmel.
"Wollen wir jetzt?" fragte sie und sah Belana bittend an.
"Natürlich mein Schatz. Warte, ich hole die Gitarre" antwortete Belana und ließ Keanu nun doch los und ging in den Flur. Als sie zurückkehrte, bat Lea gerade alle, sich doch endlich hinzusetzen. Nachdem jeder einen Platz gefunden hatten, stellte sie einen Stuhl in die Mitte des Raumes und Belana setzte sich darauf. Lea stellte sich daneben und als Belana die ersten Akkorde spielte, begann sie, das Geburtstagslied für ihre Mutter zu singen. Lisa saß auf dem Schoß ihres Mannes und sah ihre Tochter staunend an. Als das Lied zuende war, rollte eine Träne über ihre Wange und sie stand schnell auf und nahm Lea in ihre Arme, um sich zu bedanken. Alle anderen klatschten Beifall und Lea war unglaublich stolz und verbeugte sich sogar.

Danach nahmen sie am Esstisch platz und begannen zu essen. Birgit saß genau gegenüber von Keanu und blickte ihn fast die ganze Zeit an. Essen tat sie kaum etwas. Der Schreck, schien ihr den Appetit verdorben zu haben. Alle anderen aber, langten kräftig zu. Doch auch sie interessierten sich sehr für Keanu und stellten ihm und Belana viele Fragen. Wann hatte man schon mal einen Hollywood-Star am Tisch sitzen. Nicht alle sprachen gutes Englisch, aber dann half Belana aus und übersetzte.
"Wo habt ihr euch eigentlich kennengelernt, Belana?" wollte Kerstin jetzt wissen. Sie sprach englisch.
"In New York. Als ich im Frühjahr dort war."
"Aha. Und da seid ihr euch einfach so über den Weg gelaufen? Oder wie soll ich mir das vorstellen?"
"Das kann man fast so sagen. Wir sind zusammen im Fahrstuhl stecken geblieben. Und danach haben wir uns wiedergesehen und viel zusammen unternommen. Und in LA war ich später auch."
"Wow. Wer hätte das gedacht. Unsere zurückhaltende Belana angelt sich mal eben einen amerikanischen Schauspieler. Ich finde das super" stellte Kerstin nun fest.
"Tja, ich habs immer gewusst, dass sie was besonderes braucht. Till Schweiger hat sie in LA auch kennengelernt" meinte Lisa.
"Nein" ... "Wirklich?" ...."Erzähl" kam es von mehreren Seiten.
Aber nicht Belana antwortete, sondern Lisa sprach weiter.
"Er hat sie sogar hier angerufen, um sich mit ihr zu treffen."
"Till hat dich angerufen?" wollte Keanu nun wissen.
Belana nickte und blickte ihn an. Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah Keanu sie ebenfalls an.
"Ja, du selbst hast ihm doch erzählt wo ich wohne."
"Und? War es schön?" fragte Keanu noch ziemlich kurz.
Das Fragezeichen auf seiner Stirn, war nicht zu übersehen.
"Ich habe mich nett mit ihm unterhalten, ja" antwortete Belana und schaute ihm herausfordernd in die Augen. Keanu starrte zurück.
"Ja, am Telefon, Belana. Aber ich werde in drei kalten Wintern nicht verstehen, warum du dich nicht mit ihm treffen wolltest" meinte Lisa und schüttelte den Kopf. "Ich hätte mich sofort mit ihm getroffen."
"Du hast ihn nicht gesehen. Nur telefoniert?" fragte Keanu leise.
"Ja, Keanu. Was dachtest du denn, bitteschön?" wollte Belana ebenso leise von ihm wissen.
"Oh" war alles was Keanu antwortete.

"Du hast dich wirklich nicht mit ihm getroffen, Belana?" fragte nun auch Iris. "Hach, ich hätte dich gern begleitet. Till wollte ich schon immer mal kennenlernen. Nächstes Mal denkst du an mich, ja?"
Belana grinste sie an und versprach es ihr.
"Ach" meinte nun Birgit, die sich bisher fast gar nicht an der Unterhaltung beteiligt hatte, und blickte Keanu verführerisch an. "Wer interessiert sich denn für Till Schweiger. Wo Belana doch mit dir befreundet ist, können wir dich doch bestimmt mal in LA besuchen, oder?"
"Freunde von Belana sind mir jederzeit willkommen" antwortete Keanu ihr. Wobei er das Wort 'Freunde' stark betonte. Und Kerstin verstand sofort und senkte verlegen ihren Blick.
Belana aber sah Keanu noch eine Weile von der Seite an. Die leichte Wut, die sie eben verspürt hatte, war weg. Statt dessen war sie nun sehr nachdenlkich geworden.

Jetzt wandten sich alle allgemeineren Gesprächsthemen zu, und es wurde herumgealbert und viel gelacht. Nach dem Essen packte jeder mit an und schnell war das Geschirr abgeräumt. Danach suchten sie sich einen Platz auf den gemütlichen Sofas und Sesseln und Lisa stellte Knabberzeug dazu. Belana nutzte diese allgemeine Unruhe und schlüpfte aus der Küchentür und lief in den dunklen Garten. Ganz am Ende blieb sie vor einem blühenden Rosenstrauch stehen und atmete, tief in Gedanken versunken, die kühle Abendluft ein.

Sie hatte dort bereits einige Minuten still gestanden, als sich leise Schritte näherten. Belana musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass es Keanu war. Sie fühlte es einfach. Jetzt hatte er sie erreicht und stellte sich stumm neben sie. Er berührte oder umarmte sie nicht, sondern stand einfach da. Aber dann, begann er doch zu sprechen:
"Es tut mir leid, Belana. Ich hätte vorhin nicht so reagieren dürfen. Das war falsch."
"Hm..."
"Weißt du, der Gedanke, dass du dich mit anderen Männern triffst, macht mich eifersüchtig. Ich habe kein Recht dazu, entschuldige."
"Hm..." machte Belana wieder. "Du hast das Recht dazu. Aber keinen Grund."
Und dann:
"Keanu? Dein Haus......." und wieder verstummte sie.
"Was ist damit?" wollte Keanu wissen. "Belana, ich kann es jederzeit verkaufen."
"Was? Nein...." meinte sie erschrocken, drehte sich zu Keanu um und sah ihm in die Augen.
"Du hast gesagt, dass du mich liebst, Keanu."
"Ja, das tue ich."
"Dann nimm mich bitte mit. Lass mich nicht alleine hier."
Keanu langte mit beiden Händen nach vorn und ergriff Belanas Hände.
"Belana" stöhnte er. "Wirklich?"
"Ja, Keanu. Ich liebe dich auch. Das habe ich von Anfang an. Ich habe mich nur nicht getraut, es dir zu sagen. Aber ich bin mir absolut sicher. Ich liebe dich. Und ich möchte nicht hier bleiben. Bitte bring mich endlich nach Hause in dein Haus."
Noch einmal seufzte Keanu, dann zog er sie fest in seine Arme und hielt sie fest.
"Das ist doch alles, was ich möchte, Belana. Ich liebe dich so sehr."
Lange standen sie so dicht aneinander gedrückt dar und bewegten sich nicht. Sie genossen die Nähe des Anderen und versuchten, diesen Augenblick festzuhalten.

Bis sie Lisa laut ihre Namen rufen hörten. Aber auch dann rührten sie sich noch nicht. Erst als Lisa ganz dicht war, lösten sie sich widerwillig etwas voneinander und sahen Lisa entgegen.
"Belena? .... Ach, da seid ihr ja. ... Oh ... Entschuldigung. Ich wollte nicht stören. ... Äh .... Aber wir ... äh ... sind auf die idee gekommen, dass du vielleicht auf deiner Gitarre spielen und dazu singen könntest. Hast du Lust?" stotterte Lisa verlegen.
Belana nickte sofort.
"Gerne, Lisa. Aber gib uns noch ein paar Minuten, ok? Wir kommen dann."
"Ja....ja, klar. Hm... bis gleich" und weg war sie wieder.

Keanu und Belana sahen sich wieder an Belana hauchte ihm einen zarten Kuss auf den Mund.
"Wie kommst du nur auf die Idee, dass du dein Haus verkaufen könntest, Keanu? Bitte versprich mir, dass du das nicht tust."
"Das verspreche ich dir gerne. Ich mag mein Haus nämlich sehr. Aber ich dachte, weil es doch keinen Garten hat."
"Ach so. Na ja, ich könnte mich ja vielleicht ein bisschen um dieses kleine Fleckchen mittendrin kümmern."
"Gute Idee" stimmte Keanu zu und jetzt war er es, der Belana küsste.
Erst nur ganz sanft und leicht, doch dann immer leidenschaftlicher. Belana wurde sofort mitgerissen und erwiderte seinen Kuss. Keanus Hände glitten sehnsüchtig über Belanas Rücken und pressten sie noch etwas fester an sich. Dann aber ließ er sie wieder los.
"Ich glaube, wir sollten jetzt zurückgehen. Hier im Garten ist nicht der richtige Ort. Und wir haben ja jetzt viel Zeit."
"Hach..wenn es sein muss."
"Muss es. Und außerdem, möchte ich dich zu gern singen und spielen hören. Komm" sagte Keanu und ergriff ihre Hand. Zusammen liefen sie zurück.

Zurück bei den anderen, bekam Belana sofort ihre Gitarre in die Hand gedrückt. Sie setzte sich auf das freie Sofa und Keanu fand noch Platz im Sessel daneben. Alle schwiegen und sahen Belana erwartungsvoll an.
"Ja, was soll ich denn jetzt spielen?" fragte sie. Ihre Gedanken waren noch nicht so ganz bei der Sache.
"Baut doch bitte eine Stadt für mich" sagte jetzt Lisa und sah Belana und ihren Mann abwechselnd an. "Als extra Geburtstagsgeschenk."
"Oh nein, Lisa. Bitte nicht. So gut kann ich das nicht" meinte Tim und sah seine Frau flehend an.
Aber Belana lächelte, und begann zu spielen. Also blieb Tim keine Wahl, und er fing an zu singen:

Es ist so viel soviel zu viel.
Überall Reklame.
Zuviel Brot und zuviel Spiel..
Das Glück hat keinen Namen

Alle Straßen sind befahren.
In den Herzen kalte Bilder.
Keiner kann Gedanken lesen.
Das Klima wird milder..



Jetzt sang Belana:

Ich bau ne Stadt für dich.
Aus Glas und Gold und Stein.
Und jede Straße die hinausführt,
führt auch wieder rein.
Ich bau eine Stadt für dich - und für mich.



Und wieder Tim:

Keiner weiß mehr wie er aussieht - oder wie er heißt.
Alle sind hier auf der Flucht - die Tränen sind aus Eis.
Es muss doch auch anders gehen - so geht das nicht weiter.
Wo find ich Halt, wo find ich Schutz - der Himmel ist aus Blei hier.
Ich geb keine Antwort mehr - auf die falschen Fragen.
Die Zeit ist rasend schnell verspielt - und das Glück muss man jagen.



Und zum Schluss noch einmal Belana.

Ich bau ne Stadt für dich.
Aus Glas und Gold und Stein.
Und jede Straße die hinausführt,
führt auch wieder rein.
Ich bau eine Stadt für dich - und für mich.



Lisa klatschte, wie auch die anderen, begeistert in die Hände und umarmte ihren Mann, der das Lob verlegen annahm. Belana aber machte gar nicht erst eine große Pause, sondern spielte gleich das Biene Maja Lied. Jetzt war es Lea, die begeistert in die Hände klatschte und laut mitsang. Und viele andere stimmten ebenfalls ein. Danach sang Belana weiter:

Almost heaven, West Virginia,
Blue Ridge Mountains, Shenandoah River.
Life is old there, older than the trees;
Younger than the mountains, growing like a breeze.



Und beim Refrain stimmten wieder alle mit ein:

Country roads, take me home to the place I belong;
West Virginia, Mountain Mama.
Take me home, country roads.



Die Stimmung war jetzt richtig ausgelassen. Alle jubelten und verlangten mehr. Keanu hatte das letzte Lied ebenfalls mitgesungen. Jetzt aber saß er stumm in seinem Sessel und sah Belana an. Meine Güte, wie er diese Frau liebte. Und sie ihn. Er war so glücklich. Belana merkte nichts davon. Sie überlegte kurz und drehte dann ihre Gitarre um. Mit beiden Händen fing sie an, im Takt darauf zu trommeln. Und dann zu singen:

Hier bin ich gebor`n und laufe durch die Straßen!
Kenn die Gesichter, jedes Haus und jeden Laden!
Ich muss mal weg, kenn jede Taube hier beim Namen.
Daumen raus ich warte auf ne schicke Frau mit schnellem Wagen.
Die Sonne blendet alles fliegt vorbei.
Und die Welt hinter mir wird langsam klein.
Doch die Welt vor mir ist für mich gemacht!
mhm
Ich weiß sie wartet und ich hol sie ab!
Ich hab den Tag auf meiner Seite ich hab Rückenwind!
Ein Frauenchor am Straßenrand der für mich singt!
Ich lehne mich zurück und guck ins tiefe Blau,
schließ die Augen und lauf einfach geradeaus.



Und wieder stimmten alle ein:

Und am Ende der Straße steht ein Haus am See.
Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder meine Frau ist schön.
mmmmh
Alle kommen vorbei ich brauch nie rauszugehen.


Keanu war fasziniert. Er konnte nicht verstehen, was gesungen wurde, aber das Lied gefiel ihm sehr. Belana hatte innerhalb kürzester Zeit mit ihrer Gitarre und ihrer Stimme eine super Stimmung erzeugt und alle mitgerissen. Als Belana nun die Gitarre aus der Hand legen wollte, protestierten alle lautstark und forderten noch ein Lied. Ein letztes, wie sie betonten. Wieder überlegte Belana und schlug dann einige Takte auf der Gitarre. Tim sah sie an.
"Silbermond?" fragte er.
Belana nickte. Sofort beugte sich Tim zu Keanu und sagte leise:
"Das ist ein tolles Lied. Ich werde dir den Text übersetzen, ok?"
Keanu war erstaunt, nickte aber. Und nun begann Belana, wieder zu singen:


Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist,
und alles Gute steht hier still.
Und dass das Wort, das du mir heute gibst,
morgen noch genauso gilt.
Diese Welt ist schnell
und hat verlernt, beständig zu sein.
Denn Versuchungen setzen ihre Frist.
Doch bitte schwör, dass wenn ich wiederkomm,
alles noch beim Alten ist.

Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit,
in einer Welt, in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt.
Gib mir einfach nur 'n bisschen Halt,
und wieg mich einfach nur in Sicherheit.
Hol mich aus dieser schnellen Zeit,
nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.
Gib mir was, irgendwas, das bleibt.

Auch wenn die Welt den Verstand verliert,
das hier bleibt unberührt.
Nichts passiert.

Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit,
in einer Welt in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schnellen Zeit, irgendwas das bleibt.
Gib mir einfach nur 'n bisschen Halt,
und wieg mich einfach nur in Sicherheit.
Hol mich aus dieser schnellen Zeit,
nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.
Gib mir was, irgendwas, das bleibt.


Als Belana fertig war und Tim zuende übersetzt hatte, musste Keanu schlucken. Wow. Wie schaffte es Belana nur immer wieder, ihn mit ihren Liedern so zu berühren. Wie im Haus seiner Mutter, als sie "You raise me up" gesungen hatte. Und diesmal blieb er nicht still sitzten. Das ging gar nicht. Er stand auf, und beugte sich zu Belana herunter und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Lippen.
"Danke" sagte er leise und küsste sie wieder.
Um sie herum wurde geklatscht und gepfiffen. Aber das störte beide nicht. Belana hob eine Hand und strich Keanu sanft über die Wange.
"Bin ich bei dir sicher?" wollte sie nun leise von ihm wissen.
"Ja" war seine einfache Antwort.
Und nach einem weiteren Kuss, setzte er sich wieder hin.

Belana, die einen Moment einen wunderbaren Blick auf seinen Allerwertesten werfen konnte, lachte fröhlich auf. Und fasste ihre Gitarre wieder fester.
"Ok. Ein allerletztes Lied. Weil es so gut passt.

Ich halte die Welt an,
die Zeit steht still.
Du bist das einzige was ich will.
Ich fühl dein Haar,
deine Hand, dein Gesicht,
Es ist eine Seele, die zu mir spricht.

Du bist der Song
der mich durchdringt.
Der mein Herz zum Rasen bringt.
Hast mein Leben auf den Kopf gestellt.
Du hast den schönsten Arsch der Welt.

Arsch der Welt
Arsch der Welt


Als sie geendet hatte, blieben alle still, und fingen dann plötzlich gleichzeitig an zu lachen. Keanu verstand das nicht und wieder war es Tim, der für ihn übersetzte. Als er verstanden hatte, sah er Belana an. 'Na warte' schien sein Blick zu sagen, und Belana zwinkerte ihm unschuldig zu.

Der Abend verlief auch weiterhin sehr fröhlich und es war schon sehr spät, als Belana und Keanu sich verabschiedeten. Keanu war schon auf dem Weg zum Auto, als Lisa Belana an der Hand festhielt und sie in den Arm nahm.
"Du hast dich entschieden, nicht wahr?"
"Ja, ich werde mit ihm gehen, Lisa."
"Ich weiß. Und es ist richtig. Auch wenn es mir sehr schwer fällt, dich gehen zu lassen. Es ist die richtige Entscheidung, Belana" meinte Lisa und ließ ihre Freundin wieder los. "Und jetzt los, er wartet."
Noch einmal lächelten sie sich an, dann lief auch Belana zum Wagen und war kurz darauf verschwunden.

In dieser Nacht unterhielten Keanu und Belana sich noch sehr lange miteinander. Sie sprachen darüber, wie sie sich ihr gemeinsames Leben vorstellten. Darüber, welche Wünsche und Befürchtungen sie hatten. Wie sie es machen wollten, wenn Keanu zu Dreharbeiten reisen musste. Darüber, ob Belana sich eine Arbeit suchen sollte. Über die Schulden, die sie noch hatte. Nichts blieb unausgesprochen. Auch über Belanas Möbel sprachen sie. Und sie kamen zu dem Schluss, dass sie Dok und Doro bitten wollten, ihnen die Wohnung nun doch zur Verfügung zu stellen. Dort würden die Möbel, die Belana nicht mit nach LA nehmen wollte, gut aufgehoben sein und sie hätten immer einen Ort, an dem sie wohnen konnten, wenn sie nach Deutschland kamen. Denn, dass sie oft kommen würden, war beiden klar.

Als sie dann endlich eng aneinandergekuschelt einschliefen, waren sie sehr glücklich. Sie hatten für vieles Lösungen gefunden und alles Weitere würde sich finden. Sie liebten einander. Das war im Moment die Hauptsache und sie freuten sich auf ihr neues Leben. In dem Haus in LA, das von nun an ihr gemeinsames Zuhause sein sollte.


Ende
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Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt. -Mark Twain-
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